POLITIK
Moskau: Die Krenü-Fühixing
ist. bereit, erneut Ober die seit
zehn Jahren wegen der Einbe-
ziehung Berlins blockierten Ab-
kommen über wissenschaftlich-
technische Zusammenarbeit,
Rechtshilfe und . Kulturaus-
tausch zu sprechen. Das hat An-
dro pow auf Drängen Kohls
zugesichert
Das EUXO-
pa-Pariament hat von der
„DDR“ die Abschaffung des
Zwangsumtausches, minde-
stens aber die Rücknahme der
letzten Erhöhung verlangt
KSZE: Die Konferenz über Si-
cherheit und Zusammenarbeit
in Madrid geht kommende Wo-
che doch noch weiter. Die So-
wjetunion erhob in letzter Mi-
nute Einwände gegen das
Schill IMnleimumt.
Israel-Besuch: Bundeskanzler
Kohl wird vom 31. August bis 4.
September Israel besuchen;
Vorgänger Schmidt hatte Einla-
dungen nie Folge geleistet,
Kanglpr Brandt war 1973 in
Israel
Kanzlerreise: Nach heftiger
Kritik der sowjetischen Partei-
presse jetzt auch gemäßigte Tö-
ne. Kohls Besuch sei ein „be-
merkenswertes Beispiel“ für
die Fortsetzung des Ost-West-
Dialogs, kommentiert „So-
wjetskaja Rossija“.
KQdgetnuuv In den USA läuft
die Entwicklung der Midget-
man-InterkontinentalraKete an;
sie soll nur einen Sprengkopf
tragen und am Boden beson-
ders geschützt werden. Kosten:
etwa 170 Milliarden Mark. - Die
US-Luftwaffe hat ein Satelliten-
System für Militärkommunika-
tionen in Auftrag gegeben.
„DDR “-Kredit: Die „DDR“ hat-
te schon bei der sozial-liberalen
Regierung wegen eines Milliar-
denkredits vorgefühlt und Kon-
zessionen beim Mmdestum-
tausch als Gegenleistung in
Aussicht gestellt. Das teilte der
frühere Justizminister Schmu-
de mit.
Kirchentag: Das Thema „Fami-
lie zwischen Kirche und Schu-
te“ steht neben dem Frieden im
Mittelpunkt des bislang größ-
ten Kirchentags in der „DDR“
seit 1954. In Dresden werden
bis Sonntag rund 100 000 Teil-
nehmer erwartet.
Italien: Die Christdemokraten
• haben sich in ihrer ersten Präri-
dfriTwegitgnng naph der Wahl-
niederlage für eine neue Fünf-
Parteien -Koalition mit den So-
zialisten ausgesprochen.
Wochenende: Premierminister
Mauroy reist am Sonntag für
drei Tage nach Ungarn. - Wirt-
schaftsminister Graf Lambs-
dorff zu fünftägigem Besuch in
Japan. - In Wien beginnt Ta-
gung des Weltverbandes der
Psychiatrie ohne UdSSR, Bul-
garien und CSSR.
ZITAT DES TAGES
99 Die Bundesregierung ist
befremdet über diese neue
Maßnahme. Sie entspricht
nicht dem, was in Williams -
burgbesprochen worden ist 99
ftmifawirtohflftHnlnMter Otto Graf'
Lambsdorff Ober die nmütitaniiiclwi
Edeiitahl-fmportrettrikttopaB
FOTO: 3UPP DAR CH IN GER
WIRTSCHAFT
Audi-NSU: Umsatzsprimg von
■€,1 auf sieben MfiTfqrrfgn für
1983 erwartet Im ersten Halb-
jahr 1983 insgesamt 203 250 Au-
tos ausgeliefert, über 20 Prozent
mehr als im Voijahreshälbjahr,
jedoch Rückgang in USA. -Für
das Jahr 390 000 Autoverkaufte
erwartet „Renner4 ist der Audi
100. ‘ - ,
Entwicklungsländer: Die Bun-
desrepublik erzielte 1982 im
Warenhandel 4,2 Milliarden DM
Überschuß nach Defiziten in
den drei, Jahren zuvor. Rück-
gang ah Importen (insgesamt
68,5 Milliarden DM) traf vor al-
lem Opec-Lander (zwölf Pro-
zent).
Japan-Kameras: Absatzsteige-
rung in der Bundesrepublik
1983 um 0,9 Prozent erwartet
nach zweistelligen Zuwachsra-
ten his 1981.
Frankreicb: Expertenkommis-
sion des Planungsnunisteriums
j empfiehlt Drosselung des Kern-
- energie- Aus bans wegen Verrin-
gerung der Energie-Nach-
frage.
Niederlande: Christdemokra-
ten empfehlen 32-Stuaden-Wo-
che bei entsprechender Lohn-
kürzung innerhalb von rieben
Jahren.
Teilkasko: Die Tarife für die
Kraft&hrzeug-Teilkasko-V ersi-
eherang weiden zum 1. April
1985 freigegeben. Erst 1982 war
die Vollkaskoversicherung aus
der Genehmigung spflicht ent-
lassen worden.
Börse: Die Aktienkurse erwie-
sen sich trotz Gewinnmitnah-
men als sehr widerstandsfähig.
Der Rentenmarkt war leichter.
WELT-AkÜcnindex 144,9
(145,3). Dollarmittelkurs 2J1730
(2,5635) Mark. Goldpreis pro
Fleinunze 422,75 (412^5) Dollar.
KULTUR
Heraum Kahm Der US- Zu-
kunftsforsche r, Direktor des
Hudson Institute (New York),
ist mit 61 Jahren gestorben.
Pay-TV: In der Schweiz darf
laut . Beschluß des Bundesrats
privates Fernsehen gegen
Abonnementsgebühren (ohne
Werbung) eingefuhrt werden.
Avignon: Das vierwöchige
Theaterfestival beginnt am
Samstag mit „Les demihres
nouvelles de la peste“ von Ber-
nard Chartreux.
SPORT
Leichtathletik: Bei der Univer- Fechten: Nach dem Unfell des
siade in Edmonton (Kanada) be-
legte die Düsseldorferin Sabine
Everts im Siebenkampf mit
6291 Punkten den zweiten
Platz. Es siegte die Sowjetrus-
sin Jekaterina Smimowa (6350
Punkte).
modernen Fünfkämpfers Mi-
chael 7immprmann beim
Fechttraining wird erneut über
die Sicherheit von Waffen, Mas-
ken und Bekleidung diskutiert
Deutsche Firmen beschäftigen
sich mit der Entwicklung.
AUS ALLER- WELT
Dingen: Die Zunahme der Dro-
gen-Kriminalität macht BKA-
Prasident Boge Sorgen; im er-
sten Halbjahr 1983 wurden 126
giin Heroin beschlagnahmt
(1982: 47 Kilo).
Transplantation: In München
wurde einem Ingenieur aus N ie-
derbayem das Herz eines Öster-
reichers aus Graz eingepflanzt
Es war per Flugzeug nach Bay-
ern gebracht worden.
Mireille Dar«: Die französische
Filmschauspielerin ist bei ei-
nem Autounfell nahe Aosta
schwer verletzt worden.
Wetter: Es bleibt am ganzen
Wochenende warm mit Tempe-
raturen bis 28 Grad; Sonne nur
im Raum Berlin und in Nord-
ost-Niedersachsen.
Außerdem lesen Sie in dieser Ai
Mj.hmww»ii: Die eiskalten Pfar-
rer - Leitartikel über Kirche
und Bundeswehr •' S.Ä
Taiwan: Konfuzius und Com-
puter - Eine Reportage von
Hermann Renner SJS
Tschad: Französische Jagd-
bomber könnten Vormarsch
der Rebellen stoppen S.5
Fernsehen: „Tagebuch eines
Hirtenhundes“ - eine holländi-
sche Famüienserie S.7
Probleme durch Fehlentschei-
. düngen der EG - Wissenschaft-
ler warnen Bonn S*9
Veit Stoß: Zum 450. Todestag
ehrt Nürnberg den Bilder-
schnitzer mit Ausstellung &.13
„Onkel Pfi’s“: Der. Schwamm
kam über Hamburgs Musik-
Mekka S.14
Geistige WELT: Im Winde we-
hen die Abgasfahnen - Neues
über das Waldsterben SJ
Kunstmarkt: Reklameschilder
aus den 30er Jahren- Wiederse-
hen mit Sarotti-Mohr SJ51
Anto-WELT: Sechs neue Ford-
Projekte - Gespräch mit dem
Styling-Chef Uwe Bahnsen SJ83
Moskau bereit, über Verträge
mit Berlin-Klausel zu sprechen
- DER.KOJ
Wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit, Rechtshilfe, Kulturaustausch
BERNT CONRAD, Bonn
Der sowjetische Parteichef Jurij
Andropow und Außenminister An- -
drej Gromyko haben sich auf
Drängen von Bundeskanzler Hel-
mut Kohl bereiterklärt, die ' seit
zehn Jahren an der Einbeziehung
Berlins festgefahrenen deutsch-so-
wjetischen Abkommen über 'wis-
senschaftlich-technische Zusam-
menarbeit, Rechtshilfe und Kultur-
austausch von neuem auf Exper-
tenebene erörtern zu lassen. Dies
gab Staatssekretär Peter Boenisch
gestern in Bonn bekannt
Die Bundesregierung bewertet
die Moskauer Bereitschaft wie von
zuständiger Seite betont wurde, als
ein Indiz dafür, daß die Kreml-
Führung das deutsch-sowjetische
Verhältnis durch die in Aussicht
stehende Nachrüstung langfristig
nicht beeinträchtigen lassen will.
Als weitere Indizien dafür gelten
die nicht an Bedingungen ge-
knüpfte Annahme der Einladung
Andropows nach Bonn und die Ab-
sicht der Sowjetunion, einen Ab-
schluß des Madrider KSZE-Folge-
treffens zu ermöglichen und den
KSZE-Prozeß fortzu setzen.
Ob die geplanten neuen Beratun-
gen über die drei Abkommen aller-
dings zu konkreten Ergebnissen
führen werden, ist nach der Ein-
schätzung von Bonner Experten
zweifelhaft Als Bundeskanzler
Kohl das Thema bei seinem Be-
such in Moskau anschnitt, erwider-
te Andropow zunächst kühl, eine
Einigung über die Texte sei bisher
gescheitert, weil die Bonner Vor-
schläge für eine Einbeziehung
West-Berlins gegen das Vier-Mäch-
te-Abkommen verstießen. Diese
Ansicht vertrat auch Gromyko.
Dennoch lehnten es beide, als Kohl
darauf beharrte, nicht ab, noch ein-
mal über das Abkommen zu disku-
tieren. So wurde es vereinbart
Derartige Absichtserklärungen,
die in Bonn Hoffnungen erweck-
ten, hatte es schon früher mehrfach
gegeben, ohne daß jemals ein Ver-
tragsabschluß zustande kam. Dies
war so nach dem Bonn-Besuch des
damaligen Parteichefs Leo nid
Breschnew 1973, nach der Moskau-
Reise von Bundeskanzler Helmut
Schmidt 1974 und nach spateren
Besuchen hüben und drüben.
1974 brachte der damalige Bun-
Sowjet-Zeitung würdigt Kohls Besuch
^Bemerkenswertes Beispiel für Fortsetzung des Ost-West-Dialogs*4 / Kritik aus Polen
F. H. NEUMANN/DW. Moskau
Die wohlwollende Bewertung
des Kanzler-Besuchs durch die
zentrale Zeitung für die russische
Unionsrepublik „Sowjetskaja Ros-
sija“ läßt die Einschätzung zu, daß
die Visite Helmut Kohls bei der
sowjetischen Führung Eindruck
hinterlassen hat Das Blatt nannte
die deutsch-sowjetischen Gesprä-
che ein „bemerkenswertes Beispiel
für die Fortsetzung des bilateralen
Dialogs von Staaten des Ostens
und des Westens“.
Dieser bislang einzige sowjeti-
sche Pressekommentar erinnert
zwar daran, die von Kohl ge-
führte CDU sowohl den Ostverträ-
gen als auch den KSZE- Verhand-
lungen äußerst kritisch begegnet
war, verweist a ber auf Änderungen
in . der Politik der Union seit dem
Regierungswechsel in Bonn. Die
Zeitung stellt die Erklärung Kohls
in Moskau heraus, daß rieh die
beiderseitigen Beziehungen auf
der Grundlage der Ostverträge ent-
wickeln sollten.
Damit, so „Sowjetskaja Rossija“,
sei zwar über die Bonner Außenpo-
litik nicht alles gesagt, denn man-
ches befinde sich in Widerspruch
dazu. Aber, so fügte der Kommen-
tator verständnisvoll hinzu, der
Weg zu realistischen Einschätzun-
gen könne eben kurvenreich sein.
Der Kanzler und der Bundesau-
ßenminister hätten die Berechen-
barkeit ihrer Politik hervorgeho-
ben, eine wertvolle Eigenschaft,
die das Gegenteil von politischer
Verantwortungslosigkeit und
Abenteurertum sei.
Ausdrücklich erinnerte die russi-
sche Zeitung daiian, daß es nicht
wenige gemeinsame Einschätzun-
gen bei wichtigen Fragen der ge-
genseitigen Beziehungen gegeben
habe. Dies gehe vor allem für die
wirtschaftliche Zusammenarbeit
Für die Vertiefung sei alles Not-
wendige vorhanden.
Politische Beobachter in Moskau
äußerten die Auffassung, die klare
und sehr freimütige Vertretung
deutscher Grundpositionen durch
den Kanzler, sein Eintreten für die
Einheit des deutschen Volkes und
die entschiedene Zurückweisung
des Vorwurfe, daß es in der Bun-
desrepublik Deutschland revan-
chistische Tendenzen gebe, habe
sich offensichtlich auf das Klima
der Begegnungen nicht negativ
ausgewirkt
.. In der polnischen Presse sind die
Äußerungen des Kanzlers zur
deutschen Einheit gestern kritisch
kommentiert worden. Kohl habe
„vergeblich versucht die Existenz
von Fürsprechern einer Revision
der bestehenden Grenzen in der
Bundesrepublik zu leugnen“,
schrieb die Parteizeitung „Trybuna
Ludu“.
Auch in westeuropäischen Blät-
tern wurden die Bemerkungen des
Bundeskanzlers über das Festhal-
ten am Ziel der deutschen Einheit
aufmerksam registriert Der Lon-
doner „Guardian“, der seinen
Kommentar auch mit skeptischen
Untertönen versah, wies darauf
hin, daß die Kanzler Brandt und
Schmidt bei ihren Gesprächen in
Moskau die Wiedervereinigung
nicht erwähnt hätten. Kohl hinge-
gen habe sie gezielt angesprochen.
Der „Guardian“ schloß: „All dies
erinnert uns daran, daß die deut-
sche Frage, die sich durch die gan-
ze moderne europäische Geschich-
te zieht nach wie vor lebendig und
ohne Antwort ist“
Europa-Parlament rügt die „DDR“
Erhöhung des Mmdestumtauschsatzes Jbn schroffen Gegensatz zur KSZE- Akte“
ULRICH LUKE, Straßburg:
Das Europäische Parlament hat
gestern mit eindeutiger Mehrheit
die „DDR“ zur Abschaffung des
Zwangsumtausches aufgefordert
In der nur gegen vier Stimmen der
griechischen und französischen
Kommunisten angenommenen Re-
solution wird zumindest eine
Rücknahme der drastischen Erhö-
hung des Zwangsumtauschsatzes
gefordert Seit dem 13. Oktober
1980 müssen Besucher der „DDR“
und Ost-Berlins 25 DM pro Be-
suchstag bezahlen.
Nach Ansicht der Straßburger
Europa-Parlamentarier handelt es
sich bei den Maßnahmen der
„DDR“ keineswegs um eine inner-
deutsche Angelegenheit. Der
Zwangsumtausch stehe vielmehr
„in schroffem Gegensatz zur
KSZE-Schlußakte von Helsinki“
und behindere „die Entwicklung
von Beziehungen zwischen den
Menschen in Europa“.
Besonderen Wert legt die Resolu-
tion auf die Feststellung, daß der
Zwangsumtausch „Familienange-
hörige, Rentner und Jugendliche,
die Privatbesuche in die ,DDR' un-
ternehmen wollen, besonders hart
trifft“. Für den Fall, daß die „DDR“
die Erhöhung der Umtauschsätze
nicht rückgängig mache, werden
die Regierungen der EG-Mitglied-
staaten aufgefordert, die Frage auf
die Tagesordnung der KSZE-Fol-
gekonferenz in Madrid zu setzen.
Meinung sunterschiede zwischen
den Fraktionen traten in der Straß-
burger Debatte - der ersten über
die innerdeutsche Frage überhaupt
- mit Ausnahme eines griechi-
schen Kommunisten nicht zutage.
Die Initiative zur Behandlung des
Themas Zwangsumtausch war
zwei Tage nach der Erhöhung des
Satzes im Oktober 1980 von den
beiden Berliner Christdemokraten
Gero Pfennig und Rudolf Luster
ausgegangen. Der Berichterstatter
des Parlaments, der niederländi-
sche Sozialist Johann van Minnen,
hatte danach monatelang vergeb-
lich versucht, von den „DDR“ -Be-
hörden Gesprächstermine zur Vor-
bereitung seines Berichtes zu er-
halten. Ein entsprechender Brief
des Vorsitzenden des politischen
Ausschusses, Mariano Rumor, an
den „DDR“ -Staatsratsv o rsitzen-
den Erich Honecker blieb bis heute
unbeantwortet
Van Minnen, der als Geste gegen-
über der Bundesrepublik in sei-
nem Debattenbeltrag deutsch
sprach, kommentierte dieses Vor-
gehen so: „Wenn wir schon von der
DDR totgeschwiegen werden, dür-
fen wir nicht schweigen.“ Mit
Nachdruck verteidigte van Minnen
das Recht des Parlaments, zur
Zwangsumtauschfrage Stellung zu
nehmen: „Es kann nicht länger die
Rede davon sein, Europa mische
rieh in etwas ein, aus dem es sich
besser heraushielte. Hier steht an,
daß sich die Gemeinschaft der Ver-
antwortungslosigkeit und der Feig-
heit bezichtigen lassen müßte,
würde sie sich um die Behandlung
des erhöhten Zwangsumtausches
drücken.“
Der niederländische Berichter-
statter schloß seine Rede mit dem
Satz: „Es wäre ein schöner Tag für
Europa, sollte es sich zeigen, daß
das Europäische Parlament dazu
beigetragen hat, diese Grenze
durch Europa durchlässiger zu
machen.“
' Für die Christdemokraten nann-
te Otto von Habsburg „die Manipu-
lation mit dem Zwangsumtausch“
einen „krassen Beweis des Zynis-
mus und des Bruches des Geistes
gegebener Versprechen". Ost-Ber-
lin wolle vor allem die Freizügig-
keit der wirtschaftlich schwäch-
sten Menschen behindern; denn in
den „ärmeren Schichten tritt der
Unterschied zwischen Ost und
West am klarsten zutage“.
Im Namen der deutschen Sozial-
demokraten bedankte sich der Ber-
liner Abgeordnete Helmut Siegler-
schmidt bei den Parlamentariern
aus den anderen EG -Staaten dafür,
„daß sie ihren deutschen Kollegen
Solidarität zeigen“. Die liberale
deutsche Abgeordnete Mechthild
von Ale man sprach von einer „zu-
sätzlichen Grenze“, die mit dem
Zwangsumtausch geschaffen wor-
den sei. Dieses „Eintrittsgeld“ po-
tenziere „die Unsinnigkeit der frei-
heitsraubenden Schikanen wie
Mauer, Stacheldraht und Reisever-
bot für die Menschen der DDR".
Israel weint dem Schuf nicht nach
PETER M. RANKE, Beirut
Hat der Abzug der Israelis aus
den Bergen um Beirut schon be-
gonnen? „Nein“, sagte Presse-Offi-
zier Major Weinraub „Sicher ist
aber, daß wir uns bald von hier
zurückziehen werden. Mir tut der
Abschied von Beirut nicht leid,
denn wir hatten keine Erlaubnis
mehr, hinunter in die Stadt zu fah-
ren“, sagt der Soldat
Nur ein kleiner Teil der alten
Saida-Straße im Osten Beiruts und
das Gebiet südöstlich von Baäbda
wird noch von israelischen Pa-
trouillen kontrolliert. Dort begin-
nen bereits die Berge des Schuf.
Kein israelischer Soldat wird die-
sem Gebirge mit seinen verfeinde-
ten Drusen- und Christen-Dorfem
nach weinen. Die hohen Verluste
dort und die schwierige Aufgabe
des Friedensstiftens bereiteten den
Israelis ständig Sorgen.
„So ein Abzug auf eine neue Li-
nie im Süden, erst bei Damur, dann
am Awali-Fluß vor Sidon, hat Vor-
und Nachteile“, meint Weinraub.
Ein Vorteil für die Israelis sind
neben der Aufgabe des Schuf, in
den über 2000 Franzosen und die
neue libanesische Armee nachrük-
ken sollen, die kürzeren Patrouil-
len-Wege und damit die Einspa-
rung von Kräften.
Ein wichtiger Nachteil für Israel
ist, daß die Kontrolle über die Da-
maskus-Straße aufgegeben werden
muß. Die syrischen Truppen ste-
hen nur wenige hundert Meter
nördlich der Straße. Ob die multi-
nationale Friedenstruppe_ den Zu-
gang nach Beirut so effizient kon-
trollieren wird wie die Israelis, ist
fraglich.
In der Bekaa-Hochebene, wo
sich israelische und syrische Sol-
daten manchmal nur wenige hun-
dert Meter gegenüberliegen, wird
es keinen israelischen Abzug ge-
ben. Jerusalem will den Druck auf
Damaskus aufrechterhalten, das in
Reichweite seiner Artillerie liegt
Vor allem aber bleiben die israeli-
schen Abhör- und Radar-Stationen
auf dem Barukh-Berg am westli-
chen Rand der Bekaa erhalten.
Von dort aus kann man elektro-
nisch bis weit nach Syrien, Saudi-
Arabien und Irak „sehen“. Den Sy-
rern dagegen bleibt die Möglich-
keit, Israel hier jederzeit in einen
Abnutzungskrieg ziehen zu kön-
nen.
Israel will bei allen Rückzugs-
problemen eng mit Libanon und
den USA Zusammenarbeiten. Da-
bei sind sich alle in einem Punkt
einig; Der israelische Abzug ist die
erste große Bewährungsprobe für
die neue libanesische Truppe, die
nun Emst machen muß mit dem
Schwur, keine Terroristen nach-
rücken zu lassen.
Was Mort aus
ULRICH LUKE
desminister Egon Bahr von Ge-
sprächen in Moskau Textformulie-
rungen über die Einbeziehung Ber-
lins mit die dem sowjetischen
Rechtsstandpunkt soweit entge-
genkamen, daß Sachkenner eine
Unterminierung der Bindungen
West-Berlins an den Bund und der
Außenvertretung der Stadt be-
fürchteten. Es gab Widerstand im
Bundestag, im Auswärtigen Amt
und in der Regierung. Schließlich
legte das neugebildete Kabinett
Schmidt/Genscher die Protokoll-
Notiz zu den Akten.
Daß alle Bemühungen, Bewoh-
ner und Institutionen West-Berlins
an der wissenschaftlich-techni-
schen Zusammenarbeit und am
Kulturaustausch zu beteiligen und
die Stadt in die Rechtshilfe einzu-
beziehen, bisher gescheitert sind,
wird von Bonner Diplomaten dar-
auf zurückgeführt, daß es sich für
Moskau hier um grundsätzliche
Fragen der „Berlin-Theologie“
handele. Dabei wäre beispielswei-
se eine Lösung der Frage des Kul-
turaustauschs technisch ziemlich
schnell zu erreichen - wenn Mos-
kaus Ampeln nicht weiter auf Rot
stünden.
Einen entscheidenden
Beitrag zu seiner eigenen
Glaubwürdigkeit hat ge-
stern das Europäische Par-
lament in Straßburg gelei-
stet, indem es Solidarität
mit dem einzigen Mitglied-
staat der Gemeinschaft be-
wies, dessen Bevölkerung in
Teilung leben muß, mit
Deutschland Mit überwälti-
gender Mehrheit forderten
die Europa-Parlamentarier
Ost-Berlin auf, den Zwangs-
umtausch abzuschaffen.
Das war mehr als eine Ge-
ste; denn das hat den ver-
meintlich deutsch-deut-
schen Problemen die richti-
ge, nämlich die europäische
Dimension gegeben.
Spätestens seit ihrer Di-
rektwahl im Jahre 1979 ver-
stehen sich die Straßburger
Abgeordneten auch als An-
walt der Menschenrechte.
Es ist daher nur folgerichtig,
daß sie nicht nur Verletzun-
gen der Menschenrechte ir-
gendwo auf der Welt gei-
ßeln, sondern sie „vor der
eigenen Tür kehren“, wie es
einer der Abgeordneten ge-
stern ausdrückte. So wird
das humanitäre Engage-
ment der Europa-Parlamen-
tarier glaubwürdig.
Der Zwangsumtausch ist
eins der vielen Mittel, mit
denen die „DDR“ Freizügig-
keit unterbindet Das aber
stellt einen klaren Verstoß
gegen die KSZE-Schlußak-
Kohl reist
Ende August
nach Israel
MANFRED SCHELL, Bonn
Bundeskanzler Helmut Kohl wird
Israel vom 31. August bis zum 4.
September einen offiziellen Besuch
abstatten. Dieser Termin wurde
jetzt zwischen beiden Regierungen
endgültig vereinbart Seit der Visite
von Willy Brandt im Juni 1973 wird
Kohl somit wieder der erste deut-
sche Regierungschef sein, der Israel
besucht Sein Amtsvorgänger Hel-
mut Schmidt war von der israeli-
schen Regierung zwar wiederholt
eingeladen worden, hatte aber auf
die Elmladung nicht reagiert
In Israel wird der Bundeskanzler
mehrfach zu Gesprächen mit Mini-
sterpräsident Menachem Begin Zu-
sammentreffen. Auch ein Empfang
beim israelischen Staatspräsiden-
ten Chaim Herzog ist vorgesehen.
Es gilt als sicher, daß Kohl nach
Aufenthalten in Tel Aviv und Jeru-
salem weitere Teile des Iiandes be-
sichtigen wird.
Bei dem Besuch des Bundeskanz-
lers dürfte die Bonner Rüstungsex-
portpolitik gegenüber arabischen
Ländern eine besondere Rolle spie-
len. Konkret geht es um die auf die
Bundesregierung zukommende
Entscheidung, ob Saudi-Arabien
den modernen Kampfpanzer Leo-
pard 2 bekommen soll. In Regie-
rungskreisen hieß es, in Gesprä-
chen mit Israel solle ausgelotet wer-
den, ob man eine Übereinkunft in
Form von Kompensationsgeschäf-
ten erzielen könne. Es gibt aller-
dings Stimmen aus Israel, die signa-
lisieren, daß es rieh keinesfalls mit
deutschen Panzerlieferungen an
Saudi-Arabien abfmden könne.
In diesem Zusammenhang war
es zu Pfingsten in Ludwigshafen
zu einem zunächst geheiragehal te-
ilen Treffen zwischen Bundeskanz-
ler Kohl und Saudi-Arabiens Ver-
teidigungsminister Prinz Sultan
gekommen.
te von Helsinki dar. Das
Straßburger Parlament be-
zieht aus diesem Sachver-
halt die Legitimation, die-
sen Verstoß an den Pranger
zu stellen. Ja, es fühlt sich
zu diesem Schritt sogar ver-
pflichtet.
Erich Honecker wird sich
von dem Appell der Europä-
er kaum beeindruckt zeigen,
so wie er schon jeden briefli-
chen Kontaktwunsch der
Abgeordneten unbeantwor-
tet ließ. Aber darum geht es
nicht. Taktische Überlegun-
gen, mit welchen Resolutio-
nen welche Wirkung beim
Kritisieren ausgelöst wer-
den könnte, sind daher in
Straßburg zu Recht in den
Hintergrund getreten.
Von Bedeutung ist viel-
mehr, daß die Europa-
Parlamentarier eine klare
Sprache gesprochen haben.
Das wird von den Menschen
jenseits des Eisernen Vor-
hangs verstanden. Diese Re-
solution des Parlaments,
das wissen die Abgeordne-
ten aus vorliegenden Erfah-
rungen, wird dort mit höch-
ster Aufmerksamkeit und
mit Genugtuung registriert
werden. Sie ist Ermutigung.
Überdies hat die Straßbur-
ger Debatte eine weitere
wichtige Wirkung: Sie
stärkt auch die Aufmerk-
samkeit der Abgeordneten
aus den anderen EG-Staaten
für die deutsche Frage.
Lufthansa will
Großkunden
Rabatt gewähren
JOACHIM WEBER, Frankfurt
Nach den Gelegenheitsfliegem,
den Junioren und den Senioren
will die Deutsche Lufthansa nun
auch die Gruppe ihrer „Großab-
nehmer“ beglücken. Vorausge-
setzt, daß das Bundesverkehrsmi-
nisterium sein placet gibt, sollen
Großkunden vom 1. September an
ihre Flugtickets mit einem Rabatt
von 20 Prozent kaufen können.
Allerdings nur für Inlandsflüge:
Beim „grenzüberschreitenden
Luftverkehr“ ist auch die Lufthan-
sa fest in die internationalen Tarif-
vereinbarungen (LATA) eingebun-
den, die keine Rabatt-,, Seiten-
sprünge“ erlauben.
Wer den neuen Tarif nutzen will,
muß auch zunächst einmal tief in
die Tasche greifen. Firmen zahlen
für die Ermäßigungs-Karte, mit
der das Großkunden-Abonnement
erworben wird, 9000 Mark im Jahr.
Ihre Karte ist nicht personenge-
bunden. Die persönliche „Sparkar-
te“ für einzelne Vielflieger kostet
3500 Mark. Beide Karten sind so-
wohl beim Kauf des Tickets als
auch beim Einchecken vorzuJegen.
Eine Untergrenze in bezug auf
Kilometer oder Umsatz wird es
nicht geben. Sie ist auch nicht nö-
tig: Der Kauf der Rabatt-Karten
lohnt sich ohnehin erst von einem
jährlichen Brutto-Volumen von
45 000 Mark für Firmen oder von
17 500 Mark für Einzelreisende.
Als Zielgruppen hat die Lufthan-
sa etwa 500 Großkunden und 30*30
Einzelkunden im Auge. Geschäfts-
erwartung: 200 Finnen kaufen ins-
gesamt 340 Karten zu 9000 Mark,
1000 Einzelkunden investieren je
3500 Mark. Mit dem neuen Tarif
will die Lufthansa dem Kosten-
druck bei den Unternehmen entge-
genwirken, derschon zu spürbaren
Einsparungen bei den Flugbu-
chungen geführt hat.
■ r Anzetge
AUF DER ERSTEN SEITE
Ihres Terminkalenders sollten 4 Daten stehen:
jeweils der 10. der Monate März, Juni, September und Dezember.
Nicht, um Sie daran zu erinnern,
daß Sie den letzten Termin wieder nicht wahrgenommen haben -
wie Sie ja eigentlich wollten und sollten
sondern um den nächstmöglichen Termin zu nutzen,
aus Steuermitteln Wohnungseigentum zu bilden;
die zeitgemäße Form der Vermögensbildung durch das
URANIA-ERWERBERMODELL
mit attraktiven Objekten in den bevorzugten Stadtteilen Hamburgs :
Uhlenhorst, Eppendorf, Winterhude, Rotherbaum u. a.
Fordern Sie bitte ausführliche Unterlagen an.
Gmndstüctegesellschaft mbH, Pal mailte 75, 2 Hambg. 50
Telefon 040/ 389 51 13
G
MEINUNGEN
DIE WELT - Nr. 157 - Samstag, 9. Juli 1983
DIE m WELT
UNABHÄNGIGE TAGESZEITUNG FÜR DEUTSCHLAND
KSZE: Immerhin etwas
Von Berat Conrad
Nach einem oftmals quälenden, fast dreijährigen Hin-
dernisrennen haben die Delegierten des Madrider
KSZE-Folgetreffens jetzt die letzte größere Hürde auf
dem Weg zu einem allseits akzeptablen Schlußdoku-
ment genommen. Dem Westen wurde das dringend
erwünschte Experlentreffen für menschliche Kontakte
zugestanden — allerdings mit der von Moskau durchge-
setzten Einschränkung, daß es nicht im eigentlichen
Kommunique-Text, sondern in einer Zusatzerklärung
angekündigt wird.
Diesem Kompromiß müssen noch die Regierungen
der 35 Teilnehmerstaaten zustimmen. Bei den Amerika-
nern scheint das nicht ganz sicher zu sein. Politisch
weniger erheblich ist der Eigensinn, mit dem der malte-
sische Regierungschef Dom Mintoff wieder einmal in
letzter Minute die Konferenz durch Sonderforderungen
aufzuhalten sucht.
Jedenfalls zeichnet sich nunmehr ein Schlußdoku-
ment ab, das zwar bei weitem nicht alle westlichen
Vorstellungen erfüllt, immerhin aber einige konkrete
Fortschritte im humanitären Bereich bringt. Mag auch
vieles davon, wie bei früheren KSZE-Texten, nur auf
dem Papier stehen, so erhält der Westen doch die
Möglichkeit, die Sowjets und ihre Satelliten immer
wieder darauf festzunageln. Dazu kann auch das in
Madrid - neben der Tagung für menschliche Kontakte -
vereinbarte Expertentreffen für Menschenrechte beitra-
gen.
Darüber hinaus bietet die für Januar vorgesehene
europäische Abrüstungskonferenz und eine für Mitte
Oktober ins Auge gefaßte Vorkonferenz die Chance, das
im Zusammenhang mit der westlichen Nachrüstung
erwartete heiße Herbstklima politisch etwas zu mildem.
Das sind - gemessen an den hochfliegenden Hoffnungen
vergangener Jahre - gewiß nur bescheidene Ergebnisse.
Aber wer hätte realistischerweise mehr erwarten kön-
nen?
Solidarisch in Japan
Von Peter Gillies
Da besuchte vor einigen Monaten eine Gruppe deut-
scher Metallindustrieller Japan. Unter den vielen
Kontakten ergab sich auch ein Gespräch mit einem
hohen Funktionär der japanischen Metallgewerkschaft.
Thema: Arbeitszeitverkürzung.
Auch für ihn sei es eine „internationale, solidarische
gewerkschaftliche Forderung“, die Arbeitszeit zu ver-
kürzen, meinte der japanische Gewerkschaftsführer. Die
Deutschen äußerten Verwunderung: Bisher habe man
in allen Betrieben gehört, eine Arbeitszeitverkürzung sei
abzulehnen. Habe sich die japanische Meinung geän-
dert?
Darauf entgegnete der fernöstliche Gewerkschafts-
funktionär: „Meine Herren, wenn Sie mich als Japaner
ansprechen: Ich will ja auch keine Arbeitszeitverkür-
zung für Japan! Wir müssen eher mehr leister als weni-
ger. Wir haben doch Konkurrenz und leben wettbe-
werbspolitisch nicht auf einer InseL Aber ihr Europäer
solltet natürlich die Arbeitszeit verkürzen.“ Die Deut-
schen wollen an dieser Stelle ein verschmitztes Lächeln
des Japaners beobachtet haben.
Ein ergänzender Blick in die Statistik: In der deut-
schen Metallindustrie leistet ein Arbeitnehmer jährlich
1641 Stunden, sein japanischer Kollege dagegen 2134
Stunden. Hier wird dafür ein Jahresverdienst von 32 568
Mark ausgezahlt, dort von 27 872 Mark. Die Lohnkosten
je geleistete Arbeitsstunde betragen (ohne Arbeitgeber-
anteil zur Sozialversicherung) hier 19,85 Mark, dort nur
13,06 Mark.
Oder anders: Die deutschen Metallarbeiter arbeiten 23
Prozent weniger als ihre japanischen Kollegen, verdie-
nen aber 17 Prozent mehr als jene. Das verschmitzte
Lächeln des japanischen Gewerkschaftefunktionärs
kommt aus der Gewißheit, daß eine Arbeitszeitverkür-
zung in Europa die japanischen Arbeitsplätze sicherer
macht. So kommt die Solidarität der Japaner mit der
deutschen 35-Stunden-Woche-Kampagne aus vollem
Herzen.
Strategie in Asien
Von Christel Pilz
Ab heute beginnt die deutsche Außenwirtschaftspoli-
tik“, verkündete Außenminister Genscher am Ende
der Asean-EG-Konferenz am 25. März in Bangkok. Nach
Bonn zurückgekehrt, erließ Genscher einen Runderlaß,
das deutsche Botschaften sich um die Wahrnehmung
deutscher Wirtschaftsinteressen zu kümmern haben.
Am 1. Juni hatte er die Spitze der deutschen Wirtschaft
zu sich geladen. Als Genscher jetzt Ende Juni zum
Asean- Dialog erneut nach Bangkok reiste, kam er mit
einer Wirtschaftsdelegation.
Diese Ansätze verdienen Anerkennung, doch es fehlt
ihnen die Substanz einer Konzeption, während die Re-
gierungen anderer Industrienationen neuerdings mit
konzertierten Aktionen antreten, um ihrer Wirtschaft
zum Erfolg im Ausland zu verhelfen.
Genscher selbst meint, er habe Anstöße gegeben. Die
Ideen müßten von der Wirtschaft kommen: „Sie soll mir
sagen, was sie von mir will“, meinte er gegenüber der
WELT. Das aber habe sie, sehr zu seiner Enttäuschung,
bisher nicht getan.
Man kann sich fragen, wessen Aufgabe es ist, eine
Außenwirtschaftskonzeption auf den Tisch zu bringen:
die des Staates oder die der Privatwirtschaft. Doch wenn
Genscher den Ball der Privatwirtschaft zuspielt, dann
sollte sie ihn auffangen. Bislang, so scheint es, sind
weder einzelne Unternehmer noch deren Vertretungen
wie der BDI oder DIHT darauf vorbereitet. Bei den
Kanadiern etwa, die in Südostasien eine beeindrucken-
de Erfolgsstrategie vorexerzieren, könnte man einiges
lernen.
REGlERUNföDlREKTDR
Und willst du nicht mein Bruder sein
Die eiskalten Pfarrer
I Von Joachim Neander
In dieser Woche wurde eine
25jährige Religionspädago-
gtn von der Anklage der Volks-
verhetzung freigesprochen. Ei-
ne von ihr geleitete Jugend-
gruppe hatte Collagen in einem
evangel i sehen
trum auf gehängt. Darauf stand
auch der Satz: „Soldaten sind
alle bezahlte Mörder.“
Der Freispruch wird Ver-
winderung auslösen. Schelte
verdient er nicht. Nach gelten-
dem Recht konnte nicht anders
entschieden werden. Die junge
Frau hat sich an das gehalten,
was sie gelernt hat Es war ein
pädagogischer Betriebsunfall:
Die Spontanäußerung eines
Jugendlichen, für einen inter-
nen Gruppenprozeß gemeint,
geriet (fahrlässig) auch ande-
ren in den Blick.
Nun könnte man gewiß über
eine Pädagogik diskutieren,
die sich darum bemüht, Spon-
tanes, Unreguliertes aus jun-
gen Menschen herauszulocken,
es dann aber selbst da unkorri-
giert oder gar undiskutiert ste-
henzulassen, wo es in extremer
Weise die Rechte anderer und
das Strafgesetz verletzt Zu-
mindest für die Jugendlichen
entsteht da eine Art Scheinle-
galität für fast alles.
Wie gesagt man könnte mit
dieser Art Pädagogik rechten.
Sie wird fast überall gelehrt
Aber an der Gnadenlosigkeit
mit der viele der modernen
Pädagogen mit der Pädagogik
früherer Zeiten umspringen,
läßt sich gut ablesen, wie nackt
und bloß sie dereinst am Pran-
ger stehen werden. Hier geht es
um andere Dinge, um das Bild,
das die Kirche als Institution,
vor allem in Gestalt der beiden
Pfarrer des Städtchens, bei die-
sem „Betriebsunfall“ geboten
hat
Das Bild, soweit es im Pro-
zeß sichtbar wurde, ist er-
schreckend, es ist geprägt von
einer kalten Konflikt-Routine,
die man von Kirchen eigentlich
nicht erwartet Der Satz, der
sechs Wochen lang aushing,
hatte schließlich die (überwie-
gend katholische) Bevölkerung
der Stadt in große Erregung
versetzt bei den Soldaten der
Bundeswehzgamison Empö-
rung ausgelöst und sogar Unsi-
cherheit und Streit in ihre Fa-
milien hineingebracht
Dennoch hat es von seiten
der Pfarrer offenbar nicht ei-
nen einzigen Versuch gegeben,
mit der Bundeswehr, mit dem
Militärpfarrer oder mit einzel-
nen Soldaten (die schließlich
Glieder der örtlichen Kirchen-
gemeinde sind) in ein klären-
des Gespräch zu kommen. Die
Pfarrer haben sich intern von
dem Satz distanziert Sie haben
blitzschnell dafür gesorgt kei-
nen Ärger zu kriegen, mit dem
Kirchenvorstand, mit der Kir-
chenleitung, mit der Staatsan-
waltschaft
Sie haben weder Öffentlich
die Verantwortung übernom-
men (vor Gericht stand nur die
junge Mitarbeiterin) noch sich
entschuldigt ihr Bedauern
ausgesprochen, mit den Ju-
gendlichen diskutiert de-
ren Reihen der Satz gekommen
war.
Der eine der beiden Pfarrer,
als Zeuge vor Gericht sprach
stets von „uns“ (den Pfarrern,
der Friedensbewegung?) und
von „denen“, obwohl „die da“
doch als Einzelmenschen sei-
ner Seelsorge anvertraut sind
und zum Teil sogar selber in
kirchlichen Gremien mitarbei-
ten. Wenn es vor Gericht um
die politische Diskussion über
die Friedensbewegung (hier
am Ort von den Pfarrern mitge-
gründet und voll mitgetragen)
ging, sprach er von „Positio-
nen" - so als verhandele er im
Auftrag der Friedensbewegung
mit der Institution Bundes-
wehr über Frieden und Abrü-
stung.
Eine dieser Positionen, wohl
ZEICHNUNG: KLAUS 8ÖHLE
IM GESPRÄCH Jean Ziegler
Geschäftstüchtiger Linker
Von Walter H. Rueb
Tn der Hrfwat nennt man Ihn el-
Änen Nestbeschmutzer. In Flank-'
reich hat ihn jetzt die Regierung
zum Professor an die Sorbonne be-
rufen — und dabei hat der 4Sjähxige
Schweizer Soziologieprofessor
Jean Ziegler ausnahmsweise nicht
durch aufmüpfige Reden im Parla-
ment zu Bern, einen Streit mit ei-
nem Minister, verianndetische Be-
hauptungen über Funktionäre der
eigenen Partei, unglaubwürdige
Angaben über die Höhe französi-
scher Flucittgelder in die Schweiz
oder dergleichen von sich reden
gemacht.
Für das Enfant temble des eidge-
nössischen Parlaments ein Glücks-
fall: Möglicherweise geht Publicity
für den Schweizer Sozialdemokrat- .... . . . . ,,
tpn fßr rinmai fthn» Morddrohun- OKJTi sich die Ar bei '
gen ab . . . Die Schlagzeilen vor we- Ziegler FOTOr 1
rügen Wodien batten solche noch ... , TT . ..
im Gefolge. Aber damals ging es
auch nicht um die Bexufhng an die tabpnen *u kassierim . . .
renommierteste französische Uni-
versitat, sondern um die Vorstel- <
lung dpg neuesten, von RiSnkun- röch zur Euiore gesorgt i
gen strotzenden Ziegler-Bestsel-
lers. Doch die Hoffnung, den unbe-
quemen Zeitgenossen endlich los n w
zu werden, der mit umstrittenen kempfe m der Dritten W
Büchern über die Schweiz, als im sozialistischen frank
Freund und Einlader türiich sehr verdienstvoll
nach Bern, Ansplauderer hdveti- . ? ko°servatlve°
scher Intema in französischen
Massenblättern und Erzfeind der nicht cte höchsten Weih
einheimischen Banken und Multis ren. SeJbstm Genf; seiner
nach Frankreich loszuwerden, mat, hat er möir Gegner e
Bundeswehr und Kirche: „Mör-
der“? „Positionen“? Fora dpa
zum Beweis für „Offenheit“
und „Toleranz“, wurde so for-
muliert: Der „einzelne Soldat“
könne und dürfe ja durchaus in
der Friedensbewegung: mitar-
beiten - allerdings genüge es
dabei nicht, einfach nur für den
Frieden zu sein.
Dem Anzeigeerstatter (wohl-
gemerkt: er hatte nicht Volks-
verhetzung, sondern als direkt
Betroffener nur Beleidigung
im Sinn) wurde «nsteTte einer
Aussprache erklärt, man kön-
ne im Redaktionsausschuß des
„Gemeindebriefs“ nicht mehr
mit ihm zi i sammAnnrhAiten ■
Hier wurde planmäßig die
Ausgrenzung der Bundeswehr
aus der evangelischen Kirrim
betrieben, von Leuten, die eher
an eine Art Technokraten der
Friedensbewegung erinnern
als an Seelsorger. Begonnen
hat diese Ausgrenzung offen-
bar mit einem programmati-
schen Beitrag im Gemeinde-
brief. Die Überschrift lautete
nicht etwa „Die Gemeinde und
ihre Soldaten“ oder „Verteidi-
gung und Frieden“, sondern in
eitler Selbsterhöhung: „Wir
Pfarrer und das Militär.“ Wer
ein Sensorium für Sprache be-
sitzt, dem springt da der nackte
Hochmut ins Gesicht
Die evangelische Kirche ver-
teidigt sich, wenn sie ob ihrer
vielen politisch einseitigen Ak-
tivitäten angegriffen wird, stets
mit dem Argument, sie müsse
eine offene Kirche sein, offen
auch für abweichende Meinun-
gen, Minoritäten, auch Extre-
mes zur Not Wer hier bei die-
sem Fall Offenheit entdeckt
der melde sich. Hier wurde ab-
gegrenzt taktiert, gemanagt In
diesem Klima tut einem die
gläubige Arglosigkeit der jun-
gen Religionspädagogin fast
ebenso leid wie die stumme
Verwunderung der jungen Sol-
daten, die im Gerichtssaal
saßen.
Die Offenheit auch die poli-
tischen Eiferer, die durch die
offenen Türen einströmen - all
das wird die Kirche vielleicht
überleben. Der Hochmut könn-
te tödlich sein. Es sollte die
Kirche beunruhigen, wenn so-
gar ein Alternativ-Blatt wie der
„Pflasterstrand“ in einem iro-
nischen Beitrag über die Frie-
densbewegung meint daß da
mittlerweile nicht mehr die
DKP, sondern „die Kirche am
Steuerrad zu sitzen scheint“.
trügt Er hat schon _
daß er nicht daran denke, sein rTa-
tionabats-Mandat aufeugeben.
Damit er im Spiel bleiben kann,
will er einen Teil sein» Lehrtätig-
keit an der Universität Genf weiter
ausüben. Um Auswege ist der So-
zialdemokrat der anderen gerne
ihre Profitsucht vorrechnet nicht
verlegen: & wird Vorlesungen in
Paris daart konzentrieren, daß er
mit einem einzigen monatlichen
Trip nach Paris auskommt So er-
laubt ihm seine Weitsicht im eid-
genössischen Parlament weiter
sein Wesen zu treiben ™d gleich-
wie man sich die Arbeit einteilt:
Ziegler foto: bad ♦ News
zeitig von zwei Universitäten Do-
tationen zu kassieren ...
Zieglers letztes Buch mit dem
Titel „Die Rebellen" hat in Frank-
reich für Furore gesorgt und letzt-
lich die Sorbonne auf ihn aufmerk-
sam gemacht In dem Werk be-
leuchtet. Ziegler die Befreiungs-
kämpfe in der Dritten Welt - eine
im sozialistischen Frankräch na-
türlich sehr verdienstvolle Arbeit
Hi der konservativen Schweiz
hat Ziegler demgegenüber noch
nichtdie höchsten Weihen erfah-
ren. Selbst in Genf; seiner Wahlhei-
mat hat er mehr Gegner als Freun-
de. Seine hohen Abstimmungser-
gebnisse rühren nach Meinung sei-
ner Feinde daher, daß seine Wähler
weder seine Sprache verstehen
noch seine Bücher lesen können.
Ziegler ficht es jedoch nicht an,
daß er mehr gehaßt als . geliebt
wird. Nur einmal geriet der Profes-
sor aus der Fassung. Das war vor
zwei Jahren, als das Parlament sei-
nem eigenen Mitglied aus Rache
die Zuschüsse für einen wissen-
schaftlichen ffnwhimgsfliiftrag
kürzte und ihm riet, auf Beiträge
jenes Staates zu verzichten, den er
überall verunglimpfend angar zer-
stören wolle.
DIE MEINUNG DER ANDEREN
LES ECHOS
Die ShaStx-BBnlea ia Nehmt m* pxM-
Shultz wird dieser vageblichen
Rundreise vielleicht als Lektion
entnehmen, daß die Syrer sich
ebenso wie die Israelis absolut
nicht zur Beendigung der fäfcti-
schen Teilung des Libanon ge-
drängt fühlen. Von der einen wie
von dör anderen Seite müßten stär-
kere Garantien für die Aufgabe die-
ses an wirtschaftlichen und politi-
schen Möglichkeiten viel zu rei-
chen' Bodens kommen. Die weni-
ger anspruchsvolle Reise Claude
Cheyssons in diesgihen
wird kaum nwhr praktische Ergeb-
nisse haben.
DER BUND
Die Flugzeugentführung, insze-
niert von Sympathisanten des im
Pariser Exil lebenden Chefe der
Volksmujaheddm, Racftavi, ist in
eine Zeit gefallen, in der die Bezie-
hungen zwischen Iran und Frank-
reich auf einem Tiefstpunkt ste-
hen. Zwei Tatbestände and für das
Khomeini-Regime maßgeblich, die
französische Regierung zu verur-
teilen, ja zu verdammen: Frank-
reich beherbergt als Asylland die
iranische Opposition, wie einst
Khomeini selber, und Präsident
Mitterrand unterstützt mit Waffen
und Krediten offen und ausgiehig
Bagdad im Krieg gegen dessen öst-
lichen Nachbarn Iran... Den
Hauptgrund für das frostige Klima
zwischen Teheran und'Paris «ton*
jedoch Mztterrands klare Unter-
stützung für den Irak im Krieg.
gegen das Khamemi-Regime dar.
LE MSDN
Dia hdHK Zettas matt eiae MJui dar
lebe des BudaikuAn in die wwJeU-
Das Auftreten Kohls auf der Ost-.
West-Szene bedeutet umso mehr
em Scheitern der beruhtem sowje-
tis<dieo„ Westpolitik” , als die deut-
sche Ostpolitik in den vergangenen
drei Jahren einen ernsten Rück-
schlagerlittenhat Es bedeutet vor
allem das Scheitern einer Strate-
gie, die ausgehend von der west-
deutschen Ablehnung der Per-
shing-Raketen eine schleichende
„RnnianHKWiiwg* der Bundesre-
publik dnlwton sollte, für Bonn
sind die SS 20 vor «Tfem politische
Waffen zum Abtrennen der Bun-
desrepublik von den USA. In die-
sem 7j]!Oimnwih»ng ist nicht ZU
erkennen, welche Folgen die von
Jury Andropow . während der
deutsch-sowjetischen Gespräche
angekündigten „Gegenmaßnah-
men“ haben könnten.
STUTTGARTER
NACHRICHTEN
Zm tnmK-rmimaai der SPD Iielft ea
in dem Blatt:
Nicht aistfaninen kann man Vol-
ker Hauff indessen, wenn er den
Vorwurf zurückweist, die sozialli-
berale Koalition habe den Umwelt-
schutz vernachlässigt. Um beim
Thema Tjiftrpinhaltung TuKloihorv
Wer sonst, wenn nicht die Sozialli-
beralen sind schuld daran, daß die
anderen Industrieländer USA, Ka-
nada; Schweden, die Schweiz und
■ demnächst auch . Australien bei der
Anspuffentgiftung die Nase weit
vom und die Bundesrepublik ab-
gehängt haben? Und war es dann
rächt die alte Koalition, die eine
völlig imzureichende Entschwefe-
lungs-Verordnung für Feueruztgs-
anlagen vorgelegt hat, wohl nlaht
zuletzt mit Rücksicht auf den Düs-
seldorfer SPD-Hegierungschef Jo-
hannes Rau, der noch heute fälsch-
licherweise von einem Gegensatz
zwischen „Waldläufern und Malo-
chem“ spricht? Über die umwelt-
politische Wende des Sozialdemo-
kraten konnte man sich freuen, wä-
re man nur etwas sicherer, daß es
etwas mehr als kurzfristige Taktik
ist, etwa der Wunsch, den Grünen
das Wasser abzugraben.
Südamerika wird unaufhaltsam zum Krisenkontinent
El Salvador bleibt das Schlüsselland / Von Werner Thomas
Wenn Afrika und Asien von Aber in den anderen Teilen t
den fünfziger bis zu den des Haibkontinents sieht es 1
VV den fünfziger bis zu den
siebziger Jahren die Schlagzei-
len-Lieferanten der Dritten
Welt waren, dann hat Latein-
amerika für diese Dekade die
Rolle des Krisenkontinents
übernommen. Zwischen dem
Rio Grande und Feuerland
liegt heute ein hochexplosives
Minenfeld.
Die ersten Explosionen er-
eigneten sich in Mittelamerika,
wo zwei kleine Nationen, die
einst außerhalb der Region
kaum jemand kannte, Politiker
und Demonstranten mobilisie-
ren: Nicaragua und El Salva-
dor. Schon überfällt das inter-
nationale Journalisten-Korps
die verschlafene hondurani-
sche Hauptstadt Tegucigalpa:
Honduras zählt nun auch zum
Kreis der Krisenländer. In
Guatemala grassiert bereits
seit mehr als dreißig Jahren ein
revolutionärer Bazillus, der oft
bekämpft, aber nie beseitigt
wurde. Und selbst Costa Rica
gilt nicht mehr als die friedlich
prosperierende „Schweiz Mit-
telamerikas".
Aber in den anderen Teilen
des Haibkontinents sieht es
ebenfalls düster aus. Brasilien
und Mexiko, die beiden Riesen
der Region, drohen unter den
Lasten ihrer wirtschaftlichen
Schwierigkeiten zusammen-
zubrechen. Es sind die höchst-
verschuldeten Länder der
Welt; zwischen 85 und 90 Mil-
liarden Dollar müssen abgetra-
gen werden. Die Schulden-
dienste verschlingen mehr als
die Hälfte der Deviseneinnah-
men. Für die Linderung der
sozialen Probleme bleibt wenig
Geld. Die sozialen Probleme
wachsen gefährlich. Säo Paulo
sandte ein Alarmsignal- Im
April hat sich die Wut arbeits-
loser Arbeiter in wilden Stra-
ßenschlachten entladen. Sol-
che Szenen wären auch in Me-
xico City möglich. Beide Städ-
te wachsen apokalyptisch. Ihre
Einwohnerzahl wird auf 15 bis
18 Millionen geschätzt. Um die
Jahrhundertwende können
sich zwischen 35 und 40 Millio-
nen Menschen in diesen bereits
heute hoffnungslos überfüllten
Megalopolen drängen.
In Mexiko kann ein raffinier-
tes politisches System, das ma-
nipuliert und korrumpiert, be-
sonders die Gewerkschaften,
die Krisensituation unter Kon-
trolle halten. In Brasilien profi-
tiert die Militärregierung von
der ungewöhnlichen Populari-
tät ihres Präsidenten Joao
Baptista Figueiredo und des
Prozesses der politischen Öff-
nung (Apertura), der eine
Rückkehr zur Demokratie ver-
spricht Ob das auf die Dauer
reicht, ist fraglich.
Selbst die fünf Demokratien
Südamerikas (Bolivien, Ekua-
dor. Kolumbien, Peru, Vene-
zuela) werden von schweren
Wirtschaftskrisen geschüttelt,
fast alle von einem destrukti-
ven Parteienhader. Peru und
Kolumbien leiden zudem unter
einem GuerriUa-Problem. Aber
auch in Peru kursieren wieder
Putschgezüchte, weil die maoi-
stische Rebellenbewegung
„Leuchtender Pfad“ die Regie-
rung des alternden Präsiden-
ten Fernando Belaunde Terry
immer dreister herausfordert.
In Argentinien droht nach ei-
ner siebenjährigen Herrschaft
der Generale und Admirale die
Rückkehr zu vertraut-verhäng-
nisvollen Verhältnissen; Eine
dritte peronisrische Ara mit
Demagogie und Mißwirtschaft
kann Anfang nächsten Jahres
beginnen. Die nächstelnter-
vention dm* Uniformträger ist
dann nur eine Frage der Zeit
In Chile signalisieren ; Unru-
hen die schwindende Populari-
tät Pinochets. Je langer der Ge-
neral Schritte der politischen
Öfifrung scheut, desto -mehr
fordert er die Radikalisierung
der Opposition und den Ein-
fluß der linken Kräfte. Dassel-
be gilt für Uruguay und Para-
guay. Surinam ist durch kuba-
nische Einwirkung voll ins so-
zialistische Lager überführt
worden.
Ohne Überraschung beob-
achten westliche Diplomaten,
daß die Moskauer Missionen
fast überall in Lateinamerika
personell verstärkt werden.
Aber natürlich habeti die Pro-
bleme in Lateinamerika zu-
nacfast sozjale und wirtschaftli-
che Ursachen. Diese, lassen
sich' lösen oder, zumindest lin-
dem, wenn der Westen die ge-
mäßigten Kräfte politisch un-
terstützt und den besonders ge-
fährdeten Nationen wirtschaft-
liche Erleichterungen - ver-
schafft. Brasilien oder Mexiko
dürfen nicht von ihrer Schul-
denlast erdrückt werden.
Das kleine El Salvador spielt
eine Schlüsselrohe für die wei-
tmen Entwicklungen in Latein-
amerika. Wenn die Nation von
den FMLN-Rebellen tatsäch-
lich „befreit“ werden sollte,
sind •nicht nur Honduras und
Guatemala . fällig. Selbst in
Kreisen der SPD - Brandt,
Wischnewski — rechnet man
mit größten Gefahren für Mexi-
ko. Aber niemand will dort .of-
fen zugeben, wer die „Befreier“
El Salvador» wirklich sind.
Lateinamerika ist auch ein-
Knntment der Kettenreaktio-
nen. Und Europa ist der Konti-
nent wo das Lernen aus der'
Vergangenheit am meisten be-
sprochen und am 'wenigsten
praktiziert wird.
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Samstag, 9. Juli 1983 - Nt. 157
er Linker Die Glattrohr-Kanone kann
den Nahen Osten verändern
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ii : 3^5
Eine neue deutsche
Panzerkanone, die auch die
kommende Generation der
Panzer durchschlagen kann,
stellt Militärpolitiker vor
neue Probleme. Vor allem
Israel muß sich mit dieser
Frage anseinan (Zersetzen,
denn zumindest die Saudis
werden bald im Besitz der 120-
Millimeter-Kanone sein.
Von C. GRAF BROCKDORFF
Es steht fest, daß Saudi-Ara-
bien die 120-MSllinatar-Panr-
zeikanone. von Rheinmetall
erhält Entweder Saudi-Arabien
kauft von der Bundesrepublik
Deutschland den Kampfpanzer
Leopard 2 - eine Frage, die so oder
so in absehbarer Zukunft entschie-
den werden muß. Der Leopard 2
trägt die Rheinmetallkanone als
Hauptbewaffnung. Oder Saudi-
Arabien deckt seinen Panzerbedarf
mit dem neuen amerikanischem
M-l Abrains, dessen zweite und
größere Serie ebenfalls mit der
deutschen KheimnetaH-Kanone
ausgerüstet ist
Gegenwärtig laufen dem Ver-
nehmen nach schon zwei M-l -Pan-
zer aus den Vereinigten Staaten als
Probe- und Vorführfahrzeuge in
der saudiarabischen Wüste. Sie
sind noch mit der 105-Mihimeter-
Kanone mit gezogenem Rohr aus-
gerüstet, weü die Amerikaner den
Beginn ihrer M-l-Serienfbrtigung
nicht mit der in Rh**infriPta11igAnz
in Amerika gefertigten Kanone
aufnehmen konnten. Die rU»nts<»hp
Kanone güt unumstritten in der
Welt als die leistungsstarkste Waffe
ihrer Art überhaupt.
Mil der Entwicklung Waf-
fe brachen die Deutschen mit einer
geheiligten Tradition; Bis dahin
hatte jede Panzerkanone wie ein
Artilleriegeschütz ein gezogenes
Rohr, das dem Geschoß zur Stabili-
sierung seiner Flugbalm Drall ver-
lieh. Die neue Rheinmetall-Waffe
des Kalibers 120 Millimeter ver-
die Übertragung möglichst hoher
Energie im Zieh Wichtig ist, HnQ
das Pfeilgeschoß sich im Fluge
nicht dreht
Nur mit Munition dieser Art kön-
nen moderne Schottpanzerungen
durchschlagen werden. Schottpan-
zerung besteht nicht mehr aus ei-
ner durchgehenden Stahlplatte.
Wie das Wort sagt, befinden sich
dazwischen Lücken, die von Kera-
mik unterbrochen sind. Erst diese
Hohlräume ergeben den hohen
Panzerschutz. Im Leopard 2, der
auf diese Weise gepanzert ist -
auch der M-l aus den USA -, ver-
schwindet der eigentliche Panzer-
schutz hinter der manrh™^ kantig
wirkenden äußeren Foim.
Nun ist erst im Laufe der letzten
Jahre mit völliger Klarheit ermit-
telt worden, was eigentlich pas-
siert, wenn ein Pfeilgeschoß, das
mit einer Geschwindigkeit von
1700 Metern in der Sekunde die
Mündung der Panzerkanone ver-
lassen hat, auf das gepanzerte Ziel
auftrifit. Es ergibt sich ein hydro-
dynamischer Vorgang, bei dem der
Stachel des Pfeilgesch osses Mate-
rial verdrängt und dabei gleichzei-
tig aufgesogen wird. Die Wirkung
ist groß, selbst moderne Panzerun-
gen können so durchschlagen wer-
den, wie der Erfolg der Israelis im
Sommer 1982 bewiesen hat. Daß
dies noch mit durchrutschen-
den Führungsband geschah, darf
nicht über die kommende Ent-
wicklung hinwegtäuschen.
Von den Herstellern der 105-Mür
limeter-Z ugrohi^Ka nonen wird das
offen nicht zugegeben. Staatliche
und knmmpnEwllt» Interessen von
erheblicher Bedeutung sind im.
Spiel Die Entwicklung vollzieht
sich rasch, ohne daß die Öffentlich-
keit sie begreift und in der Lage ist,
die sich aus ihr ergebenden militär-
politischen Schlußfolgerungen zu
ziehen.
Eta ist nötig, politische und kom-
merzielle Interessen und sich aus
ihnen ergebende Sprachregelun-
gen als das zu erkennen, was sie
sind, wenn man zu einer zutreffen-
' -y ■ v- 'Js&gäB
Haoptbewoffomg «tos loopanl 2 Ist dt« 120-MIWmotmf-Kanooo.
FOTO: SVH4 SIMON
(iS* — V ' *
oi--# . jfjr"
richtete auf die Züge. Sie ist glatt
wie der Lauf einer Schrotflinte.
Der Grund dafür lag in der pan-
zerbrechenden Munition der Zu-
kunft, -die die zu beherrschenden
hohen Leistungen, die notwendig
würden, um moderne Kampfpan-
zer zu durchschlagen, nur noch oh-
ne Drall abgeben konnte.
Diese Erkwmtnis ist allgemein,
auch die Briten und die Israelis,
bisher noch Anhänger der Panzer-
kanonen mit gezogenem Rohr, wis-
sen das. Dies hat zu grotesk anmu-
tenden Entwicklungen geführt:
Moderne panzerbrechende Muni-
tion, die aus der 1 05-Millimeter-
Zugrohrkanone verschossen wird,
muß aus diesem Grund mit einem
sogenannten durchrutschenden
Fuhrungsband ausgestattet wer-
den. Mit Hilfe dieses technischen
Tricks wird die im Rohr auf das
Geschoß übertragene Rotations-
energie wieder vernichtet, exakt
gesagt, nur weitgehend vernichtet
Bei jedem Schuß, den die israeli-
sche Armee beispielsweise im letz-
ten Sommer in Libanon auf syri-
sche Panzer (sowjetischer Bauart)
abgegeben hat, kam es in den israe-
lischen Panzerkanonen zu einem
Vorgang, der vergleichbar ist mit
dem 'Mnün. der die nach oben ge-
hende Rolltreppe hinab läuft Es
passierte etwas total Sinnloses.
Auch die Bundeswehr ist teilwei-
se noch mit der 105-Mfll imeter-Ra-
none mit gezogenem Rohr ausge-
rüstet Im Laufe der Jahre werden
1800 dieser Kanonen abgelöst vom
Kaliber 120 Millimeter Glattrohr.
Das alte Zugrohr entstammt einer
Zeit,- in der flügelstabilisierte
Pfeümunition noch in der Zukunft
lag. Nur den- Trick mit dem durch-
rutschenden Führungsband und
im Durchmesser verkleinerte Pfeil-
geschosse brachten der Kanone
105 Millimeter noch eine Lebens-
veriängerung. Heute ist sie an ih-
rem'Ende angekommen. Weitere
Leistungssteigerungen mit _ der
Wuchtmunition, die ihre kineti-
sche Energie auf das Ziel über-
trägt sind mit diesem Kaliber und
gezogenem Rohr nicht mehr
erreichbar.
Bei der modernen Wuchtnuuu-
tion gilt nach dem Verlassen des
Geschosses »ns der Rohrmündung
ein sogenannter Treibkäfig ab, der
ein unterkalibriges, flügelstabili-
siertes. PfeUgescfaoß feigibt Beim
Kfliiivir 120 Millimeter hat es nur
nonh wnwi Querschnitt von 32 Mil-
limetem. Es besteht aus Schwer-
metallegierungen. Dot - geringe
Querschnitt sorgt für. geringen
Luftwiderstand, das hohe spezifi-
sche Gewicht des Hartmetalls für
den Lagebeurteilung kommen wüL
Tatsachen, die von der Technolo-
gie beeinflußt werden, werden ge-
legentlich von berechneten Äuße-
rungen verdeckt Eine dieser Tat-
sachen ist, daß der nimmermüde
menschliche Geist eine neue Gene-
ration von Schottpanzerung er-
dacht hat, die schlicht als revolu-
tionär bezeichnet werden kann: die
Aktivpanzerung. Die beruht auf ei-
ner mit Sprengstoff beschichteten
Folie, die man progressiv in der
Schottpanzerung anbringt Trifft
der Stachel eines Pfeilgeschosses
auf die Folie, wird er innerhalb
einer Nanosekunde (Milliardstel
Sekunde) durch die erfolgende De-
tonation ab gelenkt Er verpufft
Das Pfeilgeschoß aus -der gezoge-
nen 105-ÄÖllimeter-Kanone versagt
bei dieser Panzerung. Eis ist noch
gut für die kommenden Jahre, so
lange Kampfpanzer der gegenwär-
tigen Generation auf dem Ge-
fechtsfeld stehen. Anfang der
neunziger Jahre muß mit dem Auf-
treten der Aktivpanzerung gerech-
net werden. Sie ist dann integriert
nicht außen aufgehängt wie man
es im letzten Sommer an israeli-
schen Panzern in Libanon beob-
achten konnte. Die israelische Aua-
hüfälösung zeigt nur, Haß man
auch dort die Technologie der Ak-
tivpanzerung zumindest in ihren
Kinderschuhen schon praktisch
anzu wenden versteht
Die Zukunft gehört der 120-MHli-
meter-Glattrohrkanone, die auch
noch in ihren Kinderschuhen
steckt und dennoch gewaltige Lei-
stungen erbracht hat die man vor
wenigen. Jahren für technisch nie
erreichbar hielt Das Geheimnis
sind die hohen Drücke, die das
ungezogene Rohr aufnehmen
kann- 7000 Bar Izmendruck bei der
Austreibung des Geschosses. Ein
normaler Autoreifen hat 1,8 bis
zwei1 Bar Druck.
. Die Herstellung der Glattrohrka-
none erfolgt mit Toleranzen, die
einen Schweizer Uhrmacher nei-
disch werden lassen konnten. Sie
werden mit Laserstrahltechnik
kontrolliert ln Industriekreisen
weiß man, daß die deutsche Firma
Rheinmetall ein geheimes Verfah-
ren entwickelt hat der Kanone ei-
ne für die Innenballistik — den Vor-
gängen beim Abschuß »•nw^rhalb
des Rohres - erforderliche hohe
Steifigkeit m geben. Das ge-
schieht m dem man das Rohr erst
im Ofen erhitzt um alle Spannun-
gen aus ihm zu nehmen und dann
das Innenrohr einem Öldruck aus-
setzt der den Druck während des
Schießvorganges bei weitem über-
trifft. RheinmetaU beantwortet
Fragen nach diesem Thema nicht
doch es heißt in der Industrie, die
Kanonen-Firma habe es bei diesem
Verfahren zur Perfektion gebracht
Es läßt sich heute Voraussagen,
daß die Staaten, die sich noch des
Kalibers 105 Millimeter mit gezoge-
nem Rohr bedienen, in den näch-
sten Jahren vor grundsätzlichen
Entscheidungen stehen werden. Je
naeh der militärpolitischen Lage
des Staates und der übrigen Aus-
stattung seiner Streitkrarte wird
. sich das Problem mehr oder min-
der scharf stellen. Ausgehend von
einer Im Augenblick vorherrschen-
den Situation im Nahen Osten
dürfte sich die Frage des Kanonen-
kalibers für kaum einen Staat so
scharf stellen wie für Israel Von
ihrer zutreffenden Beantwortung
konnte das Überleben Israels -als
Staat abhängen. Das Land besitzt
eine qualifizierte . Rüstungsindu-
strie, israelische Ballistiker haben
internationales Niveau. Israel
könnte selbst eine Glattrohricano-
ne entwickeln, vielleicht tut es das
insgeheim schon. Doch die Kosten
sind astronomisch. Israel könnte
rieh sicherlich auch deutscher
Technologie bedienen, was be-
stimmt jenen Deutschen ange-
nehm wäre, die sich aus politi-
schen und vor allem strategischen
Erwägungen einem Wunsch Saudi-
Arabiens nach Lieferung des Leo-
pard 2 nicht verschließen wollen.
Solche Sprünge in den Höchst-
stand konventioneller Waffentech-
nologie und Fertigung verbieten
sich für Saudi-Arabien. Es gibt
überhaupt nur eine kleine Anzahl
von Staaten, die zu solchen techni-
schen Rpit»»nlpist| mgen fähig
sind, wozu Israel zu zählen ist Sau-
di-Arabien kauft von der Stange.
Es interessiert sich am meisten
für den Leopard 2, der bei jedem,
der wirklich etwas davon versteht,
als der mit Abstand beste Kampf-
panzer der Welt angesehen wird.
Für die Wüste würde er rieh mit
seinem konventionellen, abi
bo-aufgeladenen 1500-PS-J
besser eignen als der amerikani-
sche M-l mit seiner staubanfiflli-
gen Turbine, die aus der Hub-
schraubertechnologie stammt, ln
der Hitze um 45 und mehr Grad,
die man in der saudischen Wüste
antrifft, verschlimmert sich das FH-
terproblem des Turbinenpanzers:
Der Luftdurchsatz erhöht sich we-
gen der heißen Umgebungstempe-
ratur und damit auch der Staub-
durchsatz. Turbinen leben nun ein-
mal von hohen Luftdurchsätzen.
Beim M-l einem Fahrzeug mit Ket-
tenantrieb, steigt auch der Treib-
stoffdurchsatz: Das NATO-Herbst-
ma^över 1982 hat erbracht, daß der
M-L den 2,6£acnen Treibsfoffver-
' brauch des Leopard 2 hat, bei glei-
cher Leistung der -Triebwerke.
Dies- wußten Eingeweihte in
Deutschland schon lange. Sie
konnten es beobachten, als der
Leopard 2 neben dem M-l in den
USA erprobt wurde. Übrigens hat
der Leopard 2 seine Wüstinerpro-
bung ausgerechnet bei 44 Grad Hit-
ze in Arizone hinter sich gebracht
Er lief dort ohne Panne über 6000
Kilometer.
Noch ist offen, ob Saudi-Arabien
mit 200 bis 300 Leopard 2 oder dem
amerikanischen M-l mit der 120-
Millimeter-Kanone des Leopard 2
rechnet Sicher ist nur, daß dieser
arabische Staat für seine Streit-
kräfte einen der modernsten
Kampfpanzer der Welt erwerben
möchte. Mpn wird die Sandig an
diesen Fahrzeugen ausbilden und
ihnam umfangreiche mililffrtwimi-
sche Hilfe anbieten müssen. Der
Tag wird kommen, an dem sie
dann mit diftgAm Panzer fiihran
und schjeßen können. Aber wer-
den sie Ihn taktisch-operativ be-
herrschen? Die rein technische Be-
herrschung eines Kampfpanzers,
so schwer sie bei dem immer mo-
derner werdenden Gerät auch ist
güt im deutschen Heer als selbst-
verständlich. Sie ist zum Teil auch
mit Wehrpflichtigen erreichbar, so-
fern, diese mit moderner Technik
aufgewachsen sind.
Eine ganz andere Frage ist die
taktische Beherrschung des
Kampfpanzers im Gelände, noch-
exakter, die Ausnutzung der in ihm
steckenden Möglichkeiten und ih-
re Umsetzung in taktische Ent-
schlüsse. Jeder, der einmal als
TCnrawiandant im Turm einas Pan-
zers gesessen hat weiß, wovon die
Rede ist: die Notwendigkeit in ei-
nem sich rasch über das Gefechts^
feld bewegenden Fahrzeug, die
schnell wechselnden taktischen Si-
tuationen richtig zu beurteilen u nd
sofort Entschlüsse zu fassen. Was
in dieser Lage in Wirklichkeit ge-
schieht gleicht einem abrollenden
Film, bei dem man nicht zuschaut
sondern zur Mitwirkung gezwun-
gen ist: nicht in einer vorstudierten
Rolle, sondern frei schöpfend aus
eigener intellektueller Kraft Der
Vergleich mit der Kinoleinwand ist
insofern abwägjg, weü dort nicht
scharf auf Mitwirkende geschossen
wird.
Das deutsche Heer ist ein Heer,
in dem traditionell die Auftragstak-
tik gepflegt wird. Dies bedeutet
der deutsche PnwTwlmmnmnriant
ist schon von seiner Prägung her
zum eigenen Handeln erzogen.
Dennoch meinen erfahrene Pan-
zergenerale der Bundeswehr, daß
der Leopard 2 in diesem taktischen
Bereich mir von RnrnmanriantAn
beherrscht werden kann, die sechs
oder acht Dienstjahre hinter sich
haben. Das ist ein 7fo*it das die
Bundeswehr nicht immer errei-
chen kann. Aber die Deutschen
haben eine mehr als 50jährige Tra-
dition im Umgang mit Kampfpan-
zem, zu deren Taktik sie vermut-
lich mehr beigetragen haben als'
irgendeine andere Nation der Welt
(SAD)
.,^2 itn
t J-S-
DIE # WELT
Taiwan -
Die Älteren sind so
chinesisch, wie der Fremde
sich seinen „Chinamann“
vorstellt; die Jüngeren sind
Jeans tragende Teenager,
moderne Manager und
Direktoren. Formosa: eine
Insel mit zwei Gesichtern.
Von HERMANN RENNER
T^V ie Insel, die Portugals See-
| lfahrer einst Formosa tauften,
Schöne“, liegt wie ein
riesenhafter auf Grund geratener
Plattfisch im Südchinesischen
Meer: 400 Kilometer lang — und
doch nur ein großes Komma vor
der unendlichen Festlandküste.
Ein Ausrufezeichen könnte sie
nennen, wer an Metaphern Freude
hat Denn Taiwan, deutlich kleiner
als die Schweiz und von dreimal
soviel Menschen übervölkert,
zwingt zum Nachdenken, zum Um-
denken vielleicht:
• Zweidrittel unbebaubares Ge-
birgsland mit mehr als 40 Gipfeln
über 3000 Meter - und gleichwohl
keine Emäbrungsprobleme, fak-
tisch autark;
• Galoppierende Industrialisie-
rung während der letzten 25 Jahre
mit r jährlichen .Wachstumsraten,
von wenigstens zehn Prozent bis
1980 und dennoch nur Auslands-
schulden von vier Milliarden US-
Dollar;
• Sechs-Tage-Woche, Zehn-Stun-
den-Tag - und keine Streiks, sozia-
ler Konsens, minimale Kriminali-
tät
Auf Formosa, wo es Arbeitslosig-
keit nicht gibt, regiert der Optimis-
mus so penetrant daß es dem Eu-
ropäer beinahe unheimlich wird:
Sind wir im Westen vergreist?
Das Land hat in zwei Jahrzehn-
ten den Sprung von einer höchst
primitiven, zudem kriegsgebeutel-
ten Agrargesellschaft in die Hoch-
technik mit Computer und Kern-
energie vollzogen, ohne daß jene
gesellschaftlichen Verwerfungen
erkennbar wären, die der Europäer
bei solcher Parforcetour als unver-
meidbar ansieht Unbefangen ant-
wortet Ministerpräsident Sun Yun-
suan auf die Frage, warum Taiwan
derart bedenkenlos technisiere:
JDer Arbeitskräftemangel zwingt
uns die computergesteuerte Ferti-
gung auf“
Goldener Strom aus
chinesischen Quellen
Arbeitskräftemangel? Straßen,
Hinterhöfe. Restaurants, Parks -
ein Menschengewimmel, und alle
sind geschäftig, zu mindest schei-
nen sie in Eile. „Chinesen sind so“,
meint der Leiter des Deutschen
Kulturzentrums in der Hauptstadt
Taipeh, „wo immer sie in Ostasien
Fuß faßten, bildeten sie über kurz
die reiche Oberschicht“.
Vize- Wirtschaftsminister Wu
mag dag in lächelnder Bescheiden-
heit nicht bestätigen, doch gibt er
zu: „Von den fast vier Milliarden
US-Dollar, die zwischen 1952 und
1982 auf der Insel investiert wur-
den, kamen 30 Prozent aus den
Vereinigten Staaten, vor allem in
den ersten Jahren als Initialzün-
dung. Seither aber stammt der
massive goldene Strom, der stän-
dig auf die Insel fließt, eher aus
chinesischen Quellen. Insgesamt
. haben Auslandschinesen inzwi-
schen über eine Milliarde US-Dol-
lar investiert.
Chinesen sind leidenschaftliche
Rechner - und am Kapitalzufluß
liest Taiwan ab, wie sein Kurs
steht: Er läßt nichts zu wünschen
übrig. Seit zwei Jahrzehnten steu-
ert die Insel-Wirtschaft durch eine
fast ungetrübte Schönwetterzone
mit Handelsbilanzen, die den Ma-
nagern in Taipeh allenfalls deshalb
heikel dünkten, weil sie um den
freien Zugang zu manchen Märk-
ten bangen mußten.
- Einkaufsdelegationen schwärm-
ten aus, wann immer die Ungleich-
gewichte einem Partner gegenüber
zu groß wurden: Diversifizierung
der Handelsstrome heißt das Prin-
zip. Hier kommt Europa ins Ge-
schäft, auch die Bundesrepublik
Deutschland. Noch sind die USA
und Japan die dominierenden
Partner, zu dominierend, wie man-
cher Außenhandelsmann in Taipeh
glaubt
In US-Dollar ausgedxückt ver-
diente der Taiwanese im Jahr 1972
Konfuzius und Computer
durchschnittlich 482 Dollar, im
Jahr 1982 aber 2334 Dollar (dabei
wurde die - nur 1981 und 1982 über
zehn Prozent liegende - Inflations-
rate eskomptiert). Das ist, abgese-
hen von Japan und Singapur, in-
zwischen das höchste Pro-Kopf-
Einkommen in Ostasien. ließen
sich die Ziffern einfach fortschrei-
ben, so wäre die Insel in wenigen
Jahren die Schweiz Ostasiens - mit
durchaus stabilem Geld, prosperie-
rend, nahezu frei von gesellschaft-
licher Problematik.
Das politische Barometer steht
auf schön. Es gibt keine erkennba-
ren Anzeichen für heraufkommen-
de Krisen - freilich bleibt die Skep-
sis, daß sich da« Perpetuum mobile
auch auf dem Gebiet der Ökono-
mie bis heute als illusionär erwies.
Je intensiver man sich mit der
kleinen Insel beschäftigt, die sich
„Republic of China“ (ROC) nennt,
desto rätselvoller wird dieses Mini-
China: Selbstbewußt fordert es das
unendlich viel größere Festland
heraus („Die Wiedergeburt eines
freien, demokratischen Gesamtchi-
na ist keine Illusion“, Präsident
Ghiang Chin-kuo).
Es versteht sich als das wahre,
das historische Reich, das im Jahre
1911 mit der Revolution des -Dok-
tor Sun Yat-sen die bis dahin herr-
schende Mandschu-Dynastie abge-
löst hat. Sun Yat-sens nationali-
stisch-demokratische „Volkspar-
tei“ (Kuomintang) nahm darä?1*?
den Kampf gegen die den Norden
terrorisierenden Warlords auf und
siegte schließlich - ab 1926 unter
dem begabten General Tschiang
Kai-Schek - nach blutigen Kämp-
fen. Hauptstadt wurde nunmehr
Nanking. .Die a ufgeklärt-progressi -
ve Modernisierung des rückständi-
gen Riesenreiches nach den „Drei
Prinzipien“ - Min Tsu, Min Ch’üan,
Min Sheng (Patriotismus, Demo-
kratie, Wohlstand) - wurde 1837
durch den Angriff der Japaner un-
terbrochen. Nach der japanischen
Niederlage im Zweiten Weltkrieg
rissen die von der Sowjetunion un-
terstützten Kommunisten Mao
Tse-tungs in wiederum sehr bluti-
gen Feldzügen schrittweise die
Macht an sich. 1949 mußte
Tschiang Kai-scheks Nationalre-
gierung mit Millionen ihrer Anhän-
ger auf die vorgelagerte Insel Tai-
wan ausweichen. Seither also „Re-
public of China“ - noch immer mit
der Kuomintang als stärkster und
praktisch herrschender Partei
Was auf der geographisch wie
sprachlich und sogar ethnisch un-
geheuer differenzierten Großflä-
che Chinas nicht vollendet werden
konnte, soll nun auf der überschau-
baren Insel glücken: Small is beau-
tifUL Taiwan mit seinen Menschen-
massen, politisch isoliert und ohne
Bodenschätze, müßte so bettelarm
sein wie Bangladesch, aber es
scheint schier unaufhaltsam reich
zu werden. Was für ein Volk?
Oder sind es nicht eigentlich
zwei Bevölkerungen, die sich auf
der gebirgigen Insel drängeln. Der
Unterschied ist dabei gar nicht der
zwischen den etwa 250 000 Urein-
wohnern („Aboriginals“), die ma-
Iayischer Rasse sind und allenfalls
dem Touristen ins Auge fallen, und
den Alt-Taiwanesen aus früheren
süd chinesischen Einwanderungs-
wellen, und auch nicht zwischen,
diesen beiden Gruppen einerseits
und den Millionen, die nach Maos
Sieg nach Formosa flüchteten an-
dererseits. Zwei Bevölkerungen:
Die Trennung verläuft zwischen
den Generationen.
Top-Manager
mit dreißig Jahren
Gegenwärtig mag sie beim After
von 45 Jahren liegen. Da sind die
Älteren, die unter spitzem, breit-
randigem Bambushut in den über-
fluteten Reisfeldern stehen, die
buchstäblich jedes Fleckchen
Land nutzen für Gemüse. Obst,
Tee, die in den Städten, zahnlos,
krumm von der Lebensarbeit, Stra-
ßenhandel treiben, gelegentlich
wohl auch Räucherstäbchen vor
Buddhabüdern brennen lassen, die
so chinesisch sind, wie der Fremde
sich seinen Chinamann wünscht.
Und da sind die Jüngeren, eine
Tennis, Squash und Baseball spie-
lende Blue-jeans-Generation, deut-
lich großer, extro vertierter, alert
Diese Jungen mit ihren Mädchen
verfahren vergnügt ihr Benzin, be-
völkern die keineswegs billigen
Restaurants in den Großstädten,
die Kaufhausblöcke. Tüchtig sind
sie, konzentriert, erdienen ihr Geld
und geben es auch aus.
Zwei Welten. In den Industrie-
kombinaten, in den Werften, auf
den Flughäfen, bei den staatlichen
Organisationen sind Manager, Di-
rektoren, Generalsekretäre ganz
junge Leute, um die 30 oft, Un-
gebildet Je niedriger die hierarchi-
sche Schicht im staatlichen wie im
privaten Sektor, desto älter sind
die Mitarbeiter. So wirkt es jeden-
falls, wobei eine gewisse, aber si-
cher nicht entscheidende Rolle
spielen mag, daß der Ausländer auf
Englischsprechende angewiesen
ist
Doch nicht nur das unbefangene
Denken in den Kategorien der
amerikanischen Naturwissen-
schaften, der amerikanischen
Technik, des amerikanischen Ver-
tragsrechts, verblüfft - es ist mehr:
Es ist der geistige Habitus, die
amerikanische Lebenshaltung, die
hier, vor Chinas Küste, krasser auf-
scheint als beispielsweise ira Mit-
telwesten der Staaten. Wo bleibt da
das China des Konfuzius?
Familiensinn und
ein Ja zum Staat
Von einem buddhistischen Chi-
na mag man in diesem Zusammen-
hang ohnehin nicht sprechen, da
sich — der von Indien erst um die
Zeitwende eingewanderte - Bud-
dhismus mit unseren Vorstellun-
gen von Religion nicht ausloten
und daher in seiner aktuellen Be-
deutung für die chinesische Menta-
lität auch kaum gewichten läßt
Um so formender hatte sich seit
500 v. Chr. der Einfluß von Konfu-
zius und seinen Schülern auf die
chinesische Art der Lebensbewäl-
tigung ausgewirkt.
Die Chinesen von heute und be-
sonders die von Taiwan wären
nicht was sie sind, ohne ihre tra-
dierte Staatsphilosophie: Familien-
sinn, Solidarität in der Gruppe, po-
sitives Verhältnis zum Staat Pietät
gegenüber der Geschichte, bürger-
liche Tugenden wie Höflichkeit
Fleiß und Ehrlichkeit
Das wirkt nach - aber die Grund-
haltung ist durch das Abenteuer
Industriegesellschaft Belastungen
ausgesetzt wie wahrscheinlich nie-
mals zuvor. Taipeh hat neben vie-
len Hochhäusern und Luxushotels
auch etliche nationale Kultstätten:
Das Tschiang-Kai-schek-Memorial
die Halle der Märtyrer (im chinesi-
schen Bürgerkrieg gefallen), den
Konfuzius-Tempel Alle sind nach-
empfundene Trädition und trotz
grellfarbiger Drachenplastiken,
lackierter Säulen und Pagodendä-
chem erkennbar, fühlbar, rational
und neu wie die Bankpaläste auch.
Nichts ist älter als 30 Jahre, von
im Skelettbau geschulten Archi-
tekten hingezaubert, nebst den
symbolistisch überhöhten Gärten,
von Dekorations-Profis, die auch
für Disneyland oder Warner Bro-
thers hätten arbeiten können. Fol-
ge: Die Besuchergruppen, Touri-
sten wie Einheimische, sehen
pflichtbewußt hin, fotografieren,
ziehen weiter. Da springt kein Fun-
ke mehr.
Eine oberflächliche Gesellschaft
mithin, tüchtig im Imitieren, flei-
ßig und flach, auf längere Sicht zu
einem Mittelplatz verurteilt? Die
Antwort könnte vielleicht gewagt
werden, verlöre sich der Besucher
nicht an das sogenannte Palastmu-
seum. Hier, in einem modernisti-
schen Neubau, birgt sich die Kul-
tur der dreitausend Jahre, wie sie
aus den kaiserlichen Schatzkam-
mern und Museen von den abzie-
henden Kuomintang-Truppen mit-
geführt worden war. Trotz der
Weitläufigkeit kann nur ein kleiner
Bruchteil der Schatze gezeigt wer-
den. So wird alle paar Monate aus-
getauscht und neu dekoriert. Nun
erst begreift man. sprachlos im
Grunde, welche Horizonte an Krea-
tivität, an Hartnäckigkeit, an in
Jahrhunderten gewachsenem
handwerklichem Können dieses al-
te China auszeichneten.
An meinem dritten Wandertag
durch die Etagen, im Saal in dem
fast ohne Farbe hingehauchte, halb
naturalistische, halb magische Bil-
der, zu bewundern sind, sagte mir
ein nachdenklicher Holländer
„Mao war ein Glücksfall für uns
Europäer." Richtig. Dasselbe ging
mir seit Stunden durch den Kopf:
Die Begabung und Zähigkeit die-
ses Milliardenvolks, voll entfaltet
im privatwirtschaftlichen System
Taiwans - die 18 Millionen lehren
schon heute Europas Werften,
Stahlkonzerne, die Schweizer Uh-
renindustrie und sogar die Herren
vom japanischen Mikro Prozesso-
ren-Bau das Gruseln. Was wäre,
wenn statt 18 über 100 Millionen
Chinesen auf die Weltmärkte
drängten? Der real existierende
Sozialismus hat Festlands-China
auf lange Zeit immobilisiert
Für di« Alteren Ist d«r tracfltioaall«, spitze, breitbandig« Barebtniurt di«
Kopfbedeckung geblieben FOTOS: ARMAND BORLant/studio x
\ . ; •
POLITIK
KE WELT- Nr. 157 - Samstag g
Botin steuert härteren Kurs I Gespräch mit dem früheren SPD-Fraktions-Vize, Karl Liedtke, einem der ^ß>e^iinder der Gewerkschaft
Die Verurteilung des Angestell-
ten der sowjetischen Han-
delsmission, Gennadi Bataschew,
zu zweieinhalb Jahren Freiheits-
strafe wegen Technologie-Spio-
nage durch das Oberiandesge-
richt in Düsseldorf ist in dreierlei
Hinsicht bemerkenswert.
L Die Bundesregierung hat mit
der Ablehnung eines Austau-
sches vor der Hau ptverfaandlung
mit der von ihren Vorgängern ein
Jahrzehnt praktizierten Gewohn-
heit gebrochen So wurden früher
ein ehemaliger DGB-Vorstands-
sekretär und eine hochkarätige
Agentenfuhrerin in Bonn ohne
Prozeß den östlichen Geheim-
diensten aus der Untersuchungs-
haft übergeben. Dagegen ist toin
Fall bekannt, daß der Ostblock
einen deutschen Agenten ohne
Prozeß und langjährige Strafver-
büßung ausgetauscht hat Die
neue Regelung gebt von dem
Verhalten der anderen Seite aus
und setzt jetzt vor einer Aus-
tauschaktion ein Urteil voraus.
2- Die Bundesregierung ließ sich
nicht durch besorgte Termin-Rat-
schlage und Kulissengeflüster
aus Kreisen der Kremldiploma-
ten beeinflussen. So wurde die
Hauptverhandlung in der Woche
geführt, in der Bundeskanzler
Helmut Kohl mit der sowjeti-
schen Führung zusammentraf.
Der Prozeß wurde wie jeder an-
dere Spionagefall von der Justiz
angesetzt und nach rechtsstaatli-
chen Prinzipien verhandelt ln
Moskau weiß man mm auch in
diesem Punkt daß die neue Re-
gierung in ihre Vorstellungen von
Leistung und Gegenleistung
auch die „unsichtbare Front“ ein-
beziehen will Dabei gibt es zwi-
schen der Bundesrepublik und
der Sowjetunion in puncto pro-
zessuale Abwicklung von Agen-
tenföllen derzeit ohnehin man,
gels Masse keine besonderen Pro-
bleme.
Seit der Remedur in der deut-
schen geheimen Aufklärung
durch den ehemaligen Kanzler-
amtsminister im Kabinett Willy
Brandt herrscht da Fehlanzeige.
Es ist k«»in Fall eines aufgefloge-
nen hochkarätigen deutschen
Agenten in der Sowjetunion
mehr bekanntgeworden. Was So-
wjetspione in der Bundesrepu-
blik betrifft, sind der deutschen
Abwehr im letzten Jahrzehnt le-
diglich u kleine Fische“ ins Netz
gegangen. Verbesserte Tarnung
ywrf Arbeitsverteilung der Ost-
blockggh wnwi tenfite untereinan-
der erschweren immer mehr das
beweissichere Aufspüren und
Überführen östlicher Agenten.
3. Der Prozeß gegen Gennadi Ba-
taschew verdient nicht zuletzt
riwiiaih «ne Anmerkung, weil
DIE # ANALYSE
der Fäll nur drei Tage bis zur
Urteilsverkündung gedauert hat
Vergleichbare Prozesse haben
sich nach der Gerichtspraxis der
letzten Jahre hingegen auf min-
destens mehrere Wochen, ge-
wöhnlich auf zwei bis drei Mona-
te eingependelt Was da vor den
ProzeSbeteüigten in der Regel
aufgeblättert wird, ist ein aufge-
blähter abenteuernder Spionage-
wälzer. Professionelle Ost-Agen-
ten verhehlen denn auch nicht
ihre Freude über die gepflegte
Salon-Atmosphäre im Prozeßsaal
- im Gegensatz zu den Geheim-
prozessen des Obersten Militär-
gerichts in Ost-Berlin und ande-
rer „DDR“ -Instanzen gegen Bür-
ger aus der Bundesrepublik
Deutschland.
„DDR“-Spione oder Agenten
an« anderen flgtHnfirgfaiat^n ha-
ben zudem in ltwrwm Fall länger
als acht Jahre (ein einrigpr Fall
Heinz Felfis) verbüßt. Der Spion
im Kanzleramt, Gunter Guillau-
me, wurde nach siebeneinhalb
Jahren, der frühere TUrUwor
SPD-Sprecher Bürger nach drei
Jahreik ausgetauscht Dagegen
wurden westliche Bürger in
MDDR“-Strafenstafen zwischen
whn und fün&ehn Jahren inhaf-
tiert In den vergangenen Jahren
hat sich Bonn stets nicht in der
Lage dazu erklärt, daraufzu drin-
gen, daß die Haftbedingungen für
verurteilte Deutsche im östlichen
Gewahrsam verbessert werden.
Während Girillaume von Zeit zu
Zeit mit stillschweigendem Ein-
verständnis der Bundesbehörden
in die Universitätsklinik auf dem
Bonner Venusberg gebracht wur-
de, um die Haftpsychose zu mil-
dern und die Konstitution zu
checken, steckte der Staatssi-
cherheitsdienst den Spitzen mann
der Austauschpartner im Zucht-
haus Bauten arht Jahre in Isola-
tionshaft. Die weiteren verbüßten
ffinf Jahre bis *»m Austausch ge-
staltete der „Stasi“ nicht minder
höllisch für sein Opfer. Mit der
täglichen Normschraube war die
Drohung verbunden, bä Nichter-
füllung geringe Vergünstigunen
wie Zigaretten zu streichen oder
Arrest in einer Mini-Zelle (zwei-
einhalb Schritt breit, sechs
Schritt lang) zu verhängen.
Der derzeit prominenteste
„DDR“ -Spion in einem Gefäng-
nis der Bundesrepublik, Lothar-
Erwin Lutze, denkt da in anderen
Kategorien. Lutze, der zu einem
Agentenring im Bundesverteidi-
giingsmmigtoriiim darf
nicht nur ihm nicht genehme Ar-
beiten ablehnen
an Mitgefangene, n«n, danke),
und sich statt dessen dem Spra-
chenstudium nebst Lektüre von
einem Dutzend Zeitungen und
Magazinen täglich widmen; der
zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe
verurteilte Spion führt jetzt einen
Rechtsstreit mit der Haftanstalt,
ihm «ndifph «inan Fernseher bis
zum demnächst erwarteten Aus-
tausch in die zu Der
Apparat selbst steht, von Ost Ber-
lin bezahlt, bis zur Fntwr-hoiriimg
über das Spionen-TV bereits im
Gefängnis-Depot
. jr X
Von EVI KFiTTj
Viele Fäden laufen in der SPD in
seiner Henri zusammen. Aber
nirht immw macht er daraus laute
Saiten, der Bochumer Bundestags;
ab geordnete Karl Liedtke. 14 Jahre
lang, bis „Onkel Herbert“ abtrat,
war I.igdtkip neben Wehner Vorsit-
zender des Arbeitskreises IL „Dort
wurde die Innenpolitik gemacht-*'
Seit 1976 war er auch Stellvertrete'
Wehners in der SFD-Bundestaga
fraktion. Ein Amt für einen „Kno-
chenarbeiter“.
Liedtke trainiert privat als pas-
sionierter Bergsteiger. Sein Ver-
hältnis zu Wehner definiert er heu-
te so: „Herbert Wehner ist wie eine
schwierige Wand. Zuverlässig,
wenn man die Technik beherrscht,
aber stets das Höchste fordernd."
Liedtke gab den Posten des
Stellvertretenden Fraktionsvorsit-
zenden ab, als Hans-Jochen Vogel
die ThinricstflgsfrflktlnTi übernahm.
„Ich war auf Wehner eingestellt
und es deshalb für gut, daß
Vogel, neu in der Position, auch
mit jungen und neuen Leuten zu-
sammenarbejtet** Über eventuelle
lintW^hiadlichA Auffassungen
mm Führungsstil äußert sich
Liedtke nicht Aber auch Vogel hat
offensichtlich seine Probleme.
Sagte er doch: „Wehner-Nachföl-
ger kann ich nie werden. Dazu sind
die Schuhe zu groß.“
Liedtkes Einfluß in der Partei ist
jedoch ungebrochen: Seit 1970 ist
er Vorsitzender des Parteirates.
Was hat Wehner an Liedtke so ge-
schätzt? Sicher, daß er einen so
fürchtlosen Mitstreiter an ihm
hatte.
Zeugnis von Furchtlosigkeit hat-
te schon der junge Liedtke abgege-
ben. 1943 ging er freiwillig zu den
Jagdfliegern. Bei der Truppe aller-
dings bekam er „wegen fliegeri-
scher Unzucht“ ein Jahr Festungs-
haft, saß aber nur sechs Wochen in
Torgau ab. Zu Kriegsende brauch-
te man jeden Piloten. Was aber
führte zu seiner Bestrafung?
Der Staffelkapitän hatte ein Gut
in Ostpreußen, zu dem Liedtke
„Versorgungs “-Flüge unternahm,
um die «»hmni» Wehrmachtstost
„vom Säet bis zum Schinken“ auf-
zubessern. Das hübsche Papier“
mit dem Festungsvennerk sorgte
nach dem Kriege für eine rasche
üntnuTifwiiming. Der Schuliektof
aus dem Ruhrpott trat 1946 in die
SPD ein und wurde Mitbegründer
der Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft, GEW, . in Bochum.
Auf die Frage, ob die GEW heute
nicht zu weit links stehe, sagt er
„Das sehe ich auch so. Ich bin noch
Mitglied. Der Wandel in der GEW
kam durch n Hamburger Be-
schluß, für eine Mark Monatsbei-
trag Studenten aufzunehmen. Heu-
te ist die GEW eine politisch ausge-
richtete Gewerkschaft, wahrend
sie im Prinzip «’t»p berufsständisch
gegliederte Gewerkschaft sein soll,
die ihre eigenen Interessen vertritt
Sie ist inzwischen dem eigenen
Zweck entfremdet“
Der Mann von der Ruhr vertei-
digt die Kohle-Arbeitsplatze in sei-
nem Land mit Nachdruck. Er ist
keineswegs der Meinung, Haß un-
rentable Zechen geschlossen wer-
den sollten, weil Importkohle viel
billiger sei. „Das ist außerordent-
lich kurzsichtig gedacht Meine
Antwort wenn man alle Bauern zu
BeanSteninacht und anschließend
pensioniert,- ist das billiger als die
Subventionierung der Agrarwirt-
schaft,“
Kohte ist, in seinen Augen die
Primärenögi£ „über die wir auch
in 200 Jahrennocb verfügen“.
Karl T-JgdtkA schließt sich — als
eiiter der wenigen - der eigenen
Parteikritik an, wie sie auch Johan-
nes Hau laut werden ließ. „Späte-
stens nach -dem Sonderparteitag
zur Nachrüstung im November ist
es dringend notwendig, daß die
Partei - -neue politische1 Schwer-
punkte findet Dann müssen Per-
spektiven zu den Themen Arbeits-
losigkeit,.. Wirtschaftskrise, Ju-
gendarbeitslosigkeit entwickelt
werden.“ Er sagt: „Hier sind unse-
re Antworten noch unvollständig.
Sie gehören aber zur Arbeiterpar-
tei“
. Zar. BMis hgt Liedtke
engsten Kontakt Er >r«
Volk^aufeMaul“. Fazit: Mit W- 1* r-
rischen c- -
Der früher« faktlwi-W»Uidtkt (iacte)wa ffl) FmHinirhef Vogel
. .. FOTO: DÄRCHTNGSt
■ Den Partarorsitzenden
Brandt uriterstüteXiedtke iniL- 1 ■
Absicht, im Mai 1984 io Bonn iS*
• der für den Parteivorsitz ~ '*
dierenr gibt bä -lietttt ",: --
■ Alternative zu. Brandt -äudyS, ~ .
er' dann 70 Ist.~Er istjünga- 2*'
drei- Jahren,' als sich Brandt ?
einem Herzjnfiirkt wieder äufStf- £*
en mußte. Wie man ■■ auch -
' Willy .Brandt beurteilt, er tettfOT -.s*-“’-
große IntegratiönsShigkeit AwS'^.^V.
re sagend dadurch leiderhier %
sein- FührungsstiL Integrationss^ ” -ü- "
higkeit aber braucht diese
mtt 'Sicherheit' in den nächst*;* •-
Zwei Jahren.“ : ■
Denn die Partei hat „ihre -
Not". Auch' mit ihrem ’-y
Thema der letzten Jahre, efer ■'■■/r
spannlmgspölitik“.. -Karl Xkdtb-^ -s
hat in der Partei zu den eafrl -
gehört, die Zugaben, daß „derubö-^'-'c^^
wiegende Teil der Partei,
Prozent, gegen eine Na£hritaüi$^i£
Liedtke hat . den Friedensappti
des DGB mitunterschrieben, nidj - ngU£
aber den ;,Krefäder Appell u
Grund: „Weü der von KommuaS^rakCU
sten gesteuert wird.“ Mügearbeä#*1
hat er an dem Papier, daß die fbsi
tion der Partei zur FriedembetfBHöS^57 ^
gung definiert . „Eine Partei '
vir und eine Bewegung haben
Prinzip .wenig bis nichts g jeqaeoCi- ps-4*;
meint liedtke. -Eine . t - ■
Partei aber muß ForderuJogen, iaCr^t :•=
sie aufstellt, auch - veiwirklicher.X^ -• rr
und verantworten.“
Deshalb hat er an seine Partei^ -- : ■-*
freunde die Mahnung gerichtet^ S:'A =
daß jeder, der sich an Aktionen ■
Friedensbewegung ' beteiligt,
Fnedensbewegung beteiligt,
Gewaltanwendung zu verzichtB^^^V ä
habe. - - ; : 9‘
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Warschau: Sejm
berät Änderung
der Verfassung
dpa/ AFP, Warschau
Der polnische Sejm wird am 14.
Juli - eine Woche vor dem Natio-
nalfeiertag - zu einer Plenarsitzung
zusammentreten, um über Ände-
rungen in der Verfassung zu bera-
ten. Das teilte' die amtliche polni-
sche Nachrichtenagentur PAP mit,
ohne Einzelheiten zu nennen. Es
wird «ngwinmniwn, flflß sich die
Abgeordneten mit Wirtschaftsfra-
gen, dem . neuen Presserecht und
der Frage des privaten Landbesit-
zes beschäftigen werden. Die Re-
gierung hatte sich 1981 der inzwi-
schen aufgelösten Gewerkschaft
„ Lan d Solidarität“ gegenüber ver-
pflichtet, das Recht auf privaten
Besitz kleiner Bauernhöfe in der
Verfassung zu verankern.
Welche anderen Verfassungsarti-
kel geändert werden sollen, ist
nicht bekannt. Politische Beobach-
ter halten es für möglich, daß die
Änderungen mit der Aufhebung
des Kriegsrechts Zusammenhän-
gen, die für den Nationalfeiertag
am 22. Juli erwartet wird. Als Vor-
bereitung für die 1984 fälligen
Wahlen zu den nationalen Volksri-
ten ist auch die Aufnahme der neu-
en „Patriotischen Bewegung zur
nationalen Widergeburt“ (FRON)
anstelle der Nationalen Einheits-
front in die Ver&ssung möglich.
USA planen neue
Langstreckenrakete
rtr, Washington
ITS-Verteidigungamin i <ztt*r Wein-
berg hat nach Angaben der ameri-
kanischen Luftwaffe Haq Signal für
die Vorbereitung der Produktion
einer Langstreckenrakete vom Typ
Midgetman (Gnom) für die neunzi-
ger Jahre, gegeben. Brigadegeneral
Gordon Formell bezifferte die Ko-
sten des neuen Raketenprogramms
auf 70 Milliarden Dollar. Weinber-
ger habe sich für diese mobile Rake-
te entschieden, die ohne Schwierig-
keiten auf US-Territorium zwi-
schen zehn verschiedenen Militär,
basen hin- und herbewegt werden
könne.
Wegen der starken Schutzhülle
auf ihren Transportfehrzeugen wer-
de die neuartige Rakete mögliche
sowjetische Bemahe-Treffer einer
US-Militärbasis leichter uberste-
hen können, pagte Formell, einer
der Direktoren der Raketenpro-
gramme der US-Luftwaffe. Nach
seinen Angaben sollen mit einem
Aufwand von 70 Milliarden Dollar
tausend Midgetman-Raketenin ei-
nem Zeitraum von zehn Jahren fi-
nanziert werden. Diese Summe soll
auch die Personalkostender erfor-
derlichen 35 000 bis 40 000 Luftwaf-
fen Soldaten abdecken. Die Rakete
soll in den neunziger Jahren die mit
je zehn Sprengköpfen ausgerüste-
ten Lang^reckemaketenvom T^p
MX ablosen. ...
Nur jeder vierte
Lehrer eingestellt
xhk. Stuttgart
Die Situation bei der Lehrerein-
stellung in Baden-Württemberg hat
sich in diesem Jahr gegenüber 1982
„erheblich verschlechtert“. Kultus-
minister Gerhard Mayer- Vorfelder
(CDU) gab in Stuttgart die Zahlen
für dieses Schuljahr bekannt Von
4820 Absolventen würden nur 1030
Bewerber in den .Schuldienst über-
nommen (24 Prozent), Im vergange-
nen Jahr konnten noch 48 Prozent
der Junglehrer in den Schuldienst,
doppelt so viel wie jetzt.
Mayer-Vorfelder sprach von ei-
nem „bedruckenden“ Phänomen.
Für ihn sei es deshalb nur ein
„schwacher Trost“, daß der Südwe-
sten im Vergleich zu anderen Bun-
desländern noch recht gut steht 630
Neubewerber erhielten eine end-
gültige Absage, weitere 1715 kom-
men auf eine Vormerkliste.
Pofizeijurist bleibt
Besprechungen fern
F. D. Berlin
Der wegen seiner Teilnahme an
einer Hausbesetzer-Demonstration
kritisierte Berliner .Regierungsdi-
rektor Winfried Bruder, Mitglied
der SPD und leitender Jurist der
Landespolizeidirektion, nimmt
nicht an den Einsatzbespre-
chuiigen der Berliner Polizeifüh-
mng teil, verlautete gestern aus
dem Berliner Polizeipräsidium.
Bruder hatte am vergangenen
Samstag an einer Protestaktion der
Alternativen Liste gegen die Räu-
mung- besetzter Häuser teilgenom-
men (WELT v. 8. 7.). Zudem soll er
Besetzern, gegen die wegen schwe-
ren Landfriedensbruchs ermittelt
wird, Unterschlupf gegeben haben.
Berlins Innensenator Heinrich
Lummer (CDU) hatte eine sorgfäl-
tige Prüfung der Affäre angeord-
net. '
Die CDU-Fraktion im Berliner
Abgeordnetenhaus erklärte zu
dem Skandal, wer Dienst und Ge-
sinnung nur unter Schwierigkeiten
vereinbaren könne, .sollte seinem
Gewissen folgen und dien Dienst
quittieren. Demgegenüber begrüß-
te die SPP-Fraktibnsvorsitzende
aase, wie
Kundgebung. Die Anwesenheit bfej
sonaener Demokraten könne auf
jugendliche Hitzköpfe unter den
übrigen Teilnehmern, mäßigend
wirken. Die SPD-Sprecherin
schloß in ihrer Beurteilung aus,,
daß ihr Parteifreund Informatio-
nen aus dem Pcilizeipiäsidium an
die Hausbesetzer weitergegeben
haben könnte.
ME WELT (uapt <a pttftWwtf daity
E»iS8WMaBagg
ltno Offices. POstmaster. S^add^c^.
0n io Oenmn Lanow P^«^ teCj.
580 Syfesn Awnue. JEnutewood C»w m-
07632. ■
Stoiber: Es war alles £SZE: Wi.rRd
mit Kohl abgesprochen usa akzepti
CSU-Parteilag wird sich mit „DDR“-Kredit beschäftigen Co ADW. Bonn
.. PETER SCHMAIjZ, Mönchen
Der Wirbel um den Milliarden-
Kredit an die JDDR“ und die Mit-
wirkung des bayerischem Minister-
präsidenten Franz Josef Strauß
werden auch den CSU-Parteitag
Ende nächster Woche beschäfti-
gen. In CSU-Kreisen geht m«n da-
von aus, daß Strauß in seiner Rede
ausführlich auf die. Umstände die-
ses Geldgeschäftes eingehen wird
und daß sich auch Bundeskanzler
Helmut Kohl in seinem Grußwort
positiv zu der Rolle des CSU- Vor-
sitzenden bei der Vorbereitung des
Kredits äußern, wird.
Damit hofft man in der Münch-
ner Parteizentrale, die Irritationen
in den eigenen Reihen beenden zu
können „Die Reaktion von 1100
Delegierten wird zeigen, ob die
CSU hinter diesem Mifliarden-Kre-
dit steht“, meinte gestern CSU-
Sprecher Godel Rosenberg. Er ist
sichen „Diejenigen, die glauben, es
bat deswegen einen Aufstand in
der. CSU gegeben, werden einse-
hen müssen, daß sie sich getauscht
haben.“ Strauß wird bereits am
Montag den CSU-Landesv o rstand
über die Hintergründe informie-
ren. Staatssekretär Stoiber betonte
gestern, Strauß habe alle Schritte
mit dem - Kanzler abgesprochen,
daher sei jede Kritik an Strauß in
diesem Zusammenhang zugleich
eine- Kritik an KohL
Nach dem CSU-Bundestagsab-
geordneten Franz Handlos, der
Strauß einen empörten Brief ge-
schrieben hat, äußerte sich nun
Matthias Engelsberger als zweites
Mitglied der CSU-Landesgruppe
kritisch über das Kreditgeschäft
In einer schriftlichen Anfrage woll-
te er von der RnnriPCTegignmg wis-
sen, ob es Geheimabsprachen gibt
und welche menschlichen Erleich-
terungen oder welche anderen Ge-
genleistungen einen solch günsti-
gen Kredit rechtfertigten. Nach
Angaben der Bonner CSU-Landes-
gruppe wurde die Anfrage wieder
zurückgezogen.
Um den Vorwurf der „Informa-
tiönsfalschung“, den Stoiber ge-
genüber einem Redakteur des
„Münchner Merkur“ wegen dessen
Berichterstattung über eine Kabi-
nettSsitzung erhoben hatte, wird es
zu einer juristischen Auseinander-
setzung kommen. Der Journalist
Rudolf Lambrecht hat Stoiber auf-
gefordert, bis Montag diesen Vo-
wurf zu widerrufen, andernfalls
werde er ihn verklagen. Stoiber
erklärte, er werde dieser Forde-
rung nicht nachkommen. Lam-
brecht, der über die Kabinettssit-
zung, in der Strauß über den Kre-
dit referierte, berichtet hatte, be-
ruft sich auf zwei nicht genannte
Kabinettsmitglieder. Inzwischen,
so Lambrecht, habe ihn einer sei-
ner Informanten telefonisch gebe-
ten, den Informantenschutz einzu-
halten. jSie würden sonst eine po-
litische Existenz ruinieren“, zitiert
Lambrecht seinen Gesprächspart-
ner.
Schily: Partei stärker
zur Geltung bringen
Grane Fraktion setzt auf neoe OrganKatkms-Stniktar
' STEFAN HEYDECK, Beim
Die Grünen wollen ihren Wider-
stand gegen eine mögliche Statte
nfrriTig neuer amerikanischer
Mittelstreckenraketen auch dann
nicht auf geben, wenn sich in einer
von ihnen geforderten „konsultati-
ven Volksbefragung“ eine Mehr-
heit der Bevölkerung für die Auf-
stellung aussprechen sollte. Das
wäre dann nar^h ihrer Auffassung
eine „falsche Antwort“.
Otto Schily, einer der drei Spre-
cher der Bundestagsfraktion der
Grünen, vertritt die Auf&ssung,
mit eine Haketenstatiozüerung in
der Bundesrepublik würde «eine
so gefährliche Situation für Europa
heraufbeschworen, daß da ein sehr
intensiver Widerstand notwendig“
wäre. Schily bezog dies „sowohl
auf die parlamentarische Tätigkeit .
als auch auf den außerparlamenta-
rischen Widerstand“. -
Weil die Grünen „in gewissem
Umfeng auch eine Aktionspartei“
seien, werde.es auch in Zuküriftzu
Demonstrationen und spektakulä-
ren Auftritten in „vielfältiger
Form“ kommen. Schily: „Das wird
man uns nicht abgewöhnen kön-
nen."
Zu Verstößen von Abgeordneten
seiner Fraktion gegen das Ver-
sammlungsverbot im Bonner Re-
gierungsviertel meinte der 50jähri-
ge Rechtsanwalt, die Bannmeile
habe «natürlich irgendwo einen
Sinn“, aber man solle „da auch
nicht so empfindlich sein“. Gleich-
zeitig beklagte er, daß derartige
Aktionen „riesige Schlagzeilen“
fänden, jedoch zum Beispiel Gro-
ßen Anfragen der Grünen nicht
„mindestens genauso viel Auf-
merksamkeit“ gewidmet würde.
Zur Zusammenarbeit mit den an-
deren Parteien meinte Schily, auch
wenn die Grünen nicht an „Kun-
gelgesprächen“ interessiert seien,
wäre es „im Prinzip“ sinnvoll,
wenn alle Fraktionen „bestimmte
aktuelle Fragen stärker miteinan-
der auch mal außerhalb des Plenar-
saals“ diskutierten. Nach hundert
Tagen Parlam entszugehörigkeit
habe sich noch nicht „so etwas wie
eine Zusammenarbeit entwickelt“.
Zwar seien die Kontakte zu den
Sozialdemokraten „sehr viel stär-
ker“ als zu CDU/CSU und FDP,
aber SPD und Grüne seien „keine
Koalition in der Opposition" .
Schily räumte ein, daß seine
Fraktion In der ersten Anlaufphase
„enorme Schwierigkeiten“ gehabt
habe. Bis zum Herbst solle eine
Struktur geschaffen sein, wie die
Arbeit dann „ohne größere organi-
satorische Probleme“ ablaufen
. könne.
Zäun Verhältnis zwischen Frak-
tion, und Partei, die eine Kontroll-
instahz eingesetzt hat, meinte Schi-
ly, dieses Gremium solle seine Auf-
merksamkeit vomehmlip^ auf po-
litische Inhalte und nicht so sehr
auf organisatorische Dinge der
Fraktion richten. ^Notwendig“ sei
auch, daß die Partei sich selbst
stärke. Der Bundesvorstand müsse
die Partei „ wieder viel stärker nach
außen“ zur Geltung bringen, „da-
mit nicht alte Augen steh auf die
Fraktion richten“.
Schily ließ im Gespräch offen, ob
er nach zwei Jahren entsprechend
einem Beschluß der Grünen sein
Mandat niederlegen wird. Auch die
Frage einer zweiten Kandidatur
nach vier Jahren sei „eigentlich
noch nicht so ganz klar geregelt“.
Das Rotationsverfahren ist für ihn
ein „Experiment“ und keine JPrm-
zipienfrage“. Wenn es sich in der
Praxis nicht bewähren sollte, müß-
ten dieGrünen nach seinen Worten
„in der- Lage sein, das wiederum
anders zu entscheiden“.
Erstmals probten Sowjets
Kampflandung bei Nacht
Marschall Ustinow leitete persönlich das Manöver
GREGOR KONDEK, Kiel
Bei dem großen Manöver der So-
wjetarmee im .Baltikum, Ostpreu-
ßen und an der Ostseeküste, das
am Montag dieser Woche beendet
wurde, haben die Sowjets erstma-
lig. Kampflandung bei Nacht
geübt Wie ein Sprecher des Flot-
tenlrnmmanring der BnnHt«rmnrinp
in Glücksburg auf Anfrage bestä-
tigte, fand die Knmpflawdiirig».
Übung in der Nacht vom vergange-
nen Sonnabend Sonntag auf
der Frischen Nehrung in Ostpreu-
ßen statt Eingesetzt war dabei die
in Reval stationierte Marineinfan-
terie in Brigadestärke (ca. .2500-
3000 Mann}- Insgesamt waren bei
dte«*»m Manöver etwa 60 000 Mann
eingesetzt
Das Manöver - vom 2S. Juni bis
4. Juli - wies nach ersten Auswer-
tungen noch zwei weitere Beson-
derheiten auf Beider vom sowjeti-
schen Verteidigungsminister Mar-
schall Dimitri Ustinow (74) persön-
lihh geleiteten Übung wurden zum
erstenmal neue nachtflugtaugli che
Flugzeuge — eines bisher unbe-
kannten Typs - eingesetzt Nach
Mpinwig westlicher Beobachter
war die Entwicklung dieser Flug-
zeuge Voraussetzung für die nächt-
liche Landeoperation.
Ein weiteres neues Element das
bei dteslrubung festgestellt wer-
den konnte, war un größeren Rah-
men der TSt-wartä von sogenannten
operativ-taktischen Gruppen. Die-
se Gruppen können in etwa mit
den Brigaden der Bundeswehr ver-
glichen werden. Mit operativ-takti-
schen Gruppen kann unterhalb der
Divisionsebene der Kämpf verbun-
dener Waffensysteme verschiede-
ner Art gefühlt werden. Diese
Gruppen sind keine ständig beste-
henden Verbände, sondern werden
in der sowjetischen Armee von Fall
zu Fall - je nach Kampfauftrag -
zusammengestellt, „was nicht un-
problematisch“ ist wie westliche
Beobachter meinen. Die in Ost-
Berlin erscheinende Parteizeituiig
„Neues Deutschland“ hat indirekt
auf die Teilnahme der operativ-tak-
tischen Gruppen hinge wiesen. In
einem Bericht über das Manöver
heißt es, es sei „die verbesserte
operativ-taktische Ausbildung der
Stäbe“ demonstriert worden.
Unklar ist bisher, ob es sich bei
diesem Manöver um ein rein sowje-
tisches gehandelt habe. Von Flug-
zeugen der Bundesmarine wurden
im Mflhövergebiet Korvetten vom
Typ Koralle beziehungsweise der
„Parchlm-Klasse“ unter sowjeti-
scher Flagge erkannt, die aber nur
bei der sogenannten „Volksmari-
ne“ dar „DDR“ im Einsatz sind. Es
ist nicht auszuschließen, daß diese
Schiffe nur zur Tarnung unter So-
wjetflagge fahren. Hintergrund
und Aufgabe des Manövers war es,
im tenri«rt»flKHph gteteharHg ge-
stalteten. Küstengebiet Kampfauf-
gaben für eine Arilandung in Däne-
mark und Schweden zu erproben.
Unmittelbar vor dem Baltikum-
Manöver . war die Stabsrahmen-
übung „So jus 83“ durchgeführt
worden. Hier war unter der Beteili-
gung von Stäben aus den Militär-
berirken Bflltiteim, .Weißrußland
ynrf mieb des MflbarheinrVpq Kar-
pöten die Offensive einer zweiten
WeDe zum Entsalz der abgekämpf-
ten ersteh Welte vorgeführt wor-
den.
Kompromiß von
USA akzeptiert?
Co ADW. Bonn/Madrid
Der westliche Plan, das Madrider
KSZE-Folgetreffen Ende Juli auf
Außenministerebene formell zu
beenden, wird sich nicht verwirkli-
chen lassen. Wie verlautete, hat der
sowjetische Außenminister Gro-
myko seinem Bonner Amtskolle-
gen Genscher während dessen Be-
such in Moskau erklärt, er stehe für
eine Teilnahme an der AbschluJSze-
remonie in Madrid erst Anfang
September zur Verfügung. In Gro-
mykos Umgebung hieß es, der
73jährige habe „seinen Sommer
schon verplant“.
Gromyko habe sich jedoch prin-
zipiell bereit erklärt, nach Madrid
zu reisen, falls auch die Außenmi-
nister der Bundesrepublik
Deutschland, Großbritanniens und
Frankreichs in die spanische
Hauptstadt kamen. Das zu erwar- <
tende Treffen Gromykos mit US- !
Außenminister George Shultz wird j
geheimhin als <bny interessanteste i
Ereignis zum Abschluß des KSZE- i
Folgetreffens gesehen. .
Ein Durchbruch bei den seit drei
Jahren andauernden Beratungen I
in Madrid war möglich geworden,
nachdem die westlichen Delegier-
ten sich bereit erklärt hatten, die
ursprünglich von den USA erhobe-
ne und von Moskau abgelehnte
Forderung fallen zu lassen, daß in
dem Schlußdokument der Folge-
konferenz eine Bezugnahme auf
ein weiteres Treffen über mensch-
liche R*ytohnngftn AntbaTteri sein
müsse. Statt dessen begnügte sieb
der Westen damit, daß dieser Hin-
weis in amem gesonderten Doku-
ment enthalten sein sollte. Eine
formelle Zustimmung Washing-
tons lag allerdings gestern noch
nicht vor. Die Konferenz soll am
16. April 1986 in Bern beginnen.
„Palästinensern geht
es in Israel besser“
. AP, New York
In den israelisch besetzten Ge-
bieten hat sich die wirtschaftliche
Lage der Palästinenser verbessert,
ihre Einkommen sind gestiegen
und ihre gesundheitliche Versor-
gung ist angemessen. Zu diesem
Schluß kommt ein Bericht über die
Lebensbedingungen der Palästi-
nenser, den die Vereinten Natio-
nen in New York veröffentlicht ha-
ben.
Klage führt der Bericht jedoch
über die Höhe der Steuern, die
Behinderung der Landwirtschaft
durch jüdische Siedler und das
Fehlen von Kapital für die palästi-
nensische Industrie.
Warum Mitterrand zögert, Jaguars
für Hissen Habre ins Feld zu schicken
Französische Jagdbomber könnten den Vormarsch der prolibyschen Truppen stoppen
Von A. GRAF KAGENECK
Noch zeichnet sich eine militäri-
sche Entscheidung in Tschad
nicht ab. Zur Stunde toben schwe-
re Kämpfe im Vorfeld der unweit
der sudanischen Grenze gelegenen
Provinz-Hauptstadt Abeche, von
der aus vor zwei Jahren der augen-
blickliche Tschad-Präsident, His-
sen Habre, . seinen Wiedererobe-
rungsfeldzug antrat, um seinen Wi-
dersacher Goukouni Weddate aus
der Hauptstadt NDjamena zu ver-
treiben. Wer Abeche besitzt, hat
den Degen in der Hand, um NT)ja-
mena militärisch aus den Angeln
zu heben. Das weiß man im weißen
Regierungsgebäude am Ufer des
Charz ebenso wie in Paris, Tripolis
und Washington.
Die Nachrichten von der „Front“
sind in Afrika nicht weniger wider-
sprüchlich als auf zivilisierteren
Kriegsschauplätzen. Während Ra-
dio Goukouni von Tripolis aus am
Freitagmorgen die Einnahme der
Städte Oum Chalouba und D’Ar-
ada meldet, welche die Straße von
Fäya Largeau, der Hauptstadt des
Nordens (schon am 24. Juni von
Goukouni genommen) nach Abe-
che verriegeln, spricht das Regie-
rungsbulletin von NTtjamena von
„schweren Kämpfen im Raum Fa-
da“, also wesentlich weiter nörd-
lich. Am Donnerstag war in der
Hauptstadt verkündet worden, die
Regierungstruppen sammelten
sich bei Oum Chalouba zum Ge-
genangriff, unterstützt von einer
250 Mann starken Kolonne, die im
Vormarsch nach Norden sei
Es muß vermutet werden, daß
die Angaben aus dem gegneri-
schen Lager der Wahrheit eher ent-
sprechen. Abgesehen davon, daß
der Angreifer in einem Wüsten-
krieg immer den Vorteil der Über-
raschung und der Option des Ge-
fechtsfeldes hat (siehe RommeD,
sind die Truppen Goukounis dank
libyscher Hilfe sehr viel besser aus-
gerüstet - mit sowjetischem Mate-
rial - und haben offenbar auch die
bessere Moral Zwar sollen sie bei
den letzten Kämpfen hohe Verlu-
ste erlitten haben. Diese dürften
aber schnell wieder aufgefiillt wer-
den.
Hissen Habre dagegen vertilgt
über eine heterogene, wenig moti-
vierte „Nationale Armee Tschads“,
die seit dem letzten Bürgerkrieg an
der Jahreswende 1980/81 noch
nicht annähernd wieder aufgebaut
ist Die massive- Waffenhilfe, die
Frankreich ihm seit zehn Tagen
zukommen läßt, steht noch unge-
nutzt in NDjamena herum, da sie
nicht ohne Flugzeuge an die 800
km weit entfernte Front transpor-
tiert werden kann. Ein Sonderbot-
schafter Habres ersuchte am Don-
nerstag in Paris den Afrika-Berater
Mitterrands, Guy Penne, dringend
um Hilfe bei der Verschiffung der
Waffen nach Norden, aber bisher
zögert der Präsident, dem Hilferuf
nachzugeben, offenbar, weil er dies
als eine zu direkte Einmischung
ansieht
Als gänzlich unbrauchbar anzu-
sprechen ist die Hilfe, die der Zai-
rer Mobutu seinem bedrängten
Freund Habre lieferte. Die 250 Fall-
schirmjäger liegen in NTDjamena
in der Sonne und sollen den Flug-
hafen schützen. Drei überalte te ita-
lienische Macchi-Jäger haben
nicht genügend Aktionsradius, um
bis zur Font und wieder zurückflie-
gen zu können. Ein Goukouni-Mit-
arbeiter in Paris sagte der WELT:
„Die Zairer sind Buschsoldaten,
die keine Ahnung vom Krieg im
Sand haben. Wir würden leicht mit
ihnen fertig.“
Das einzige, was helfen würde,
wären französische Jaguars. Dieser
britisch-französische Jagdbomber
ist das ideale Interventions-Kampf-
mittel auf Distanz, es trägt eine
beeindruckende Bomben- und Ra-
ketenlast, hat einen Aktionsradius
von 2000 km, kann in der Luft
aufgetankt werden und entzieht
sich feindlichen Luftabwehrrake-
ten im Tiefflug.
FranzÖsiche Jaguars stoppten im
Sommer 1980 mehrfach Angriffs-
kolonnen der Polisario in der West-
Sahara. Frankreich hat je eine Staf-
fel in der zentralafrikanischen Re-
publik und in Gabun stehen, für
UnserMann für Finai
Claus Dertinger, Jahrgang
1932, ist in Berlin geboren
und aufgewachsen. Ein gutes
Jahrzehnt war er in einer
renommierten Privatbank in
Hamburg tätig, bevor er 1963
in die Wirtscbafbsredaktion
der WELT in der Hansestadt
eintrat Seit 1969 arbeitet er
als Finanzredakteur in der
Bankenmetropole Frankfurt
Über sich selbst:
Die Welt der Finanzen ist schon
faszinierend. Egal, ob es um
das Alf und Ab an den Wert-
papierbörsen und an den inter-
nationalen Devisenmärkten
geht, um Zinsen in den USA
oder hier, um die Geldpolitik
der Bundesbank oder des
Federal Reserve Board jenseits
des Großen Teichs, um Finanz-
transaktionen des Internatio-
nalen Währungsfonds und der
DIE® WELT
TtUUUTIIl m DtlTKHUMI
ist näher dran
beide liegt das Frontgebiet im Be-
reich einer Tankfüllung. Seit Ta-
gen fragen Pariser Zeitungen in
Schlagzeilen „Wann kommen die
Jaguars?“ Wörtlich dasselbe fragte
Hissen Habre auf einer Pressekon-
ferenz am Donnerstag, auf der er
Präsident Mitterrand zum ersten
Mal öffentlich und massiv um di-
rektes Eingreifen in den Konflikt
ersuchte.
Aber Mitterrand wartet ab. Es
gibt nur Gerüchte, die beflissen in
Paris kolportiert werden. Die bei-
den Jaguar- Staffeln in Afrika sind
in Alarmzustand versetzt worden,
ebenso das dritte Fallschirmjäger-
Regiment der Marine-Infanterie in
Carcassone, Spezialist für
überseeische Einsätze. Soldaten
des Regiments haben das in den
Bistros von Carcassone erzählt
Möglicherweise macht sich der
Präsident auf alle Eventualitäten
gefaßt Er könnte, wie sein Vorgän-
ger Giscard 1979 in Katanga, blitz-
schnell reagieren und „Paras“ nach
Tschad werfen. Aber es gibt viele
Unwägbarkeiten.
Eine von diesen ist die Frage, wie
der Libyer Khadhafl reagieren
würde. Schon hat dieser mit dro-
hendem Unterton wissen lassen,
nicht Habre, sondern sein von die-
sem vertriebener Schützling Gou-
kouni sei der rechtmäßige Präsi-
dent Tschads. Hier befindet sich
der Oberst im Widerspruch zur Or-
ganisation für die Einheit Afrikas,
deren Präsident er gerne werden
wollte, die nämlich Habre offiziell
titularisiert hat Mitterrands stärk-
stes, weil legales Argument für ein
Eingreifen wäre gerade diese Aner-
kennung der OUA Außerdem kä-
me er den heimlichen Erwartun-
gen der Tschad-Nachbarn Niger,
Kamerun und Zentralafrika und
vor allem Sudan entgegen, die end-
lich Ruhe an ihren Grenzen habe
wollen. Schließlich würden auch
Washington und Ägypten es begrü-
ßen, wenn Khadhafis Vordringen
nach Süden und Osten gestoppt
würde.
Auf der anderen Seite gibt es
ernsthafte Warner in Frankreich
selbst, bei den Gaullisten und bis
in die Reihen seiner eigenen Partei,
die vor militärischen Abenteuern
warnen. Und es gibt die „Baum-
woll-Lobby" mit massiven Interes-
sen im reichen Süden Tschads, die
das Land am liebsten aufgeteilt sä-
hen, um endlich Ruhe vor den ewi-
gen „Häuptlingskriegen“ zu ha-
ben. Das sind Gründe, warum der
Präsident mit seiner Entscheidung
zögert. Fällt sie nach dem Fall von
Abeche?
IHik
Geschäftsbanken in überschul-
deten Ländern. Alles greift
ineinander in diesem komplexen
Geflecht internationaler Finanz-
beziehungen, in die auch die
Wirtschafts - und Finanzpolitik
hineinspielt. Was Amerikaner
über die Inflation in ihrem
Land denken, tangiert letztlich
auch die Bundesbürger als
Zinsen kassierende Sparer oder
als Häuslebauer, die eine Hypo-
thek brauchen, und natürlich
erst recht die Unternehmer. Es
ist eine reizvolle journalistische
A ufgabe. die Ereignisse an den
internationalen Finanzmärkten
zu analysieren und Trends auf-
zuzeigen, um dem Leser
Entscheidungshilfen zu geben.
200 redaktionelle Mitarbeiter berich-
ten in der WELT täglich über das
Wichtigste aus Politik. Wirtschaft
und Kultur: in Bonn, in den Bundes-
ländern und an allen Brennpunkten
des Weltgeschehens. Jeder von ihnen
ist in seinem Bereich ein erfahrener
Fachmann. Sie alle geben der WELT
und ihren Lesern den entscheiden-
den InfonHauonsvorepruag.
SPORT 9 FORUM
DIE WEIT - Nr: 157 - Samstagr 9: JuH 1933.
,sie3
Briefe an DIE # WELT
stand** pinkt / Ein Fechtunfall und viele Fragezeichen DIE WELT, Godesberger Allee 99, Postfach 2D0 8&S-, 5300 Bonn. 2, TelJ 0258/30 4ti Telex 835 774
Am Donnerstag war der Berliner
Rudi Trost, Fechttrainer im
x\Rudi Trost, Fechttrainer im
Verband der Modernen Fünfkämp-
fer, im schwäbischen Laupheim,
um bei einem Fechtartikel- Herstel-
ler Unterwäsche aus Kevlar zu or-
dern. Aus jenem Kunststoff wer-
den auch kugelsichere Westen her-
gestellt Im Fechtsport soll er der
Sicherheit dienen, wenn Klingen
abbrechen.
Zwei Tage zuvor war im Lei-
stungszentrum Warendorf der Mo-
derne Fünfkämpfer Michael Zim-
mermann verunglückt. Bei
Trainingskampf mit dem Berliner
Diethelm Nette brach die Degen-
spitze ab. Weil Zimmermann
gleichzeitig zu einem Gegenangriff
startete, prallte die Waffe von sei-
nem Unterarm ab, durchbohrte die
vorschriftsmäßige Fechtkleidung
unterhalb der Achselhöhle und riß
eine etwa fünf Zentimeter lange
Wunde. Nachdem ein Metallsplit-
Varenkamp vor Habetz
Bonlder (sid) - Einen Doppelsieg
feierten die deutschen Teilnehme-
rinnen bei einem Rad-Kriterium in
Boulder (US-Bundesstaat Colora-
do). Das Rennen über 59 Kilometer
gewann Ines Varenkamp (Olden-
burg) in 1:31:00 Stunden vor der
Kölnerin Beate Habetz:
Fußball: Schlechtes Los 1
Genf (dpa) - Doppeltes Pech hat- I
ten die Junioren des Deutschen 1
Fußball-Bundes (DFB) bei der ,
Gruppen-Auslosung für die Welt-
meisterschaft 1984 in der UdSSR.
Auf den DFB-Nachwuchs warten
mit Italien und Österreich nicht nur
schwere Gegner, sondern die deut-
schen Junioren wurden auch in die
einzige Gruppe mit drei Teilneh-
mern gelost Die übrigen 14 Grup-
pen bestehen jeweils nur aus zwei
Teams.
Golf: Langer abgeschlagen
Sutton Coldfield (dpa) - Golf-
Pro fi Bernhard Langer (Augsburg)
ist nach den ersten beiden Runden
beim Turnier in Sutton Coldfield
mit 144 Schlägen bereits abgeschla-
gen. In Führung liegt Eammon Dar-
cy (Irland) mit 134 Schlägen.
Schach im Fernsehen 1
Berlin (dpa) - Erstmals in der
Geschichte des deutschen Ferose-.
hens wird eine Schach-Partie live
übertragen. Am 27. August wird das
Spiel zwischen Weltmeister Anatoli
Karpow (UdSSR) und dem deut-
schen Großmeister Robert Hübner
in allen dritten Programmen ab
22.05 Uhr gesendet
Frankfort bleibt hart
Frankfurt (dpa) - Fußball-Bun-
desligaklub Eintracht Frankfurt
will über die Ablöseforderung von
1 .5 Millionen Mark für seinen Spie-
ler Bruno Pezzey nicht verhandeln.
Dies erklärte Frankfurts Vize-Präsi-
dent Harald Böhm, nachdem der
Österreicher mit Werder Bremen in
Österreicher mit Werder Bremen in
Verbindung gebracht wurde. Bre-
men will aber höchstens 900000
Mark zahlen.
RADSPORT
70. Tour de France, sechste Etappe,
Einzelzeitfahren über 58,5 Kilometer
von Chateaubriant nach Nantes: 1. Oo-
sterbosch (Holland) 1:18:34 S UL, 2. Wil-
lems (Belgien) 0:45 Min. zur., 3. Goros-
pc (Spanien) 1:07, 4. Vandenbroucke
(Belgien) 1:08. 5. Grezet (Schweiz) 1:28,
- Gesamt wertung: 1. Andersen (Däne-
mark) 24:14:18 Std., 2. Anderson (Aus-
tralien) 0:42 Min. zur. 3. Kelly (Irland)
0:57. 4. Zoetemelk (Holland) 1:10, 5.
Vaneraerden (Belgien) 2:00.
TENNIS
Damen-Tumler in Hittfeld (100 000
Dollar), Einzel, Achtelfinale: Kohde
(Deutschland) - Sandln (Schweden)
03, 8:3, Ffaff (Deutschland) - Graf
(Deutschland) 6:2, 6:4. Hadruga-Osses
(Argentinien) - Keppeler (Deutsch-
land) 6:4, 6:2. - Damen- Doppel, Vier-
telfinale: Bunge/Kohde - Delhees/Me-
drado (Schweiz/Brasilien) 3:6, 7:6, 6:1,
Horvath/Fromholtz (USA/Australion)
- Lütten'Schutte (Deutschland/Hol-
land) 7:5. 6:1.
ATF-Tnmier in Essen, Achtelfinale:
Läplon (USA) - Theissen (Deutsch-
land) 6:0. 7:6. Gehring (Deutschland) -
Stey (Südafrika) 6:3. 7:5, Eher
(Deutschland) - Navratü (CSSR) 6:2,
6:4. Fagel (USA) - Meiler (Deutsch-
land) 3:6. 7:5. 8:4.
SEGELN
Internationale Deutsche Meister-
schaft der olympischen Soling-Klasse
vor Grömitz, sechste Wettfahrt: 1.
Bank (Dänemark), 2. Jungblut
(Deutschland), 3. Hirt (Deutschland), 4.
Halst (Deutschland) - Endstand: 1.
Bank 4.5. 2. Simons (England) 14,5. 3.
Hirt 15.9. 4. Jungblut 16.9.
ter entfernt wurde, registrierten die
Ärzte ein Vakuum in der Lunge.
Vor «foigin Jahr starb der sowjeti-
sche Olympiasieger Wladimir
Smimow, nachdem eine abgebro-
chene Stahlklinge des Deutschen
Matthias Behr durch die Schutz-
marke ins Auge gedrungen war.
Unterwäsche aus Kevlar hat
Trainer Trost jetzt für die Moder-
nen Fünfkämpfer geordert, ob-
wohl man beim Verband behaup-
tet, Zimmemiann habe sein Trai-
ning in vorschriftsmäßiger Klei-
dung bestritten. Mal unterstellt,
daß dies so stimmt, gibt es doch
genügend Beispiele dafür, wo beim
Fechttraining in kurzen Hosen
oder im kurzärmeligen T-Shirt
agiert wurde. Und es gibt auch
Beispiele dafür, wo nach einem
TYainiwggiinfail aus versicherungs-
technischen Gründen im Nachhin-
ein die nichtbenutzte Fechtbeklei-
dung mit der abgebrochenen Klin-
ge ramponiert wurde.
Dazu auch dies noch als Fußno-
te: Fechtunterbekleidung aus Kav-
iar wird in sehr geringem Umfang
gekauft Vielleicht, weil es sich ber-
umgesprochen hat, daß auch die-
ses Gewebe keine hundertprozen-
tige Sicherheit bei abgebrochenen
Stahlklingen bietet
Was ist also zu tun? Zwei schwä-
bische Hersteller bemühen sich
um die Entwicklung und die Pro-
duktion splitterungsfreier Klingen.
Einer von ihnen hat eine Glasfiber-
die Glasfiber-Waffe noch nicht
zugelassen.
Ein anderer schwäbischer Her-
steller beschäftigt sich mit der Ent-
wicklung einer sogenannten Sand-
wich-Klinge aus verschiedenen
Metallschichten. Diese Waffe soll -
irgendwann einmal endgültig ent-
wickelt - völlig ungefährlich bre-
chen.
Das alles tut not. Denn abgese-
hen davon, wie schwer verletzt der
Fünfkämpfer Michael Zimmer-
mann ist- auch eine Fleischwunde
oder nur eine Schramme ist nach
Klinge entwickelt, die mit pippm dem Tod Wladimir Smimows in
Stahlband umwickelt ist 90000 dieser Branche ein SignaL Freilich
Stoße hat diese Florettklinge am bedarf es dabei der Offenheit der
Automaten hinter1 sich, ohne zu Aktiven gegenüber den Produzen-
b rechen, ohne sich zu verformen, ten von Ffechtartikeln. Wenn
Ende Juli, bei dem. Weltmeister- schmerzhafte Erfahrungen ver-
schaffen in Wien, werden 200 sol- schwiegen oder kaschiert werden,
eher Klingen bereits zum Verkauf bleibt nämlich, die Sicherheit wei-
angeboten.
Für internationale Turniere ist
terhin auf der Strecke.
KLAUS BLUME
Michael Westphal - endlich einer,
der zur internationalen Spitze zählt
H. J. POHMANN, Tel Aviv
Nach den ersten beiden Ein rein
der zweiten Daviscup-Runde ge-
gen Israel liegen die deutschen
Spieler mit 2:0 in Führung. Damir
Keretic siegte im Eröffnungs-Ein-
zel vor nur 500 Zuschauern über
den schwachen David Schneiderin
zwei Stunden, 45 Minuten 2:6, 6:4,
6:2, 6:2. Michael Westphal schaffte
dann anschließend in der zweiten
Begegnung die Überraschung und
schlug die Nummer 33 in der Welt,
Shlomo Glickstein, 9:7, 1:6, 4:6, 6:4,
6:3.
Nur wenige deutsche Schlach-
tenbummler konnten die Lei-
stungsexplosion eines deutschen
Spielers, auf die man so lange ge-
wartet hat, miterleben. Als der
18jährige Michael Westphal den
Centre Court des Tel Aviv Tennis-
Center in Ramat Hasharon, zehn
Kilometer vor Tel Aviv, betrat, hat-
te ihm Damir Keretic mit seinem
Sieg eine ideale Ausgangsposition
geschaffen. Unbelastet konnte
Westphal gegen den hohen Favori-
ten Glickstein nun aufspielen, des-
immer von den Zuschauern mit
rhythmischem Klatschen gefeiert
würde. Doch schon zu Beginn ließ
der deutsche Vizemeister den isra-
elischen Kapitän Joseph Stabholz
unruhig werden. Mit Aufschlag-As-
sen und seiner schnellen Vorhand
widerlegte er einen Kommentar
von Stabholz in der „Jerusalem-
Post“: „Die Deutschen sind nur
Sandplatz-Spezialisten, hier auf
dem schnellen Zementboden ha-
ben sie Ireröe Chance.“
Erstaunlich, mit welcher Kalt-
schnäuzigkeit Westphal sein vier-
tes Daviscup-Einzel bestritt, wie er
sich auch in kritischen Phasen
durch unglückliche Schiedsrich-
terentscheidungen nicht beeinflus-
sen ließ. Im dritten Satz wurde es
zeitweilig sogar peinlich, wie West-
phal benachteiligt wurde. Etliche
Sorgte für oteo I
chool WestpfcoL
Punkte wurden ihm vom französi-
schen Oberschiedsrichter Patrick
Flosdorp, der anscheinend sein Re-
gelbuch zu Hause vergaß, aber-
kannt, die der Neusser vorher ein-
wandfrei gewonnen hatte. So war
es um so überraschender, mit wel-
cher Einstellung Westphal nach
verlorenem dritten Satz und einer
zehnminütigen Pause wieder auf
den Platz kam.
Selbst bei nun eingeschaltetem
Flutlicht ließ sich die größte Hoff-
nung des DTB nicht mehr aufhal-
ten. Was Westphal dann den völlig
verdutzten Zuschauern bot, hat
man in den letzten Jahren von kei-
nem deutschen Spieler mehr gese-
hen. Von Coach Nikki Pilic und
Kapitän Wilhelm Bungert angehal-
ten, „auf Risiko zu spielen“, de-
monstrierte der 18jährige das rein-
ste Power-Tennis. Auf einmal
stand er nicht mehr drei, vier Mieter
hinter der Grundlinie, sondern di-
rekt dahinter und schlug seine bei-
den Grundschläge zu direkten
Punktgewinnen in das Feld des
von nun an ständig herumnörgeln-
den israelischen Spitzenspielers.
Noch nie mußte Westphal fünf
Sätze spielen. Auch war ftun oft-
mals Konditionsschwäche vorge-
halten worden, doch diesmal war
davon nichts zu merken. Gerade in
den entscheidenden Phasen ser-
vierte er in jedem Aufschlag zwei
Asse und stürmte sogar häufig an
das Netz. Mit dieser Leistung, als
Westphal nach drei Stunden, 58
Minuten seinen zweiten Match ball
verwandelte, verdiente er rieh das
Prädikat „internationale Klasse“.
Für den sportlichen Helden Israels,
Shlomo Glickstein, muß diese Nie-
derlage deprimierend gewesen
sein. Vor allem, als er gegen Ende
des Matches ohne Chance regel-
recht demontiert wurde. Für West-
phal ist es nach diesem Erfolg und
aller auf kommenden Euphorie gut
und wichtig zugleich, daß mit Pilic
und Bungert zwei Männer im Hin,
tergrund stehen, die wirkliche Ex-
perten sind. Dementsprechend
auch der erste Kommentar von
Bungert*
„Ich habe nicht geglaubt daß
Michael so gut spielen kann, aber
bis zur Spitze ist es noch ein weiter
Weg.“ Professioneller, als Nikki Pi-
lic die Mannschaft vorbereitet hat,
kann man es nicht machen. Fast
unscheinbar dirigiert er aus dem
Hintergrund und hat dabei alles im
Griff. Hier kommt dem Jugosla-
wen die Erfahrung aus unmhliggn
eigenen Daviscups zugute.
SEGELFLIEGEN
BOXEN
UNIVERSIADE
Tagessieg
fiir Peter
Ali geistig
am Ende
Silber
für Everts
sid/dpa, Hobbs
Am neunten Wertungstag der Se-
gelflu g- Weltmeisterschaft in
Hobbs (US-Bundesstaat Neu-Me-
xiko) gab es für die deutschen Teil-
nehmer einen Tagessieg durch
Emst-Gemot Peter (Freiburg) in
der 15-m-Klasse. Trotz seines Erfol-
ges bat das mit 57 Jahren älteste
Mitglied im Team des Deutschen
Aero-Clubs aber keine Chance
mehr auf die Medaillenränge. Peter
konnte sich mit seinem Tagessieg
vor den letzten drei Wertungsflü-
gen lediglich vom 19. auf den 17.
Rang Vorarbeiten.
Gute Aussichten auf den Ge-
samtsieg hat dagegen, noch Hans
Göckl (Föching) in der Standard-
Klasse. Nach seinem achten Platz
am neuten Wertungstag liegt Göckl
(8126) mit nur 30 Punkten Rück-
stand auf den in der Gesamtwer-
tung führenden Australier John
Buchanan (8156) auf dem zweiten
sid, Los Angeles
Erschütternde Eindrücke sam-
melte ein englischer Reporter nach
einem vierstündigen Gespräch mit
Muhammad Ali alfa« Cassius Clay,
von dem dreimaligen Box-Welt-
meister aller Klassen. In einer Re-
portage für den „Daily Star“ kam
der Journalist zu dem Schluß: „Er
ist geistig und körperlich am
Ende.“
In der Unterredung mit dem Re-
porter behauptete Ali Dinge, die
von Leuten aus seiner näheren
Umgebung nicht bestätigt wurden.
So erklärte der 4 1 Jahre alte Boxer.
„Ich gehe bald Khadhafi besuchen,
habe gerade einen Vertrag ausge-
handelt, der mir ein 44-Mülionen-
Hotel ein bringt Außerdem bin ich
an einem großen Goldhandel betei-
ligt“ Alis Finanzberater bestreiten
derartige Geschäfte ihres Klienten:
„Ali lebt in einer Traumwelt“ Wei-
terhin erzählte der Amerikaner
dem Reporter, daß er inzwischen
Platz. Ebenfalls Zweiter ist Bruno j so gut Klavier, Saxophon und Gei-
Ganten brink in der Offenen Klas-
se. Der Mendener kommt für den
Weltmeister-Titel aber kaum noch
in Frage.
ge spiele, daß ihn die Boston-Phil-
I harmoniker engagieren wollten.
Ähnliche Erfahrungen hatte auch
{ schon Floyd Patterson gemacht
sid/dpa, Edmonton
Nach der Bronzemedaille von An-
dreas Schmidt (Bonn) im Schwim-
men gab es für die deutschen Stu-
denten bei der Universiade in der
Leichtathletik die zweite Medaille.
Sabine Everts (Düsseldorf) belegte
im Siebenkampf mit 6291 Punkten
den zweiten Platz. Siegerin wurde
Ekaterina Smimowa (UdSSR) mit
6350 Punkten. Nach ihrem Sieg im
abschließenden 800-m-Lauf erklär-
te Sabine Everts: „Mit der Punkt-
zahl bin ich zufrieden.“
Einen zweiten Eifrig hatte die
deutsche Rekordhalterin (6484), die
sich zur Zeit intensiv auf die Titel-
verteidigung bei den Deutschen
Meisterschaften in München (16.-
17. 7.) und auf die Weltmeisterschaf-
ten in Helsinki (7.-14. 8.) vorberei-
tet, mit 6,61 Meter im Weitsprung.
Entscheidend für den Erfolg von
Ekaterina Smimowa war ihr Ergeb-
nis im Speerwerfen. Die sowjeti-
sche Siebenkämpferin erzielte 45,50
Meter, während Sabine Everts mit
36,04 Meter im Rahmen ihrer Mög-
lichkeiten blieb. Mit der Bremerin
Birgit Dressei (6025) kam eine weite-
re Deutsche auf Platz vier.
RUDERN / Auf dem Rotsee in Luzern trifft Peter-Michael Kolbe auf seinen alten Rivalen
>mnen
Sein Ziel: „Ich will Olympiasieger werden"
DIETER SCHULZ, Lusern
Fast zwei Jahre hat Peter-Micha-
el Kolbe eine Wettkampfpause ein-
gelegt, sein Ruderboot lediglich
zum Training benutzt Jetzt ist der
Hamburger auf die nationalen und
internationalen Regattastrecken
zurückgekehrt. Und über seine
Motivation läßt er erst gar keinen
Zweifel aulkommen: „Ich habe
nicht noch einmal angefangen, um
mich in Los Angeles mit Silber
zufriedenzugeben. Um zu den
wirklich Großen der Zunft zu ge-
hören. muß man einfach Olympia-
sieger gewesen sein.“
Dreimal schon war Peter-Micha-
el Kolbe Weltmeister im Einer ge-
worden, doch jetzt ist er geradezu
davon besessen, im nächsten Jahr
die Goldmedaille zu gewinnen, die
er sich eigentlich schon 1980 bei
den Olympischen Spielen in Mos-
kau errudem wollte, doch der
Olympia-Boykott kam ihm damals
dazwischen.
Nach zwei Jahren ist er zurück-
gekehrt - und gleich fand er sich an
der Position wieder, an der er am 6.
September 1981 als Weltmeister in
München aufgehört hatte, nämlich
an der Spitze. Am Wochenende
wird es fiir ihn besonders ernst,
denn auf dem Rotsee in Luzern
wird seine Konkurrenz erstmals
wieder erstklassig sein, wenn Pert-
ti Karpinnen, der finnische Feuer-
wehrmann und Olympiasieger von
1976 und 1980, sowie die beiden
„DDR“ -Skuller Uwe Mündt und
der amtierende Weltmeister Rüdi-
ger Reiche Kolbes Form überprü-
fen wollen. Fünf Rennen, fünf Sie-
ge - so lautet die makellose Bilanz
des Peter-Michael Kolbe, in Luzern
soll der sechste Sieg folgen.
Die Experten sind sich eigentlich
einig, daß Kolbe es schaffen wird.
So schrieb der Olympiasieger Mo-
ritz von G roddeck in der „Sport-
HI ustriexten“: „Kolbe hält nicht
nur das Tempo seiner hochklassi-
gen Konkurrenten mit. Er siegt,
wann immer er wilL Dabei rudert
er kontrollierter, kräftesparender
als je zuvor.“ Moritz von Groddeck
spricht vom besten Kolbe, den es je
gab.
Mit dem Sieg in Jugoslawien
über den amtierenden deutschen
Meister Georg Agrikola schaffte
Kolbe praktisch die Qualifikation
für die Olympischen Spiele in Los
Angeles. Agrikola hat inzwischen
demoralisiert die Bootsklasse ge-
wechselt und sucht jetzt mit sei-
nem Partner Andreas Schmelz sei-
ne Chance im Doppelzweier. Kol-
be: „Für mich ist es zweifellos ein
Vorteil, daß ich national keine Po-
sitionskämpfe mehr durchstehen
muß. die Kraft und Nerven
kosten.“
Peter-Michael Kolbe also ist und
bleibt der einzige Weltklasse-Ath-
let, den der Deutsche Ruder- Ver-
band (DRV) in den letzten zehn
Jahren vorzuweisen hat. Nicht im-
mer sind die Funktionäre mit dem
eigenwilligen Hamburger gut zu-
rechtgekommen, doch sie müssen
mit dem Vorzeige- Athleten leben.
Wie kein anderer versteht Kolbe es,
wichtige Rennen schon an Land zu
gewinnen, durch selbstbewußtes
Auftreten und mit der Erfahrung
von inzwischen 15 Jahren Regatta-
rüdem. In Bled (Jugoslawien)
nervte er Agrikola schon vor dem
Rennen. Wann immer sie sich tra-
fen, blickte er ihm starr in die Au-
gen: „Er hat immer als erster weg-
geschaut“
Peter-Michael Kolbe will Olym-
piasieger werden, um zu den Gro-
ßen seiner Branche zu zählen; er
scheint den richtigen Weg gefun-
den zu haben, um sein Ziel zu-
erreichen.
Insel im Meinungsstreit
„Leserbriefe: Die Tirken and dte wur»6-
, fe Zjpcntrtfft“; WELT vom 24. Juni
TENNIS / Das deutsche Daviscup-Team steht vor einem Erfolg über Israel
Sehr geehrter Herr Dr. Kremp,
die Leserbriefe, der des Außen-
und Verteidigungsministers des
türkischen Bundesstaates Zypern,
Herr Dr. Renan Atakol, und die
Antwort des Herrn Hubertus Prinz
zu Löwenstein am gleichen Tage
erscheinen zu lassen, ist ein meiner
Ansicht nach nicht geglücktes
Novum. Denn es mutet doch recht
seltsam an, daß ein Leserbrief noch
vor dessen Veröffentlichung beant-
wortet wurde.
Die Antwort des Prinzen zu L *>
wertstem vermittelt mir den Ein-
druck, daß ihm die Vorgeschichte
des Zypernkonfiiktes fremd ist
Als Historiker sollte er die Situa-
tion Zyperns besser kennen, und
es ist mir unverständlich, wie er za
einem solch einseitigen, propagan-
distisch verfälschten Urteil kom-
men konnte,
Die Namen von Professor Dr.
Ernst Forthoff des ehemaligen
Präsidenten des Verfassungsge-
richtes der Republik Zypern, und
Dr. Christian Heinze, seines Assi-
stenten, dürften Prinz zu Löwen-
stein bekannt sein. Sie sind seiner-
zeit zurückgetreten, weil die Ver-
letzung der Verfassungsgebote alle
Maße überstieg und die verfas-
sungsmäßig garantierten Rechte
des türkischen Bevölkerungsteils
nicht eingehalten wurden. Es ging
sogar soweit, daß sie zum Freiwild
der Inselgriechen wurden. So muß-
tendie Inseltürken in Gettos leben : >®**-W*** fcr Planen lat bog"- ■
und. inft Zeltlagern- 'vorlieb, neh- : ' • - • .
men sreü Präsident Makarios die Säu- geehrte Redaktion, ■ •_ ' .
Einfuhr von Baumaterial wie Holz mä Ihrem. Artikel über die Aus
und Nägel mit der fetten seheimg^q . schreitmigeEr in Krefeld hahe^gft/
Begründung verbot, es iwudAT» . ein. Stück Schicksal
sich, dabei „strategische wie doch der verantwortliche MW1^
Güter“.- - - ... ster der Landerpolizeivon' Nord.'
Wenn. Prinz zu Löwenstem be- »rein-Westfalen, Herr Schnorr jnfc je-
hauptet, „am 4: Dezember 1974 sei- ***** Fürsoigepflicht gegenübjf/ - v
ea durch die Rückkehr Makarios’ seinen Pohzexbeamtor umgeht.-'.^ *■:
in sein legitimes Präsidentenamt . Teilweise gre^ dipes /Verhri- “ .. ;t
die. Ordnung ten schon an. „indirekter -Körper.' ‘
wiederitergestelft worden“, dam hoffe, daß dieses '^ ;- = '
urteilt ' er völlig vnistinrorinryimpri verhalten keine Sehlde machend' '
und ■ wider besseren Wissens- wird, sondern, die Veräntwortfi. /^
Ebenso ist mir^uiverständlich, wie ^en .sich lahg^odarüber Gedan-i :v’
ervop-Heimgtvcrtrirftencn“ Spre- feen wachen sollten wen sie.schüü.;'
chen fa»"" . . zem die Chaoten oder die Pdfa^s*'
Um Prinz zu Löwenstein- das beamten.
wahre Süd. der ZiiKfarrrfp «i jonw ..!• . Mit;freundhchein Gniß
Zeit auf Zypern vor-Augen zu füh- . Axel - *
1W1 Hflrf UTfF rinn wi« ‘ imw. ■ •' - - .
- 3.« - —
.r.nc
und • wider besseren Wissens.
Ebenso ist mfr^uiverständlich, wie
er von „Heirnatvertziebenen“ Spre-
chen kann, ■
Um Prinz zu . Löwen stein- das
wahre Bild. der Zustande zu jener
, k * SY
Zeit auf Zypern vor Augen zu füh-
ren, darf ich anf den Beitrag von
Dr. Christian Heinze fiir das JEuro-
paarchhr verwesen. Herr Heinze
untersucht und beweist darin, daß
die Rückkehr Makarios* auf die In-
sel die ßign Ord-
nung nicht vollständig wiederher-
gesteüt had. - : . .
Vielleicht wird Prinz. zu Löwen-
stein sich anhand- dieses Berichtes
den Vorwurf nicht ersparen kön-
nen, damals (1Ö59, 1963, 1967, 1974)
nicht auch den türkischen Umsied-
lern bei der . Linderung ihres
Elends geholfen zu haben.
ißt freundlichen Grüßen
CanEvcen,
Türkische Botschaft, Bonn
Lektion der Geschichte
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Debatte um die „Pazifisten
Äußerung des Bundesministers
Dr. Geißler - darunter die sehr
zutreffenden . Ausführungen der
Herren Prof. Dr. Motschmann und
Kümmel im FORUM Ihrer Ausga-
be vom 25. Juni - veranlaßt mich
zu folgenden Anmerkungen:
Es kann keinem Zweifel unterlie-
gen, daß im Sommer 1939 folgende
drei Umstande den Entschluß Hit-
lers, Polen anzugreifen und damit
einen Krieg zu beginnen, entschei-
dend beeinflußt haben:
• Das Verhalten der Sowjetunion,
die das Bemühen der Westmächte
um einen gemeinsamen Wider-
stand gegen Hitlers Expansions-
drang nicht nur zurückwies, son-
dern durch einen Pakt mit Hitler
diesem die Sorge vor einem Zwei-
frontenkrieg nahm und ihn durch
komplizenhaff vereinbarte Beteili-
gung an der Beute zum Angriff auf
Polen direkt ermunterte.
9 Das Verhalten der englischen
und der französischen Regierung,
die durch ihre „Appeasement “-Po-
litik des ständigen Zurückwei- .
chens so unglaubwürdig «worden '.
waren, daß ein Mann wie Hitler ihr
Beistands versprechen an Polen
gar röcht mehr ernst nahm, son-
dern davon ausgehen zu können
glaubte, sie würden Polen ebenso
im Stich lassen, wie sie ein Jahr
vorher die Tschechoslowakei im
Stich gelassen hatten.
Oie Redaktion behält sich das Recht
vor, Leserbriefe sinnentsprechend zu
Hirzen. Je kürzer die Zuschrift ist. desto
größer ist die Möglichkeit der Veröf-
tentfichung.
PARLAMENT
In Straßburg wurde in dieser
Woche nach dem Bonner Vorbild
ixn deutschen Parlament eine
„Parlamentarische Gesellschaft“
gegründet Zu ihrem Vorsitzen-
den wurde der frühere Bundes-
tagsvizepräsident und heutige Eu-
ropa-Abgeordnete Kai Uwe von
Hassel, CDU, gewählt Die „Parla-
mentarische Gesellschaft“ soll
wie in Bonn eine Begegnungsstät-
te für die Mitglieder der europäi-
schen Volksvertretung werden, ei-
ne Art Parlamentarier-Club. Ab-
geordnete fast aller Fraktionen
zeigten sich in Straßburg an der
Neugründung interessiert Die
Europaabgeordneten haben in-
zwischen die Abgeordneten der
beratenden Versammlung des Eu-
roparates gebeten, sich ebenfalls
an den Treffs der neuen Gesell-
schaft zu beteiligen.
GEBURTSTAGE
Oberkirchenrat a. D. Dr. Karl
Friedrich Soll wird auch nach
seinem 85. Geburtstag im Juli sein
wichtigstes Hobby nicht zu den
Akten legen: die Forschungen
über den Husumer Dichter Theo-
dor Storm. Boll, der heute in Rein-
witz) geführt hat, objektiv mitge-
wirkt haben. . *■
wirkt haben. <
■ Aus dieser bitteren historischen.
Wahrheit sind - wenn die Fehler
der Geschichte nicht immer wie-
derholt werden sollen - Lehren zu
ziehen. Bevor man über mnen.PolS-
tiker, der dies versucht, .mit wilder
Polemik herfüllt, sollte man daher
zumindest einmal versuchen, sich
sachkundig zu machen -und nach-
zudenken...
Mit freundlichen Grüßen
Holm Schöne;
Berlin 45
Personalien
bek bei Hamburg lebt; gehört zu
den führenden Theodor-Storm-
Experten in der Bundesrepublik.
Wesentlich war er auch an der
Einrichtung des Theodor-Storm-
Hauses in Husum beteiligt. Die
Storm-Freunde haben dank ge-
sorgt daß um das Haus des Husu-
mer Dichters in diesem Jahr der
von Storm einst so geliebte Bie-
dermeier-Blumenflor wieder
blüht Dr. Boü verfaßte die Mono-
graphie „Die Welten acham x ng
Theodor Stornos“ und beteiligt
sich regelmäßig an den „Schriften
der Theodor-Sto rxn-GeSellschaft“
in Heide. Der in Lübeck geborene
Oberkirchenrat kannte auch per-
sönlich Thomas Mann, init dem er
regelmäßigen Kontakt hielt
Heute feiert Harald Retnl sei-
nen 75. Geburtstag. Er hat mehrals
fünfzig Filme gedreht die von den
Cineasten gern als „Kommezzki-
no“ abgetan werden, aber beim
Publikum viel Zuspruch fanden.
WaRace-Verfilmungeh und Kaii-
May-S treffen gehören da«», .
Folkloristisches. Zum Film ist
Reinl zufällig gekommen. Der
„Vater des Bergöhns“, Dr. Arnold
Fände, verpflichtete den Jurastu-
denten, der akademischer Ski-
VE RANSTALTUNG
Der' Oman, früher mir passio-
nierten Karl-May-Lesem bekannt
und dien Freunden von „Sindbads
Seereise“ zeigt Kunst und Kultur
in Bonn, im Museum Koenig prä-
sentiert das Ölscheichtum Kunst
bis in das dritte Jahrtausend vor
Christus. Gastgeber der Ausstel-
lung war Oman-Botschafter Naza
Mohamed AH- TVll sphirmharr id
seine Hoheit Sayyfd Bin Ali Fai-
sal Al Said, Minister für Kultur
und nationales Erbe und ein eng-
ster Verwandter von Omans Sul-
tan Kahns BinSaid. Eine Nachbil-
dung von Sindbads Segelschiff
mit dem er nach China reiste, war
Hauptattraktion in Bonn. Von
links: Elfi Wömer, Frau des Bon-
ner Verteidigungsministers, und'
Österreichs Botschaftsrat . Dr.
Emst Mcnhofer, rechts Hoheit
Sayyid Fais&l und Hans Kessel,.
Staatssekretär im Bundspräsi-
dialamtin Bonh. . FOTOS: KEH,
Falsche Zählung
.? -5
*T.»u
•S.3C
!>.1Ä
• Das Auftreten der pazifistischen
Bewegung in Frankreich und Eng-
land, über deren Eriedens-Demon-
strationen („Nicht sterben für Dan-
zig!“} die Nazis mit großer Freude
berichteten (und die sie wohl auch
unterstützten), weil sie nun den
Krieg gegen Polen wagen zu köiir
nen glaubten; denn selbst wenn die
Regierungen der zwei Westmächte
ausnahmsweise doch rönröaT hart
und konsequent reagieren würden,
hatten sie ja offensichtlich - so
jedenfalls mußte es BfitUwr erschei-
nen - kein zum Kämpfen bereites
Volk hinter sich.
Den. hier anijgeführten dritten
Punkt hat Herr Dr. Geißler mit
seiner Äußerung offensichtlich ge-
meint Ohne zu verkennen, daß
man gegen die damaligen Pazifi-
sten natürlich keinen moralischen
Schuldvorwurf erheben kann, , zu-
mal sie ja schließlich die. Opfer
ihrer Fehleinschätzung wurden,
läßt sich doch keinesfalls bestrei-
ten, daß sie an der Kausalkette/ die
zu dran entsetzlichen Zweiten
Weltkrieg mit all seinen Begleiter-
eignissen (ainarfilw flKnh AuSCh-
■ Sehr geehrte Herren,
zu „Pankraz. Tonio Kröger unf.
die Paßkontrolle“ in der WELI?*^
vom 4.^ Juli muß ich feststellen, daß
sein geistreicher und geistvoller,^- ' '
Verfasser sich auch einmal irren __
kann: Keineswegs regierten JCav'jW1*3
ser Franz . Joseph. , Wilhelm
^t|H Viktor Emamtel“ Mitteleuropa •
zu ^Beginn des neunzehnten Jahr- 'H, ,s: -
hunderte sondern zu Betdnri des;-^ '
zwanzigsten Jahrhunderts. : • ■■■ «'■ '• ~ '
Gern aber sei dieser Lapsus Ver- !
ziehen in der Erwarhmg, daß eipe jg^1
Betrachtung über die Geschichte’
der Jahrhundertzählung Thema ef-
ner seiner stets mit Spamrung er- '-'rL,, r=r:t^
warteten Beiträge wird.
. Mit ireuridlichem Gruß ...
. Otto PHassaann, > v:* •'
Neueniade 2
zz.* «I*
Zi 40.-'7
*
Befremdend
2
Angerichts der lobenswerten.,
Sparmaßnahmen dieser Regierung
mutet es befremdend an, wenn von
der Erhöhung der Diäten der Ab- ^
geordneten gesprochen wird, wäh-
rend man bei den Renten Abstri-;
che macht Es ist sicher der Regte-;,.^
rung bekannt daß es noch ReaterrTT jiz-z-c
gibt, die seit 1977 nicht erhöht wut-
den, also durch die Inflation wrii
verringert haben. Sollen äße Spjnr-
maß nahmen auf dem Rücköide'-.*:"':
finanziell Schwachen ausgetEBgen
werden, und will man die fitehrieQ ^ --e -
gut Besoldeten von jeglich&pUp- ""T-re
fer verschonen? Dü kahn.-aom9
wohl kaum -die Absicht dar^SRT j
sein. • ,r
5JEs ist ein großes Un- ; K-P-4r..^.
glück; daß Menschen - :jr- -• «
- weder genug Geist 1 ia-/ e y.*-
ben, um zu ;reden,',: :( “cz'e -'3
• hoch genug Urteils- : . .
kraft, tun zu schwer- ' '
gen. . » S-w K*
Jean de La Bruyere, franz. Moralist
(1645-1693)
• ft-lpado!
.<*» ire-;
*4*
weitmeister 1930. ein erfolgreicher
Skispringer und auch der Erfind er
der Stahlkanteh fiir Skier war, für
einen seiner Filme. Reinl, der sei-
nen Dr. jur. gemacht hatte, blieb
dann im Metier. Zuerst als Assi-
stent von Leni Riefenstahl und als
Drehbuchautor, dann als Schnitt-
meister und schließlich als Regis-
seur.
ERNENNUNG ;|
Das Königreich Norwegen ist in I
Hamburg durch einen neuen Ge- !
neralkonsul vertreten. . Die Bun- j
desregierung erteilte Björn TUItr f
Aogdähl das Exequatur. Er löst ;
den bisherigen GeneralkonsulAn- j
ton Smith-Meyer ab. 1
j-.j '»Weaken seine: i:
EHRUNG
Dr. Hermann Eicher, früherer.
Staatsminister im rhrinjand-pfal-
zischen HamaiiliÜrtBriuai, wur-
de Ehrensenator der Universität
Kaiserslautem. Universitätspr^.
sident Professor Dr. Dieter Mtaafi
würdigte in seiner Laudatio die
Unterstützung, -die Eicher bei der.
Gründung der Universität 197»- :
gewährt hat. Dr. Eicher- ist sucxTj
heute Mitglied des Hochschulku- .
ratoriums. -
1
eüun3iand un
er* verehrte-
Lud
ff, geb. \:
Str. 25S
v '^.25
Samstag, 9. Juü 1983 - Nr. 157 - DIE WELT
FERNSEHEN © RUNDFUNK
ARD
Samstag
iiää
1030 baute
1035 r tarn *ng*schfcfat*a
Lotti Huber: Mit 70 hoi man noch
Träume
Rim von Christa Auch-Sehwelk
10JS0 DteSportsckaa
' ' 15 Haben Pflamw GefOMef
•?>P2. S -"/.y *.
«i C:t r-;;; 5
«annen ~ ' fer- - -
*"c-*c r*..
.—i
'£7/ic/.?e Zähl,
***«■ - - - ft}
lc:c 3--„ -
,f
sfremdend
UM Unsere JUte— wcterg— g
IlSSPlMtMdMH
1 SM beete '
1540 Pfegw Umschau
U.19T80HKIIOS
14.150— a— bube
1445 AMMtetgeben Essoa uad Triofcoa
Die Grill party
KSt Hont 'Scharfenberg und Mi-
chael BoüUiger
In dieser neuen Ratgeber-Reihe
wird gezeigt, daß man auch ohne
Garten und ohne Balkon bei guten
Grillgerichten feiern kamt,
f 5J» Meestop Maas ans
Von und mit Dieter Haüervorden
Didi Im Wilden Westen
16.15 Alfred auf Reisen
Petri HeHl
UM leb bin ef» Monte
Ein Dokumentarbericht von Hans 1
Geppert und Ule Bth Ober die
„Vereinigung sldrche“ des Korea-
ners Sun Myung Mun, deren Mit-
glleder als „Muni es“ bezeichnet
werden.
1730 Mer eed Heute «mtefwags .
1830 Tag-schau
1835 Die Sportsdwe
U. a.: Rad: Tour de Franre
(8. Etappe)
(AnsdiL Regkmalprogramme}
203QTagasschas
29.15 Sn Abend in Tat-Mus
Heute aus Rensburg
UscM Gk» und Franz Althoff in der
Manege- des Circus WIinams-AH-
hoffc Caterirta Valente, Wall Street
Crash, les Rios, Lorata Brothers,
Duo Castein. Flying Aarhus Gym-
nasts
2145 Ziehung der Lott— ahlon
Anschi.:
Tagesschau
Das Wort zum Sonntag
2235 Der Mae«, der «fie Katzen tanze«
BeS
Amerikas Spielfilm (1973)
Nach dam Roman von Marilyn
Dunhum; mit Burt Reynolds, Sarah
Mi les, Lee 3. Cobb u.a.
Regie: Richard C Scrofin
25^ Tagesschau
11JS ZDF -Ihr
12.15 Nachbarn te
Griechenland / 13.00 Spanien /
- 13/45 Jugoslawien
Mit Elfi von Koldcreuth
1430 beste
1432 PfsoccMo -
Die Verschwundene Fee
1435 Auf der Spar der wette* Götter
Italien. Dokumentarfilm Ober Peru
Die ln geheimnisvoller IsoBertheit
...und am Sonntag
ULLI,, SOWTAC
I
lebenden Urus, einer der ältesten
Volksstämme . Amerikas, haben
sich die Wasser des Titlcaca-Sees
zum Wohnsitz erwählt, wo sie auf
schwimmenden Inseln leben.
1640 Werne & Mutter-Show
Aktion Räubere Stadt"
IMS Efiotarin Föne
I7JH Der grobe Preis
17JD5 heute
17.10 Utedefnsfegal
IBM Die Watte—
Dos Feuer
1930 haute
1930 Nero Waffe
; Wer kennt Blake fätchie?
20.15 W— ddfcl der Woche
Angebot 1: Sn neuer Stern am
Himmel
US- Spielfilm (1954)
WELT# Videotext
tlgJUi m 16 Uhr bis Sesdn^nB (AID aul ZDF)
— fer den Nomacra 601, 6B2, 663
. Angebot 2: Der unsichtbare Dritte
US- Spielfilm (1958)
Angebot 3: Wer den Wind sät . . .
US-Splelfibn (1959)
tnO/CCT 40) heute
22357(2248) Akt—«— Sport-Studio
Mit Dieter Kürten
25M/(2«M) Drei Engel flk Charite
Wiederholung von elf Folgen
De» Geheimnis im Sumpf
Mit Kate Jackson, Fanroh Fawcett,
3adyn Smitz u. a.
jJe; John UaweJiyn Moxey
045/(1
III.
Sc*. -.-...7
Von des laaes
Vz i :r !_.■■■ ^ 7"“;.
glucK. z:-... Mrrichir
nt'üvT Z ZI _-I ,'j-
>:--r. _:r; - ;*2r-
P'7.
;>.il I .■
WEST
IBM Dl« Leete vom Domplatz
7teriige 5erie von Leonhard
Rehimcens
1 . Teil: Auf rühr und Brand
IBM Dia stebeo Sakranente
Sendereihe von Leonhard Cadeg-
gianim
I. Folge: Der Weg zur Quelle
Das Sakrament der Taufe
19M Akteefle Steeda
NORD/HESSEN
IBM Maxi eed Mini
1830 Die Leete vom Pnmplntr (1) . .
Aufruhr und Brand
19M Die Reede der Mefzlger - -
Gäste bei Günther Philipp
l9MBeat-Oeb
WEST/NORD/HESSEN
28M Tagendem ......
20.15 Kino-Werkstatt
Rlme, Festivals und Rbnemächer
One Live-Sendung aus Berlin
U. a.: 20 3. Stiftung Deutsche Kine-
mathek sowie 20 3. Ffimabteilung
des literarischen Colloquiums /
Porträt des Filmkomponisten Sür-
gen Knieper
21.15 Lieder im Paik- Special
Hanns Dieter HOscn
Aufzeichnung einer öffentlichen
Veranstaltung Im Schloß park von
Schütz 1982 . ...
2145Baouvaix-Rotraspektlv*
Die Ratten
von Gerhart Hauptmann
0040 Letzte Nachricht—
SÜDWEST
IBM Marco
Fest bei Don Pedro
1845 Die Abenteuer der Maus oef dem
Zeichentrickfilm
1830 48 Stunden
19M Die Koradentaecbar von Sota
1*30 Werner Htax-Bn Laben Or das
2135
Mitvrirfcende: Söna Ghazarian, So-
pran, Bernd Weild, Bariton; .das
Rundfunkorchester Hannover des
NDR. • Dirigent: Guido Ajmone-
Morsan - /.
BAYERN
ISMDerStenanhinunelialnfi .
18.15 ABC der Wirtschaft
18M Rtmdsdiau .
19M Urlaub ln Baynm- wo1« kamt
einer kennt
Heute: Benedikt beuren, Gar-
mrsch-PatTefilarchen, Mas sing,
Leitheim, Lauf und Oedingen
20M Manie Imker
ln seiner Zelt -für unsere Zelt
NOmberger Gespräch *83
22.15Z.5.N.
w w Zer Bessenma der Petsoe
Ober die Kreativität von Psych-
iatrie-Patienten
0035
Eine holländische Familienserie beschwört die gute, alte Zeit herauf
Junger Seelenhirte in der Provinz
Das „Tagebuch eines Hirtenhun-
des*1 zeigt die Niederlande si-
cher nicht als Trendsetter, wie wir
sie heute kennen . . . Und doch: In
die nostalgische Parochie in Lim-
burg — westlich von .- Aachen —
bricht um 1919 die Erneuerung ein.
Es geht um die Steinkohle, um den
Bau der Zeche „Mounts“ (heute
längst stillgelegt), um die neuen
gesellschaftlichen Konflikte im bis
rinhm bäuerlichen Land von
Eichengrün.
Der Hirtenhund (Schäferhund),
der im ersten Ten der Fhmilien.se-
rie mit seinem jungen Kaplan Erik
Odekerke als Welpe auftrat, ist in-
zwischen erwachsen - treu, intelli-
gent, zuweilen aggressiv. Und das
Ist nötig, wenn neue Elemente das
Dorf aus seiner behäbigen Ruhe
aufetören. Die „neue Zeit“ verkör-
pert Klaasje Weenink, fröhlich, un-
beleckt von Vorurteilen, Tochter
eines antikatholischen, fcommuni-
Togebucb eines Hkrtenhuades -
ARD, So* 17.00 Uhr
stischen Betonarbeiters. Klaasje
entfesselt Liebe und Triebe.
Eine Rolle für Renee Souteodijk,
die sieb mittlerweile zur holländi-
schen Hanna Schygulla entwickelt
hat und beinahe ununterbrochen
dreht. Auf doitschen Bildschir-
men wird man sie bald Wiederse-
hen können - als Eva Braun in der
amerikanischen Serie „Inside the
Tbird Reich", wofür sie begeisterte
Kritiken erhielt
Ausgedacht hat sich die Ge-
schichte Willy van Hemert, Nestor
für niederländische Femseh-Fami-
limwrian, imri er ma^ht buchstäb-
lich alles - von der Idee übers
Drehbuch, von der Regie bis zur
Montage. Der nunmehr 71jährige:
„Ich arbeite mich kaputt“ Der
„Hirtenhund“ - die Serie um den
jungen Seelenhirten Kaplan Erik
Odekerke - bescherte van Hemert
seinen bislang größten Erfolg. Ted
Dar jung# Kopten Odokorke (Jo da Mayen) bat den Dienst in seinor
ersten Gemeinde angetraten. Er ist extrem tolpatschig und tmaffabren,
aber voller Bogoistenmg für die oooe Aufgabe. fot&telbunic
I lockte Ende der siebziger Jahre
fest die Halite der Nation an den
Bildschirm, während es Teil 2 auf
4,3 Millionen Zuschauer brachte -
fest ein Drittel der Bevölkerung.
Auch van Hemerts letzte Serie
„Der Weg44 über das Schicksal ei-
ner Tiefbauunternehmer-Fämilie
schaffte spielend vier Millionen
Zuschauer - wenngleich die Kriti-
ker sie schonungslos verrissen.
„Pathetisch, wortreich, sentimen-
tal“, hieß es da.
Van Hemert, zerknirscht: „Ja,
auch meine Auftraggeber finden,
riaB ich zu weitschweifig, zu wort-
reich bin.“ Er verteidigt sich im
gleichen Atemzug: „Aber ich un-
terscheide auch scharf zwischen
Film und Feinsehen - das ist inti-
mer, spricht die Menschen im
Wohnzimmer an. Das gibt mir die
Chance, die Charaktere zu vertie-
fen. Im Unterschied zu .Dallas1 und
.Denver Clan' will ich nicht durch
äußere Verwicklungen Spannung
schäften, sondern die Verwicklun-
gen in die Menschen projizieren.
Für 'mich geht nichts über eine
Szene mit zwei Menschen, zwischen
denen sich etwas abspielt i . .*
Dennoch dreht er weniger im
Atelier als in der Natur, am Schau-
platz. 60 Prozent der Aufnahmen
entstanden dort, in der grünen, hü-
geligen, lieblichen Provinz Lim-
burg mit ihren blitzenden Bächen
und historischen Dörfern, die so
manchen lyrisch werden lassen.
Auch für das saftige flämische Ele-
ment ist gesorgt - die Rollen der
beiden Kapläne Odekerke und van
den Brande wurden mit Flamen
besetzt Van Hemert bevorzugt flä-
mische Schauspieler, weil „die
in^hr Mut haben, Emotionen zu
zeigen“. Er führt als Regisseur sein
Team - sehr bekannte holländi-
scher Künstler darunter- nach sei-
ner Maxime: Gefühl - Gemüt
ELFRUN JACOB
Zweifelhafter Kunstgenuß
„100 Meisterwerke aus den gro-
ßen Museen der Weh“ verspricht
der Tftel (herausgegeben von Ed-
win Muflins, übersetzt von Wibke
von Bonin, Verlagsgesellschaft
Schulfernsehen, Köln, 344 S^ 316
Abb„ 68 Mark). Wer nachzählt,
kommt alWHinp nur auf 50 Ge-
mälde, die hier in kurzen Abhand-
lungen vorgestellt werden. Es ist
jeweils eine Mischung aus Bildin-
terpretation und Malerbiogra-
phfen, munter dahergeplaudert, so-
lide meist und leicht verständlich.
Durchweg von britischen und ame-
rikanischen Autoren verfeßt Der
Ausgangspunkt ist nämlich eine
Serie der BBC, die regelmäßig
(sonntags) auch im deutschen
Femsehen zu sehen ist Dement-
sprechend hängt die Hälfte der Bil-
der in Amerika (19 oder England
(7). Aus deutschen Museen sind
nur fünf Beispiele vertreten. Deut-
sche Malerei repräsentieren ledig-
lich Albrecht Altdorfer und August
Macke (es sei denn, man denkt
„reichsdeutsch“ und schlägt Ko-
koschka der deutschen Kunst zu).
Der Zuschauer kann aus der
Fein schiene zwar einiges lernen,
die Chance, den Bildern in der Nä-
he Im Original zu begegnen, ist
allerdings gering. Es bleibt somit
ein Kunstgenuß aus zweiter Hand.
Nicht anders ist es mit dem
„Schock der Moderne“ von Robert
Hughes (Econ Verlag, Düsseldorf;
432 S., 261 Abb., 98 Mark). Auch
dieses Buch basiert auf einer Fem-
sehserie der BBC, die zuerst in den
Dritten, dann auch im Ersten Pro-
gramm bei uns zu sehen war. Es ist
ein typischer Import. Von den 261
Abbildungen des Buches zeigen
nur acht Kunstwerke, die ständig
in deutschen Museen ausgestellt
sind. Drei weitere Beispiele stam-
men aus deutschm Privatsamm-
lungen und rund 15 aus deutschen
Archiven, der »Sammlung über uto-
pische Architekturen in der Berli-
ner Akademie der Künste vor
allem!
Auch diese Fernsehfolgen waren
für den deutschen Zuschauer kei-
ne Herausforderung, im Museum
nebenan nachzuprüfen, ob vor
dem Original bestehen kann, was
da anhand eines dekorativen Film-
Bild-Verschnitts behauptet wurde.
Das wirft natürlich die Frage auf,
wieso sich die deutschen Femseh-
anstalten angelsächsischer Hilfe-
dienste versichern müssen, wenn
sie uns über Kunst informieren
wollen.
Liegt das an den deutschen
Kunsthistorikern? Oder liegt das
am deutschen Fernsehen?
. P.Jo.
KRITIK
Was ist denn
schon dabei?
Das Fernsehen, selbst eine riesi-
ge elektronische Trick- und
Zauberkiste, ist gewiß nicht das
glaubwürdigste Medium, Zaube-
rer, Magier und dergL vorzustellen.
Kommt da der David Copperfield
und laßt einen Kraftwagen schwe-
ben - das ist sicher auf der Saal-
buhne ein dicker Otto. Aber vor
dem Bildschirm, dervonBIue-box-
Tricks und ähnlichen Illusionsma-
schinen lebt, kann man derweil
Bier holen und sich überlegen, was
denn eigentlich schon dabei ist,
wenn die E-Kameras im Studio ei-
nen Gegenstand zum Verschwin-
den bringen! Gewiß, immer wieder
kommt ein freundlicher Herr und
beteuert, Hans aufs Herz, es sei
kein elektronischer Trick dabei, al-
les echte Zauberei Gut, aber was
soll’sJ
Die magische Show des David
Copperfield (ARD) leidet noch zu-
sätzlich an der süßlich angerührten
Provinzialitat der Nummern. Die
einzige Spannung kommt aus der
Erwartung des pausbäckigen blon-
den Kindes, aber das süße Kind
kommt nicht Es blieb, so hört
man, in Amerika zurück.
VALENTIN POLCUCH
Sonntag
09.15 Sooday Monriag
(Nur für den Sendebereich des
WDR)
09.15 PiograflUBvbrscfcau
09 AS Yabudi Manuhie
Musik des Menschen
9t eilige Reihe
1.: Podien des Lebens
IMS Sendung ah der Wau«
11.15 Pop Stop
1230 Internationaler FriHncboppaa
Thema: Wortwechsel - Willens-
wandel {Mutmaßungen nach dem
Kanzierbesuch im Kreml)
1245 Togasschao
mit Wochenspiegel
13.15 Moslk in BBckabsrgor ScfaloS
Philip Sones Brass Ensemble
Kammermusik f Gr Blechbläser
ISA Magazin dar Woche
Unter anderem mit den Themen:
Stuttaarter Suden-Emiaranten der
Nazizeit besuchen ihre Heimat-
stadt / Waldpilze im eigenen Gar-
ten / Hamburger Ballett-Tage:
Szenen aus „Giselle"
430 Warten auf Regen
Tschechostowak. Spielfilm
Regle: Kore! Kachyna
1400 ARD-Spoit extra
Olympia made in USA
Los Angeles ein 3ahr davor
1730 Tagebuch einet Hirtenhundes (1)
Hofiänd. Femsehserle in 13 Teilen
von Willy van Hemert
1745 Bilderrätsel
Ratespiel für die ganze Familie
1830Tagettchao
183S Die Sportschau
U.a.: Rüdem: Rotsee-Regatta in
Luzern
19.15 Wir Ober um
1930 Weltspiegel
Themen: Syrien und die PLO /
Zaires Militärhltfe / Polen nach
dem Papstbesuch / Belgiens Ka-
belfemsehen / Amerikas Schul-
probleme
2ajQTaaesscbaa
28.15 Expadittamiea las Tierreich
2130 Hundert Meisterwerke
3an van Eyck: Die Madonna des
Kanzlers Nicholas Rolin
21.10 Zwischengtois
Deutscher Spielfilm von Dorothee
Dhan
2330 Tooetschau
»35 PasMnnSee ttpefctafcel
Beobachtungen beim Grand Prix
de la Chanson 1983
2330 Tagesschau
KLOO ZDF- Ihr Programm
1030 ZDF-Mattoee
Die eiserne Unentschlossenheit
der Jungfer Herdelindenros.
Romanze
Das geheimnisvolle Haus des Dr.
Coppefius
Bailettfilm von Ted und 3c Anna
Kneeiand nach L£o Delibes' „Cop-
pelia"
Das Corps de Ballet und das Or-
chester des Gran Teatro del Lieeo
de Barcelona; Musikalische Lei-
tung: Adrian Sardo
1230 Das Sonatagskonzoft
Melodie einer Stadt - Köln
1245 Freizeit
15.15 Chronik der Woche
Fragen zur Zeit
1340 Unsere Nachbarn. dB« Franzosen
14.10 Neues aas Uhlenbusch
Eine Nacht im Freien
1440 heute
1445 Dank* schön
1530 Das Land des LÖchetes
Operette von Franz Lehär (Wh. v.
•74)
Mit Rene Kollo, Dagmar Koller,
u.a. Radio -Orchester und Süd-
funkchor Stuttgart, Leitung: Wolf-
gang Ebert
1645 Volt Stoß, Bildhauer
17.15 beute
17.17 Die Sport-Reportage
18.15 Tagebuch (kath.)
1030 Tiere oatefhaMar Sonne
1838 ZDF- Ihr Programm
1930 beute
19.10 bonner Perspektiven
Thema: .Antarktis - der Wettlauf
um die Bodenschätze hat begon-
nen" - Interviews mit Volker Häuft
(SPD), Staatsminister Mertes und
Bundesforschungsminister Riesen-
huber
1930 Mm goldenen Apfelseben wir
uns wieder
1683: Die Türken vor Wien
20.15 Der Spleen des George Rifey
Tragikomödie von Tom Stoppard
Mit Heinz Schubert. Margret Ho-
meyer, u. a. Regie: Michael Gün-
ther
2130 beete/Sport
2236 Adel verpflichtet
EngL Spielfilm (1949)
Mit Dennis Price, Audrey Rldes,
u. a.
Regie: Robert Homer
2545 beute
III.
WEST
1730 Za Mt nehnrtei
Amerik. Spielfilm (1961)
Mt Jerry
u. a.
Lewis, Helen Träubel,
Regle: 3erry Lewis
1830 David W. Gfiffith (1875-1948)
Hirne für die American Biograph
Company
1. Folge: bas Massaker (1913)
1930 Akteeil* Stunde
NORD/HESSEN
17.15 Zu helft gebadet
US-Spietfilm (1961)
1845 David W. Griffith (1)
19.15 tehewage nt Kaust;
togoskxwten- härte«
WEST/NORD/HESSEN
2030 Tc
20.15
2U
Thomas Gott sei
Rim von Gert Monheim
2130 Cdlcatta
Christian. Stertey berichtet aus In-
diens größter Stadt.
22.00 Ein Strumpfband
meiner Liebeslust
Eine Goethe-Revue von Pierre
Badan unter Verwendung des
„FriederikeM-tibrettos von Fritz
Löhner und Ludwig Herzer. Musik:
Franz Lehar
Aufzeichnung einer Aufführung
aus dem Berliner „Kleinen Thea-
ter**.
25.10 151. NDR'Jazzwoffcsbop
Ma nfred-Schoof -Quintett
2535 Letzte Nachrichten
SÜDWEST
1830 Welt dar Eisenbahnen -
Eisenbahnen der Walt (5)
1845 Schaefa fBr iedereKna (4)
1930 Der Soeteuarzt Dr. Ladiner
Schweizer Spielfilm
Mit Heinrich Gretler, Heinz Woe-
ster. Irene Naef u. a
Regie: Leopold tindtberg
2045 Gerd Venennann - solo, aber
eicht aUeta
Für Baden-Württemberg:
21 45 Sport In Dritten
BAYERN
1830 Golden Gate
Porträt von San Francisco . .
(In englischer Sprache)
1845 Rundschau
1930 (toter unseroai Himmel
Die Reise nach Steiermark
Von 3osef Martin Bauer
Mit Carl Wery, Franziska Uebing
u. a.
Regie: Theodor Gradier
AnschL (etwa 2030)
Musik der Landschaft
Zum Gedenken an Prof. Kurt
Huber
21.15 Rundschau
2130 Durch Land and Zelt
2135 Das Abenteuer Ist das Wasser
selbst
2230 Bücher beim Wert genommen
Kultur-Belletristik-Wssenschaft
2335 Rundschau
ERNiVV-'Nu
i(A-Mrvr.- --
Hans Lemme
*9. 3. 1915 t 27. 6. 1983
Wir gedenken seiner in Liebe und Dankbarkeit.
In tiefer Trauer
Christa Lemme geb. Meier
Ulrich Lemme
Marion Lemme geb. Haag
Ulrike und Olaf
Ilse Plessow geb. Lemme
1000 Berlin 20, Weingartenweg 1/3
Die Beisetzung fand im engsten Familienkreis statt.
Wir trauern tun unseren verehrten Seniorchef, Herrn
Ludwig Fritz-Clouth
geb. U. 9- 1906 gest. 2. 7. 1983
In Dankbarkeit nehmen wir Abschied von einer Persönlichkeit, die unserem Unterneh-
men mehr als 5 Jahrzehnte entscheidende Impulse gab.
Geschäftsleitang and Mitarbeiter
der Firma
Joh. Clouth, Remscheid
Remscheid, Lenneper Str. 2 58
Die Beisetzung hat in aller Stille stattgefunden.
Statt eventuell zngedachter Blumen bitten wir im Sinne des Verstorbenen um eine Spende
zugunsten .der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Konto-Nr. 6 00 20 26. Siadt-
r Sparkasse Köln.- : "
Am 3. Juü 1983 verstarb unser langjähriger früherer Leiter des Technischen
Aufsichtsdienstes, Herr
Dr. med. Günther Clauss
im 64. Lebensjahr nach kurzem Ruhestand.
Er war ein sehr dynamischer, erfahrener und kollegialer Mensch, dem wir ein
treues und ehrendes Angedenken bewahren werden.
Anstelle von Blumenspenden wird um Überweisung an SOS-Kinderdorf,
Kontonummer 266 113-208 beim Postscheckamt Hamburg gebeten.
Berafsgenossenschaft für
Gesundheitsdienst and Wohlfahrtspflege
Vorstand, Geschäftsführer und Personalrat
Am 27. Juni 1983 verstarb im 81. Lebensjahr auf einer Besuchsreise in
seine Heimatstadt Bergen auf Rügen Herr
Paul Braasch
Der Verstorbene war viele Jahre erfolgreich in unserem Hause tätig,
zuletzt als geschäfts führender persönlich haftender Gesellschafter.
Auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst Ende 1970
blieb er unserem Unternehmen weiterhin beratend verbunden.
Wir werden uns seiner stets gern und in Dankbarkeit erinnern.
Hamburg, im Juli 1983
Gesellschafter, Geschäftsleitung und Mitarbeiter
BANK KREISS KG
Die Traaerfeier fand in Bergen auf Rügen statt.
Idi liege »toi fhinfr g&sxz Hiedn;
ri^rtn aBrin Do, Herr, hüfct mir,
daß ich sicher wohne.
Unsere liebe Schwester, Cousine und Tante
Ingeborg Maria Drishaus
wurde am 5. Juü 1985 in ihrem 87. Lebensjahr heimgerufen.
Wir nehmen Abschied am Donnerstag, dem 14. Juli 1983, um 10
Uhr, Kapelle 2 des Ohlsdorfer Friedhofes.
Im Namen der Familien
Dr. Irmgard Drishaus
Eva Selig geb. Drishaus
Huusbarg 61 , 2000 Hamburg 67
Entziehungskur
b*l Alkohol Tabfettun für Pareonen, die aut privaten oder banifflcften Gründen
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WELT« NACHRICHTEN
DIE WELT -Nr. 15T-
Was Schnoor
im Landtag
nicht sagte
MANFRED SCHELL, Bonn
Der Borirfimruiyff^laliaplip In-
nenminister Herbert Schnoor
(SPD) hat in seiner Rede vor dem
Landtag, in der er zu den Krawal-
len in Krefeld während des Be-
suchs des PTTlgrikatiiBPhPTi Vizeprä-
sidenten Bush Stellung "*hw[ of-
fensichtlich nicht volle Wahr,
heit gesagt. Schnoor hatte erklärt,
der Meldedienst „Landftiedens-
bruch und verwandte Straftaten*1
sei mit einem Erlaß vom 23. Juli
1982 in Nordrhein-Westfialen einge-
führt worden. Aber er hatte nicht
hinzugefügt, HaB tyqra* Behörde
seitdem keine Information in die-
sem beim BundeskrimrnalfiTnt
(BKA) geführten Meldedienst ein-
gegeben hat
Das Bundf^nnenimnisterium .
bestätigte gestern diesen Vorgang.
Danach hat die Polizei von Nord-
rhein-Westfalen (Dienstherr.
Schnoor) bis zum 4. Juli 1983 keine
Information über gewalttätige Stö-
rer für den Meldedienst zur Verfü-
gung gpitent ln dipgpm Informa-
tionsdienst, der im April 1982 auf
Beschluß der Tnnyignminig*eTkiOrt-
ferenz errichtet worden war, sind
zur Zeit 250 Personen registriert.
Schnoor lehnt, wie er öffentlich
Hteson MuMwiiwut ah ÜV
hat zwar keine Daten in dieses Sy-
stem eingespeist, aber von dort vor
den. Krefeldex Ereignissen Infor-
mationen abgerufen. Das BKA hat
ihm damals die Namen von 106
Personen genannt, die als gewalt-
tätige Störer vermutlich nach Kre-
feld anreisen werden. Das BKA
wartet jetzt darauf; ob Schnoor, der
von dem Meldedienst somit profi-
tiert hat, wenigstens die in Krefeld
bekanntgewordenen Gewalttäter,
deren Personalien im Zusammen,
hang mit Festnahmen registriert
worden sind, dem Dienst zur Ver-
fügung stellt
Schnoor hatte in seiner Rede vor
dem Landtag Bezugauf eine Veröf-
fentlichung der WELT vom 30. Ju-
ni genommen, in der es hieß,
Noidrhein- Westfalen sei das einzi-
ge Bundesland, das an diesem Mel-
dedienst nicht teilnehme. Und er
hatte dann erklärt, die Pressefrei-
heit sei unverzichtbar für den Be-
stand des Verfassungsstaates.
„Aber Wer in den Steinwürfen der
Gewalttäter eine Gefahr für unse-
ren Staat ipeht, der muß «»eh se-
hen, wie gefährlich es für unseren
freiheitlichen Verfassungsstaat ist,
wenn in diesen Tagen mancher,
der Nordrhein-Westfalen femsteht,
beim Schreiben so leichtfertig mit
den Tatsachen umgeht“
Bei Konzessionen der „DDR“
weitere Kredite möglich
Umonssprechen Ost-Berim braucht auch künftig Hilfe
Rom: ReaenmgsDuauiig stagniert
Noch keine Koafitionsg^räche / Aufmerksamkeit richtet sich jetzt aof PcäsWent ftrtmi
dpa, Bonn
Der deutschlandpolitische Spre-
cher der CDU/CSu, Eduard Lint-
ner, schließt weitere von der Bun-
desregierung verbürgte Kredite an
die „DDR“ nicht aus, falls Ost-
Berlin die von Bonn mit dem Geld-
geschäft verbundenen Erwartun-
gen erfüllt
Im Umonspressedienst schrieb
der CSU- Abgeo rdnete, die Kredit-
bürgschaft habe eine deutschland-
politische Bedeutung. Es könne er-
wartet werden, daß Ost-Berlin die
„vertrauensbildende Maßnahme*1
der Bundesregierung nicht unerwi-
dert lasse, sondern einige seit län-
gerem bestehende Wünsche Bonns
erfülle.
Der parlamentarische Staatsse-
kretär beim Bundeskanzler, Peter
Lorenz (CDU), sagte im Süddeut-
schen Rundfimk, die Bundesrepu-
blik Deutschland habe mit dem
MOUaiden-Kredit ihre Bereitschaft
deutlich gemacht, etwas im Inter-
esse Ost-Berlins Liegendes zu tun.
„Wir erwarten nun, daß die DDR
unseren Interessen entgegen-
kommt“ Lorenz nannte eine Rege-
lung über den Mindestumtausch,
die einen Besuchsverkehr wie vor
der von Ost-Bexlin verfügten Erhö-
hung ermöglicht. Außerdem müs-
se das Reisealter für „DDR“-Ein-
wohner dauerhaft gesenkt werden.
T.intnw meinte, die Erwartung
Bonns sei „durchaus realistisch,
wenn man bedenkt, daß mit einem,
einmaligen Kredit in Höhe von ei-
ner Milliarde Mark die wirtschaftli-
chen Probleme der DDR kaum ge-
löst sein dürften und auch künftig
Traft» nötig sein wird*. Damit kön-
ne Ost-Berlin aber nur rechnen,
wenn die von der Bundesrepublik
mit dem Müliarden-Kredit verbun-
denen HoiXhungen nicht unerfüllt
blieben.
Möglicherweise hat Ost-Berlin
bereits eh*™ höheren Kredit
gewünscht.
Der stellvertretende SPD-Frak-
•HnnsypTgiteoTMte Jürgen Schmude
erklärte in der „Augsburger Allge-
meinen“, von Ost-Berlin sei bereits
bei der SFD/FDP-Regiening ange-
klopft und mit dem damaligen
Kanziaramtsminifiter Wischnewski
(SPD) Fühlung aufgenommen wor-
den. Nach Informationen der
Augsburger soll damals
ein Vler-Milliarden-Kredit eines
Schweizer Bankenkonsortiums im
Gespräch gewesen sein, der nach
Vorstellungen der Banken von
der Bundesregierung verbürgt
werden sollte.
Nach Bonner Informationen hat-
te Ost-Berlin auch bei anderen In-
dustriestaaten wegen eines Kredits
vorgefühlt.
FRIEDRICH MEICHSNER, Rom
Tn politischen Ungewißhei-
ten, die der Ausgang der vorgezo-
genen Wahlen in Haben provoziert
hat, richten «ftch die Blicke vieler
Menschen wieder auf' den
Mfrnn, der für breite Volksschich-
ten Einzigen festen Bezugs-
punkt in krisengeschüttelt^
Demokratie geworden ist Der fast
87jährige Sandro Pertim beging
gestern fünfjähriges Amt^ju-
büäum als Staatspräsident. .Un-
konventionell, mit offenem Visier,
wie das seine Art ist, stellte er steh
aus Anlaß den Journali-
sten: Das Wahlergebnis habe eine
schwierige Situation geschaffen,
deshalb sei an Ferien für ihn; im
Augenblick nicht zu denken. Er
werde die Politiker jetzt erst ein-
mal diskutieren, „auch miteinan-
der streiten“ lassen. „Dann werde
ich rafoh oi ti Walten und sehen,
wie die Lage gemeistert werden
kann.“
Im Augenblick wird diese -Dis-
kussion zwischen den Parteien
noch auf Distanz gefohrt Auch die
Democrazia Cristiana, trotz ihr»
Wahlniederlage nach wie vor die
stärkste Einzelpartei, ergriff auf ih-
rer jüngsten Vorstandssitzung kei-
ne konkrete Initiative zur Anberau-
mung des «TigEmEin erwarteten er-
sten Gesprächs zwischen den Part-
nern der alten Koalition.
Sie signalisierte den Sozialisten,
Sozialdemokraten, Republikanern
Carters Wahlkampfpapiere - eine
D. SCHULZ, Washington
Die Papiere Jimmy Carters, die
im Wahlkampfiahr 1980 auf noch
nicht geklärte Weise ihren Weg aus
den Amtsräumen des damaligen
US-Präsidenten ins gegnerische
Lager fanden, entpuppen sich jetzt,
knapp drei Jahre spater, als eine
Art Zeitbombe für den heutigen
Präsidenten Ronald Reagan. Die
Affäre konnte den Präsidenten
schon in Kürze zwingen, sich von
wertvollen Mitarbeitern zu tren-
nen. Sie erinnert fast täglich aufs
Neue an die „Watergaleaffäre“, die
1972 mit Einpm Einbruch im demo-
kratischen Hauptquartier begann
und 1974 mit dem Rücktritt Präsi-
dent Nixons endete.
Obwohl niemand Reagan ein
ähnlich strafwürdiges Verhalten
unterstellt, wie es einst Richard
Nixon vorgeworfen wurde, steht
doch fest, daß auch Präsident Rea-
gan die so überraschend über Ihn
hereingebrochene Affäre nicht völ-
lig unbeschadet überstehen kann.
Zwei seiner wichtigsten Mitarbei-
ter, laut „Washington Post“ „zwei
der TnSchtigaten Männer des Lan-
des“, nämlich der CIA-Direktor
William Casey und der Chef des
Stabes des Weißen Hauses, James
Baker, liegen in offenem Konflikt
miteinander, weil keiner von bei-
den «Hein die Verantwortung für
da« übernehmen will, was im Wahl-
kampf von 1980 geschah.
Casey war damals Leiter der
Wahlhampftnarm schaft Ronald
Reagans. James Baker war im
Herbst Mitglied der Wahlkampfor-
ganisation Reagans. Ihm fiel im
Oktober 1980 die Aufgabe zu,
«inn republikanischen Präsident-
schaftskandidaten Reagan auf die
Ferasehdebatte mit Carter vorzu-
bereiten. Dabei kam ihm sehr gele-
gen, daß man das Textbuch in die
Hand bekommen hatte, das zur
Vorberatung Präsident Carters
auf die TV-Debatte im Weißen
Haus angefertigt worden war.
Der Konflikt zwischen Casey
und Baker dreht sich um die Frage:
Wie kamen die Republikaner in
den Besitz des „Briefing Books“
für Carter? Baker hatte in einer
Erwiderung auf mm Anfrage aus
dem Kongreß geäußert, daß er
jnaeh seiner besten Erinnerung“
das Buch von William Casey mit.
der Bemerkung erhalten habe, es
könne für die bevorstehende Fern-
sehdebatte nützlich sein. Casey,
der sich lange zurückgehalten hat-
te, trat nun zur eigenen Rechtferti-
gung die Flucht nach vom, in die
Öffentlichkeit, an. Der „New York
Times“ versicherte er mit allem
Nachdruck, er habe keinerlei Erin-
nerung an diese Carter-Papiere
und - mehr noch - er hätte, wären
ihm die Dokumente in die Hand
gekommen, sofort erkannt, wie ge-
fährlich ihre Verwendung hätte
werden können.
Wie der Kommentator der „New
York Times“, William Safire, fest-
stellt, kann n teilte mghr diesen
Konflikt der beiden Reagan-Mitar-
und Liberalen lediglich indirekt
die Bereitschaft, den Posten des
Mimsterpräsidenten zur Disposi-
tion zu stellen, ihn also unter Um-
ständen auch dem Sozialisten Cra-
xi zu überlassen. Und sie rückte -
im pjnn«» der Sozialisten und So-
zialdemokraten - die Verteidigung
der Arbeitsplätze und die wirt-
schaftliche Entwicklung an die er-
ste Stelle ihres Wirtschaftspro-
grammes - vor die kompromißlose
Inffationsbekämpfting. Die inner-
parteiliche Abrechnung nach der
verlorenen Wahlschlacht wurde
vom Vorstand bis zur nächsten Na-
tionalratssitzung vertagt.
Auch die Sozialisten, zweitstärk-
ster Partner in der bisherigen Ko-
alition, hjihgn noch kein konkretes
Diskussionspapier auf den Tisch
gelegt Parteisekretär Craxi, der
vor den Wahlen den Posten des
Ministerpräsidenten meiner neuen
ynatitinn mit der DC und riw laizi-
stischen Parteien angestrebt hatte,
hält sich betont zurück. Manche
römischen Beobachter sehen darin
einen Ausdruck von Bedenken,
sich in diesem kritischen wirt-
schaftlichen und politischen Au-
genblick, zu exponieren.
Die nächste Regierung, so argu-
mentieren diese Beobachter, wer-
de gar nicht darum herumkom-
men, vom Volk wirtschaftliche Op-
fer zu verlangen. Und sie werde
höchstwahrscheinlich auch die di-
rekte Verantwortung für die Statio-
beiter „ übertünchen** . Denn jeder
werfe praktisch dem anderen vor,
„entweder kolossal dumm oder
mSgttehwiwis^ kriminell“ gehan-
delt zu haben. Safire und andere
US-Kommentatoren meinen, jetzt
werde der Präsident nicht luahtn-
können, klare Verhältnisse zu
schaffen. Mit Uneinigkeit im Wei-
ßen Haus sei der Wahlkampf des
nächsten Jahres nicht zu bestehen.
Inzwischen steht fest, daß Rea-
gans WatiHrawipftnanw^lHift 1980
nicht nur Carters Regie-Anweisun-
gen für die TV-Debatte besaß, son-
dern auch zahlreiche andere Papie-
re, die nachweislich aus dem Wei-
ßen Haus stammten. Einige der
Dokumente trugen den Geheim-
Stempel, einige stammten aus dem
nationalen Sicherheitsrat Richard
Allen, im Wahlkampf Reagans au-
ßenpolitischer Berater und später
ein knappes Jahr Tang Sichemefts-
berater des neuen Präsidenten, be-
stätigte, daß er zu Carters Amtszeit
Unterlagen aus dem Weißen Haus
erhalten hatte (es war „harmloses“
merung der neuen amerikanischen
Mittelstreckemateten auf Siriifen
zu übernehmen haben.' In. diesem
letzten Punkt hat sich der DC-Vor-
tri, .so erklärte er/wer^e von der
neuenBegierung die volle Respek-
tietiing des NATO-Doppelbe-
schlusses verlangen. Die Soziali-
sten stehen zwar offiziell auch zu
diesem Beschluß, sind aber ange-
sichts seiner Unbeliebtheit bei
starken Kräften der Parteibasis
nictil gerade erpicht darauf, ihn
ausgerechnet durch eine soziali-
stisch geführte Regierung verwirk-
lichen zu lassen. .
Unter diesen Umständen
schließt man in Rom die Möglich-
Beäf nicht aus, daß Craxi seinen
Ehrgeiz, Ministerpräsident zu wer-
den,' zunächst 93TnK*k*3pTH'- und daß
es zur Bildung einer Übergahgsre-
gierung unter einem Christdemo-
kraten oder dem Republikaner
Spadolini kommt.
Die -ersten zwischenparteilichen
Gespräche nach der Wahl werden
in den nächsten Tagen der Beset-
zung der Parte mantspräiidian und
der Verteilung der Voräjtwnrte«. .
Posten in den Parlamentsaus-
schüssen gelten. Im Mitte-Links-
Lager wird darüber diskutiert, ob
man auch den Kommunisten, wie
das schon zwischen 1976 und 1979
Plänen Geißlers
auch aus FDP I
Zeug, erklärte Allen in einem Fem-
sehinterview). Zbigniew Brzezin-
ski, Carters Sicberbeitsberaler,
nannte dies ein „strafivürdiges
Verhalten". - -
Ein Ausschuß des Repräsentant
tenhames und das FBI (Bundes-,
kriminalpolizri) gehen mittlerweile
der Frage nach, wie <fle Papiere aus
dem Carter-Lager ihren Weg ins
Reagan-Lager fanden. Dabei sollen
alle wichtigen Mitarbeiter Rea-
gans, die mit dem Wahlkampf 1980
etwas zu tun hatten, vernommen
werden! Auch Präsident Reagan
selbst wird es sich eventuell gefal-
len lassen müssen, von FBI-Beam-
ten verhört zu werden. Reagan hat
sich grundsätzlich schon bereit er-
klärt, Aussagen vor dem FBI zu
machen. Die bisherige Position des
Präsidenten war, daß ihm 1980 kei-
ne Informationen über die „gestoh-
lenen" Carter-Papiere zugegangen
seien, daß er von ihnen erst vor
einigen Wochen - als die ersten
Nachrichten darüber in der Presse
erschienen -erfahren habe. (SAD)
gerat mit seinen Plänen..,
Neuordnung, der Soririhüfe »
sehen die politischen . Front*
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_ _ >■.■*!• v?; .
i'w» ‘ ' - 2 >-
Merkwürdige
Eile
Py.- Wenige Tage bevor sich das
offizielle Bonn endgültig in die
Ferien abmeldet, ist im Bundes-
wirtschaftsministerium noch ein-
mal politische Hektik ausgebro-
chen. Das Ministerium gab die
Freigabe der Tarife in der Fahr-
zeu gteüversicheru ng, besser be-
kannt unter dein Namen Teflkas-
ko, zum L April 1985 bekannt Erst
1982 wurde die Vollkaskoversi-
cherung aus der Genehmigung s-
p flicht durch das Bundesauf-
sichtsamt .für Haa Versicherungs-
wesen (BÄV) entlassen. Beide
Maßnahmen werden als „Schritt
zur Liberalisierung derKraft&hrt-
versicherung und zur Verwirkli-
chung marktwirtschaftlicher
Grundsätze** bezeichnet
Sosehr diese hehren Grundsät-
ze zu begrüßen sind, so verwun-
dert doch die plötzliche Eile, nach-
dem die Teilkaskofreigabe seit
Jahren schon im Gespräch ist Im
Augenblick fällt sie mit zwei we-
sentlich einschneidenderen Ver-
änderungen in der Kraftfahrtver-
sicherung zusammen. Da ist im
Teilkasko berei ch die für Anfang
1984 ins Auge gefaßte und zur
Genehmigung vorliegende neue
Tarif struktur mit einem preisgün-
stigeren Tarif mit Selbst beteili-
gung von 300 Mark und einem
erheblich teureren ohne Selbst be-
halt Hintergrund sind die ärgerli-
chen Tellediebstähle und die ma-
nipulierten Schaden.
Im Kfc-Haftpflichtbereich
könnten die Versicherer durch
den angestrebten „Balkan-Tarif*
in die politische Schußlinie gera-
ten. Er sieht eine drastische Stei-
gerung der Prämien für schaden-
trächtige Gastarbeitergruppen
vor. Der Entscheidung über diese
Ausländer-Zuschläge will man
mit der Ankündigung der Teilkas-
ko-Freigabe aus dem Weg gehen.
Sie soll offenbar mit dem „Balkan-
Tarif* in die im nächsten Jahr
ohnehin anstehende Haftpflicht-
tarif-N eukalkulati on mit einbezo-
gen werden.
Spielregeln
e.a-8. (Athen) - Es fällt den
Griechen offenbar schwer, sich
den Spielregeln der Europäischen
Gemeinschaft anzupassen. In
Brüsselißtman empört, daß Athen
mit ein wöchiger Verspätung die
EG über ein Abkommen zur wirt-
schaftlichen Zusammenarbeit mit
Peking unterrichtet hat Die Grie-
chen behaupten dagegen, es beste-
he keine Informationspflicht, weil
es sich nicht um ein Handelsab-
kommen handelt- Ob dies zu trifft,
ist Interpretationssache. Fest
steht, daß die Chinesen ihre Schif-
fe in griechischen Werften reparie-
ren lassen wollen. Auch andere
Arten von wirtschaftlicher Zu-
sammenarbeit sind vorgesehen.
Am meisten scheint Brüssel zu
stören, daß die Griechen wieder
ein Abkommen mit kommunisti-
schen Landern abschlossen, H»a
den Charakter von Kompensa-
tionsgeschäften hat. Und diese
sind bekanntlich in der Gemein-
schaft ungern gesehen.
Stärkung der Zentrale
Von EVANGELOS ANTONAROS, Belgrad
Jugoslawiens Bundespolitiker ha-
J ben sich gegen den verbissenen
Widerstand der auf Eigenständig-
keit bedachten Teilrepubliken
durchgesetzt und eine mutige Ent-
scheidung gefällt Das Bundespar-
lament hat jetzt Ministerpräsiden-
tin Milk« Planinc und die Bundes-
regierung ermächtigt, die fristge-
mäße Rückzahlung von Auslands-
krediten bis zu einer Gesamthöhe
von vier Milliarden Dollar (etwa
?phn Milliarden Mark) „direkt“ zu
garantieren. . .
Ohne diese gesetzliche Sonderre-
gelung, die für Jugoslawiens föde-
ratives Verwaltungssystem den
Charakter einer Mini-Revolution
hat, wäre der erwünschte Ab-
schluß der seit vielen Monaten an-
haltenden Kreditverhandlungjen
Belgrads mit 15 westlichen Lan-
dern und knapp 600 Banken nicht
möglich gewesen. Denn die Erfah-
rungen aus der jüngsten Vergan-
genheit, als sie um ihr Geld betteln
mußten, , wollten Jugoslawiens
Kreditgeber nicht noch einmal ma-
chen. Weil sie Kreditabkommen
mit einzelnen Teilrepubliken, k>ka-
len Banken oder Unternehmen ab-
geschlossen hatten, waren sie bei
der Eintreibung der Tilgungsraten
immer wieder in Schwierigkeiten
geraten. .
Daher wollten sie diesmal klare
Verhältnisse haben: Wenn Belgrad
nicht garantiert, zahlen wir nicht
Frau Planinc . bezeichne te die Be-
dingungen des Westens als „hart
und schwierig“. -Aber die Jugosla-
wen haben die Brisanz der Lage
erkannt: Ohne die Kredite wäre
ihre Wirtschaft nicht zu retten.
Zähneknirschend billigten die
Bundesdelegierten daher das Son-
dergesetz, das unter anderem die
Einzelheiten für die Weiterlattung
von Teilkrediten durch die Bun-
desbehörden an eine Teilrepublik
oder an eine Firma sowie die Rück-
zahlun^modali täten regelt Allei-
niger Gesprächspartner für die .
Ausländer ist nur die jugoslawi-
sche Zentralbank.
Einfach ist diese Entscheidung
insofern nicht gewesen, weil damit
eine „heilige Kuh“ der jugoslawi-
schen Politik geschlachtet worden
ist Bisher hatte es keine Ausnah-
me von der Regel gegeben, daß
jede Teilrepublik, jede fokale
Bank, jeder Betrieb, von den Bun-
desbehörden. praktisch unkontrol-
liert, Kredite im Ausland nehmen
durfte. Kein Wunder, daß Jugosla-
wien immer tiefer in die roten Zah-
len rutschte, daß. schließlich keine
West-Banken mehr Kredite zur
Verfügung stellen wollten.
Nach den Worten von Frau Pla-
ninc soll jetzt „finanzielle Diszi-
plin** gewahrt werden. Dies wer-
gewiß honorieren. Nach
lelgrads soll das gesamte
EG-TEXmJMPORTE
China fordert beträchtliche
Aufstockung der Quoten
WILHELM HADLER, Brüssel
Gesorache über eine Erneuerung
des T^'gtillahlfnm’mglrifi mit Peking
hat die EG-Kommission in dieser
Woche in Brüssel geführt Sie för-
dert zur Zeit auch mehrere Initiati-
ven der europäischen Industrie,
mit denen das Interesse Chmasan
Importen aus der Gemeinschaft
verstärkt werden solL
Bei den Textifoerhandlungen
muß ach die Kommission erwar-
tungsgemäß der Forderung nach
einer beträchtlichen Quotenauf-
stockung stellen. Die Pekinger
Wünsche überschreiten die un
Wetttextüabkommen vorgesehe-
nen Steigerungsraten zum Teil bis
zu 20 Prozent -
Zugeständnisse in diesen Aus-
maß würden ein besonderes Man-
dat des Mmisterrates erfordern,
das allenfalls btt entsprechenden
Gegenleistungen der Chinesen zu
ärSchen wäre. So ißt die Gemein-
schaft an einer sicheren Versor-
gung mit Seide und Kaschmirwol-
le interessiert. Sie hofft auch, daß
Peking sich stärker für Textilim-
porte aus den EG -Ländern öffnet
als bisher.
Das gegenwärtige bilaterale Ab-
kommen läuft Ende 1983 aus. Auf-
stockungen bei den Kontingenten
für- sensible Erzeugnisse kann die
Kommission mir insoweit vorneh-
men, wie dadurch die vom Mini-
sterrat beschlossenen maximalen
GesamteinfUhrmengen der EG
nicht überschritten werden. Die
highprigjan Sondierungsgespräche
haben noch zu keinen Ergebnissen
geführt. Sie sollen nach der Som-
merpause fortgesetzt werden.
Eine Vertiefung der wirtschaftli-
chen Zusammenarbeit und ein bes-
seres Gleichgewicht im Warenver-
kehr erhofft sich die Kommission
durch einen regelmäßigen Aus-
tausch von Handelsmissionen.
AGRARPOLITIK / Probleme durch Fehlentscheidungen der EG
Wissenschaftler warnen Regierung,
weiter falsche Signale zu geben
HEINZ HECK, Bonn
Deutliche Kritik haben acht Wissenschaftler an der von der
Bundesregierung angestrebten „Weiterentwicklung“ der euro-
päischen und deutschen Agrarpolitik geübt, sie erwarten von den
bisher bekannt gewordenen Bonner Vorschlägen „nicht nur
keine Lösung“ der Agrarprobleme in der Gemeinschaft, sondern
befürchten sogar, daß es längerfristig zu einer Verschärfung
kommen könnte.
Hilfspaket 3,5 bis 3,6 Milliarden
Dollar betragen, eine Aufstockung
auf vier Milliarden sei möglich.
Importkredite in Höhe von rund
1,5 Milliarden Dollar wollen 15
westliche Staaten, mit den USA,
Japan und der Bundesrepublik
Deutschland an der Spitze, zur
Verfügung stellen. Ein Konsortium
von 600 westlichen Banken will
einen Gesamtkredit von zwei Mil-
liarden Mark geben. Vorgesehen
sind auch mittelfristige Kredite
über 700 Millionen Dollar vom In-
ternationalen Währungsfonds
(TWF) und über 275 Millionen Dol-
lar von der Weltbank. Schließlich
soll auch die Bank für den interna-
tionalen ^Zahlungsausgleich knapp
500 Millionen Dollar zur^ Verfügung
stellen. Diese Kredite sollen für
drei Zwecke eingesetzt werden:
Die Exporte in den Westen sollen
gefordert und dadurch die Export-
abhängigkeit vom Ostblock redu-
ziert werden. Belgrads Devisenkas-
se ' soll .aufgebessert werden.“
Schließlich geht es um Rückzah-
lungserieichterungen für frühere
Kredite.
Beim Westen 'steht Jugoslawien
mit Schulden über 18,1 Milliar-
den (gesamte Auslandsschulden:
19,6 Milliarden) Dollar in der Krei-
de. Zur Rückzahlung sind in die-
sem Jahr 4,5 Milliarden fällig. Von
dem neuen Kredit sollen 1,4 Mil-
liarden für den aktuellen Schul-
dendienst verwendet werden. An-
ders als im letzten Jahr wollen die
Jugoslawen diesmal pünktlich
sein.
Belgrads Entscheidung, die
Selbständigkeit der Teilrepubliken
einzuschränken, ist ein weiser
Schritt Denn sie signalisiert, zu-
mindest im Ansatz, d«a Belgrads
Bundespolitiker ihr Haus in Ord-
nung bringen wollen. Vizepremier
Zvone Dragan sagte unlängst, daß
die jugoslawische Gesellschaft
nicht mehr für die Verluste unren-
tabel arbeitender Finnen anfkom-
men sollte. Die rieh ständig wan-
delnden Erfordernisse des Welt-
marktes müßten beachtet werden.
Diese bemerkenswerten Worte
sind vor dem Hintergrund einer
jugoslawischen Wirtschaftsmisere
ausgesprochen worden. In Belgrad
sind nicht nur die Devisenkassen
leer. Die Inflation nimmt beängsti-
gende Formen an. Der Außenhan-
del hat sich wider Erwarten
schlecht entwickelt Es gibt große
Versorgungsprobleme. Die Ar-
beitslosenrählen haben eine Re- I
kordhöhe erreicht Sind die jüng- |
sten Entscheidungen in Belgrad ;
und die kritischen Worte der Re-
gierung ein Vorzeichen für eine
bevorstehende Wende, weg von
der- Allmacht der Republiken, hin
zum Zentralismus? Einfach wird
die Reform nicht sein. Wünschens-
wert ist sie auf jeden Fall
Mit ihrer jetzt veröffentlichten
„Erklärung“ wollen sie „die Bun-
desregierung auf einige aus ge-
samtwirtschaftlicher, aber auch
agrarwirtschaftlicher Sicht... 'be-
denkliche Konsequenzen hinw ei-
sen“. Die heutigen Probleme der
Landwirte in der EG seien weitge-
hend die vorhersehbare Folge
agrarpolitischer Fehlentscheidun-
gen vor allem des EG-Ministerrats.
Diese Entscheidungen seien
„aus kurzsichtiger Opportunität
und nicht nach Maßgabe einer län-
gerfristig effizienten Anpassung
der Agrarmarkte und der Struktur
der Landwirtschaft getroffen“ wor-
den. Die Überschüsse auf den
wichtigsten Agrarmärkten seien
vornehmlich Ergebnis
der vom Mmisterrat gesetzten fal-
schen Signale. Dennoch sei es
nicht gelungen, Tffinlcftmtyionnhölw
und -Verteilung in der Landwirt-
schaft der EG „den mit Hilfe der
Preispolitik vorrangig angestreb-
ten nachhaltig anzunä-
hem“.
Zwar sind die acht Wissenschaft-
ler mit der Bundesregierung über
1 die Dringlichkeit agraTpQiiti«»h»»r
Reformen ainig, gehen jedoch mit
den dazu bisher bekannt geworde-
nen Einzelvorschlägen, wie „vor-
sichtige Mengenpolitik“, Erzeuger-
mitverantwortung und Einführung
AUF EIN WORT
im
59 Soziale Leistungen müs-
. sen überprüft werden;
aber nicht um den sozia-
len Ausgleich einzu-
schränken und den So-
zialstaat abzubauen,
sondern um ihn insge-
samt zu verbessern und
gerechter auszugestal-
ten. 77
Jürgen Egert, SPD-B und estagsab-
geordneter
FOTO: JUPP DARCHINGER
Haushaltsdefizite
nicht unterschätzen
dpa/VWD, Genf
Die Folgen von Haushaltsdefizi-
ten für die konjunkturelle Entwick-
lung, Inflation und Zinsen dürfen
nach Ansicht des geschäftsführen-
den. Direktors des Internationalen
Währungsfonds (IWF), Jacques de
Laroriöre, nicht unterschätzt wer-
den. Defizite der gegenwärtigen
Größenordnung und ungewisse
Aussichten über die weitere Ent-
wicklung in einer Reihe von Län-
dern — besonders in den USA —
hielten die Inflationserwartungen
aufrecht und damit die Zinssätze
auf sehr hohem Niveau, sagte de
Larosiöre vor dem Wirtschafts- und
Sozialrat der UNO in Genf. Der IWF
sei mit seinen Kreditprogrammen
von nahezu 27 Milliarden Dollar (66
MilKarrion Mark) unter beträchtli-
chen Druck geraten.
eines allgemeinen Agrarkredits,
hart ins Gericht
Mit der „vorrichtigen Mengenpo-
litik“ sei offenbar die Einführung
einzelbetrieblicher Kontingente
nach dem Muster der EG-Zucker-
marktordnung gemeint Eine sol-
che Mengensteuerung sei jedoch
nach allen bisherigen Erfahrungen
mit erheblichen volkswirtschaftli-
chen Kiosten verbunden. Sowohl
eine an wirtschaftlichen Kriterien
ausgerichtete Standort-
Orientierung wie auch eine
preisgünstige Versorgung der Ver-
braucher würden dadurch verhin-
dert. Überdies fehlten weitgehend
die Voraussetzungen für eine wirk-
same Kontrolle der Kontingentie-
m n gsma ßnahmen.
Ähnliche Folgen befürchten die
Wisw^yhaftler, wenn das Instru-
ment der Erzeu germitverantwor-
tung („differenzierte Preispolitik“)
ausgedehnt und weiter zugunsten
von Betrieben mit geringer Ein-
kommenskapazität verändert wer-
de. Damit würde nur der ohnehin
in der EG bestehende Rückstand
in der strukturellen Anpassung der
Landwirtschaft verfestigt
Schließlich warnen die Professo-
ren vor neuen Maßnahmen zur all-
gemeinen Verbilligung von Agrar-
krediten mit Zinssubventionen,
„denn nicht zu geringe Kapazitä-
VEREINIGTE STAATEN
ten, deren Ausbau durch staatliche
Anreize zu fördern wäre, sind das
Hauptproblem der Agrarpolitik,
sondern Überkapazitäten“. Von ei-
ner undifferenzierten Zinsverbilli-
gung für Agrar-Investitionen gin-
gen nur, so fürchten die Professo-
re, „erneut falsche Signale hin-
sichtlich der Entwicklungsmög-
lichkeiten und -Chancen vieler
nicht wettbewerbsfähiger Betriebe
in der Landwirtschaft“ aus. Der
längerfristig unvermeidliche
Strukturwandel würde zusätzlich
erschwert. Angesichts der beste-
henden Überproduktion in der EG
sei Jede Form der Investitionsfö r-
derung ohnehin fehl am Platz . . .
(und) sollte deshalb nicht ausge-
weitet, sondern eingeschränkt wer-
den“.
Die Professoren raten statt des-
sen, jetzt das Augenmerk auf eine
„langfristig orientierte, den allge-
meinen Vorstellungen der Bundes-
regierung von den Vorteilen einer
mehr marktwirtschaftlich und we-
niger staatsmterventionistisch aus-
gerichteten Wirtschafts- und Ge-
sellschaftspolitik entsprechende
Politik zu richten“. Je glaubhafter
ein Kurswechsel signalisiert wer-
de, desto eher würden sich die ge-
wünschten Erfolge einstellen. Eine
solche Politik erfordere einen län-
geren Atem und großes politisches
Durchstehvermögen, „da kurzfri-
stig keine wesentliche Erleichte-
rung zu erwarten sein wird“.
Dias klare Votum der Wissen-
schaftler zielt auf die Durchset-
zung einer restriktiven Preispolitik
ohne jede mengenbegrenzende
Steuerung und ohne jede an der
Betriebsgröße orientierte Erzeu-
germitve rantwo rtun g.
Die großen Warenhausketten
erleben einen Kauf boom
H.-A. S LEBERT, Washington
Zn den USA hat sich die Hoff-
nung, daß die Verbraucher wieder
Vertrauen in die wirtschaftliche
Zukunft fassen und mehr Geld
ausgeben, erfüllt Für den Monat
Juni melden die großen Waren-
hausketten einen Kaufboom, wie
er seit Beginn der Stagnation vor
vier Jahren nicht registriert wor-
den ist Die Umsätze schnellten
um zehn bis 70 Prozent in die Hö-
he, verglichen mit dem Vorjahres-
monat Da die Inflationsrate bei
vier Prozent schwankt, ist das reale
Plus beachtlich.
Diese Wende ist deshalb bedeut
sam, weil sie eine Beschleunigung
des Konjunkturaufschwungs auf
breiterer Basis signalisiert. Bisher
konzentrierte sich der Nachholbe-
darf in der Hauptsache auf Woh-
Autos. Da in den USA die Lager
weitgehend abgebaut sind, fuhren
höhere Einzelhandelsumsätze
AUSSENHANDEL
zwangsläufig zu einer Ausweitung
der Produktion, der Beschäftigung
und der Einkommen. Als Anreiz
wirkt in den kommenden Monaten
in jedem Fall die zehnprozentige
Eix^ommensteuersenkung, die am
i. Juli in Kraft getreten ist
Der größte Kauf- und Versand-
hauskonzern, Sears Roebuck & Co.
in Chicago, steigerte seinen Um-
satz um 10,3 Prozent auf 2,05 Mil-
liarden Dollar. Die Nummer zwei
in der Rangliste, K-Mart in Troy,
Michigan, verbuchte ein Verkaufe-
plus von 15,5 Prozent
Andere Elnzelhandelsurrtemeh-
men mit großem Namen schafften
19 (Macy & Co.), 20 (Allied Stores),
25 (Zayre Corp.), 27 (Dayton Hud-
son Corp ), 44 (Stopand Shop Cos.)
und 69 Prozent (Best Products).
Wie der gesamte Einzelhandel ab-
geschnitten hat, teilt das US-Han-
delsministerium in Kürze mit
Aber schon im Mai betrug die Zu-
nahme 2,1 Prozent nach 1,7 und 2,3
Prozent im April und März.
Plus im Warenaustausch
mit den Entwicklungsländern
dpa/VWD, Wiesbaden
Die Bundesreupublik erzielte
1982 im Warenhandel mit den au-
ßereuropäischen Entwicklungs-
ländern einen Überschuß von 4,2
Milliarden Mark nach zum Teil ho-
hen Defiziten in den drei vorange-
gangenen Jahren. Dies berichtete
das Statistische Bundesamt ge-
stern in Wiesbaden. Der deutsche
Außenhandel mit der Dritten Welt
war durch einen Rückgang der
Importe bei gleichzeitig geringem
Wachstum der Exporte gekenn-
zeichnet
Die Einfuhr aus den Entwick-
lungsländern sank von 1981 auf
1982 um gut vier Prozent auf 68,5
Milliarden Mark. An den Gesamt-
importen hatten die Entwicklungs-
länder einen Anteil von 18 (Vorjahr
19) Prozent Der Rückgang der
Importe aus den Entwicklungslän-
dern betraf ausschließlich die
Gruppe der Opec-Länder, deren
Lieferungen an die Bundesrepu-
blik dem Wert nach um zwölf Pro-
zent fielen. Zu den wichtigsten Lie-
feranten unter den Opec-Staaten
gehörten 1982 Saudi-Arabien (10,6
Milliarden Mark), Libyen (7,2 Mil-
liarden Mark), Nigeria (4,4 Milliar-
den Mark) und Algerien (3,8 Mil-
liarden Mark).
Im Gegensatz zu den Opec- Län-
dern verzei ebneten die Einfuhren
aus den übrigen Entwicklungslän-
dern einen Zuwachs von vier Pro-
zent. Die bedeutendsten Handel-
spartner waren auf der Einfuhrsei-
te Brasilien (4,2 Milliarden Marie),
Hongkong (3,4 Milliarden Mark),
Taiwan (2,3 Milliarden Mark) und
Südkorea (2,1 Milliarden Mark).
Die deutschen Ausfuhren in die
Entwicklungsländer wuchsen 1982
nur noch um drei Prozent auf 72,7
Milliarden Mark, nachdem in den
Jahren 1980 und 1981 noch Zu-
wachsraten von 15 beziehungswei-
se 36 Prozent erzielt werden konn-
ten. Damit gingen 17 (Vorjahr 18)
Prozent aller Exporte in die Dritte
Welt
HANDWERK / Existenz-Gründuneswelle rollt
lei zu den Insolvenzen
Staatliche Förderung gerechtfertigt
HANS-J. MAHNKE, Bonn
Im deutschen Handwerk rollt pa-
rallel zu der hohen Zahl von Insol-
venzen eine Eansteazgründu ngs-
welle. Wie der Generalsekretär des
Zentralverbands des Deutschen
Handwerks, Klaus Joachim Küh-
ler, in einem Gespräch mit der
WELT betonte, handelt es sich
hierbei um einen typischen Effekt
nach einer Rezession. Auf die Plei-
ten folgen, wie schon 1966/67, re-
gelmäßig Neugründungen. Dies
gelte vor allem für den Bäubereich.
B« der Aufgabe größerer Betriebe
komme es zu Neugründungen klei-
nerer Einheiten.
Da sich die Existenzgründling
auch positiv auf die Beschäftigung
auswirke - in der Regel hat ein
neuer Betrieb bereits in der An-
laufphase vier Beschäftigte — halt
Kühler eine weitere staatliche För-
derung für gerechtfertigt. Das im
Gegensatz zu früher das Interesse
an der Selbständigkeit wieder ge-
stiegen sei, lasse sich unter ande-
rem aus der starken Nachfrage
nach den Existenzgründungspro-
grammen des Bundes ablesen. Im
ersten Quartal ist die Zahl der An-
träge beim Eigenkapitalhilfepro-
gramm des Bundes, verglichen mit
der gleichen Zeit des Vorjahres,
um das Zweieinhalbfache gewach-
sen, das Volumen sogar um mehr
als das Vierfache. Und zur Zeit gibt
es keine Anzeichen dafür, daß die
Nachfrage nachlassen werde.
Denn die Selbständigkeit ist
häufig die einzige Alternative zur
Arbeitslosigkeit ln dem gleichen
Maße, wie die Sicherheit der ab-
ha”§« Verband eine zunehmende
Bereitschaft zur Selbständigkeit
registrieren können. Und das, ob-
wohl die Kosten der Existenzgrün-
dung erheblich gestiegen sind.
1963/64 waren für die Gründung
eines Handwerksbetriebes im
Durchschnitt knapp 50 000 Mark
erforderlich. Heute dürfte der Ka-
pitalbedarf bei rund 200 000 Mark
liegen. Beim Bäckerbetrieb stieg
die Summe von 510 000 auf 600 000
bis 800 000 Mark.
Aus diesen Stehlen leitet Kübler
die Notwendigkeit staatlicher Fi-
nanzierungshilfen ab. Denn nahe-
zu alle Existenzgründer leiden un-
ter mangelndem EigenkapitaL Da-
her plädiert er dafür, neben das
Eigenkapitalprogramm des Bun-
des eine Förderung des Existenz
gründungssparens zu setzen. Ana-
log zum Bausparen sollten die po-
tentiellen Existenzgründer in die
Lage versetzt werden, ihr Eigenka-
pital von langer Hand anzusparen.
Existenzgründungen könnten
auch dadurch unterstützt werden,
riaB die Frist für den Verlustrück-
trag verlängert würde. Dann konn-
te ein Handwerksmeister einen
größeren Teil seiner Verluste in der
Anlaufphase mit seinem zuvor ver-
dienten Arbeitslohn verrechnen.
Macht der Existenzgründer bereits
in den ersten Jahren Gewinn, so
sollte durch eine steuerliche Be-
günstigung des nicht entnomme-
nen Gewinns die Eigenkapitaldek-
ke verstärkt werden.
BÖRSENWOCHE
Ausländer treiben die Kurse
auf einen neuen Höchststand
LEO FISCH RR, Bonn
Die Nachfrage nach deutschen
Aktien hat in den letzten fünf Ta-
gen geradezu stürmische Ausmaße
angenommen. Bei lebhaften Um-
sätzen, die alle Befürchtungen ei-
ner möglichen Sommerflaute im
Keim erstickte, kam es vor allem
am Donnerstag zu hausseartigen
Kurssteigerungen: An einem Tag
legten die deutschen Aktien - trotz
zwischenzeitlicher Gewinnmitnah-
men - am Index gemessen 1,7 Pro-
zent zu.
Der WELT-Aktienindex, der
nach der Konsolidierungsphase ön
Mai und Anfang Juni erst letzten
Freitag das historische Höchstni-
veau von Ende April wieder er-
reicht hatte, stellte am Donnerstag
mit 145,3 Prozent einen neuen
Kursrekord auf und gewann im
Wochenverlauf 2,6 Prozent.
Bei den favorisierten Auto-Titeln
gingen die Kursgewinne aber noch
viel weiter. Der Pkw-Absatz im er-
sten Halbjahr, von dem auf der
Hauptversammlung gesprochen
wurde, ließ den Kurs der Daimler-
Aktie unter Berücksichtigung des
Dividenden-Abschlags von 11,50
Mark um 4,5 Prozent steigen. BMW
gewann an einem Tag nind sieben
Prozent, im Wochenvergleich -
ebenfalls unter Berücksichtigung
des Dividendenabschlags - fast
sechs Prozent Bayer zog um sie-
ben Prozent an, die Deutsche Bank
um 4,5 Prozent
Neben inländischen Privatanle-
gern und Fonds waren vor allem
Ausländer auf der Käuferseite. Ein
umfangreicher Artikel in der Euro-
pa-Ausgabe des „Wall Street Jour-
nal“ dürfte mit dazu beigetragen
haben, das Interesse der Ausländer
verstärkt auf die deutsche Börse zu
lenken, die von dem hohen Dollar-
kurs profitiert. Aufgrund der ge-
gensätzlichen Entwicklung der
Leistungsbilanzen der USA und
der Bundesrepublik erscheint der
Dollar im Vergleich zur D-Mark
analytisch eher überbewertet Aus-
länder können also außer auf stei-
gende Aktienkurse auch auf eine
Höherbe Wertung der D-Mark spe-
kulieren. Die Überlegung, daß der
feste Dollar die deutsche Exportin-
dustrie unterstützen und ihre Wett-
bewerbsposition verbessern wür-
de, spielt offensichtlich keine so
große Rolle.
Die konjunkturellen Nachrich-
ten der letzten Woche können
kaum als Erklärung für die neu
entflammte Hausse herangezogen
werden. Jedenfalls nicht die letzte
Woche veröffentlichte Statistik
über Auftragseingang und Produk-
tion. Dafür sorgten aber Nachrich-
ten aus dem Unternehmens bereich
für Anregungen. Die Hauptver-
sammlungen der letzten Woche
deuten überwiegend auf eine Er-
gebnisverbesse rung hin.
Die gute technische Verfassung
der deutschen Börse zeigt sich
nach Ansicht der Deutschen Bank
vor allem in zwei Punkten. Die
vorübergehende Schwäche der
Wall Street beeindruckte die deut-
schen Aktienmärkte kaum, die Er-
holung in New York allerdings gab
ihr neue Impulse. Auch die Unge-
wißheit über den weiteren Zins-
trend am Rentenmarkt bleibt ohne
Einfluß. Eher sei - so die Deutsche
Bank - das Gegenteil der Fall: Frei-
werdende Mittel am Rentenmarkt
(Kupontermin) fließen wegen der
Zinsunsicherheit in die Aktienan-
lage.
WIKTSCHAFTS # JOURNAL
Teure Länder — billige i änHor — ^
Eine vierköpfige Familie* ^
braucht in der Bundesrepublik ' ^^1
pro Woche zum Leben: ff I
620 DM //
Sie würde brauchen in:
i Stand- Anfang 19B3)
1 mä\ — _ 'i. i' 3 3
Ipymä
*AjOameHmerhaus halte mit iremerem Einkommen
En vferfcöpfiger Arbeftnehmerhaushafr kommt in der Bundesrepublik mit
wöchentlich 620 Mark aus, ergibt sich aus den Haushaltsrechnungen des
Statistischen Bundesamtes für 1982. In Jugoslawien braucht man nur 463
Mark in Dinare umzutauschen, um ein Leben zu führen wie daheim. Das
Leben in der Schweiz ist erheblich teurer, rund 816 Mark müfiten hier in
Franken umgetauscht werden. quelle: globus
Brasilien dementiert
ZahhingsnnfShigkeit
Sao Paulo/Paris (rtr) - Brasiliens
Finanzminister Erzürne Galveas hat
Gerüchte dementiert, denen zufol-
ge das Land seine Zahlungsunfä-
higkeit hinsichtlich der auf 90 Mil-
liarden Dollar geschätzten Aus-
landsschulden erklärt habe. In einer
Mitteilung des Finanzministeriums
erklärte Galveas in der Nacht zum
Freitag, diese Gerüchte hätten nicht
die geringste Grundlage. Die Ge-
spräche Brasiliens mit dem Interna-
tionalen Währungsfonds (IWF), bei
denen es unter anderem um das
Defizit des Staatshaushalts und
Grenzen für die inländische Kredit-
expansion gehe, nehmen nach An-
faben Galveas einen befried! gen-
en Verlauf.
Uneinheitlicher Kapitalmarkt
Bonn (Rei.) - Das erste Halbjahr
1983 läßt nach Ansicht des Verban-
des Deutscher Hypothekenbanken
keine einheitliche Beurteilung zu.
Einerseits habe der Kapitalmarkt
mit einem hohen Absatz an Schuld-
verschreibungen wieder seine Er-
giebigkeit bewiesen, auch habe sich
das Interesse privater Anleger an
Festverzinslichen belebt und die
Laufreitstruktur verbessert, doch
wechsle die Stimmung der Markt-
teilnehmer „von Tag zu Tag zwi-
schen Optimismus und Depres-
sion“. Die „Frühjahrseuphorie“ sei
ausgerechnet in dem Moment ge-
schwunden, da die Bundesrepublik
im März den Leitzins senkte. Das
habe die „Zinsphantasie“ der Darle-
hensnehmer beseitigt. Für Schuld-
verschreibungen mit 10 Jahren
Laufae.it hält der Verband 8 Prozent
Zinsen für ein realistisches Ziel in
diesem Jahr.
Indonesisches Sparprogramm
Jakarta (dpa/VWD) - Von den
drastischen Sparmaßnahmen der
indonesischen Regierung sind auch
deutsche Firmen empfindlich be-
troffen. So wird nach den in Jakarta
vorliegenden Informationen das
Projekt zum Bau einer Aromatenan-
lage zur Herstellung von Kunststof-
fen auf Sumatra durch die Thyssen
Rheinstahl Technik GmbH und
durch ein amerikanisches Unter-
nehmen zusammengestrichen . Die
Kosten der Anlagen waren auf 1,5
Milliarden US-Dollar(3,8Milliarden
Mark) veranschlagt worden. Leid-
tragende der einschneidenden Ein-
sparungen, zu denen sich Jakarta
angesichts der sinkenden Ölexport-
einnahmen und wachsender Defizi-
te in der Zahlungsbilanz entschlos-
sen hat, sind femerder Anlagenbau-
er Klöckner Industrie-Anlagen
GmbH und der Baukonzem B Dün-
ger + Berger Bau-AG sowie Klöck-
ner-Humboldt-Deutz. Diese Firmen
waren für den ursprünglich geplan-
ten Bau einer Aluminiumhütte en-
gagiert worden. Der Bau dieses Pro-
jekts für über 600 Millionen Dollar
(etwa 2,5 Milliarden Mark) ist eben-
falls auf unbestimmte Zeit verscho-
ben.
Zollfreigrenzen in der EG
Bonn (dpa/VWD) - Anläßlich der
Ferienzeit weist das Bundesfinanz-
ministerium noch einmal darauf
hin. daß innerhalb der EG bestimm-
te Zollfreigrenzen gelten: Die Frei-
grenze bei Tabakwaren je Reisen-
den über 17 Jahre beträgt 300 Ziga-
retten oder 15 Zigarillos oder 75
Zigarren oder 400 Gramm Tabak.
Bei Alkoholika sind frei: 1,5 Liter
mehr als 22prozentige Spirituosen
oder drei Liter Spirituosen mit ge-
ringerem Alkoholgehalt oder drei
Liter Schaumwein und vier Liter
sonstiger Wein. Bei Kaffee und Tee
dürfen je Reisenden über 15 Jahre
750 Gramm Kaffee oder 300 Gramm
löslicher Kaffee sowie 150 Gramm
Tee oder 60 Gramm Instant -Tee
mitgefuhrt werden. Außerdem dür-
fen Urlaubsreisende auch 75
Gramm Parfüm, 3.fe Liter (0,375 Li-
ter) Eau de Toilette sowie andere im
Besuchsland gekaufte Waren im
Gegenwert von 500 Mark bei sich
haben.
Geringe Teuerungsrate
Bern (AP) - In der Schweiz ist
nach einer Verlautbarung vom Frei-
tag im Juni mit 2,8 Prozent die
niedrigste Jafcresteuerungsrate seit
vier J ahren verzeichnet worden. Ge-
genüber dem Vormonat stieg der
Index der Verbraucherpreise im Ju-
ni um 0,4 Prozent.
Einigung über Sozialplan
Hamburg (dpa/VWD) - Über ei-
nen Sczialplar. für 478 Arbeitneh-
mer des Hamburger Werkes der
Maschinenfabrik Augsburg-Nürn-
berg AG (MAN), die entlassen wer-
den sollen, ist am Freitag Einigung
erzielt worden. Wie der Betriebsrat
mitteilte, fiel die Entscheidung mit
den Stimmen der drei Betriebsrats-
mitglieder und des Arbeitsrichters.
Ljqmditätshilfe für Banken
Frankfurt (VWD) - Die Deutsche
Bundesbank gewährt der Kredit-
wirtschaft eine zeitlich befristete
Liquiditätshilfe in Höhe von 5,4
Milliarden Mark. Diesen Betrag teilt
die Bundesbank bei den ausge-
schriebenen Wert papier- Pensions-
Geschäften den Banken zu. Die
Gutschrift erfolgt am Montag. Wie
die Bundesbank weiter erklärte,
sind insgesamt für 27,1 Milliarden
Mark Gebote eingegangen. Bei ei-
nem Zinssatz von 5,10 Prozent lau-
fen diese Wertpapierpensionen bis
zum 8. August, ln den vergangenen
Tagen hat sich der Geldmarkt derart
versteift, daß die Banken stark in
den Lombardkredit gehen mußten.
Außerdem stehen die Belastungen
des Steuertermins bevor.
i.
10
WFT T r>FW rn WIRTSCHAFT
. /. DIB WM4T-.Nr. i57 -
-m
LAND-RENTENBANK
Agrarkredite
steigen deutlich
dpa/VWD, Frankfiort
Nach, der vorjährigen kräftigen
Ausweitung der Bilanzsumme um
14 Prozent auf 21,2 Milliarden DM
hat die lebhafte Geschäftsentwick-
lung bei der Landwirtschaftlichen
Rentenbank, Frankfurt, auch 1983
angehalten non Vorstandsangaben
zufolge hat das Spitzeninstitut des
deutschen Agrarkredits im ersten
Halbjahr 1983 mittel- und langfristi-
ge Kredite über 1,62 Milliarden DM
neu zugesagt, das sind rund zehn
Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Auch das kurzfristige Kreditvolu-
men, das Ende 1982 bei 1,9 Milliar-
den DM lag, sei bis Ende Mai 1983
bedingt durch den erhöhten Finanz-
bedaxf der Bundesanstalt für Land-
wirtschaftliche Marktordnung wei-
ter auf 2,6 Milliarden DM gestiegen.
Die Ertragsaussichten für 1983 wer-
den vom Vorstand als „nicht
schlecht“ bezeichnet.
Der Anstieg der Zinsspanne, die
sich 1982 gegenüber dem Vox jahr
von 0,29 auf 0,38 Prozent erhöhte
und im 1. Halbjahr 1983 nochmals
verbesserte, habe sich in den letzten
Wochen allerdings verlangsamt.
Aus der steigenden Kreditnachfra-
ge schließt Vorstandsmitglied
Heinz Scbüdhauer auf eine zuneh-
mende Investitionsneigung in der
Landwirtschaft, doch habe die
Bank hierfür keine sicheren
Anhaltspunkte. Es gebe nach wie
vor ein gewisses Abwarten, vor al-
lem wegen der Diskussion überein
neues Agrarkreditprogramm, das
offenbar auf Zinsverbilligungs-Ak-
tionen für Ellein- und Mittelbetriebe
hinauslaufe.
Mit dem 1982 von der Kenten bank
erwirtschafteten Ertrag zeigte sich
Schildhauer „recht zufrieden“. Der
Brutto-Zinsüberschuß sei gegen-
über 1981 um 40 Prozent auf 74,7
Millionen DM gesteigert worden
und habe auch vorsorgliche Bewer-
tungskorrekturen erlaubt, ohne daß
die Bank von akuten Ausfällen be-
troffen worden sei Aus dem mit 29,7
(28,9) Millionen DM ausgewiesenen
Jahresüberschuß wurden 22,3 Mil-
lionen in die Rücklagen und 7,4
Millionen DM in die Sonderfonds
der Bank zur Förderung der Land-
wirtschaft eingestellt-
DATEN / Die wirtschaftliche Basis der Mitglieder zu stärken steht an erster Stelle
Schon eine halbe Milliarde Konten angesammelt
JOACHIM WEBER, Nürnberg
Die 20 superschneflen Laser-
Drucker in Deutschlands größtem
Service-Rechenzentrum bednik-
frpp _ pumpinBam mit «»in paar me-
chanischen „Kollegen“ - Tag für
Tag 20 Tonnen Papier. Mehr als 200
Menschen $ind allein damit be-
schäftigt, dieses Papier in kleinen
Portionen zu verpacken und zu ex-
pedieren. Und die Porto- und
Frachtkosten für die monatlich
400 000 FTw«>iM»n«inTiggn summier-
ten sich 1982 zu beinahe 23 Millio-
nen Mark.
Imponierende „Nebensächlich-
keiten” wiw Genossenschaft, die
zur Jahresnütte 22874 deutschen
Steuerberatern, einigen Wirt-
schaftsprüfern und Rechtsanwäl-
ten gehörte und die ausschließlich
für ihre Mitglieder arbeitet - die
Datev e. G., Nürnberg.
Das Untenehmen bietet seinen
Genossen spezifische EDV-Arbet-
ten als Dienstleistungen an, von
der KanzIeiorganisatioD über die
FjnawThnfhhftitiiTig bis zur be-
triebswirtschaftlichen Analyse für
die Mandanten-Beratung. Die
Buchhaltungen von 900 000 Betrie-
ben werden hier schon geführt, ei-
ne hsdbe MTlliardp Fmanzbuchhal-
tungs-Konten.
Zur Verfügung stehen 23 Fro-
grammpakete und außerdem 14
Branchenprogtamme, zum Bei-
spiel für die Landwirtschaft, für
Arzte oder Elektroinstallateure.
Das Spektrum ist offenbar attrak-
tiv: Die Datev zählt nach eigener
Berechnung 68 Prozent der selb-
ständigen Steuerberater in der
Bundesrepublik zu ihren Kunden -
aim Jahresende sollen es bereits
23 000 sein.
„Damit nahem wird uns langsam
der Sättigungsgrenze“, meint Vor-
standschef Heinz Sebiger. „Die Zu-
wachsrate! der Mitgliederentwick-
lnng werden schon pUmShHrh klei-
ner“. Nachdem sich im vergange- -
nen Jahr noch 1670 (1780) Steuer-
berater der Genossenschaft neu an-
geschlossen hatten, rechnet man in
diesem Jahr „nur" noch mit 1390.
Auch ho»*" Umsatz hat sich Sebi-
gef auf geringere Zuwachsraten
eingesteüb Das für 1983 angepeille
Volumen von 275 (246) MÜL DJä
würde freilich immer noch ein
Wachstum von fest 12 Prozent be-
deuten. Im vergangenen Jahr wur-
den allerdings noch gut 19 Prozent
erreicht, der Durchschnitt der letz-
ten vier Jahre lag sogar bei 21,6
Prozent
Dennoch hat Sebiger in den bei-
den letzten Jahren zur internen
Konsolidierung geblasen. Die
straft angerogene Kostenbremse“
zeigte Wirkung: 1982 blieb der Be-
triebskostenzuwachs mit knapp 16
Prozent deutlich unter dem
ITALIEN / Privatwirtschaft fordert Rationalisierung der staatlichen Stahlwerke
Die Front gegen Stillegungen bröckelt
GÜNTHER DEPAS, Mailand
Der italienischen Ministerdelega-
tion, die auf der EG-Ministerrats-
sitzung am 25. Juli in Brüssel die
Stahlbeschlüsse der Kommission
anfechten will, droht, die Rücken-
deckung im eigenen Land zu ver-
lieren. Erste Risse zeigt bereits die
Front der Gewerkschaften, die hin-
ter der Fassade solidarischen Wort-
getöses tiefe Meinungsverschie-
denheiten über die Auswahl der zu
Anlagen erkennen
läßt Keiner der Fabrikrate der
staatlichen Stahlwerke von Genua,
Neapel und Tarent zeigt bisher Be-
reitschaft, sich mit Eingriffen im
eigenen Betrieb einverstanden zu
erklären.
Auseinandersetzungen bahnen
sich auch inneriialh der Regierung
an, der Mi-
nister für die Entwicklung Södita-
liwi», cimidift Signorüe, seinem
Parteikollßgen, dem Minister für
StpfltehAtotlipmppT», Gianni de Mi-
rMic, in <?wi Rücken gefallen ist
mit der Erklärung, daB „es unreali-
stisch ist, den Stahlimport durch
lüigwiprpH 1 »iftinn zu ersetzen »nd
dafür auf der Erhaltung der Werke
in Genua und Neapel zu bestehen“.
Um den ausländischen Importeu-
ren in Italien Märkte zu entreißen,
muß laut Signorüe, nicht mehr,
sondern kostengünstiger produ-
ziert werden. Das aber könne heute
nur noch das Hütten- und Stahl-
werk Tarent gewährleisten. Aus-
einandersetzungen sind hinter den
giiiMMn fffrgunwiiriig ebenfalls
zwischen der Regierung und dem
ManagomAnt HwStaatahftMing IRI
im Gange, die die Kontrolle des
staatlichen Stahlkonzerns Finsider
hält Während die Regierung aus
gnyj nipr»i fri Gründen vor Stil-
legungen zurückschreckt, besteht
(jia IRI- Leitung auf tiefgreifenden
TTm«rinitrtairi«mmgpr>_
Für wrw Reorganisation der
staatlichen Stahlwerke treten auch
die privaten Unternehmer ein.
Nach Ansicht des „Brescianers“
Luigi Lucchini, dgm größten B<e-
tonstahlhersteüer Italiens, sind für
die „Invasion“ des italienischen
Markte« mit Flach-
stahl die schlechten Kosten Ver-
hältnisse bei dem staatlichen
Stahlkonzem Italsider (Fmsidex)
verantwortlich. Nur wenn die
staatlichen Stahlmanager von den
Politikern „freie Hand zu Rationa-
lisierungen erhalten“ sei an eine
Verbesserung der Wettbewerbsfä-
higkeit zu denken. In einer zahlen-
mäßigen Reduzierung von Anla-
gen sieht auch Alberto Falck, der
Präsident des größten privaten
fitahliinteraghmgns Italiens, Ac-
riajerie e Fernere Lombarde Falck
in Mailand eine Chance, um den
Auslastungsgrad bei den Übrigge-
bliebenen Unternehmen „nen-
nenswert zu erhöhen und damit
Wertschopfüng zu garantieren“.
DLW Aktiengesellschaft, Bietigheim-Bissingen
Jahresabschluß 1982 - Kurzfassung
Bilanz der DLW AG zum 31. Dezember 1982
AKTIVA
Anlagevermögen
Beteiligungen . . . .
Austeilungen .. . .
Umlaufvermögen
Vorräte
Anzahlungen
Forderungen
31. 12.82
TOM
31. 12-Sl
TOM
47160
52809
58891
58854
937
968
55207
56959
40
469
98841
118006
115932
78337
377008 364402
PASSIVA
31. 12. 82
TOM
31.12.81
TOM
GnincStapttaJ
58500
58500
Rücklagen
.. 121490
117490
Sonderpostan mit RÜddngaaräPil
617B
6557
Pauschalwertberichtigung zu Fofdemngen ...
3800
4950
penstonsrücksteKwigen
94849
83320
Andere Ruckstallungen
. . 42413
38411
VeiHndfichkeden gegenüber
toUnterslützungseinrichtung
19364
21844
Andere Vertxreffichkelten
18675
21531
Bäanzgewinn
11739
11799
377008
364402
Konzern-Bilanz zum 31. Dezember 1982
AKTIVA
31.12.82
TOM
31. 12.81
TOM
Antagevermögen
Sachanlagen
Beteiligungen
Ausleihungen
Konsolidierungsausgleichsposten
Umlaufvermögen
Vorräte
Anzahlungen
Förderungen
PASSIVA
Gruncftapilal
122468
127945
597
512
1493
1433
-
219
95132
101961
411
849
106546
120567
120369
61722
447016
435206
KünsoMiefungsaiisgtachsposten
Ausgleichsposten für Anterie im Fremdbesftz
Sondeq»StenrritRücldageanteil
Pauschaiwcrtbonchbgung zu Forderungen .
Andere Rückstellungen . . .
VerbrndSchkeften gegenüber
Andere VerbtndficWteften
Konzemgewmn
31.12.82
TOM
31. 12.81
TOM
58500
58500
121490
117490
1746
-
4492
3906
6730
7192
5648
6763
103481
92338
67230
62407
21078
23221
45094
48956
11527
14435
447016
435208
Gewinn- und Verlustrechnung
der DLW AG für das Jahr 1982
Konzern-Gewinn- u. Verlustrechnung
für das Jahr 1982
1962
TOM
1981
TOM
i imsatterWae
(nach Abzug von Kunctenskontr) 424712
Bestandsveränderung der Erzeugnisse + 1643
Andere aktivierte Eigenleistungen 98
Gesamttatshmg 4264S3
Materialeinsatz und bezogene Waren 215269
Rohertrag 211184
Erträge aus Beteiligungen 4699
Ztasertrag 11765
AndereErträge 13063
240711
PersonaJaidwBndungen
eiastftieBtich Altersversorgung 111906
Abschreibungen 11297
Zinsaufwand 2430
Steuern ran Einkommen,
vom Ertrag und vom Vermögen 21546
Sonstige Stauern 66
Andere Aufwendungen 77624
Jahtesabarschtd} 15640
Gevrinnvortragreisdeffl Vorjahr 99
Srasßuigin
Rücklage für Suteaanzerhattung 2000
Freie Rücklage 2000
BSanzgemfnn 11739
446972
- 369
32
AuEenumsätze (nach Abzug von Kundenstorti) . .
Nicht gesondert auauwoisendo Aufwendungen
nach Verrechnung mit Bestandsänderungen und
E«genle»s*ungen
446635
222851
223784
3344
9024
13321
Zinsen und ähn&che Erträge
AndereErträge
249473
119379
14616
1707
Abschiebungen
Zinsen und ähnliche Aufwendungen
Steuern vom Einkommen,
vom Ertrag und vom Vermögen ....
Sonst ge Steuern
JahrtsübarsehuB
13362
157
84596
15656
143
2000
2000
Gewmnvortrag
Entnahme aus dem
KonsobdieniRgsBusgieichsposten
Emstecung m den
Könsot'dierengsausgleichsposten
Einstellung m
Rücklage für SubstanzwhaHung .
Freie Rücklage
Konzemfremden GeseUschaRem
zustehender Gewinn
Auf konzernfremde Gesefechatter
entfaltender Vertust
11799
Konzemgewlm .
1982
1981
TDM
TDM
703471
731151
654166
682470
49305
46681
10964
8144
12513
14404
72782
71229
24836
28175
2871 .
2916
28424
20210
178
299
16473
19629
1177
407
-
150
1450
1200
2000
2000
2000
2000
715
591
42
40
11527
14435
Dar voUst&nrige JahresabsehluB und der KonzemabsehluB der DLW Aköen-
geseflsdiaft sind dem Bundesanzeiger zur Veröffentlichung etngemicht
Diese erfolgt vocaussfchffich Anfang August 1 983.
Die Abschlüsse tragen den irangeschrinMen Sestätigungsvwmerk der
Schitag Schwäbische TiauhandAMiengesegschalt Stuttgart
Die ordenffiche Hauptversammlung vom B. Jufc 1983 hat die Ausschüttung
»iw Bardhridende von DM 10.- je 50,- M Aktten-Nennbetrag auf das
dMdendenberechtigte Grundkapital von 58,5 Mo. DM für das Geschäftsjahr
1962 beschktesen. Dias entspricht einschSeSfich anrechenbarer Körper-
schaftsteuer einem Ertrag von DM 1 5.62 Je Aktie.
DieDnndendevcnDM 10.- wird ab sofort unter Abzug von 25% Kapitater-
tragsteuer gegen Einreichung der GcwinnantBüsdieine te 35 ausgezahlL
Ober die für unbeschränkt steuerpSrchuge AMionäre ainecfienUare Körper-
schaftsteuer und Kapiatertragsteuer wird eine Steuerbessheinigung erteilt.
Die Auszahlung der Dividende erfolgt ohne Abzug von Kapliatenragsteuer
und zuzügüch Körperschaftsteuer, wenn ehre infantfische natürliche Person
dem depotiührenden Kreditinstitut eine NidTtveraniagungsbescheinigung
das zuständigen Finanzamtes vortegt
D» vollständige' Dividendenbekanntmachung wird an Bundesanzeiger
Nr 125vcm9 Ju!)1963vwäffentlicht
B*Dgt»!fl-&S5ffigen. im jub 1 953
Der Vorstand
Umsatzwachstum- döBetriebser-
gebnis ra^m um die Hälfte auf 30
(20) MH DM zu. Bfit einem Jahres-
überschuß von 20 (10) MÜL DM
kamen auch die Mitglieder auf ihre
Kosten: Ihre Rückv^gutung stieg
auf 14,7 (0£) MilL DM oder 6 (3)
Prozent vom Umsatz.
Allerdings: „Unser Ziel ist es
sicht in erster Linie, Gewinn zu
winfhon, sondern die wirtschaftli-
che unserer Mitglieder zu
stärken“, betont Sebiger den ge-
nossenschaftlichen Denkansatz.
Mit Ziel wurden auch 1982
fest 19 Mffl. DM oder 7 Prozent
vom Umsatz in die Programment-
wicklung gesteckt, eine Summe,
die illustriert, worin die Stärke der
Gemeinschafts-Datenverarbeitung
liegt 250 Software-Spezialisten
und 70 Betriebswirte arbeiten al-
lein in diesem Bereich. Insgesamt
beschäftigt die Dsdev 1670 Mitar-
beiter.
Bayer schafft neue
Führungsstruktur
J. GEHLHOFF, Düsseldorf
min Dutzend Jahre nach der letz-
ten und umfassenden Neuorganisa-
tion gibt sich der Chemiekonzem
Bayer AG, Leverkusen, ab Anfang
1984 abermals eine neue Organisa-
tionsform. Begründet wird dies vor
aTlpm riamH^ Ha B siph der Weltum-
satz seit 1971 reichlich verdreifacht
hat (34, 8 Mrd. DM in 1982) und darin
der Umsatz der Auslandstöchter auf
das Vierfeche (19,7 Mrd. DM) gestie-
gen ist Transparenz und Flexibili-
tät des Unternehmens sollen AirmVi
Neugruppierung und StraffUng der
Führungsbereiche verbessert wer-
den.
AUBI-HV / Neueii^dlimgep und SönderscMditen
Audi 100
.vi:*
• "w SP
DANKWARD SETTZ, Ingolstadt
Ene n- deutlichen Aufschwung
wird das Geschäftsjahr 1983-dfcr
Audi NSU Auto Union -AG, Nek-
karsulm/Ingolstadt, bringen. - Wie
Vorstandsvorsitzender - Wblfgang
R. Habbel gestern vor der Haupt-
versammlungin Ingolstadt nutteür :
te, wird für 1983 eine Produktitms-
steigerung auf 390000. (325000)^
Emfeiten -und ein Umsatz von
Auf dem Inlandsmaifct 'ergab" Ai 3
dabei ein Phis von.40,3 pSqm w ^
101900 FhhraHdge,
Marktanteil von f
. •. - 7,
ausgebaut werden konnte. Ä li
-tiert wurden snit'90'300 StQdcSS- •’
Prozent mehr. DerUmsatz ediöS
sich parallel dazu um' 13^ -
auf3,8Mrd.;DM. //*.****:
Zugpferd in , der Produktion, dir %
•:T. ~
i r:?
>A •=
*
über. Z (6,1) Mrd. DM erwartet Gro-
ße Hoffnungen setzt man dabei
weiterhin auf den Audi .100 und
den neuen Audi 200, der im Herbst
auf den Markf kommen wird.. Um
* 193 000 Einheiten, aiigEfoofrgji
döi kofinte, war der Audi lOO mh v-
einem Hus von, 7^9 Prozent mr V
75 300 Fahrzeuge D^rtliciS '•
° * — *■- — wurde auch die. '
?
■
Ü- *-
■a :
die große Nachfrage befriedigen zu Produktion der-Poredte-Mod^ - „Ämt
können, wird Audi auch im zwei-' 924 und 944 auf 16 200 \ tsS®“---
Statt der bisher neun Sparten
(dazu noch Agfe-Gevaert-Gmppe
und Metzeler-Bereich) werden
sechs „Unternehmenssektoren“ ge-
bildet, von denen jeder „«ne Reüie
von Geschäftsbereichen mit eigen-
ständigen Ge&chäftsgöbieten“ um-
faßt Die bisherigen Sprecberfunk-
tinn«»n der Vftrgfa»nHgmitg1i«^tor für
operative und Dienstleistungs-Be-
reiche feilen fort, nur für Regionen
bleiben sie als Verbindung zu den
jeweiligen Länder-Geschäftslei-
tungen bestehen: „Der Vorstand
soll die Geschäfte neutral fuhren.“
Auch an eine allmähliche Verringe-
rung der Zahl von derzeit 14 Vor-
standsmitgliedern ist ' Hahw
g»»dar»ht
Uhren-Fusion durch
Aktionäre bestätigt
dpa/VWD, Bern
Die Aktionäre des bisher zweit-
größten schweizerischen Uhren-
konzems, der Association Suisse de
IAPIndustrie Horlogere (SSIH), ha-
ben. die Voraussetzungen für die
Fusion mit. der Allgemein«!
Schweizerischen Uhrenindustrie
AG (Asuag) geschaffen. Auf ihrer
ordentlichen Ggieralversammlung
in Bern stimmten sie der zweiten
Sanierung des Unternehmens
durch die Banken zu. Die Asuag-
Aktionäre hatten die Sanierung ih-
res Konzerns bereits am 26. Juni
gutgeheißen.
Zwar müssen die Aktionäre der
beiden größten - schwer angeschla-
genen - Uhrenkonzeme der
Schweiz auf außerordentlichen Ge-
neralversammlungen im Herbst
noch einmal den Zusammenschluß
bestätigen, doch handelt es sieb
dabei nur noch um eine Formsache,
da beide Gruppen praktisch im Be-
sitz der Großbanken sind. Die Asu-
ag mit den Marken Longines, Eter-
na, Rado und dem Rohwerkherstet
ler Ebauches «litt in den letzten
Jahren schwere Verluste. Die SSIH
mit Omega und Tissot wurde im
Juni 1981 durch eine Finanzhilfe
von 300 Millionen Schweizer Fran-
ken vor dem Zusammenbruch be-
wahrt Bisher haben die Banken
rund 600 Millionen Franken für die
Rettung der Uhrenindustrie aufge-
bracht
köi
ten. Halbjahr 1983' WHiumstgiiiiw-
gen vornehmen und Sonderschich-
ten fahren müssen.
Em, Ziel bis 1985 ist wie Habbel
ankiinriigte, das gesamte ModeH-
programm wahlweise .mit Allrad-
antrieb anzubieten. Der Matfcter-
fblg des Qua$ro bestätige die Rich-
tigkeit dieses Kdnzepts. Insgesamt
habe Audi mit seinen neuen Mo-
dellen taut» Aiwgmwpnpj.
tion «rächt, um gut im wStbe-
werb in den nächsten Jahren be-
stehen zu können. Im ersten Halb-
jahrl983 konnte Audi den weltwei-
ten Absatz gegenüber der gleichen
Voijahzeszezt um 19^ Prozent auf
über 203DOO Einheiten steigern.
924 und 944 auf 16 200 Stück,
v' Den : Auxü-Gemi^khem-In^. .
bem konnte Habbel teine großen,
Hoffnungen für die Zukunft mg.-
chen- Für den Abschluß neuer 1^. -
zenzverträge gibt es keine Anhahif-
punkte. Da die ' letzten Grundp*,- >'
tente im fHerbst 1982 . erimäa« U
sind, muß davon ausgegangeani»^ ^
den, daß der einzige H«^äler von ; ,
Senen-Kreiskolbenmotoreh - de '
Welt, die japanische Toyo Kjogyn ^
(Mazda), nur noch eine gering^, r-,
.MmdesUizen^bühr • .bezähiäi^
wird. Die nach der Satzung letzte :
Ausschüttung für 19B3 winfdaha^,
so Habbel, nur noch einen „Brach.: .r
teil“ der diesjährigen, von 0,16;
<0,15) DM ausmachen.
m
IX^RTMÜNDER PRIVATBRAUEREI KRONEN
Erlösplus trotz Absatzminus
HANS BAUMANN, :
Wer nur. nach Absatz schielt,
wird bald den Blick für die Erlöse
verloren haben. Dieses Wort mag
auf breite Teüe -der deutschen
Brauwirtschaft zutreffen, nicht
aber für die Dortmunder Privat-
brauerei Krönen. Mit einem Aus-
stoß von 1,125 MDL -Hektoliter im
Geschäftsjahr 1982 nahm sie ein
Minus von 2,7 Prozent hin. Dafür
aber kam sie bei den Erlösen um
3,9 Prozent auf 129,6 MÜL DM vor-
an (davon 122 MÜL DM für Bier).
Traditionell verkauft das Haus
seine Ware zu 70 Prozent im Um-
kreis ' Von 50 Kilometern. Daß
Märkte' aber auch. fliwiwwiM’hw
werden können, mußte Kronen
1982 lernen. Das Minus beim Aus-
stoß mußte hmpnnmmpn werden,
obwohl man in den Randregionen
(außerhalb des 50-Küometer-Zir-
kels) Erfolge erzielte: In Ostwestfe-
ien plus 2,8 ftozeht, im Münster-
land plus* 4,4 Prozent und im Sau-
eriand plus 3^2 Prozent
Dortmunder Kronen gibt es in
rund 2300 Gaststätten. Mit 659
Fachgroßhändtem arbeitet man
aisammen Doch Kronen spürte
einem Anteil von 13 Prompten der-
Gesamtproduktion vom. Pils liegjlT
mit minus 1,7 Prozent bei 43,2 Pfei
zent des Ausstoßes, Export mitröij r?
nus 3 Prozent immer noch bei be-
achtlichen 374 Prozent Wenig half ':
man bei Kronen vom Etawemaifi
schüft. Es hält sich kauin verän^ j
dert bei 5,6 Proz«it : ' j;'
Investiert wurden 1982 rund 14#:
MüL DM bei Abschreibungen von
16,6 MüL DM! 1983 werden noch :
einmal 13. MIL DM in den Lager- .
keller gesteckt, dann geben die;
Mittel in den Markt, in den £ai-\
Berichtsjahr fest 3 MÜL investisfb
wurden, womit die Finänzaadagag--
Oang&istige Sicherung des AusetcK^i
ßes) auf 36 MüL DM kletterten.
Natürlich dienen die invesfeb-li
nen auch der betriebswirtschaftli-^
eben Stromlinie. Um 49
ter auf jetzt 483 wurde die Zahl der ~r :
Beschäftigt«! vermindert Der
Prozeß ist noch nicht zu Ende. Öaa : ?
läßt die Leistung steigen. So er-
höhte sichdfe Produktivität 1982
Mitarbeiter von 2172 auf 2^8R»- 1
tofiter. hn Bandesdurchschnitt wa-,;, •
ren es 1982 rund 1448 Hektoliter. ;;;■
Bsnkschs
»Tg
auch, die Zuruckhaltuhg des K<m-
sums in der Gastronomie. Der An-
teil des Faßbieres am Gesanxtaus-
stoß ermäßigte sich 5 Prozent auf
jetzt 26,7 Prozent Dafür legte man-
im Ausland leicht zu, 0,6 Prozent
auf 65 500 Hektoliter. Unter .den
Marken marschiert „Classic“ mit
einem Plus von 4,7 Prozent und
Und der Ausblick? Der Spreche- ^
Bans-Jo"
der Geschäftsführung, _ _
äehir« WclfE, bedient sich der Hn^lflrAnnrpico — T
hehsantwart aller Brauer.
heitsantwort aller Brauen „Ea
könnte besser sein.“ Doch anÄ&fafinina YGrzeicI
sichts der Solidität des 9
kann er ohne; Übertreibung
von einem realistischen :
mus“ sprechen; mit dem die^
waltimg in die Zukunft schaue.“
ifopfernotierung«
^Yorker Com«x.
^Kdkoo.
NAMEN
Gerold Mack, Vizepräsident und
Vorsitzender des Sozialpolitischen
Ausschusses des Bundesverbandes
Druck e. V„ Wiesbaden, vollendet
am 11. Juli das 60. Lebenswahr.
Ferdinand Piech, Vorstandsmit-
glied für den Geschäftsbereich
technische Entwicklung der Audi-
NSU-Auto-Union AG, ist mit Wir-
kung zum 1. September 1983 zum
stellvertretenden Vorsitzenden des
Vorstandes bestellt worden.
Prot Dr. Ernst Fiala, Mitglied
des Vorstandes der Volkswagen-
werk AG, ist von der Hauptver-
sammlung der Audi-NSU-Auto-
Union AG als neues Mitglied für
den Au&ichtsrat gewählt worden.
ifr.ÄWltpTSilaiäe Senuf
KONKURSE
Konkurs erötfnet: AbHMbWp SfcV
bert Hemnann Karosseriewerk, Abh ir.
DnWek; Be Aetn/Erft: LedeirXhWi •
GmbH. Keipen; Bcriiu-Ctorlttfwe
borg: Wilhelm Banzhaf & Co. GmbHÄ ;
Co. Rohstoöverwertungs KG; Bad-
wlffblfea/Bheln; . Ladwigshafener, .
Möbelhaus GmbH; TUHnicn-ScbM-
alngen: Heinrich Reuter, AUdninh-'d. ;
Apparatebau Heinrich Reuter. Tribut -
3. Gremmelsbach; Wuppertal: BDS
Bio-Dynamische Systeme f. Schbini-
beit-Bräunung-WoblbeSndeo GmbH
Velbert 1-
AaichlnS-Kenkma eröffnet: Statt*
gart- Bad Cannstatt: David-Computer
GmbH.
Vergleich eröffnet: Bocbmu: Bomiö
Handel GmbH u. Co. KG; Bochuiner
Erdöl GmbH.
Vergleich beantragt: BtHnfj«
Hans-Dieter Heinze, Inh. d. ffens-Dte-
ter Hemze, Leuchten.
INCENTIVE-REISEN / Ansporn, eine festgesetzte Mindestleistung zu erreichen
Steuerfragen sind noch ein Problem
KAREN SÖHLER. Bonn
Uberproportionale Kostensteige-
rangen im Vergleich zur Zunahme
des Gesamterlöses einerseits, ver-
schärfter Wettbewerb, der eine In-
tensivierung der Beratungstätig-
keit verlangt, andererseits haben
die Rentabilität der Reisebüros in
den letzten vier Jahren spürbar ge-
senkt 1978 - im Spitzenjahr des
deutschen Tourismus - betrug die
Netto-Umsatz-Rendite 1,48 Pro-
zent, im vergangenen Jahr nur
noch 0,9 Prozent, wie eine Untersu-
chung des Rechenzentrums des
Deutschen Reisebüros (DER) er-
gab. Ein Dilemma dem nicht nur
durch Rationalisierung über EDV,
sondern auch durch Innovationen
begegnet werden muß, meint die
seit dem 8. März diesen Jahres be-
stehende Arbeitsgemeinschaft In-
centive-Reiseveranstalter e. V.
(A_ L R.). Nach Auffassung der
Gründungsmitglieder - zwölf nam-
hafte Reisebüros - ist mit diesem
Zusammenschluß ein erster An-
fang gemacht.
Die Idee ist, daß Unternehmen
den eigenen Mitarbeitern und den
Firmen, die für den Vertrieb der
jeweiligen Produkte zuständig-
sind, einen „Incenüve“, übersetzt
Ansporn oder Anreiz, für eine vor-
her festgefegte Mindestleistung
aussetzen - eben eine Zneentive-
Reise. Wird die Zielvorgabe er-
reicht, erhalten die Angespomten
einen ungewöhnlichen, nicht aus
dem Katalog zu entnehmenden
Kurzurlaub, das Unternehmen
blickt dafür auf gestiegene Um-
satzzahlen. Vorteile ergeben sich
also auf beiden Seiten.
Der Incentive-Gedanke ist nicht
neu, dafür aber seine Verpackung.
Neben den schon erwähnten Rei-
sebüros, den Incentive- V eranstal-
tem,- gehören sogenannte „assozi-
ierte“ oder auch passive Mitglieder
- Hotelketten, Fluggesellschaften
und andere mit der Reisebranche
in Verbindung stehende Unterneh-
men - der Arbeitsgemeinschaft an.
Ein von aßen Mitgliedern getrage-
ner Informationspool soll gewähr-
leisten, daß ALB. sich za einem
Markennamen entwickelt Für die
Zukunft schwebt der Gruppe vor,
Incentive-Reisen als weiteres In-,
stnunent des Marketing-Mix zu
etablieren. Daß bei einer Befra-
gung von 205 Unternehmen im-
merhin 86 Prozent angaben, ae
hätten durch Einsatz dieses Instru-
ments eine Umsatzsteigerong bis
zu 30 Prozent erzielt, stützt diese
Hoffnung. Sollte sich die Einrich-
tung der Arbeitsgemeinschaft als
erfolgreich erweisen, winkt den
Reiseexperten als Prämie eine
neue Form des Kassengeschäfts.
Doch auf . dem Weg dorthin sind
noch einige Hürden zu bewältigen.
Zum einen haben Umfragen erge-
ben, daß die Mehrheit der poten-
tiellen Bonusem pfinger das Bar-
geld dem Vergnügen einer außer-
gewöhnlichen Reise vorziehen.
Zum anderen tauchen Schwierig-
keiten im Zusammenhang mft dem
steuerlichen Aspekt auf. Zwar Ist
eine Incentlve-Reise auf der Unter-
nehmemseite zu 100 Prozent ab-
setzbar, aber die Gewinner müssen
ihren Geldwerten“ Vorteil, also
die Reisekosten, voll versteuern.
Einen von nicht allen Oberfinanz-
direktionen gebilligten Ausweg
bietet die Pauschaiveratetieniitf
durch das Unternehmen n«n
dem ESnkommensrteuergesete ej-
gentlich nur bei Reisen im Wat_
von höchstens WOO Mark gestattet
In diesem Fall versteuert die toi
Incentive vergebende Firm»
gesamten Reisekosten zum XÄm*'
oder Einkomnrenssteuersate Q*r
Gewinner. Die Betabnnngsemp*
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länger könnten ihren Gewinn «bö '
steuerfrei genießen, für das T ^ i
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Incentive-Kosten .erhebfieh.«»* ;
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liehe“ deutsche Steuerge*ett|*"
bung, würden Unternehmt. ^
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Samstag, 9. Juli 1983 - Nr. 157 - DIE WELT
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Irritiert durch di« ZStttdlikaetlMM in den USA, wo weiterhin eine DhkontevbShuiig
riebt ausgeschlossen wird. Metten sich die Anleger am deutschen Rente nraarfct
inueer noch wiflck. öffentliche Anleihen wurden bei kleinen Umsätzen bis zu einem
halben Punkt zarRchgeeo— ee. Etwas besser kennten steh die DM- Ausländsanlei-
hen behaupten. Bel den Pfandbriefen gaben die Kurse ebenfalls nach, auch hier
ohne grefies Angebot, sondern eher, um die Notierungen dem steigenden Rendite n-
niveaa anzupassen.
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8755-8760
8725-0730
Government of Zimbabwe
Ministry of Transport
Department of Ci viJ Aviation
Tender No. 1/6/83
SUPPLY OF AERONAUTICAL TELECOMMUNICATION,
NAVIGATIONAL AND LANDING AIDS AND OPERATIONAL
EQUIPMENT.
Tenders are invited for the supply of the above equlpment.
Documents for this tender can be obtained from the
Dfrector of Civil Aviation, Sarum House, Manica Road,
Pnvate Bag 7716, Causeway, HARARE, ZIMBABWE.
Please note the foffowing: .
SUBMISSION OF TENDERS: All tenders must be submit-
ted to the Secretary, Tender Board, 2nd floor, Regal Star
Höuse, Gordon Avenue, Box 8075, Causeway, HARARE
ZIMBABWE
CLOSING DATE:
The ciosing date for the receipt of the tenders is Ist.
September, 1983 at 2.45 p.m. (local time).
EUGIBIUTY:
Th Is tender is open oniy to British, Frehch and West
Gerrriany firms induding their local agents.
ACCEPTANCE OF TENDERS:
The Government does not bind Ktself to accept the fowest
or any tender and reserves the right to setect any tender in
whole or in part. ' • . . -
: > C. C.-MUCHENJE ..
/ SECRETARY FOR GOVERNMENT TENDER BOARD
JUNE 29, 1963. '
ENM/bmd. .
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Uber die Chancen
und Risiken
des Warenterminmarkts
sollten Sie sich ausführlich informieren.
Unsere Experten beraten Sie gern.
Unsere deutschsprachigen Broschüren stehen
Ihnen zur Verfügung bei unserem Repräsentanten
Merrill Lynch AG.
Leitfaden für den Warenterminhandel
Terminhandel mit Zinssätzen
Merrill Lynch
Morrili Lynch AG
Karl- Arnold-Platz 2
4000 Düsseldorf 30
Tel. 0211/4 5811
Telex 08 587 720
Pa ul Straße 3
2000 Hamburg 1
Tel. 0 40/ 32 19 41
Telex 02 12 130
Ulmenstraße 3
0000 Frankfurt/W
Tel. 06 11 /715
Telex 04 1 237
Promenadeplatz 12
8000 München 2
Tel. 0 89 / 23 03 60
Telex 05 213 421
Kronprinzatr. 14
7000 Stuttgart 1
Tel. 0711 / 22 50 08
Aktienmarkt widerstandsfähig
Nach Glattstellungen zu ermäßigten Kursen wieder mehr Nachfrage
nur 7mn MUT— -■ nni mu4 Anlar «AM VnrtMl mimifiSilM. SO
Fortlaufende No
DW. — Zum WodM&schlofi war die Tendenz auf waren noch Order vom Vortag auMuflHiw, so
dem Aktienmarkt UbORmehend widerstand»- gaB hier der Kurs noch weiter angebob«* wor-
fähig. Die nach den scharfen Steigerungen am ^ Die vorangegangnne schwächere Tendenz
Donnerstag zu erwartenden Gewimwiitnah- on der New Yorker BSrse hatte cfieswal kehser-
nen der Kulisse wurden ohne nennenswerte . . Ma Kursmtaitaiig. «bettsowe-
Schwierigkeiten bewältigt Machgebende No- . . f Doltarfcun und die wieder
tierungenrtefea sofort weder neue Käufer auf nlg wie deMeste Ponaflwii w «n wreoer
den Ptan. in einigen Raptoroit. so bei Siemens, steigenden Zinsen am deutschen RentenmarfcL
Im Mittelpunkt standen erneut Leffers verminderten um 5 DM auf tenmit 14^50 DM
BMW-Aktien. die, sieht man von 374 DBA. Heinr. Lehmann erhöhten Tnton wurden mit 140 DM
nachbörslichen Auswüchsen am um 3 DM auf 173 DM und Thüringer deh. Kwppjehato waren
Donnerstag ab. Ihre Kurse unter Gas um 15 DM auf 485 DM. burger Schiffbau DM
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Donnerstag ab, ihre Kurse unter Gas um 15 DM auf 485 DM.
Berücksichtigung des Dividenden- Frankfurt: Deutsche Effekten-
abschlages halten konnten. Vebe- bank lagen 375 DM plus 10 DM.
Aktien setzten zwar deutlich nied- Kochs Adler 275 DM minus 1L50
riaer ein, konnten aber den An- DU, Reichelbräu 350 DM plus 10
fangsverlust bis auf L50 DM ver- DM. Bei Versicherungen wurden
rtngem. Im Maschine nbaube re ich die Deutsche Kontiueptalruckver-
gaben MAN-Stamcne weiter nach, sichenin g*WaP^ensalctiep bei Plus-
Zwar wird eine Belebung des lau- pmfcftTyftgimg um 35 DM auf 700 DM
fenden Geschäftes bei MAN er- heraufgesetzt, ebenfalls bei Plus-
wartet, aber gleichzeitig auch Ein- Ankündigung konnten sich dieAn-
buQen im Ausland, die möglicher- fan« der Woche neu ein geführte
weise bis zur Dividende durch- Vögele um 13,50 DM auf 175 DM
schlagen werden. Rückläufige No- verbessern.
Düsseldorf: AEG Kabel Rheydt Hamburg: HEW gingen zu 104
verminderten um 8 DM auf 240 DM DM bis 103 DM (plus L50 DM) um,
und Gerresheimer Glas um 150 während NWK Vorz. im gleiche
DM auf 115.50 DM. Keramag gaben Ausmaß niedriger auf 181 DM
um 150 DM auf 135.50 DM nach, nacheaben. Phoenix Gummi setz-
Hapag Lloyd bä 48,50 DM.
ufiHwiww- Agrob St. erhöhten um
3 DM auf 355 DM und Augsburger
Kammgarn um 2,80 DM auf 71^80
DM. Audi NSU gaben um 5 DM auf
280 Deckel AG »■« 120 DM
auf 102,50 DM und Gehe AG um 14
DM auf 211 DM. Markt und Kühl-
hallen verloren 5 DM auf 285 DM.
Berlin: Spinne Zehlendorf zogen
um 10 DBA, Kempinski um 7 DM und
Herlitz Stämme »m 5 DM an. DUB-
Schultheiss lagen um 1 DM und
Berliner winrtl um 0,50 DM gering-
fügig freundlicher. Tempelhofer
Feld wurden um 10 DM niedriger
taxiert.
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1260 Sdmt. Bootgoy.
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davon ISO Verte ufsopilonen - 6250 Aktien. Knalop-
tbracn: AEG 10-75.5. lö-OO'a.lO, I-7S/9. Siemens 10-
340.-28. 10-250.16.60. KK560-'I3^0. 1-350/30, 1-370/15.
1- 380.1030. l-39t>.‘96. 4-400120. Veba 10-160/24. 10-170/
13. 10-180'Z3a 1-170'M, 10-180/8^0. BASF 10-140/
15.40. 10-150 17, IQ-1G0/3JK). 10- 170/3,60, 1-150/12. 1-160/
8. 1-11Q/5, 4- 150‘ 17.80, 4-170/6^0. Bayer 10-136/1530,
10-140/12, 10-14fi.Xl.70. 10-150/5,60, 1-140/1W0, 1-146 1
11 I-150ÄJ0. 1-1607 A3, 1-170/3. 4-138/17, 4-140/20.
4-150(13.10. 4-160, 2Ä Hoechst 10-150/7,50. 10-160/4.-
2- MBia.Kfc I-14VML 1-146/50/14,15, 1-250/1Ü. 1-164/
6.20. 4- 150(15, 4- im, BUW 10-350,' 65, 1-410/34,78. VW
10-170/30. 10-180/21. 10-190/12. 10-200/7^0, 10-210(4,
M80/3. 1-190.21. 1-3)0/14.40, 1-210ÄJO. 1-220/6^9.
1-230/5,15. 1-240/4,4-220/10. CooU I0-I1Ü/SM. 10-100/
7.80. 10-120/2. 1-100/11.50. l-l 10/6. 1-120/4. 4-100/15.
1 tiHlyiBa Varsugsaklien 10-140-4^)0, rvwwnrwaha'n Ir
IQ-19QMAO. lO-Sia'SßO. 1-IS0/WJ5O. 1-lBO/lSjBO,
1-200/9,70, 4-210,10.40. Deutsche Baak 10-318/28, 10-
330/25. 10-340/15. 10-350/G160. 1-320/29. 1-340/25. 1-350/
15.50. 1-370/10. 1-4-250/25. Dresdner Bank 10-176/13.
10-200/3. 1-180/22, 1-2107. 1-220/3. 4-180^. 4-210/
9,40, Hoescb 10-50/5, 10-55/2, 10-60/2. 1-50/9,50, 1-60/
3.50, 1-65-7150. 4-60/6, 33annesxnann 10-150/7, <0, 10-
180/140. PreusAan 10- 200.6, TTij-sscd 10-80/
2J0. l-SOOÄ. 1-85/7,40, 1-9»%»), 4-100/4^0. Boy.
Vercinsbank 1-340/30, 4-380^5. BKF-Bank 1-3, BHF-
Bank 4-310/20, Bcwajg 10-1 10/3^1 Köckner 10-45/2,
1-45/4. Mercedes 10-460^8. 4-520^0. BWE 4-U0/1Q.
Schering io-2B0ä,4O. Varta lo-istws, Chrysler l-oa’
1131 IBM 1-300/31. Speny Rand 10-90,18. Xerox 10-
12N5.80. i-136/10, 4-130/23, Royal Detcü 1-lli'lSJQ.
1-12000,10, 4- 130/0 JO, Norsk Hydro 10-140«. 4-160/
19. Yertaafkoptldnen: AEG 10-7Q/L.40. 10*75/4. Sie-
mens 10-350/5. 10-360/13.40, BMW 10-310/9. 10-400/20.
1-360/7,80. 4-320/13,40. VW 10-190;$. t-290.7, 1-200/15.
4-190/12. Conti 10-100/5. 1-100/53, Deutsche Bank
1-340/15. Dresdner Bank 10*1800.40, 1-180,% Hoesdi
10-55/3.90. Thyssen 1*60/4. Bay. VcrJBank 1-330/10.
4-350/19^5, BBC 1-210/15, 4-200G2. Morwdcs 10-530/
14. VEW 10-130/6, Chrysler 1-85/8,10, UUon 1-179/IG.
4,190/40, Speny Rand 10-100», Bf Aquitaine 30-55/
2,40. II. Zahl VerlaUsmonat (jeweils der 15.3, - Zahl
Basispreis. 3. Zahl OpUonsprcis).
Earo-Geldmarktsätze
Wiedrigst- uod'Höehstkurse im Handel unter Bu-
ken am T7.; Redakt io nsachluS lt J0 Uhr:
1 Monat
3 Monate
6 Monate
12 Monate
US-S
9Va- 91,
fl1»— 1QL»
lOMh-lO'^
lO'.-IO'r
Mlipc teilt von: Deutsche Bank Compagnie Fioao-
Kre Uucembount. Luxembourg.
Goldmünzen
In Frankfurt wurden ata 8. Jufi folgende GoU-
iwflnrmprpto genannt (in DM):
Geselzlichfi Zahhmgimltlei»)
Ankauf Verkauf
20 US-Dollar 1430.00 1738^)0
lOUS-DoOar (Indian)“) 1206.00 142090
5 US-Dollar (Liberty) »3,00 «81^6
11 Sovereign alt 265J30 324J»
If&ovenhgn Elizabeth n 245^)0 302,10
20 belgische Franken IM,00 243J90
lORubcITadrerwoncE . 254,00 339,46
2 südafrikanische Rand 2474)0 304J8
Krüger Rand, neu 11004)0 1299^0
Maple Leaf 11004)0 1289^0
Außer Kurs gesetzte Münzen *)
20 Goldmark 2554» 3244»
20 Schweiz Franken. VreceB* 2114» 209 4M
2t»fraoz Franken ^Napoltoo“ 2124K 27 (Kl 8
tOOdsterr.RronenfNcüpriiginig) 1020,00 1Z3120
aOhstenr. Kronen! Neuprägung) . 205,00 256,50
lOästerr.KzTtnentNcuprtigung) 1084» 140.22
4hsteTT.Dakaten(Ncupn4gnng) 4734» 579,12
1 Östcrr. Dukaten! Neuprägung) 112,00 150,48
*) Verkauf iafcl M % Mehrwertsteuer
••) Verkauf inkl. 7 % Mehrwertsteuer
Devisen und Sorten
2554» 3244»
2114» 2B94K
2124» mi8
lUllMuil DcvlKa War ha T
UH Askb-
Oald artd Baw
New Tort*) 2i0K 2jn« W416
London i) 34»4 9969 64)19
Dubhni) 8,148 3.183 3MZ
UantreaP) 24»» 24M45 2M72
Anmerd. 88,213 9M» 89»
Zürich 13A.030 121» BUS
Brüssel 4» 4» 4»
Paris 33» 33» S»
Xopeah. 67» 27» 37»
Otto 35» 35» 3U7
Stockh.**! U» 33» 38»
Mathnd»“) 1» 1» 1»
Smk. lombotl
I CochadBOagrta
■ am
Z7B Givoon
44B^ RrtdMMak
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JB7B SocGAn.d.Bolg.
23WS SoKna
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SB0 Kl
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Devisen
Cyda + Car.
CaklSioraga
Dav. Bk- oOp
4000 5PK SmaDarby .
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Brak. HOL Saum
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iWaomfcMfW.
Jo..--
wr .
AKT
Mit Kursen zwischen 24)700 und 24)760 zeig-
te sich der Dollar zu Wochenschluß »den
internationalen Devisenmärkten In wenig'
vertnderter Verfassung. Noch immer ist der
Markt gespalten In seine Ansicht (U>w eine
mögliche Diskonterhöhung in den Vereinig-
ten Staaten. Auch die Möglichkeit eines bresl-
Wicn
Madrid“)
14.184 K» 14»
L144 1.7S4 1»
Lissabon**» UB9 ZW 34775
Tokio tjOBBO IffHO
Hrtartkl 4W70 WTK OJ7
Buea. Air. . • - — — — ■ —
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Athen*)“) 34)13 3»
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Sydney*) 3J<» 2J6W
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41 Kuno fllr Tranen M M» 00 TÜflCi ") atcbl a
ul Wwfuhr bcucmi puttüet
2,17 23
13 2,10
DoUar,
in Ott notiert.
ten Staaten. Auch die Möglichkeit eines brasi-
lianischen Moratoriums belastete die Märkte
und führte zu höheren. Euro-Doüsir- Zinsen.
Der amtliche Blittelkurs wurde mit 2£?30
festgestellt, wobei die Btmdesbmk 2j» Mio.
Dol&r abgab- Dr belgische Prang notierte
erneut unter seiner Parität im europäischen
WShrungssystem an seinem Tiefstand von
44)86. Die übrigen . amtlich • notierten Weite
waren wenig verändert. US-Dollar in: Am-
sterdam 2^8; Brüssel 51J85; Paris 7.738Ö; Slai-
land 1523,20; Wien 18,1140; Zürich 2,1242. Pfd.-
DM 3.1M; Pfd/DoBar LSSSft. .
. OatoHridran am B. 7. (Je 100 Mark Ort) - Berthe
Ahkaot 20.0»; Verkauf 234» DM Wert; Frankfurt:
Ankauf 183h Verkauf DM Wert.
Dgyisentermiiunttfct ■- V." ^2 L
Die noetunaUse Befearieaac'dar DolteWlwg-
Euromwkt (bK XU V» Ptosrnl) flftrte »gflgg
rtuer Emetteom* der AbachlBri' tbr üS-OPyFgS;
Srt* DH per Termin, t Hdrint : SHcmste
doDsi/dm usn/i • -r’ajüwi '"isSB -
Vtund/DoBor . 0 33/BdBS j 'ftWÄH .
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Samstag. 9. Juli 1983 - Nr. 157 - DIE WELT
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Praktische
Philosophie
he. - Englands Philosophen ha-
ben ihre akademischen Elfen-
beintürme verlassen, um ihr Wis-
sen in den Dienst der Praxis zu
stellen. Rund 150 hauptberufli-
che Philosophen schlossen sich
in der neugegründeten Philoso-
phie zusammen. Sie will mit
Workshops, Vorträgen und Dis-
kussionen Philosophisches Den-
ken der Öffentlichkeit nutzbar
machen. Ausgerechnet A. J. Ay-
er, der wohl angesehenste engli-
sche Vertreter der Zunft, nahm
den Präsidentenstuhl an, obwohl
er eingestandenermaßen von
ethischen Konzepten nichts hält
Was steht den Briten da von
ihren Philosophen ins Haus? Der
Oxford er Moralphilosoph Profes-
sor Richard Hare hat Praktisches
im Auge; „Im öffentlichen Leben
werden so viele unausgegorene
Argumente verwendet Die Quali-
tät öffentlicher Diskussion hätte
viel mehr Niveau, würden die
Leute die Grundlagen, ihrer Argu-
mente analysieren. Ich hoffe, daß
wir hierbei eine nützliche Rolle
spielen können.“ Sein Oxford er
Kollege, der 72jährige Logiker
Sir Alfred Ayer, sekundiert: „Für
mich gibt es keine verbindlichen
moralischen Theorien, aber an
praktischen Angelegenheiten bin
ich stark interessiert“ Das Stu-
dium der Philosophie sei - Ayer
zufolge - eine hervorragende
Schule für klares Denken. Dies
sei das Handwerkszeug, das die
Philosophen für die Erörterung
praktischer Probleme mitbräch-
ten.
Da überrascht es nicht
sich Ayer, Hare und ihre Mitstrei-
ter nach der Abwendung von
grauer Theorie für ihre nächste
Jahrestagung das Thema Verant-
wortung und Selbstbewußtsein
bei der Kindererziehung vorge-
nommen haben. Im Jahr darauf
wollen sie dann die Frage nach
der Ethik des Journalismus be-
antworten. Und bald werden sie
sich wohl auch in die Politik ein-
mischen.
Zwar sagen sie jetzt noch, sie
wollten den Politikern ihren
Platz mit Plato nicht streitig ma-
chen, sondern ganz bescheiden
als Nachhilfelehrer der Nation
auftreten. Aber wetten, daß sie
irgendwann - unter Berufung auf
Plato - verkünden, die Philoso-
phen seien die besseren Politi-
ker?
lVlFrank Martins Oratorium „Le
vin herb€“ ausgerechnet im Rah-
men der Berliner Bach-Tage zu su-
chen hat, aber Meisterwerke sind
schließlich immer willkommen,
unter welchem Vorwand man sie
auch ins Programm schmuggelt
Ein Höhepunkt welcher Konzert-
reihe auch immer, wäre diese aus
der Schweiz zugereiste Auffüh-
rung jedenfalls ohne Zweifel gewe-
sen.
„Le vin herbä“ ist nichts anderes
als der Liebestrank, den Tristan
und Isolde trinken, aber wagneria-
nisch geht es dennoch bei Martin
keinen Augenblick zu. Sein Orato-
rium, zwischen 1938 und 1942 ent-
standen, stützt sich auf die franzö-
sische Nacherzählung der alten
Vorlage durch Joseph Bddier, in
der sich Sprachmacht und Bedäch-
tigkeit formschön mischen.
Die Sprache gibt den Ton an bei
Martin. Er folgt ihrer rhythmischen
Verästelung bis ins Detail Er ge-
nießt Bädiers sanfte Rhetorik und
setzt sie in Klänge um, die selbst
Sprache geworden scheinen, so
schattenhaft folgen sie den Worten
B£diers. Text und Musik durch-
dringen einander auf das sublim-
ste. Und damit keine Nuance verlo-
rengeht, hat Martin sein Werk für
Maririgalisten gesetzt, begleitet, an-
geregt, emotional unterstützt von
einer Handvoll oft solistisch einge-
setzter Instrumente. Die Sänger-
stimmen vereinen sich zu schlan-
ken Chören, aus denen sich im
Alleinsang immer wieder die direk-
te Singrede hebt Formal schließt
sich Martins Oratorium zu einer
musikalischen Dauerbrise zusam-
men.
Freilich - es schließt in seiner
Selbstgenügsamkeit auch den
Windstoß des musikalisch direkt
Packenden aus, der unerwarteten
Steigerungen, des Überraschungs-
moments. Das ergibt eine seltsame
Stickigkeit im Vollkommenen,
und im Verein mit Berlins dreißig
Hitzegraden flohen denn auch
zahlreiche Bach-Freunde noch vor
Selbstzeugnisse zur Sozialgeschichte der Juden
Integriert, isoliert
Für Zeitgeschichtler gilt das Stu-
dium der Geschichte der Juden
als eine Quelle besonderer Er-
kenntnis. hassen sich doch seit den
umstrittenen Chroniken des Fla-
vius Josephus über die jüdischen
Kriege im ersten Jahrhundert un-
seres Zeitalters an Schicksal und
Lebensumständen der Juden die
politischen, kulturellen, wirt-
schaftlichen und sozialen und auch
ideologischen Gegebenheiten ei-
ner Umwelt erkennen, in deren
Mitte oder an deren Rande sie leb-
ten. Aberhunderte von Schriften
sind erschienen, die, vom existen-
tiellen Sein der Juden in diesem
oder jenem Land, unter diesem
oder jenem Regime ausgehend,
Zustände und geistige Bewegun-
gen der nichtjüdischen Weh doku-
mentieren.
Die Geschichte der Juden liest
sich oft wie eine Geschichte des
Leidens, selbst wenn sich eine
neurere Historiographie, wie bei-
spielsweise Alex Bein in seinem
zweibändigen Werk „Die Judenfra-
ge. Biographie eines Weltpro-
blems“ (Stuttgart 1980), darum be-
müht, die Juden mitsamt ihres Ju-
dentums nicht ausschließlich als
eine Verfolgungs- und Aufopfe-
rn nffgggfiphichte abzuhandeln. Was
nottut, ist jedoch eine Analyse der
inneren Struktur jüdischer Aggre-
gate. Nur so wird ein zu vielen
Mißverständnissen führender Weg
verlassen, der einerseits die Juden
lediglich als ein historisches Ob-
jekt sieht, andererseits ausschließ-
lich Einflüsse von außen nach in-
nen zii erkennen gibt.
Die Aufgabe, innerstrukturelle
Bestandteile zu erfassen, kommt
einer „Soziologie der Juden“ zu,
wie sie unter diesem Titel in umfas-
sender Weise von Arthur Ruppin
1930/1931 zum ersten Mal vorgelegt
wurde. Grundlage für derlei Arbei-
ten können neben statistischen
Auflistungen natürlich nur ' Ein-
sichten in die sich nach allen Rich-
tungen erstreckenden „Verhältnis-
se“ der Minderheit sein, eine Auf-
gabe der mit der Soziologie eng
verbundenen Sozialgeschichte,
gleich welcher Methode sie sich
bediene.
Monika Richarz, Mitarbeiterin
am Institut für Geschichtswissen-
schaft der Technischen Universität
Berlin, hat sich dieser Obliegenheit
in drei Bänden gewidmet, die die
Zeit von 1780 bis 1945 umfassen. In
dem soeben erschienenen dritten
Band „Jüdisches Leben in
Deutschland“ - Selbstzeugnisse
zur Sozialgeschichte 1918-1945
(DVA, Stuttgart, 495 S., 48 Mark)
treten zwei Themen in den Vorder-
grund: Die sich wandelnde Situa-
tion der Juden in der Gesamtge-
sellschaft, wobei die Beziehungen
zwischen Juden und Nichljuden
besondere Beachtung finden, und
die innere Entwicklung der jüdi-
schen Sozialgruppe in Deutsch-
land.
Bei den mit Sorgfalt ausgewähl-
ten 37 Selbstzeugnissen aus unter-
schiedlichen regionalen, sozialen
und politischen Bereiche! tritt her-
vor, daß die Juden, obwohl in kul-
tureller und staatsbürgerlicher
Hinsicht vollständig integriert, zur
Zeit der Weimarer Republik eine
deutlich erkennbare Sozialgruppe
bildeten. Das hat das seit den Zei-
ten der staatsrechtlichen Einbürge-
rung der Juden in das Deutsche
Reich vorherrschende Dilemma,
ausgedrückt in der Selbsteinschät-
zung der Minorität als „deutsche
Juden“ oder jüdische Deutsche“,
verstärkt Diese Problematik ist in
allen Selbstzeugrüssen zu spuren,
sie wurde zu einer Frage der
Selbstbewahrung und des Überle-
bens, die dann durch die Nazis ein
brutales Ende Anden sollte.
Die Bücher von Monika Richarz
and höchst lesenswerte Sammlun-
gen. Aber sie können die analyti-
sche Interpretation nicht ersetzen.
Die muß eine Sozialgeschichte der
Juden leisten. Aber wer wagt sich
an diese Arbeit?
ALPHONS SILBERMANN
Seelenwäger und TeufdsbezwiBger Nürnberg ehrt den Bildhauer Veit Stoß zu seinem 450. Todestag j JOURNAL
Vom Henker durch beide Backen gebrannt
Berlin: Martins „Le vin herb6“ bei den Bachtagen
Gewürzter Liebestrank
Ti yf an mag darüber rätseln, was der Pause ins Freie, von der Reglo-
IVJLFrank Martins Oratorium „Le siekeit der musikalischen Atmo-
der Pause ins Freie, von der Reglo-
sigkeit der musikalischen Atmo-
sphäre in Martins Werk vorzeitig
ausgelaugt
Die Sonderstellung des „Vin her-
b£“ resultiert nun freilich aus einer
Art kühner Verbindlichkeit Mar-
tin streute nicht Salz in die Wun-
den, wie es sonst Neue Musik in
der Schönberg-Nachfolge gern tat.
Im Gegenteil - er mischte aus
zwölf Tonreihen linden Balsam: ei-
ne männliche Kundiy sozusagen
an der Amfortas-Bahre der Neuen
Musik. Martins Musik bleibt im-
mer exquisit in ihrem Fortschrei-
ten, der spitzfingerigen Umwäl-
zung des musikalischen Materials,
das sich immerfort aus sich selbst
neu belebt und dabei erstaunliche
Energien entwickelt
Sie legte die exemplarische Auf-
führung unter Räto Tschupp be-
wundernswert dar, obwohl sie auf
die Cembalo-Einlagen von Louis
Couperin gern hätte verzichten
können. Man laßt nun einmal nicht
völlig überflüssigerweise fremde
Leute in die Musik anderer Kom-
ponisten hineinsprechen - und
dies selbst nicht mit Musik. Lullys
Cembalo klimpert schließlich auch
nicht in Richard Straussens
„Ariadne auf Naxos“ hinein.
Die Mitglieder der Camera ta Zü-
rich artikulierten den Instrumen-
talpart Martins mit außerordentli-
cher Spannkraft Die Baseler Ma-
drigalisten sangen mit rezitatori-
scher Inbrunst, kühl und distan-
ziert in den ausgedehnten Berich-
ten, voller Anteilnahme in den
Solo stellen.
Ihnen voran stand ein Solisten-
quartett der Vorzüglichkeit Helen
Keller und Dorothea Galli sangen
die leidenschaftstrunkenen So-
pranpartien Isoldes und Brangä-
nes, die bei Martin natürlich Iseut
und Branghien heißen. Peter Kel-
ler war der stimmschlanke Tristan
von Frank Martins Gnaden. Franz
Reimann gab dem Part des König
Marc baritonal feste Kontur.
KLAUS GEITEL
V. Stosß ein unruhiger hayloser
Burger, der einem EL Rad und
gemamer Statt vil Unruw gemacht
hat“ So bezeichnet? anno 1506 der
ehrwürdige Rat der Stadt Nürn-
berg im alphabetischen Namensre-
gister einen Mitbürger, dem zum
450. Jahrestag seines Todes jetzt in
der einstigen Freien Reichsstadt
eine ebenso schöne wie großartige
Ausstellung gewidmet ist Veit
Stoß, der geniale Bildhauer, Archi-
tekt Kupferstecher und Maler, der
wegen Unterschriftenfalschung
und Scheckbetrugs gebrandmark-
te Spitzbube, erhält jetzt eine Eh-
rung, von der ein Stadtregiment
einst nicht einmal zu träumen ge-
wagt hätte.
Unter den deutschen Städten ist
Nürnberg in einer einmalig glückli-
chen Lage. Die Stadt war über vie-
le Jahrhunderte hinweg eines der
reichsten deutschen Gemeinwe-
sen, dessen Reichtum nicht dem
Repräsentationsbedürfhis irgend-
eines Fürsten, sondern der selbst-
bewußten Stadt und ihren Bürgern
diente. An der Wende zum 16. Jahr-
hundert bildete sie einen Anzie-
hungspunkt und Arbeitsort für In-
tellektuelle und Künstler, wie
in dieser Konzentration in
Deutschland kaum noch einmal
vorgekommen ist Einer von ihnen
war der Schwabe Veit Stoß, dessen
Geburtsort Horb am Neckar zwar
feststeht, von dessen Geburtsjahr
man mit Gewißheit lediglich weiß,
daß es vor 1450 liegt
Zur großen Ausstellung hat man
die Werke das Meisters, soweit dies
möglich war, in Nürnberg nicht
aus den Orten herausgerissen, für
die sie bestimmt waren. Man hat
sie in St Lorenz und St Sebald
belassen und damit die Kirchen in
die Werkübersicht im Germani-
schen Nationalmuseum ein bezo-
gen. So haben die Bürger, vor al-
lem aber die Jugend Nürnbergs, an
diesem Ereignis teil
In der St-Lorehz-Kirche hangt
eines der Hauptwerke und das
durch Abbildungen wohl bekann-
teste. der „Engelsgruß“: Der Erz-
engel Gabriel begrüßt die Jungfrau
Maria. Man hat die beiden Skulptu-
ren im runden Rankenwerk aus
Rosen und Medaillons, ein Auf-
tragswerk für den Patrizier Tücher
von 1517/18, von der üblichen ho-
hen Aufhängung herabgelassen,
damit man das Kunstwerk aus grö-
ßerer Nähe betrachten kann. Auch
wer dies Werk schon mehrfach ge-
sehen hat, wer nicht zu Gefühls-
ausbrüchen neigt der spürt, wie es
ihm hier immer wieder den Atem
verschlägt '
Schilder, die den Gottesdienst
nicht stören, machen in der Kirche
auf die anderen Werke von Veit
Stoß aufmerksam: ein vor 1477 ent-
standener Erzengel Michael als
Seelenwäger und Teufelsbezwin-
ger an einer Säule, die Figuren
draußen am Sakristei portal, das
Veit Stoß: Der Erzengel Rapbeel und der
Linden holz, f 514, aus der Nürnberger Aussto
«ge Tobias, Figuren aus
F§rO: GERM. NATIONALMUSEUM
vor 1520 entstandene Kreuz des
Hochaltars. Außerdem haben sich
Schüler der VeitrStoß-Schule auf
ihre Weise mit Ihrem Namenspa-
tron beschäftigt Davon zeugt un-
ter anderem ein sorgfältig ausge-
führtes Modelt der Seilwinde für
den „Engelsgruß“ in St Lorenz, als
Zeichen heutigen Interesses.
Wie in St Lorenz ist das Prinzip
auch in der älteren, im Krieg völlig
zerstörten St.-Sebald-Kirche. Auch
hier weisen Schilder auf die Kunst-
werke hin: auf die 1506/07 in der
Werkstatt des Meisters entstande-
nen Maria und Johannes unter
dem Kreuz, auf den kurz darauf
geschaffenen St Andreas, das erste
monocolore Werk des Meisters, bei
dem nur Augen und Mund etwas
getönt sind, auf den Epitaph des
Paulus Volckamer.
Ist aß dies schon in seiner ge-
wohnten Umgebung beeindruk-
kend, so ist geradezu überwälti-
gend, was in den mittelalterlichen
Bauten des einstigen Kartauser-
klosters, das jetzt ein Teil des Ger-
manischen Museums ist zusam-
mengetragen wurde. Mühevolle
Vorbereitungen waren der Ausstel-
lung vorausgegangen. Bei vielen
Skulpturen wurden in mühevoller
Kleinarbeit die ursprünglichen
Fassungen freigelegt, bei denen es
sich teilweise um farb kräftige Be-
malung unter Einbeziehung von
Vergoldungen, teils um leicht ein-
farbige Tönungen handelte. Zum
Museumsbestand sind Leihgaben
dazugekommen, zum Gekreuzig-
ten aus dem Heilig-G eist-Ho spital
die Kruzifixe des Meisters aus St
Lorenz und St Sebald.
Einzelne Stücke aufzuzählen
fällt schwer. Was hier übersichtlich
aufgestellt wurde, ist fast zu viel
für einen einmaligen Besuch. Ob-
gleich alles gut beschildert ist zu-
sätzliche Hinweise gegeben wer-
den, kann auf die Hilfe des vom
Germanischen Nationalmuseum
herausgegebenen Bandes „Veit
Stoß in Nürnberg - Werke des Mei-
sters und seiner Schule in Nürn-
berg und Umgebung“ kaum ver-
zichtet werden. Fast 250 überwie-
gend neue Aufnahmen, darunter 92
in Farbe, zeigen alle Werke des
Künstlers, auch die, die er von
1477-1496 in Krakau geschaffen
hat und die wenigen anderen, die
sich außerhalb Frankens befinden.
Hilfreich aus zweierlei Gründen
ist auch die Einführung, ebenfalls
reich illustriert, in einem Kreuz-
gang des Museums. Außer Mutma-
ßungen über Werdegang des
Künstlers und Einflüsse - er gibt
(und das ist die erste namentliche
Erwähnung) 1477 sein Nürnberger
Bürgerrecht auf und übersiedelt
bis 1496 nach Krakau - wird hier
auch berichtet wie der angesehene
Meister das Opfer betrügerischer
Spekulationsgeschäfte wurde,
selbst einen Schuldschein fälschte
und anstelle der fälligen Todesstra-
fe oder Blendung auf Fürbitte des
Würzburger Bischofs „nur“ vom
Henker „durch beide Backen ge-
brannt“ wurde.
Doch die Nürnberger wußten,
was sie an dem ungebärdigen
Künstler hatten: Das Brandeisen
wurde oberflächlich angelegt für
die Wundbehandlung durch den
Barbier kam der Rat auf, und an-
stelle eines Stadtverweises mußte
sich Stoß verpflichten, auf Lebens-
zeit ohne ausdrückliche Erlaubnis
die Stadt nicht mehr zu verlassen.
Zwei Jahre später begnadigte ihn
Kaiser Maximilian.
Ausstellungen und Buch zeigen
auch, mit wem Stoß zusammenar-
beitete: Für Albrecht Dürer ent-
warf er 1522 einen „DrachenJeuch-
ter“, einen damals modernen
Leuchter aus einem Geweih. Für
andere machte er ebenfalls ver-
schiedene Entwürfe. In Münner-
stadt bemalte er 1503/04 einen Rie-
menschneider-Altar.
Zwar hat Polen die dort vorhan-
denen Kunstwerke des „Wit
Stowcz“ nicht ausleihen können.
(Die Figuren des großen Krakauer
Altars sind drei Meter hoch). Aber
was der Künstler dort geschaffen
hat, einschließlich der Grabplatten
polnischer Fürsten und Kirchen-
nihrer, ist mit hervorragenden
Lichtbildern (auch von Details)
ist mit hervorragenden
polnischer Fotografen ira Einfuh-
rungsteü im Germanischen Natio-
nalmuseum präsent
Nürnberg ehrt mit dieser Aus-
stellung nicht nur einen unbeque-
men genialen Mitbürger, sondern
auch sich selbst Daß gleichzeitig
im selben Museum die große Aus-
stellung „Martin Luther und die
Reformation in Deutschland“ ist,
braucht kein Nachteil zu sein -
vorausgesetzt, man bringt etwas
mehr Zeit mit Es lohnt sich. (Bis
13. Novv. Katalog: 25 Mark, im
Buchhandel 40 Mark, Deutscher
Kunstverlag, 40 Mark)
HENK OHNESORGE
Atelierbesuch bei Gudrun Mueller-Poeschmann | Begrenzte Freiräume: Neue Musik in der „DDR‘
Bach-Zitate als Emblem
Der Mann, festgenagelt
Die Straße ist staubig:, der
Asphalt dröhnt Pausenlos rol-
len die Lastwagen vorbei, endlose
Kolonnen auf der B 7 von Ascona
nach Bellinzona. Doch nur ein paar
Schritte weiter entfernt hinter ei-
nem großen Tor breitet sich ländli-
cher Charme aus. Kleine geduckte
Werkstätten, ein verwilderter Bau-
erngarten, in dem dickplustrige
braune Hennen eifrig scharren. Ein
zotteliger Hirtenhund döst in der
Mittagssonne. Es riecht nach fri-
scher aufgebrochener Erde. In die-
ser ländlichen Idylle, ganz in der
Stille, arbeitet die norddeutsche
Künstlerin Gudrun MueUer-
Poeschmann.
Wer ihr luftig-helles Atelier be-
tritt, erblickt zuerst einen gewalti-
gen Ur- Vogel mit riesigen Schwin-
gen, mit überspitzem Schnabel auf
dem Regal, der sich auf den Besu-
cher herabzustürzen droht. Doch
der weiße, in Ton gebrannte Vogel
kann nicht fliegen, eine »rnw
Schwingen ist abgewinkelt, mit
Klappgele nken versehen. „Der
größte Vogel kann nicht fliegen“
nennt die Künstlerin ironisch das
Werk. Auch die keramischen
TOeinpla sti kfm lassen sich nicht
einordnen. Zunächst möchte man
sie alle anfassen, diese abgerunde-
ten Puppen, diese rollenden For-
men und plastischen Flächen, die
sich so kraftvoll konzentriert dar-
bieten.
Formal an Carrä und de Chirico
anknüpfend, wird hier die „Pittura
Metafisica“ ins Plastische umge-
setzt Das reizt zur sinnlichen
Wahrnehmung: die Hand will mit-
spielen, wfll an den Fäden ziehen,
sie bewegen. Denn Gudrun Muel-
ler Poeschmann setzt ihre Plasti-
ken aus Einzelteilen zusammen,
die nach dem Brennen und Schlei-
fen mit Nylonfäden oder Metallstif-
ten verbunden werden. Dadurch
erhalten sie eine gewisse Beweg-
lichkeit, können sich verändern,
beginnen oft leicht zu schwingen,
weil sie nur auf einem Stift ruhen,
der sie mit dem Sockel verbindet
„Mein Gedanke ist dabei, Lebendi-
ges nachzuahmen. Die Figuren sol-
len ein gewisses Eigenleben behal-
ten und nicht statisch erstarren“,
erklärt Gudrun Mueller-Poesch-
mann, in Cuxhaven geboren und
seit 1962 in Ascona heimisch. Alle
ihre Figuren spielen geheimnisvol-
le Spiele, oft mit Ironie und Witz
gepaart
Um ihre Figuren in den dazuge-
hörigen Raum zu stellen, zeichnet
die Künstlerin Bilder in Pastell
oder Kreide, auf denen sie in ihrer
Landschaft, vor ihrem Hinter-
grund ihr Wesen treiben. Wer die
Arbeiten von Gudrun Mueßer-
Poesehmann dann gehäuft in ih-
rem Atelier vor Augen hat, der
kann an jedem einzelnen Objekt
nachprüfen, worin die augenfällige
Attraktion besteht Es ist der Kon-
trast zwischen Kargheit und Lust,
Klarheit und Geheimnis, Verstand-
nis und Ironie.
In letzter Zeit hat Gudrun Muel-
ler-Poeschmann begonnen, kleine
Szenerien in verschließbaren kera-
mischen Kuben zu verbergen.
Wenn man so einen verschlossenen
Kubus öffnet, erhebt sich ein in
Ton gebrannter grünblau-schim-
memder Märchenwald, oder man
steht Elefanten, die rieh träge im
Schlamm suhlen, Phantasien, die
aus dem Unterbewußtsein kom-
men. Es ist ein „theatrum mundi“ -
mal heiter, mal traurig, wie die
Keramik vom großen Rad, wo sich
Lebende und Tote in einer „Me-
mento-m ori-Uhr“ gegenseitig
überrunden. „Nur so kann ich iro-
nisch-kritisch vom Sinn oder Un-
sinn des Lebens erzählen.“
ROSE-MARIE BORNGÄSSER
Gudnn MueKov-Poeschmanii mit Ihrem „Rad des Lebens” Im Atelier bei
Ascona fotOiDiewrt
Daß sich das Publikum im Ge-
dränge die Knöpfe von den
Mänteln reißt wie in Warschau zu
Kirchenkonzerten Krzysztof Pen-
dereckis, wäre in Leipzig, Dresden
oder Rostock nicht vorstellbar.
Gründlicher als in irgendeinem an-
deren sozialistischen Land (von de-
nen die Tschechoslowakei, Ungarn
und Polen sogar Mitglied in der
Internationalen Gesellschaft für
Neue Musik sind) muß hier ein
Veranstalter überlegen, welche
Werke und Komponisten er in sei-
ne Programme aufnehmen kann.
Dies ist eine ästhetische wie auch
politische Frage. So ist z. B. Luigi
Nono derzeit nicht tragbar, weil er
in seinem Donaueschmger Stück
„Quando stanno morendo“ gegen
das Kriegsrecht in Polen prote-
stierte.
Die Situation im äußersten Gla-
cis des Sowjetimperiums legt der
Musik wie anderen Künsten nach
wie vor besondere Pflichten auf.
Das gilt für die Komponisten der
„DDR“ (s. WELT v. 24. 2. 83) ge-
nauso wie für die Konzertveran-
stalter. Zu verstehen ist dieses ei-
genartige Verhältnis von sozialisti-
scher Utopie und stilistischer De-
fensive nur, wenn man die Anfän-
ge der Kulturpolitik in der Sowjeti-
schen Besatzungszone seit 1945 in
Betracht zieht
Komponisten wie Hanns Eisler,
Paul Dessau oder Emst Hermann
Meyer kehrten aus westlicher Emi-
gration in dem Gefühl zurück,
beim Aufbau eines besseren
Deutschland gebraucht zu werden.
Es war die sowjetische Militärad-
ministration unter Männern wie
dem „legendären“ Oberst Tulpa-
now, die solche Ansätze ermutigte
und dem eigenen Ziel der Umerzie-
hung des nationalsozialistischen
Deutschland zu dienen glaubte, in-
dem sie die angesehenen Vertreter
der linken bürgerlichen Intelligenz
in ihren Machtbereich heimberief.
Daß diese Konzeption alsbald
hart mit den politischen Realitäten
kollidierte, hing mit den innerso-
wjetischen Entwicklungen gerade
im Bereich der Kunst, mit den da-
mals unter dem Kulturkommissar
Shdanow beginnenden Restriktio-
nen zusammen, die die stilisti-
schen Neuerungen der europäi-
schen Kunst seit der Jahrhundert-
wende in Bausch und Bogen zu-
gunsten eines an Idealen des 19.
Jahrhunderts orientierten „Soziali-
stischen Realismus“ verdammte.
Es muß aber auch anerkannt
werden, daß die sowjetische
„Shdanowschtschina“ - zumindest
in der Musik - nie voll auf die
mitteldeutsche Kulturpolitik
.durchschlug. Namentlich Paul
Dessau hat sich immer gegen. Ver-
unglimpfungen experimentieren-
der Musik gewehrt und seine
schützende Hand über seine attak-
kierten Schüler gehalten. Als in
jener Zeit Dimitri Schostakowitsch
unter fast totalem Berufsverbot als
Juror zum Bach-Wettbewerb nach
Leipzig kam, fand er hier die
wärmste kollegiale Aufnahme und
Anerkennung, die ihn dann zur
Komposition seiner „Präludien
und Fugen“ inspirierte. Die „Aka-
demie der Künste der DDR“ nahm
ihn sogar als Mitglied auf.
Die Dresdner Musikszene bot
dann z. B. dem sowjetischen Neu-
töner Edison Denlssow in den
sechziger Jahren ein Podium - mit
Uraufführungen und Komposi-
tionsaufträgen von Orchestern,
Bühnen und Verlagen während
er in der Sowjetunion noch die
größten Schwierigkeiten hatte und
in der Bundesrepublik nicht, ein-
mal sein Name bekannt war. Ähn-
lich ging es auch seinem Moskauer
Komponistenkollegen Alfred
Schnittke.
Trotzdem ist eines nicht zu ver-
kennen. Anders als nach der Okto-
berrevolution, gehen von Osteuro-
pa keine geistigen Impulse mehr
aus. Die Bewegung der Ideen ver-
läuft von Westen nach Osten, und
das nicht nur in der Musik. Die
kommunistische Utopie geriet in-
folge ihrer Erstarrung in die Defen-
sive; ihre Geschichte ist die der
Rückzüge und Anpassung an Ent-
wicklungen, die aus den westli-
chen Zivilisationszentren kom-
men. Daß eine neue Erscheinung
mit aller Vehemenz als dekadent
und kulturbarbarisch zunächst be-
kämpft wird, um später dann still-
schweigend geduldet, einbezogen
und am Ende gar marxistisch ge-
rechtfertigt zu werden, wurde auch
in der Musikpolitik zu einem wie-
derkehrenden Vorgang.
Nach diesem Modell drangen die
neuen musikalischen Ideen von
Darmstadt, Do nauesc hingen oder
Paris her allmählich ein - seit 1956
auch auf dem Umweg über War-
schau. Als Gegenkraft wurde die
Besinnung aufs „nationale Erbe“
mobilisiert, die auch etwas Zwei-
schneidiges an sich hat: Einmal
schwingt ausgerechnet in der mit-
teldeutschen Musiktradition viel
C hristlic h-Protestanti sehe s von
ungebrochener Lebenskraft. In
den Jahren der schlimmsten stali-
nistischen Erstarrung war die Kir-
che der einzige Ort, wo man Auf-
führungen von KTenek, Strawin-
sky, Burkhard, Distier, P epping,
J. N, David usw. hören konnte.
Und heute fördert die forderte Be-
schäftigung mit Vergangenem ei-
nen gar nicht so erwünschten Es-
kapismus vor den Trostlosigkeiten
der Gegenwart das Bach-Zitat als
Emblem versunkener heiler Welt
begegnet nicht allzu selten bei den
jungen Komponisten.
DETLEF GOJOWY
Europa-Parlament
fordert Raffael-Jahr
dpa, Straßburg
Das Jahr 1983 soll nach den
Wünschen des Europa-Parla-
ments zum Internationalen Raffa-
el-J ahr erklärt werden. Aus Anlaß
des 500. Geburtstags des Malers
beschloß die Europäische Volks-
vertretung in Straßburg in einer
Dringlichkeitsdebatte, daß in der
Europäischen Gemeinschaft alle
Bemühungen um Vertiefung und
V erbreitung d es Wi s sens über die-
sen großen Künstler gefordert und
unterstützt werden. Raffael habe
im Verlauf seines kurzen Lebens
(er starb mit 37 Jahren ) das künst-
lerische Erbe der Menschheit be-
reichert, hieß es hierzu. Das Euro-
pa-Parlament wertete es aber
auch, daß der große Künstler mit
der Darstellung seiner Idealwelt
das Entstehen einer neuen christ-
lich weltlichen Kultur bejaht ha-
be, die heute als ü heraus repräsen-
tativ für die europäische Kultur
und den europäischen Geist ange-
sehen werde.
Festival von Avignon
wird heute eröffnet
dpa, Avignon
Das vierwöchige Festival von
Avignon, das heute beginnt, steht
in diesem Jahr im Zeichen des
zeitgenössischen Sprach-, Musik-
und Tanztheaters. 17 französische
Uraufführungen oder Neuinsze-
nierungen sollen unter anderem
das Schaffen derjetzt30- bis40jäh-
rige n Künstler vorstellen. Mit Wer-
ken von Autoren wie Rainer Wer-
ner Fassbinder, Thomas Bern-
hard, Heiner Müller und Elfriede
Jelinek ist der deutsche Sprach-
raum erneut in Avignon stark ver-
treten. Im Papstpalast geht als
erste Produktion „Die letzten
Nachrichten von der Pest“ von
Bemard Chartreux über die Frei-
luftbühne. Regte führt Jean-Pier-
re Vincent, der neue Leiter der
Comödie Fran?aise in Paris. Dar-
auf folgt „Les C6ph6ides“ von
Jean-Christophe BaLUy. Von Ende
Juli an zeigen die Choreographin-
nen Pina Bausch und Carolyn
Carlson ihre Kunst in dem mittel-
alterlichen Gebäude.
Bom/Franck-Ausstellung
nun auch in London
DW. Berlin
Die Ausstellung „Max Born -
James Franck. Physiker in ihrer
Zeit“, die zuerst in Berlin (s. WELT
v. 11. 12. 82) und danach noch in
Göttingen und Frankfurt gezeigt
wurde, ist nun in Londonzusehen.
Säe wird bis zum 8. Januar im
Science Museum ausgestellt. Da-
mit ist diese Dokumentation der
Stiftung Preußischer Kulturbe-
sitz an allen Orten vorgestellt wor-
den, in denen diese beiden bedeu-
tenden Wissenschaftler gearbeitet
haben.
Philharmonisches in
Brenner’s Park-Hotel
DW. Baden-Baden
Thomas B ran dis, der Konzert-
meister, und Ottomar Borwitzky,
der Solocellist des Berliner Phil-
harmonischen Orchesters, ver-
einigen sieb mit dem Pianisten
David Levine zu drei Kammer-
konzerten in Brenner* s Park-Ho-
tel Baden-Baden. Am 18. 8. spielt
B ran dis Violin sonaten von Mo-
zart. Beethoven und Schubert, am
19. 8. stehen Klaviertrios auf dem ;
Programm, am 20. ein Celloabend.
Herinan Kahn gestorben
Er hatte die Zukunft stets fest im
Visier. Die Gegen wart war ihm nur
die Basis, um weit vorauszu den-
ken. Zuerst als ziviler Militärex-
perte in der Denkfabrik der Rand-
Corporation, später als Leiter des
von ihm gegründeten Hudson-In-
stitutes bei New York. Herman
Kahn galt unter den Futurologen
als eine Institution, wenngleich
ihm in späteren Jahren oft sein
Optimismus zum Vorwurf ge-
macht wurde. Das mag in der
Biographie begründet sein. Her-
man Kahn wurde 1922 als Sohn
armer jüdischer Einwanderer in
Bayonne, New Jersey, geboren.
Sein Studium - zuerst Naturwis-
senschaften, Volkswirtschaft und
Das Undenkbare denken: Her-
mann Kahn foto: ap
Soziologie - finanzierte er durch
Gelegenheitsarbeiten. Später
kam noch Mathematik hinzu. Sei-
ne Stärke waren Szenarios mögli-
cher Entwicklungen. Die Eskala-
tions-Theorie geht beispielsweise I
auf Kahn zurück, „Thinking about ;
the Unthinkable (Nachdenken j
über das Undenkbare) - wie der ,
Titel eines seiner zahlreichen Bü-
cher lautet - war sein Prinzip. Er
war kein Prophet, sondern wollte
immer, indem er alle denkbaren
Möglichkeiten in Erwägung zog,
Spielraum für Entscheidungen
schaffen. Das ist oft genutzt, aber
ebenso häufig auch mißverstan-
den worden. Vorgestern ist Her-
man Kahn in New York gestorben.
(Eine kritische Würdigung seines
Werkes folgt) P. Jo.
X, AV-'» "■
14
AUS ALLER ® WELT
DIE WELT - Nr. 157 - Samstag, 9. JuH 1983
<
/.
Baden-Biiden tanzt
um die Königin
der Blumen
INGRID ZAUN. Baden-Baden
Walzerklänge schmalzten durch
den duftenden Festsaal des Baden-
Badener Kurhauses und ließen die
Rosenstengel erzittern: Auftakt zu
geschäftigen Tagen, in denen es
rosenrund zugehen soll. 1200 Teil-
nehmer — Rosenliebhaber, -Züchter
und -vermehrer aus aller Herren
Lander (nur die „DDR“ ist trotz
Anmeldung weggeblieben) - haben
sich unter der Ägide der Weltrosen-
präsidentin Baronin Lüli de Gerla-
che aus Belgien in der sommerlich
dampfenden, paradiesisch erblüh-
ten Bäderstadt an der Oos versam-
melt. Man feiert das hundertjährige
Bestehen des deutschen Mitglieds,
des Vereins deutscher Rosenfreun-
de, präsentiert gleichzeitig die Welt-
lieblingsrose, das Schneewittchen,
und andere Rosenneuheiten im
Beutig-Versuchsgarten.
Die sprachbegabte Kurdirektorin
Sigrun Lang begnügte sich damit,
die Vorzüge der Rose in „nur“ drei
Sprachen zu preisen. Graf Lennart
Bemadotte, Herr über die Boden-
seeinsel Mainau, beeilte sich, sie zu
übertrumpfen. Er sagte seine Huldi-
gung an die Rose gleich in fünf
Sprachen auf.
Lange Experimente
Die Begeisterung um die vor 2500
Jahren von der griechischen Dich-
terin Sappho als Königin der Blu-
men gepriesene Rose halt an. Aus
ihrer Urheimat im Asien der Braun-
kohlenzeit hat die Rose ihre zähen
Ranken durch die Klischees von
Märchen und Dichtung über alle
Erdteile hinweg bis in Gärten und
Anlagen der Gegenwart getrieben.
Die „vollkommenste Blume“, wie
sie der Schweizer „Rosenvater“
Dietrich Wössner nennt, veranlaßt
Züchter, Hunderttausende von
Mark in eine einzige Rosenneuheit
zu stecken. Sie experimentieren
zehn Jahre lang, verwerfen die Er-
gebnisse, beginnen von vom. bis sie
endlich ein Qualitätsprodukt in
Händen halten, das sich vermarkten
läßt. Ein Aufwand für Besessene.
Das Rosenzüchten ist eine Passion.
Nichts weniger als Spielerei und
gleichwohl den spielerischen Zufäl-
len der Natur ausgesetzt, die den
Mendel sehen Gesetzen zum Trotz
immer wieder mit Überraschungen
auf wartet Ein Spiel, das den totalen
Einsatz, den schlafwandlerischen
Optimismus des Seiltänzers ohne
Netz verlangt Als Züchter lebt man
mit der Pleite. Das große Geld hat es
nur wenigen gebracht. In Deutsch-
land den Kordes, den Tantans, den
Hetzeis.
Aber auch Lou Isette Meilland, Se-
niorchefin des zum Rosenimperium
angewachsenen Hauses Meilland
auf Antibes, hat den Fleiß der ersten
Tage nicht abgelegt Wer sie in Ba-
den-Baden umgeben von preiswür-
digen Rosenschöpfungen eigener
Züchtung erlebt muß an die heile
Welt von der „Rosenfamilie“ den-
ken, mit dem die Autorin Antonia
Ridge den Meillands in ihrem
gleichnamigen Buch (in diesen Wo-
chen im Ehrenwirth Verlag, Mün-
chen. erschienen) ein Denkmal ge-
setzt hat
Konkurrenz ist bissig
Und doch; Der Schein mag trii-
g>n. Schließlich ist die Rose auch
eschäft Der Kuchen, um den es
hier geht bringt allein in der Bun-
desrepublik Deutschland einen
Umsatz von rund 35 Millionen Mark
pro Jahr. 800 Baumschulen leben
von der Vermehrung der erfolgrei-
chen Züchtungen. Beim Schnitt-
blumengeschäft hat die Öl-Krise
den Winteranbau in Gewächshäu-
sern weitgehend unrentabel ge-
macht Israel ist dafür mit 60 bis 80
Prozent des Blumenbedarfs in den
kalten Monaten auf dem hiesigen
Markt eingesprungen. Die Ost-
blockländer operieren mit politi-
schen Preisen, die unter die Grenze
deutscher Entstehungskosten zie-
len. Kein Zweifel: Die Konkurrenz
ist bissig - der Kunde will mit der
Rose König sein. Jahrzehnte lang
hat es ihn nach Neuheiten verlangt
Immer größer sollten die Blu-
menschalen sein, immer häufiger
die Rosen blühen. Die Farben soll-
ten vor dem Hintergrund grauer
Kriegsruinen leuchten. Jetzt ist
man der Neuheiten überdrüssig,
sehnt sich nach dem guten Duft
al ter Rosen zu rück, nach der natürli-
chen Form, die der Urmutter aller
Züchtungen, der Wüdrose (rosa oa-
nina), nahekommt Pflegeleicht soll
die Rose '83 vor allem sein.
„ Onkel Pö’s“ - der Schwamm kam
über Hamburgs Musik-Mekka
KLAUS BERGER, Hamborg
„Onkel Pö’s Carnegie Hall“,
Deutschlands bekanntestes Jazz-
und Poplokal, mußte buchstäblich
über Nacht seine Pforten schlie-
ßen. Das Hamburger Musik-Mek-
ka, kurz „Onkel Pö“ genannt wur-
de nicht von plötzlichen Geldnö-
ten, sondern von Schwamm, Holz-
wurm, Feuchtigkeit und Verfall
heimgesucht Diese jetzt entdeck-
ten baulichen Mangel führten zur
Schließung des renommierten
Jazzclubs, dessen kecke Altbau-
Fassade fast so bekannt war wie
der Alster-Pavillon am Jungfem-
stieg. Für Hamburg geht damit ei-
ne Musik-Epoche zu Ende
Vieles in einem . . .
„Wir gehen heute abend ins Pö!"
Dieser Satz wurde seit 13 Jahren in
Hamburg, ja in ganz Norddeutsch-
land mit der gleichen Selbstver-
ständlichkeit ausgesprochen wie
etwa der Wunsch, an der Elbe spa-
zierenzugehen. „Pö“ - das war
Jazz-Treffl Kulturinstitution, Musi-
kerbörse. Nightclub und Kneipe in
einem, Station für eingefleischte
Nachtbumznler und solche, die es
werden wollten. „Pö“ - das ver-
band die Gemütlichkeit eines
„Jazz-Hus“ in Kopenhagen mit
dem pulsierenden Gewimmel und
Getümmel des Frankfurter „Sink-
kastens“, das Niveau des „Ronnie
Scott Clubs" in London mit der
Relaxtheit des legendären „Villa-
ge-Vanguard“ in New York. Hier
saß der Jazzfreund neben dem
Rock-Fan, tranken „Insider" und
Hamburger Nachwuchsmusiker
ihr Bier, standen Stars und Stern-
chen um die Cafeteria herum. Im
„PÖ“ konnte das Publikum auch
mit prominenten Jazz- und Pop-
musikern ein offenes Wort wech-
seln - oder einfach nur ein paar
Runden vom scharfen Hausge-
tränk „Pineau“ nehmen.
Spätestens seit Udo Lindenberg
seinen Hit „Bei Onkel Pö spielt ’ne
Rentnerband" landete, wurde das
Lokal zum heißen Tip für alle Mu-
siksparten - für Blues und Boogie,
Rock und Reggae, Funky und
Soul, Old Jazz und New Jazz, für
Pop und Pep, für gehobenen
Schlager und Chanson. Hier starte-
ten die Karrieren von Helen
Schneider und Al Jarreau, hier hat-
te Evelyn Künneke ein glänzendes
Comeback, hier sorgten Freddy
King, Chi Coltraner Champion
Jack Dupree, Joe Cocker, lan Du-
ry, Peter Horton und Bill Ramsey
für heiße Musiknächte.
Vor aßen Dingen aber hatte sich
das „PÖ“ mm Anziehungspunkt
für Jazzfreunde entwickelt. Dizzy
Gillespie, Chet Baker, McCoy Ty-
ner, Stan Getz, Charlie Mingus, Ho-
race Silver, Freddie Hubbard,
Johnny Griffm, Pat Metheny, Ken-
ny Burrell, Dexter Gordon, Nat Ad-
derley, Tete Montoliu und Elvin
Jones gaben hier vielbejubelte
Gastspide. Funk und Fernsehen
übertrugen manche Jazznacht live.
viele Jazz-Festivals wurden in den
Räumen des „Pö" veranstaltet,
und immer wieder gab es Begeg-
nungen mit längst verschollen ge-
glaubten Blues- und Boogie-Woo-
gie- Veteranen.
„Pö“ um Mitternacht Da war die
Luft zum Schneiden, an Kaffteebar
und Theke herrschte ein beängsti-
gendes Gedränge, vor der kleinen
Bühne standen Trauben von Men-
schen, da trafen sich Kritiker mit
Kritisierten, da schaute der Ham-
burger Bürgermeister auf dem
Nachhauseweg herein, kamen die
Zeitungsjungen mit dem Andruck
der Morgenblätter vorbei Und die
Band spielte einen neuen Set - bis
mindestens um halb zwei
... es war Weltklasse
Was Wunder, daß sich Jazz- und
Popkünstler aus allen fünf Erdtei-
len hier wohl fühlten, daß der
Ruhm von „Onkel Pö’s Carnegie
Haß“ bis nach New York, London,
Tokio, Paris und Oslo drang. Das
Hamburger „Po“ war ein Marken-
zeichen für Weltklasse.
Und nun soll plötzlich Schluß
sein? Keine Blues-Nächte mehr bis
morgens um vier, kein vielhundert-
köpfiger Fanclub mehr vor der
Eingangstur, keine schwedischen
Rock-Nachtigallen, keine Schnaps-
drosseln, kein Funk und Punk,
kein Musiker-Witz soll mehr die
Runde machen, rein gar nichts?
„Pö“ - Schwamm darüber? Hof-
fentlich nicht!
Der Eia;
Pö's Carnegie Hall"
Musi Maden von Weltklasse: Nun wurde „Onkel
»II ibr der Verfall droht. foto:Cam£JO
Supermänner leisteten
Arbeitsämtern Amtshilfe
Aktion gegen Illegale zeigte nur „Spitze eines Eisberges“
Französischer Minensucher auf
der Spur von Napoleons Flaggschiff
Unterwasser-Archäologen glauben, die „Orient“ bei Abukir gefunden za haben
WERNER KAKL/DW. Bonn
Supermänner mobiler Polizei-
Spezialkommandos überwachten
in der vergangenen Woche tage-
lang Trampelpfade zwischen
Deutschland und den Beneluxstaa-
ten, sogar die legendäre „GSG 9“
leistete Amtshilfe und legte einige
ihrer Leute an den Schleichwegen
über die grüne Grenze auf die Lau-
er. Im Bück hatten Polizei, Zoll-
fahndung und das Bundeskrimi-
nalamt die größte derzeit in Europa
operierende Organisation für den
illegalen Arbeiter-Verleih (siehe
WELT vom 7. 7.).
Bei der geheimgehaltenen Groß-
aktion schwärmten zugleich in fast
allen Ländern Kriminalbeamte
aus, um die Büros mehrerer hun-
dert Unternehmen, vor allem von
Baufirmen, nach Beweisen für den
Schmuggel mit der Ware Mensch
zu durchsuchen. Der Schwerpunkt
der Fahndung lag in Südwestr
deutsch! and.
Die Bundesanstalt für Arbeit hat,
wie jetzt ergänzend bekannt wur-
de. als flankierende Maßnahme zur
Unterstützung der Polizei in 25 Ar-
beitsämtern Stützpunkte zur Be-
kämpfung illegaler Beschäftigung
gebildet. Die Mitarbeiter wurden
seit 1982 eigens für diese Tätigkeit
trainiert. Sie haben die Aufgabe,
Maßnahmen gegen illegale Ar-
beitskräfte zu koordinieren und
mit Polizei, Staatsanwaltschaften,
Berufsgenossenschaften, Kranken-
kassen, Finanzämtern wie auch
mit der Zollfehndung und den
Länderministerien zusammenzu-
arbeiten.
Die Millionengewinne, die durch
die Schleusung ausländischer Ar-
beitnehmer von den illegalen Ver-
mittlern erzielt worden sind, waren
nach Ansicht von Fachleuten nicht
ohne Kontakte zu bestechlichen
Angehörigen von Arbeite- und
Ausländerämtem möglich. Bei
mehreren verhafteten Vermittlern,
darunter vier britische und ein nie-
derländischer Staatsbürger, waren
„ganze Kartons mit gefälschten
Stempeln“ deutscher und briti-
scher Behörden sichergestellt wor-
den. Mit ihnen hätten auch renom-
mierte Firmen der Bauindustrie
zusammengearbeitet verlautete
von zuständiger Seite.
In der Großaktion sieht die Bun-
desanstalt für Arbeit trotz der
durch das Fahndungsnetz ge-
WETTER: Sonnig und schwül
Wetterlage: Eine Luftmassengrenze
trennt feuchte Warmluft Im Westen
von trockener Warmhzft über Mittel-
deutschland.
Vorhersage für Samstag:
Berlin und Nordostnledersaduen:
Tagsüber sonnig, nachts klar. Tempe-
raturen 28 bis 31, Tiefstwerte nachts
um 17 Grad. Schwachwindig.
Übriges Bundesgebiet: Teils getok-
kerte, teils stärkere Bewölkung und
vor allem im Süden örtlich Gewitter.
Höchste Temperaturen um 28 Grad.
Weitere Aussichten:
Wenig Änderung.
«bbK>M.9A
■ dkm eSpntaqn afcwn.
6h. mttmn £3$dice mfronatiut
fHt**-. T-Trtandyae» Lateamwi afruft
■l LntoglBttvliAftuc*» UOOOiife-KOaiaü
Temperaturen am Freitag, 13 Uhr;
Berlin
26°
Kairo
29“
Bonn
24°
Kopenh.
24“
Dresden
27*
i Palmas
21“
Essen
24*
London
24“
Frankfurt
23*
Madrid
25“
Hamburg
22“
Mailand
26*
List /Sylt
ir
Mallorca
27*
München
in«
Moskau
18°
Stuttgart
23*
Nizza
25*
Algier
26°
Oslo
24“
Amsterdam
24*
Paris
25"
Athen
38*
Prag
26*
Barcelona
25*
Rom
28°
Brüssel
24“
Stockholm
27*
Budapest
28“
Tel Aviv
31“
Bukarest
24“
Tunis
29“
Helsinki
25“
Wien
26°
Istanbul
28“
Zürich
23“
Sonnenaufgang“
am Sonntag: 5.16
Uhr, Untergang: 21.39 Uhr; Mondanf-
gang: 4.47 Uhr. Untergang: 22.02 Uhr.
Sonnenaufgang am Montag: 5.17 Uhr.
Untergang:
2L37
Uhr. Mondanfgang:
5Jj9 Phr, Untergang: 22.49 Uhr.
* ln MEZ, zentraler Ort Kassel.
schlüpften eigentlichen Hinter-
männer dennoch „erste Erfolge“.
Es sei jedoch nur die „Spitze eines
Eisbergs“ erkennbar. Besonders
wichtig ist es für die Bundesan-
stalt, daß nach dem neuen Gesetz
zur Bekämpfung der illegalen Be-
schäftigung nicht nur die Verlei-
her, sondern auch die Entleiher
von Illegalen belangt werden kön-
nen. Bei der gegenwärtigen Ar-
beitsmarktlage handele es sich um
ein sehr ernstes Problem, sagte der
Sprecher der Bundesanstalt. Die
illegal besetzten offenen Stellen
könnten Arbeitslosen zugute kom-
men. Darüber hinaus würden Steu-
ern und Sozialabgaben hinterzo-
gen.
Die nordrhein-westfälische Ju-
stizministerin Inge Donnepp
(SPD) hat nach der spektakulären
Aktion bei deutschen Firmen die
Bundesregieninq zum Kampf ge-
gen diese moderne Form des
„Sklavenhandels“ aufgefordert.
Um der Entwicklung wirksam zu
begegnen, müsse „das unerlaubte
Verleihen und Entleihen aller Ar-
beitnehmer und nicht nur - wie
bisher - das unerlaubte Verleihen
von Arbeitnehmern aus dem
NichtiEG-Be reich unter Strafe ge-
stellt werden“, betonte die Politi-
kerin.
Der Zustrom von Ausländern,
die illegal einreisen, halt nach An-
gaben der Grenzschutzdirektion in
Koblenz trotz wirtschaftlicher
Flaute und einer Arbeitslosenquo-
te von 8,7 Prozent unvermindert
an. Erfolge gegen Illegale werden
der „Zentralstelle“, kurz „Z“ ge-
nannt, zugeschrieben. In der EDV-
Anlage dieser Stelle sind die Na-
men von 42 500 Ausländem gespei-
chert, davon 21 100 Türken, 4400
Inder. 3800 Pakistani und 1800
Afrikaner aus Ghana. Sie haben
sich illegal in der Bundesrepublik
aufgehalten oder andere Straftaten
begangen.
EDV-registriert sind ferner 8000
in- und ausländische Firmen.
Fachleute schätzen die Zahl der in
der Bundesrepublik Deutschland
lebenden und Illegal arbeitenden
Ausfender auf etwa 300 000. Sie
zahlen in 98 bis 99 Prozent aller
Fälle weder Steuern noch Sozial-
abgaben und fügen der Volkswirt-
schaft damit einen geschätzten
Verlust von jährlich 60 Milliarden
Mark zu.
C. GUTACKER, Alexandria
Bislang blieben sie zwar den letz-
ten Beweis schuldig, aber wenn
sich die Wissenschaftler einer fran-
zösisch-ägyptischen Expedition
nicht aii711gf.hr täuschen, haben sie
in der Bucht von Abukir nahe
Alexandria die „Orient“, das Flagg-
schiff von Napoleons Agypten-
Streitmacht, gefunden (s. WELT
vom 14. 6.}. In nur zehn Meter Tiefe
entdeckten Taucher in der jadegrü-
nen See, was zum Triumph der
Unterwasser-Archäologen werden
könnte, wie die „International He-
rald Tribüne“ verhalten jubelte.
Jacques Dumas, im Zivilberuf
Rechtsanwalt meistens aber in sei-
ner Eigenschaft als Präsident der
in Paris residierenden „World Un-
derwater Federation“ in der gan-
zen Welt alten Schätzen des Meeres
auf der Spur, ist fast hundertpro-
zentig sicher „Nach den Aufnah-
men von Ankern und Kanonen zu
urteilen, kann es sich nur entweder
um die „Orient“, oder das zweit-
größte Schiff der Flotte, die „Guer-
rier“, handeln.“
Nach ersten Untersuchungen
von einem Minensucher der fran-
zösischen Marine aus, glaubt der
Leiter der Expedition, daß der
Rumpf in zwei Teile auseinander-
gebrochen ist die etwa 100 Meter
von einander entfernt liegen. In der
Umgebung werden noch andere
Schiffe der Flotte vermutet Du-
mas und seine Kollegen verspre-
chen sich vor allem Einblick in die
Art und Weise, wie die Seeschlacht
nahe der Mündung des Nil, ge-
schlagen wurde.
Bemerkenswert ist auch die Ex-
pedition selbst Die Bucht wurde
während der Nahostkriege zum
militärischen Sperrgebiet erklärt
Zum erstenmal bekamen nun nich-
tägyptische ll/farinpgpprialisten
und Wissenschaftler die Möglich-
keit der Bucht auf den Grund zu
sehen. Eine Premiere war dies
auch für Capitain Yves de Male-
zieux du Hamei, den Kommandan-
ten des Minensuchers. Denn zum
erstenmal auch gab die französi-
sche Marine einer archäologischen
Expedition Hilfestellung.
Von der „Vinh Long“, einem
französisch bestückten in den USA
gebauten Minensucher, aus, war
zunächst einmal mit Hilfe kompli-
zierter Sonarverfähren die genaue
Lage des Wracks bestimmt wor-
den. Die ersten Taucher fanden
dann einen langen Mast viele Na-
gel, Topfe, ein paar Anker und Ka-
nonen. Ende vergangener Woche
machten die Taucher die ersten
Unterwasserfotos und -Videoauf-
nahmen, die zur Zeit noch zusam-
men mit den Sonarbildern ausge-
wertet werden.
Die französische Flotte war am 1.
und 2. August 1798 von den Briten
unter Führung von Napoleon ver-
mutet worden, während Napoleon
auf dwn ägyptischen Festland von
Sieg zu Sieg zog. Schon damals
aber zeigten sich deutlich die Gren-
zen, die die Wirklichkeit den Träu-
men des kleinen Korsen von der
Herrschaft über das Mittelmeer
zog.
Die Expedition wird unterstützt
von Hpn K^^rminiBtpriPTi beider
Länder, zu weiten Teilen jedoch
von den Franzosen bezahlt Die
Kosten für das Unternehmen, so
wurde erklärt, heute noch
nifht. ahTuwhm. Man rechnet da-
mit daß die Arbeiten mindestens
zwei bis drei Jahre in Anspruch
nehmen werden. Die beiden Staa-
ten pwiiglp» fi<*H darauf, daß die
gefundenen . Altertümer geteilt
werden. Die Ägypter nTlprflings ha-
ben sioh ausbedungen, daß ihnen
allein alle Edelmetalle gehören, die
gehoben werden. •
Wegen des Wetters und der rau-
hen See soll die Expedition nur in
rfpn Snm murmnnatpn arbeiten. Ab-
gesehen von den Schiffen ent-
puppte sich die Bucht von Abukir
aber schon seit Beginn der Arbei-
ten Mitte Juni als wahre Fundgru-
be. So wurde, eher nebenbei, eine
große Vase geborgen, die Jacques
Dumas den Römern zuschreibt
und auf ein Alter von rund zweitau-
send Jahren schätzt
Unter all den Technikern und
Wissenschaftlern ist aber auch ein
Crew-Mitglied, das weniger aus ar-
chäologischer Neugier denn aus
persönlichem Interesse bei der Sa-
che ist Prinz Louis Napoleon, ein
direkter Nachfahre des Kaisers.
Nach seinem ersten Sichtkontakt
unter Wasser gestand der 69jährige
mit dem schlohweißen Haar: „Es
war ein wirklich bewegender
Augenblick ..."
Außer Lebensgefahr
Die am Donnerstagabend bei ei-
nem Autounfall nahe Aosta in Nord-
italien schwer verletzte Filmschau-
spielerin Mireille Darc(45) ist außer
Lebensgefahr. Alain De Ion, ihr Le-
bensgefährte seit ’68, äußerte sich
gestern zuversichtlich. Die Schau-
spielerin war erst vor kurzem im
Fernsehen in der Komödie „Der
große Blonde mit dem schwarzen
Schuh“ zu sehen.
LEUTE HEUTE Samantha in Moskau
Hollywood greift zu
Das läßt sich Hollywood natürlich
nicht entgehen: die Verfilmung des
Lebens von S&ily Ride. Die erste
Amerikanerin im Weltraum hat ge-
stern einen entsprechenden Vertrag
unterschrieben. Die Hauptrolle soll
Jane Fonda übernehmen, die sich
zusammen mit ihrem Mann die
Filmrechte gesichert hat.
Gestern traf die elfjährige Saman-
tba Smith mit untern in Mos-
kau ein. Zwei Wodien bereist die
Familie auf Einladung des sowjeti-
schen Staats- und Parteichefs Jnrij
Andropow die UdSSR. Mit der Ein-
ladung will Andropow - beweisen,
daß sein Land den Frieden wilL Das
Mädchen hatte den Sowjetführer
gefragt, warum die Sowjetunion die
Welt beherrschen wolle.
Vor den US-Paß haben Behörden die Tortur gesetzt
Paßämter in Amerika sind hoffoimgslos überlastet / Im RaamNew York gibt es für zehn Millionen Mensche miar eine Ausgabestelle
ERNST HAUBROCK, New York
Seit Anfang Mai sind auf der
New Yorker 5. Avenue am berühm-
ten Rockefeller-Center täglich von
früh morgens an Menschenschlan-
gen zu sehen, die jeweils gegen
Nachmittag merklich unruhiger
werden. Manchmal bemächtigt
sich um diese Zeit der zumeist brav
und bieder blickenden Bürger so-
gar der Geist des Aufruhrs, und
bullige Uniformierte haben dann
alle Hände voll zu tun, um die
Wutausbrüche der Wartenden ein-
zudämmen.
Die Menschen stehen an für ei-
nen Reisepaß. Im Rockefeller-Cen-
ter befindet sich die einzige Ausga-
be sogar für den gesamten Ein-
zugsbe reich mit noch mal weit
mehr als zehn Millionen Einwoh-
nern. Kleinere Aufstände sind
zwangsläufig die Regel aber wäh-
rend der Reisesaison, die jetzt ih-
rem Höhepunkt entgegengeht,
spitzen sie sich bedrohlich zu.
New Yorker, bekannt dafür, ver-
schmutzte. veraltete, überhitzte.
überfüllte, unpünktliche und unsi-
chere öffentliche Verkehrsmittel
sowie einen fest permanent chaoti-
schen Straßenverkehr mit stoi-
scher Gelassenheit zu überstehen,
nehmen es auch noch hin, bis zu
acht Stunden für das benötigte
Reisedokument Schlange zu ste-
hen. Manche kommen mit Cam-
ping-Stuhlchen, Marschverpfle-
gung und Getränken, ertragen Hit-
ze, schlechte Luft und die Kako-
phonie von plärrenden Kindern
und Kofferradios. Aber wenn dann
um 15.30 Uhr die Läden vor den
Antrag- und Ausgabeschal tem her-
untergelassen werden und den
noch nicht Abgefertigten bedeutet
wird, am nächsten Tag wiederzu-
kommen, dann platzt auch Ihnen
der Kragen.
Nur 13 Ausgabestellen
Im Gegensatz zur Bundesrepu-
blik Deutschland, wo Reisepässe
von Stadt- und Eireisbehörden aus-
gegeben werden, ist dafür in den
USA das Außenministerium zu-
ständig. Im ganzen Land gibt es
nur 13 Ausgabestellen, die über die
einwohnerreichsten Großstädte
von Boston bis Honolulu verteilt
sind. Zwar können schriftliche
Paß-Anträge auch bei 35 000 Post-
ämtern eingereicht werden, aber
die Bearbeitung dauert mindestens
vier und häufig acht Wochen oder
länger. Reise willige, die kurzfristig
reisen möchten oder müssen, sind
auf die 13 Büros angewiesen.
In dieser Woche mußte in New
York Dutzende von Malen eine
Phalanx der stämmigsten Rocke-
feller-Center-Wächter untergehakt
einen Sturm auf die Paßstelle ver-
hindern. Und John St. Denis, leid-
geprüfter Leit«- des Büros, berich-
tete: „Ich habe bei mir Leute mit
Weinkräxnpfen, Leute, die mich an-
schreien, und sogar welche, die
mich anspucken. In meinen 16 Jah-
ren im auswärtigen Dienst hatte
ich es vorher meist mit Terroris-
mus, Aufständen und Bürgerkrieg
zu tun. Ich sehne mich nach diesen
netten friedlichen Zeiten zurück."
Vom New Yorker Büro mit 86
Angestellten wurden in den ver-
gangenen Monaten pro Woche 9000
Pässe ausgestellt, und dennoch
wird der Andrang täglich größer.
Die Empörung der Wartenden bat
John St. Denis dazu veranlaßt, sei-
ne Untergebenen Überstunden
machen zu lassen und auch nach
offiziellem Schalterschluß noch
Personen abzufertigen, die länger
als fünf Stunden gewartet haben.
Das State Department in Wa-
shington, «fern die Zustände in
New York und einigen anderen
Städten peinlich sind, erklärte auf
Anfrage, der gegenwärtige An-
sturm sei ungewöhnlich und eine
Folge des harten Dollars, der Rei-
sen nach Ubersee attraktiv mache,
sowie eine Auswirkung - des
Preiskrieg» der Fluggesellschaf-
ten.
Libyen ausgenommen
Die übergroße Mehrheit der
Amerikaner braucht ihr Leben
lang keinen Reisepaß. Sie bleibt
daheim in. ihrem weiten Land oder
fährt höchstens zum Nachbarn Ka-
nada, wozu kein Paß benötigt wird.
Rin US-Paß kostet 35 Dollar pfag
eine Bearbeitungsgebühr von rie-
ben Dollar, insgesamt umgenech-
net 107 Marie. Er ist außer bei Min-
derjährigen »hn Jahre gültig und
berechtigt zu Reisen in aSe Länder
der Welt außer Libyen. (Reisen
nach Kuba werden zur Zeit durch
Devisenbestimmungen . verbin- ,
deit) (SAD) 1
Alarmierende
Zunahme der
Drogeneinfuhr
AP, Wiesbaden
Van einer besorgniserregenden
Entwicklung bei der Drogen-Krimi-
nalität hat der Präsident des Bun-
deskriminalamtes, Hemrich Boge.
gesprochen. In einem Interview des
Saarländischen Rundfunks nannte
er als ein Indiz dafür, daß im ersten
Halbjahr 1983 wesentlich mehr
Menschen an einer Überdosis Dro-
gen gestorben seien als im Ver-
gleichszeitraum des Vorjahres- Die
Zunahme der Progen-Krimi nalität
zeige sich an den Mengen des be-
schlagnahmten Rauschgiftes. Al-
lein in den ersten sechs Monaten
dieses Jahres seien 126 Kilogramm
Heroin beschlagnahmt worden. Im
ersten Halbjahr 1982 seien es 47
Kilogramm gewesen. Bei Kokain
waren es 42 Kilogramm in diesem
Jahr und 7,4 Kilogramm im ersten
Halbjahr 1982. Die beschlagnahm-
ten Mengen seien angesichts einer
Zahl von etwa 50 000 Drogenabhän-
gigen in der Bundesrepublik „bei-
nahe unbedeutend“. Das Bundes-
krim maiamt könne im Bereich die-
ser Kriminalität stören oder verun-
sichern, aber das Problem damit
nicht lösen. Boge nannte Pakistan
als Lieferland Nummer eins für
Heroin. Der meiste „Stoff*1 komme
heute auf dem Luftweg in die Bun-
desrepublik Deutschland, wobei
die Kuriere häufig weite Umwege in
Kauf "ähwion
Unwetter über Niederbayern
AP, Mönchen
Schwere Unwetter haben in der
Nacht zum Donnerstag in Nleder-
bayera Mfllinnengchgrion angerich-
teL Am stärksten betroffen waren
die Ortschaften Altdorf bei Lands-
hut und Mengkofen bei Dingoifing.
In beiden Gebieten wurden durch
Hagelschlag die Fluren niederge-
walzt. Zahlreiche Keller standen
unter Wasser.
Appell an Gurtmnffel
dpa, Köln
Rund 700 Rücksitzpassagiere
werden in derBundesrepublikjähr-
lich bei Auto Unfällen getötet, mehr
als 8000 schwer verletzt Rund 500
Todesopfer «raren nach Experten-
schätzungen zu vermeiden, wenn
auch die Mitfahrer auf den hinteren
Sitzen angeschnallt wären. Darauf
wies gestern, der TuV-Rheinland
hin.
Prozeß in Frankreich
rtr, Paris
Die sechs Entfühm- einer irani-
schen Boeing 747, die sich auf dem
Pariser Flughafen Orly den franzö-
sischen Behörden ergeben hatten,
werden in Frankreich wegen Luft-
piraterie vor Gericht gestellt Frank-
reich werde dem Auslieferungser-
sucb&i des Iran, so hieß es in Regie-
rungskreisen, aller Voraussicht
nach nicht entsprechen.
Waldbrände in Polen
AP, Warschau
Als Folge einer Hitzewelle sind in
Polen an 180 Stellen Wälder und
Felder in Tü^r^nauf^pinggn. ln
diesem Jahr scheint die Lage wegen
der Hitze und der Trockenheit be-
sonders gefährlich zu sein. Im Juni
wurden in Polen schon 560 Wald-
brände gezahlt.
Verkehrsunfall: 45 Tote
- dpa, Ankara
Bei einem schweren Verkehrsun-
fell in da Zentraltürkei sind in der
Nacht zum Freitag 45 Menschen
ums Leben gekommen. Ein mit
Saison-Arbdtem vollbesetzter
Lastwagen war bei Nevsehir in ei-
nen Abgrund gestürzt
Herz transplantiert
AP, München
Einem 45jährigen Ingenieur aus
Landshut der an einer schweren
Erkrankung' der Herzkranzgeföße
litt, ist am Donnerstag ün Klinikum
Großhadem in München das Herz
eines Österreichers aus Graz einge-
pflanzt worden. Das Heiz war zuvor
mit dem Flugzeug nach München
gebracht worden. Das Befinden des
Herzpatienten, so hieß es, sei gut
Älteste Einwohnerin tot
.... dpa, Kiel
Die älteste Einwohnerin der Bun-
desrepublik Deutschland, Agnes
Garath aus Kiel, ist tot Sie starb -
wie erst gestern bekannt wurde, am
Dienstag im Alter von 108 Jahren.
Sie war 1875 in Schurkowo bei
Posen als Tochter eines Bauern
geboren worden.
60 Bilder verbrannt
dpa, Lindau
Nach heftigem Streit mit seiner
Freundin hat da Schweizer Kunst-
mater Bans Binz (34) aus Solothum
rund 60 seiner Bilder in Lindau
(Bodensee) auf da Straße ver-
brannt Die auf 240 000 Mark Ver-
kaufswert geschätzten Gemälde
waren zuvor im Lindaua Alten Rat-
haus ausgestellt Die Polizei glaubt
an eine Kurzschlußhandlung, weil
der Maler seit Wochen kein Bild
vi>rfaiiift hatte
Anzal o*
ZU GUTER LETZT
„Vor 100 Jahren standen wir Po-
len zwischen' Zar und Bismarck
Heute stehen wir zwischen Zar und
ZimmFrmstnn^' Polnischer InteJ-
■lektueUerzu Äußerungen desBun-
desmnehmiaisters über die Ocfer-
Neiße-Grenze.
‘fffrvrssrre -rr ti: *ssa«?*aTB
15?
AJarmiei*^
, V| v?f|rj0 Samstag, 9. Juli 1983
(S*"»* der
GEISTIGE
WELT
Nr. 157 -DIE WELT
.*■ ... ; v'. “• , y . ‘ " 1 . .
SJu». -• ■■*-
gt?r.
«ie;
Ä6f^fct *;t-r
m*xn£;r-Z: !&S
*., :.-■■■ 5. -ea. g*,
i r. v, ,. . „ “ - - -. ; --- t
J.5-.- . - -- =Cta r *J
•h,,v r. z-*? •■ ^ - - . v- e>L^
jch*-;. ‘ 7 ■’*•_ _v*äa <äj?
S4?«*?
*»3 — Vt-' ._ .: V- ••'CJr.Ttt?
fetter öberN
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Giofifeuerungen werfen stündlich tonnenweise Schwefeldioxid und Stickoxide aus: Zerstörte Bewaldung im Han
FOTO: SÜDDEUTSCH« VERLAG
'• ws.---»- ,~u . ■'-•-■*. D3#
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M Gürtjjjj/fly
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V.aui
Im Winde wehen die Abgasfahnen
Thema Baumsterben: Saurer Regen bringt den Wald nicht um / Von karl Friedrich wenzel
neu wird erst in zweiter Linie von der
Saurer Kegen, was ist das eigent-
lich? Wieso. hört man erst jetzt so
plötzlich von dieser Gefahr? Ist
etwa unversehens ein g^nz neuer
Landschaftsfeind aufgetaucht,
dessen Bekämpfung bisher vergessen
wurde? - Aller Regen ist von Natur aus
sauer. Der Begriff „saurer Regen“ ist also
geradezu eine Selbstverständlichkeit
Dies liegt am natürlichen Kohlendioxid-
gehalt, dem für alles Leben wichtigsten
Bestandteil der Luft. Die grünen Pflan-
zen assimilieren ihn. Er säuert den Regen,
so an, daß er überall auf der Welt in der
Regel nicht den chemischen Neutralwert
von pH 7,0, sondern einen „biologischen
Neutral wert“ von nur noch pH 5,6 auf-
weist
Die Niederschläge in Mitteleuropa je-
doch sind über die Maßen „sauer“. Und
das ist nicht verwunderlich: Hier liegt
eine ganze Reihe der überhaupt größten
Industriegebiete der Welt in der Haupt-
windrichtung West-Ost hmb»n»fn»wder
von England über die Benehuc-Länder,
LothringpndSaariand, das Ruhrgebiet,
strieanlagen in die Luft Auch diese Gase
lösen sich in Luftfeuchtigkeit, wobei
(sehr verdünnt) Schwefelsäure und Sal-
petersäure entstehen. Sofern sie nicht
trocken vorher zur Erdoberfläche kom-
men, säuern sie den Niederschlag an.
Deshalb messen wir nicht nur in Mittel-
europa, sondern auch in Skandinavien,
wohin der Wind eine große Menge der
Abgasfehnen trägt, JVciditatsgrade^
(Säuregrade) von zumeist pH 4,0 bis 4£
im Niederschlag. Da die pH-Skala einen
logarithmlschcn Maßstab hat, bedeutet
erst vor etwa drei Jahren aus Skandina-
vien zu uns gekommen. Dort beobachtet
man nämlich seit etwa einem Jahrzehnt
pingn erschreckenden Rückgang an Phy-
to- und Zooplankton, Amphibien und fi-
schen in Tausenden von Binnenseen bei
gleichzeitig meßbarer Versauerung des
Wassers. Im Süden Norwegens wurden
5000 Seen in einem Gebiet von 28 000
Quadratkilometern untersucht Das Er-
gesprochen, außer pinpm P^gh sehen Pro-
fessor 1872.
Natürlich wird der Niederschlag auch
in Deutschland von den Abgasen aus den
Feuejimgpn angesäuert Ring Übernah-
me der Bezeichnung „saurer Regen“ oder
„saurer Niederschlag“ liegt also nahe. Sie
ist griffig und verständlich. Als Hauptur-
sache für das Baumsterben scheidet der
„saure Regen“ jedoch aus. Das zeigt gera-
de das Beispiel Skandinavien: In Norwe-
gen und Schweden sind nämlich noch
keine Wälder durch „sauren Regen“ ab-
schwere Schäden in den Waldtälern auf,
wo Erze verhüttet wurden, besonders im
Harz, Erzgebirge, der Eifel und dem
Westerwald. Tausende Hektar Wälder
sind schon im vorigen Jahrhundert rela-
tiv schnell abgestorben. Zehntausende
Hektar stark beschädigt worden. Das be-
legen mehrere dicke „klassische“ Lehr-
bücher und ungezählte Einzelberichte in
der Literatur. Als Hauptschadfaktor ist
Schwefeldioxid seit hundert Jahren ent-
nal mit, darunter vor allem Fluoride,
Chloride, Schweimetalle und vielleicht
auch Ozon. Ozon und andere Photooxy-
danten bilden sich unter hoher Sonnen-
einstrahlung unter anderem «i« Stickoxi-
den. Ozon ist in den sonnenreichen Län-
dern, besonders in den Südstaaten der
USA, der Hauptschadstoff der Luftverun-
reinigung. La Deutschland sind örtlich
und gelegentlich schon hohe Ozon-Kon-
zentrationen gemessen, aber Waldschä-
den durch Ozon bisher nirgends überzeu-
Großfeuerungen. Sie werfen 45 Prozent
der Stickoxid-Mengen geballt aus.
Demgegenüber besteht wenig Wahr-
scheinlichkeit, daß die dünnen und sehr
dispers abgegebenen Abgasfehnen unse-
rer Kraftfahrzeuge wesentlich beteiligt
rini!, gelangen sie drv»F> trairm in den
Ferntransport bis zu den Höhen unserer
Waldgebirge!
Um die Jahrhundertwende dehnten
sich die TmmigEinn«reoh3Hpn mit der Ent-
wicklung großer Industriegebiete auf
ganze Regionen aus. In der Nachbar-
schaft des Ruhrgebietes, des oberschlesi-
schen Industriegebietes, auch im Saar-
land und im mitteldeutschen Braunkoh-
lengebiet starben vor allem Nadelwälder
fortschreitend ab. In den letzten zwanzig
Jahren haben die Immissionseriaankun-
gen in den mitteleuropäischen Wäldern
dann eine neue Dimension erreicht. Es
begann im böhmischen und sächsischen
Teil des Erzgebirges schon 1955. Heute
sind dort mindestens 200 000 Hektar Wäl-
der schwer beschädigt, davon 60 000 ab-
gestorben. Die Bilder dieser totalen Ge-
biigsverwüstung alarmieren derzeit ganz
Europa.
Künstliche Düngung - eine
problematische Therapie
Unter den gleichen altbekannten Sym-
ptomen treten überraschend jetzt fernab
von der Großindustrie und sich allmäh-
lich verstärkend neue schwere Erkran-
kungen und „Waldsterbefälle“ auf Sie
ergreifen im Gegensatz zu früher vor al-
lem die höheren Lagen unserer Mittelge-
birge, die bisher völlig verschont geblie-
ben waren. Es muß sich also etwas Ent-
scheidendes geändert haben. Was liegt
naher, als diesen eklatanten Wandel mit
dem auf das Doppelte gesteigerten Aus-
wurf von Schwefeldioxid und Stickoxi-
den sowie mit der „verbesserten“ Abfüh-
rung über beträchtlich erhöhte Schorn-
steine in Tiicamrnpnhflng 2U bringen? Die
zeitliche Übereinstimmung ist unabweis-
bar.
ln Deutschland sterben seit 1972 die
waldbaulich so wertvollen Weißtaimen
(soweit noch vorhanden) in den Höhenla-
gen über 600 Meter aus den Mischbestän-
den der Bergwälder jener Mittelgebirge,
die der WestOst-Windströmung offenlie-
gen. Besonders betroffen sind das Fich-
telgebirge, der Oberpfälzer Wald, der
Bayerische Wald, der Harz, der Hfls, die
Egge bei Paderborn, der Schwarzwald
und neuerdings auch das Sauerland. In
Bayern sind 40 Prozent der Tannen be-
reits tot, weitere 40 Prozent schwer er-
krankt Inzwischen folgen auch ganze
Fichtenbestande in den gleichen Lagen
und TCingpihBuTne in dpn Nadelwäldern
der tieferen Tjgm fest überall im Land.
Das flächenhafte Waldsterben hat auch
den ganzen Sudetenbogen vom Riesenge-
birge, Iser-, Adler- und Alt vatergebirge
bis zum Glazer Schneeberg ergriffen.
Aber gerade big auf den Höhen sind
Tannen- und Fichtenwälder seit tausend
Jahren die natürliche PflanzengeseD-
schaft und waren bisher gesund und lei-
stungsfähig. An einer falschen Baumar-
tenwahl der Forstleute kann es also nicht
liegen.
Sowohl, in den beschädigten Wäldern
selbst wie in Begasungsversuchen ist
hundertfach nachgewiesen und immer
wieder bestätigt worden, daß Nadelbäu-
me die pmpfiTMilinhgfam T
jekte gegenüber dem besonders weit ver-
breiteten Schwefeldioxid sind. Schon mi-
nimale Spuren in der Luft wirken als
„ Aasimilationggift** auf die Stoffwechsel-
und Produktionsprozesse in den Blattor-
ganen. Leicht dringt das Gas mit den
übrigen Bestandteilen der Luft (Stick-
stoff, Sauerstoff, Kohlendioxid usw.) in
die Spaltöffnungen der Nadeln und Blät-
ter ein. Die Pflanze hat keine Möglichkeit,
sich vor der Vergiftung zu schützen. Die
Wachsschicht der Nadeln ist zwar ein
guter Panzer gegen Angriffe von außen,
auch gegen den „sauren Regen“. Die
Spaltöffnungen aber sind gasdurchlässig.
Sie müssen es sein, wenn die Pflanzen
assimilieren wollen.
Die „direkte“ Gifteinwirkung auf die
Stoffwechselprozesse in den Blattorga-
„ indirekten“ Immissionswirkung des
„sauren Regens“ auf den Wuizelraum der
Pflanzen unterstützt Die Wirkungen der
Bodenversauerung und Schadstoffan-
reicherung mindern oder blockieren
Hann die Nährstofiaufhahme über die
Wurzeln, fordern die Auswaschung von
Magnesium, Kalium Kalzium und schä-
digen die Bodenflora und Bodenfauna.
Das alles schwächt die Bäume. Schließ-
lich werden sie krank und anfällig für
pinp Infektion durch Pilze, Insplrtpn Bak-
terien sowie die Angriffe anderer Schad-
faktoren wie Sturm, Frost und Trocken-
heit Diese sekundären Schadursachen
variieren die Krankheitsbüder und ver-
stärken die Erkrankungsintensität Aber
es kann kein Zweifel bestehen, daß sie
nicht der auslösende Faktor sind.
Keinesfalls also dürfen wir uns den
Vorgang so vorstdien, als zerfräße der
Regen in konzentrierter Säureform von
außen her Blätter, Nadeln, Rinde, Holz,
Wurzeln, Bodenleben und schließlich
auch den Menschen. Der „saure Regen“
bringt den Wald nicht um. Dafür gibt es
eindrucksvolle Beweise. So haben sich
zum Beispiel die Laubwälder als erheb-
lich weniger empfindlich als die Nadel-
wälder erwiesen, obwohl gerade Laub-
bäume höhere Ansprüche an den pH-
Wert des Bodens stellen als etwa Kiefer
und Fichte.
Noch beeindruckender sind in diesem
Zusammenhang die schon zwanzig Jahre
alten Untersuchimgsergebnisse aus der
Dübener Heide im mitteldeutschen
Braunkohlegebiet nördlich Leipzig. Hier
wurde 1964 in timfangreichen For-
schungsarbeiten nachgewiesen, daß rund
5000 Hektar Kiefernwälder schwer unter
Schwefeldioxid-Immissionen aus den
Großkraftwerken und Industriebetrieben
bei Bitterfeld, Wolfen und Zschornewitz
leiden, ja zum Teil abgestorben sind, ob-
wohl der Säurezustand der Böden sich
von pH 3,5 auf durchweg pH 5,0 bis 6,0
nicht etwa zur sauren Seite, sondern im
Gegenteil zur alkalischen Seite hin ver-
schoben hat. Mit den SOyMassenströmen
wird hier nämlich in großem Umfang
den Raum Bitterfeld/Letpzig, Böhmen
bis Obeischlesfen. Sie pusten gewaltige
Schwefeldioxid- und Stickoxid-Mengen
vor allem aus Großfeuecungeh und Indü-
gestorben. Ganz anders ist dies in Mittel-
europa!
Ln deutschen Sprachraum sind Wald-
verwüstungen durch Luftverunreinigung
seit 1845 dokumentiert Als es noch keine
Schornsteine gab -» auch diese mußten ja
erst erfunden werden — , traten vor allem
larvtund immer wieder bestätigt worden.
pH 4,1: Der Regen ist rund 40mal saurer Gewiß spielen noch weitere Luftverun-
als der Säuregehalt am biologischen Neu- , reinigangssubstanzen örtlich und regio-
tralpunkt pH 5,6.
Die Bezeichnung „saurer Regen“ ist
gebnis ist alarmierend: 1750 haben ihre, gend nachgewiesen worden. Wenn sich
gesamte Fischpopulation verloren, 900 Vermutungen einer Mitwirkung an den
weitere erwiesen sich als schwer beein- Waidschäden bestätigen sollten, so träfe
trächtig! Aus Südschweden und dem die Verantwortung dafür ebenfalls die
lang massenhaft Kohle verheizt; vom
„sauren Regen“ bat aber früher niemand
östlichen Grenzraum zwischen Kanada
und den USA werden gleiche Beobach-
tungen gemeldet Die Seen sind in der Tat
bis auf pH 4,0 versauert In solchem Was-
ser künn kein Fisch m*»hr leben.
Auch Ozon gehört zu den
gefährlichen Schadstoffen
Mag mm auch die Ansäuerung des Nie-
derschlags schon lange bekannt sein, neu
war vor zehn Jahren die . überraschende
Erkenntnis ihrer katastrophalen Fem-
transportwirkung über 1000 und mehr
Kilometer Distanz: Sie ist eine Folge des
Übergangs auf gigantische Großfeuerun-
gen. die stündlich tonnenweise Schwefel-
dioxid und Stickoxide auswerfen, und
zwar aus Schornsteinen, die inzwischen
auf über 200 Meter hochgezogen worden
ginri 'Rin moderner 7 50-Mega watt-Kohle-
kraftwerksblock wirft jährlich rund
50000 Tonnen Schwefeldioxid in die
Luft, berechnet für nur 4000 Betriebs-
stunden, d. h. halbjährigen Betrieb.
Die a faga s-Massenströme werden von
Mitteleuropa mit der hier vorherrschen-
den Luftströmung großenteils gerade
nnAh Südskandinavien verfrachtet Hier
treffen sie auf schon von Natur aus relativ
saure Urgesteins- (Granit Gneis) und Mo-
ränen-Böden, die geringere „Pufiferfahig-
keit“ auf weisen als die Masse unserer
Waldböden. Deshalb stirbt das Leben in
rl<»n fej»n Norwegens und Schwedens.
• v.irw» ganz andere Frage ist jedoch, ob
der „saure Regen“ auch das Waldsterben
auslöst. Warum sollte er das erst jetzt tun?
Im Pnhrgghit*, in England und Ober-
schlesien wird doch schon hundert Jahre
Die Zeitbombe im Gemäuer unserer Dome
Wenn vom „sauren“ Regen die
Rede ist, denkt jedermann so-
gleich an schädliche Einwirkun-
gen auf Vegetation, Böden und Gewäs-
ser. Viel seltener hört man jedoch etwas
Über dip üünflfi«sp dieses MWirnmg auf
Objekte, die in ihrer Hauptmasse unter
Verwendung von Naturstein errichtet
wurden, wie Dome, Münster und Skulp-
turen, also Dinge, die unter dem Begriff
Tfnnairfpinlnnqly* bekannt sind nnH
die, wie ebenfalls bekannt schwere und
schwerste Schaden aufweisen.
Wirkt der „saure“ Regen dabei nun
etwa nicht oder kommen hier vielleicht
andere Ursachen zum Zuge, die wirksa-
mer sind und im Regenrausch überse-
hen werden? Bisher konnte die Fach-
wissenschaft dafür keine eindeutige Er-
klärung anbieten. Jetzt aber sind natur-
wissenschaftliche Untersuchungen
über den Steinzerfall an Bauwerken aus
Naturstein, die unter anderem durch
die Stiftung Volkswagen werk und das
Umweltbundesamt ermöglicht wurden,
zu einem überraschenden Beflind
gekommen.
' Ln Rahmen der Untersuchungen
wurden Proben aus kalkgebundenem
Sandstein und auch Kalkstein, also Ma-
terialien, die gegenüber den Einflüssen
von sauren Schadstoffen besonders
empfindlich sind, an Orten mit unter-
schiedlichsten Twrmifigjmrehriaghmffpri
— von sehr schwach bis sehr stark -
exponiert Die Prüfkörper waren dabei
den Umwelteinflüssen in unterschiedli-
cher Weise ausgesetzt Ein Teil von ih-
nen konnte vom Regen voll getroffen
werden, während ein anderer davor ge-
schützt war, wohl aber von der Luft und
den darin enthaltenen Rehnd stoffen be-
strichen wurde und natürlich auch mit
der Feuchte der Luft in Kontakt stand
und sie somit auftiehmen konnte.
Die Auswertung der Versuche wies
nun in den „beregneten“ Probanden
eine äußerst geringe Anreicherung der
für eine Steinkorrosion relevanten
Schadstoffe auf- hier kommen in erster
Linie Reaktionsprodukte des Schwefel-
dioxides in Frage. Bei den geschützten,
aber dennoch feucht gewordenen Pro-
ben lag sie jedoch um das Zehn- bis
Zwölffache höher.
Daraus läßt «ich natürlich nun m«»ht
der Schluß ableiten, daß der „saure“
Regen allem keinerlei Einfluß bei der
Steinzerstörung hätte. Betrachtet man
nämlich den Material- „abtrag“ . also den
Substanzverlust des Werksteines, so
findet man, daß er im Bereich hochstbe-
lasteter Gebiete und Objekte, wie zum
Beispiel im Ruhrgebiet und am Kölner
Dom, über zehnmal so hoch ist wie in
noch niedrig belasteten, etwa im Alpen-
vorland und auf den Schwarzwaldhö-
hen.
Dank der nun vorliegenden Erkennt-
nisse lassen sich diese Feststellungen
etwas vereinfacht so erklären: Für die
chemische Reaktion zwischen dem in
erster Linie in Frage kommenden
Schadstoff Schwefeldioxid (SOJ und
den dafür «nfaTHgm Bestandteilen
(Bindemitteln), des Natursteines wird
Wasser benötigt Es genügt dazu das
Wasser, das sich an der feuchten Ober-
fläche des Materials durch Kondensa-
tion absetzt Ser kommt es dann nach
Sorption des SOz durch die feuchte
Grenzfläche zur Bildung von Salzen der
Schwefelsäure, die je nach Typ des an-
gegriffenen Steines als Calcium- und/
oder Magnesiumsulfate vorliegen.
Damit ist sozusagen die Zeitbombe
zur Zerstörung des Steins gelegt Denn
solche Salze haben die Eigenschaft,
beim Auskristallisieren in den Poren-
räumen des Steines erhebliche Drücke
aufzubauen, die dann das Gefüge des
Materials sprengen. Zusätzlich sind sie
aber auch noch besser wasserlöslich als
die Tineh intakten Bindemittel, weshalb
sie durch größere Mengen Wasser leicht
herausgelöst werden. Der Regen, sei er
nun „sauer“ oder nicht, beschleunigt
also noch den Auflösungsprozeß. Ur-
sächlich für die Steinzerstörung aber
sind gasförmige Schadstoffe wie das
Schwefeldioxid in der Luft
Damit scheinen die Vorgänge bei der
Korrosion des Natursteines - und damit
der Zerstörung unersetzlicher Kultur-
denkmäler - geklärt: Die Sorptionsef-
fekte von gasförmigen Schadstoffen,
wie dem Schwefeldioxid, an der feuch-
ten Grenzfläche zwischen Material und
umgebender Luft sind der geschwin-
digkeitsbe stimmende Schritt bei der
zerstörenden Reaktion, wobei die phy-
sikalische Zerstörung des Gefüges für
die anschließende Auswaschung nur
noch forderlich ist
Bei der Aufgabe, Kunstdenkmäler zu
erhalten und zu schützen, sind solche
Untersuchungen von Ursache und Wir-
kung natürlich nur Mittel zum Zweck.
Denn, ob nun „saurer Regen“ oder
Sorption an feuchten Grenzflächen -
eigentliche Ursache des Steinzerfalls
bleibt allein die zu hohe Emission von
Schadstoffen. Gelange es, die Bela-
stung in den Ballungsgebieten um etwa
90 Prozent zu senken - eine Absenkung
übrigens, die bereits vor fünf Jahren im
Zusammenhang mit der Fortschrei-
bung der TA-Luft vorgeschlagen wurde
- könnten Schäden an Bauwerken
kaum noch auftreten. Die Volkswirt-
schaft könnte MiUiarrfen an Erhaltungs-
kosten einsparen.
SIEGBERT LUCKAT
Dr. Siagbart Lucfcot ist wissenschaftlicher Leiter
d«s Zotondnsthuu beim Deutschen Berg bau mu-
•eunv Dortmund
auch alkalisch reagierender Flugstaub in
die Wälder geführt Die Braunkohlen-
flugasche enthält bis whn Prozent Kal-
ziumoxid.
Mit anderen Worten: Auf den durch
Flugstaub „alkalisierten“ Böden hatte
der Wald prächtig gedeihen müssen,
wenn eben nicht die trockenen Immissio-
nen gewesen wären. Sie sind die primäre
Ursache des Baumsterbens. Aus dieser
Erkenntnis ergibt sich eine pessimisti-
sche Prognose für alle Versuche, dem
Waldsterben etwa durch künstliche Dün-
gung entgegen zu wirken. Wie das Beispiel
der Dübener Heide zeigt müßte ein der-
artiges außerordentlich aufwendiges und
ökologisch höchst bedenkliches Verfah-
ren wirkungslos bleiben. Der Baumtod
schritte auch auf künstlich „entsäuerten“
Böden unaufhaltsam voran - so wie ster-
bende Tannen- und Fichtenwälder vieler-
orts in mehreren Ländern Eiuropas auch
auf basenreichen Braunerden stehen, die
eine Versauerung aus der Luft - sofern
vorhanden - leicht abpuffem können.
Das Umweltbundesamt hat 1980 in sei-
ner Dokumentation „Luftverschmutzung
durch Schwefeldioxid - Ursachen, Wir-
kungen, Minderung“ die volkswirtschaft-
lichen Schäden durch Luftverunreini-
gung in der Bundesrepublik folgender-
maßen eingeschätzt: Gebäudeschäden
1,5 Milliarden Mark; Konesionsschäden,
vor allem bei Stahlkonstruktionen: 1 bis 2
Milliarden; zusätzlicher Wasch- und Rei-
nigungsaufwand 0,7 Milliarden; Land-
und Forstwirtschaft 0,4 Milliarden; Ge-
sundheitsschäden und Bodenentwertung
wurden nicht ermittelt Das bedeutet ge-
samtwirtschaftliche Einbußen von insge-
samt 4,1 Milliarden Mark jährlich!
Tausende von Arbeitsplätzen
stehen auf dem Spiel
Das ist jedoch keineswegs der ganze
Schaden. Die Ertragsminderungen der
Forstwirtschaft zum Beispiel sind eine
primäre Folge der Luftverunreinigung -
eine sekundäre Folge ist die Gefährdung
der Arbeitsplätze in der Forst- und Holz-
wirtschaft. Legen wir einen zehnprozenti-
gen Zuwachsverlust in den Wäldern und
fünf Prozent Produktionswertverlust in
der Holzwirtschaft zugrunde, so würden
durch die Luftveninreinigungswirkun-
gen 10 000 Arbeitsplätze in der Forstwirt-
schaft und 37 400 Arbeitsplätze in der
Holzwirtschaft verlorengehen. Zahlrei-
che Forstbetriebe würden ihre Wirt-
schaftlichkeit einbüßen. Die OECD
schätzt die Gesamtschäden durch die
Luftverunreinigung in den Ländern Mit-
teleuropas auf 3 bis 5 Prozent des Sozial-
produktes ein. Das wären für die Bundes-
republik Deutschland 40 bis 70 Milliarden
jährlich!
Noch schlimmer und schwerer zu be-
werten ist der landeskulturelle Schaden.
Gerade die Hochlagenwälder sind uner-
setzlich als Lebens- und Wirtschafts-
grundlage der hier wohnenden Men-
schen. Aber in den Hochlagen können
nur Nadelwälder gedeihen. Wenn sie aus-
fallen - und sie beginnen seit zehn Jahren
auszufallen -, entfällt auch die Forstwirt-
schaft schlechthin und mit ihr die Eig-
nung des Raumes für die Erholung.
Eine Entwaldung der Hochlagen wie
im Erzgebirge bedeutet auf Dauer die
Aufgabe menschlicher Besiedlung in bis-
her gesunden, ertragreichen und auch
wirtschaftlich blühenden Regionen. Nie-
mand ist noch imstande, die ökologi-
schen Folgewirkungen des Dahinsie-
chens der Wälder, möglicherweise blei-
bender Waldverwüstungen oder gar irre-
parabler Landschafts-Degradation mit
Vergiftung der Böden, Beeinträchtigung
des Wasserdargebotes, Zerstörung der
Erholungsflächen zu bewerten. Diese
Schäden sind praktisch unendlich, unab-
schätzbar. Die Zukunftsvorsorge erfor-
dert, dem Zivilisationsübel Luftverunrei-
nigung endlich konsequent mit allen Mit-
teln entgegenzutreten.
Df. Karl Friedrich Wenzel Kt teilender Fareidirektor
h) der Hesstsehen Landesomtal! für Umwelt. Wies-
baden
16
GEISTIGE# WELT
DIE WELT - Nr. 157 - Samstag, 9. Juli 1983
/,
Blutorangen in
Nachbars Garten
Erzählung von Charles bukowski
Meine erste Erinnerung ist,
daß ich unter etwas war. Es
war ein Usch, ich sah ein
Tischbein, die Beine von
Mwwanhfm und ein Stück
herabhangendes Tischtuch. Es war däm-
merig unter dem 'nach, und es gefiel mir
dort Es muß noch in Deutschland gewe-
sen sein, ungefähr im Sommer 1922, als
ich knapp zwei Jahre alt war. Zeh fühlte
mich gut unter diesem Tisch. Niemand
schien zu wissen, daß ich da unten saß.
Ein Streifen Sonne fiel auf den Teppich
und die Beine der Menschen. Ich mochte
das Sonnenlicht Die Beine der Menschen
waren nicht interessant nicht so wie das
Tischbein, das Stück Tischtuch, das her-
unterhing, und das Sonnenlicht
Danach eine Weüe nichts mehr. Dann -
ein Christbaum. Hwwn- Vogel aus Glanz-
papier, jeder mit einem kleinen Mistel-
zweig im SchnabeL Ein Stern. Zwei große
Leute, die sich ansebrien und aufeinan-
der einschlugen. Menschen, die aßen. Im-
mer Menschen, die aßen. Zeh bekam auch
zu essen, doch mein Löffel war so gebo-
gen, daß ich ihn in die rechte Hand neh-
men mußte, wenn ich etwas essen wollte.
Wenn ich ihn in die linke Hand nahm, bog
er sich von meinem Mund weg. Ich wollte
ihn trotzdem immer wieder in die linke
Hand nehmen.
Zwei Erwachsene waren da. Der Größe-
re von beiden hatte derbes, lockiges Haar,
eine große Nase, einen großen Mund und
buschige Augenbrauen. Er schien immer
wütend zu sein und schrie oft herum. Die
kleinere Person war still und hatte ein
blasses rundes Gesicht mit großen Au-
gen. Ich fürchtete mich vor beiden.
Manchmal war noch eine dritte Person
da. Sie war sehr dick und trug Kleider mit
einer Halskrause aus Spitze. Sie steckte
sich immer eine große Brosche an, und
im Gesicht hatte sie zahlneirh«» Warzen,
aus denen kleine Haare sprossen. „Emi-
ly“ wurde sie von den beiden anderen
genannt. Sie war die Großmutter, die
Mutter meines Vaters. Zu meinem Vater
sagte sie „Henry" und zu meiner Mutter
„Katherine“. Ich redete die beiden nie
Alpenuhr
Von ERNST GÜNTHER BLEISCH
Alpenuhr
geht anders
schlägt Steinschlagtakt
Wiegt ab
mit Blitzbruchteilen
die Nacht
Gipfelmmute
mündet
in einen Dohlenschrei
Springt der Schattenzeiger
von Grat zu Grat
dickt
das Firnblau ein
Die Alpenuhr döst
Das Zifferblatt
tuscht
der Föhn -
In Klausur
geht die Zeit
mit ihren Namen an. Ich war „Henry
junior“. Die Eltern sprachen meistens
deutsch miteinander, und anfangs tat ich
das auch.
Wir waren inzwischen in Amerika. Die
Großmutter besuchte uns oft. Sie kam
mit der roten Straßenbahn von Pasadena
nach Los Angeles herein. Wenn wir sie
besuchten, was selten vorkam, nahmen
wir immer den Model-T Ford.
Ich mochte das Haus meiner Großmut-
ter. Es war klein und wurde überwuchert
von dichten hohen Pfefferstrauchem.
Emily hielt sich einige Kanarienvögel,
und jeder hatte seinen eigenen Käfig. An
einen Besuch erinnere ich mich beson-
ders deutlich. Gegen Abend machte sie
die Runde und deckte die Käfige mit
weißen Tüchern ab, damit ihre Vögel
schlafen konnten. Während die Erwach-
senen um den Tisch saßen und sich un-
terhielten, setzte ich mich an ihr Klavier,
hieb auf die Tasten und hörte mir die
Töne an, die herauskamen- Am besten
gefielen mir die Tasten ganz oben, wo die
Töne so hoch waren, daß man sie kaum
noch unterscheiden konnte - es hörte
sich an, als würden Eiszapfen aneinan-
derschlagen.
„Wirst du wohl damit aufhören!“ kam
es laut von meinem Vater. „Laß den Jun-
gen doch Klavier spielen“, sagte meine
Großmutter. Meine Mutter lächelte. „Die-
ser Junge!“ sagte meine Großmutter.
„Einmal wollte ich ihn aus seiner Wiege
hochheben und ihm einen Kuß geben, da
hat er mich mitten auf die Nase geboxt.'“
Dann hieß es plötzlich, wir würden bei
meinem Großvater vorbeischauen. Er
und meine Großmutter lebten getrennt.
Wir stiegen in den Model-T und fuhren zu
meinem Großvater Leonard. Als wir an-
kamen, stand er vor seinem Haus auf der
Veranda. Er war schon alt, aber er hielt
sich sehr gerade. In Deutschland war er
Offizier gewesen, und nach Amerika war
er gekommen, weil er gehört hatte, dort
seien die Straßen mit Gold gepflastert.
Das war nicht der Fall, also wurde er Chef
einer Baufirma.
Alle blieben im Wagen sitzen. Der
Großvater krümmte den Finger »wri
winkte mich zu sich heran. Jemand
machte mir die Wagentür auf, ich kletter-
te hinaus und gfng auf ihn zu. Er hatte
langes schlohweißes Haar und einen
ebensolchen Bart. Als ich naher kam, sah
ich, daß er blitzende blaue Augen hatte,
denen offenbar nichts entging. Ich blieb
ein paar Schritte vor ihm stehen.
.Henry“, sagte ex, „du und ich, wir
verstehen uns. Komm ins Haus.“ Er führ-
te mich zu einem SesseL ^Knirim, setz
dich hin, ich freue mich sehr, daB du
mich besuchst." Er ging nai-h nebenan.
Als er nach «*in«»r Weüe zurückkam, hatte
er ein kleines Kästchen aus Blech in der
Hand. „Das ist für dich Mat-fr es auf“ ich
hob den Deckel, und da lag sein Eisernes
Kreuz, mit Halsband nein", sagte ich,
„das mußt du behalten.“ — „Nimm es
ruhig“, sagte er. „Ist nur so ein sentimen-
tales Andenken.“ - „Vielen Dank.“
„Besser, du gehst jetzt. Sie werden sich
fragen, wo du bleibst.“ - „Is gut Wieder-
sehn.“ - „Wiedersehn, Henry. Nein, warte
noch . . .“ Ich blieb stehen. Er griff .mit
zwei Fingern in ein kleines Täschchen
vorne an seiner Weste, und mit der ande-
ren Hand zog er an einer langen goldenen
Kette. Dann gab er mir goldene
Taschenuhr mitsamt der Kette. „Danke
schön, Großvater . . .“
Draußen warteten sie schon ungedul-
dig. Ich stieg in den Model-T, und wir
fuhren los. Während der Fahrt redeten sie
über alles mögliche, doch' meinen Groß-
vater erwähnten sie mit keinem Wort
Ich erinnere mich noch gut an den alten
Model-T Ford. Es war ein hochbeiniges
Gefährt, das mit seinen breiten Trittbret-
tern einladend und gutmütig wirkte. An
kalten Morgen - und oft auch sonst -
mußte mein Vater die Handkurbel vorne
reinstecken und mehrmals kräftig dre-
hen, bis der Motor ansprang. „Dabei kann
man sich den Arm brechen. Das Ding
haut zurück wie ein Pferd, das aus-
schlägt“
An Sonntagen, wenn die Großmutter
nicht zu Besuch kam, fuhren wir mit dem
Model-T aufs Land. Meine Eltern hatten
eine Schwäche für Orangenhaine, und
davon gab es reichlich. Meilen und Mei-
len von Bäumen, die entweder blühten
oder voll Orangen hingen. Meine Eltern
hatten immer einen Picknick-Korb und
eine Metallkiste dabeL
Ein Sonntagsausflug ist mir besonders
in Erinnerung geblieben. Der Picknick-
Korb war schon leer, aber wir führen
werter durch die Orangenhaine und ent-
fernten uns immer mehr von der Gegend,
In der wir wohnten.
„Daddy“, sagte meine Mutter, „wo fah-
ren wir hin?“ - „Ich werde mir ein paar
verdammte Orangen holen!“
Meine Mutter machte sich sehr steif in
ihrem Sitz. Mein Vater fuhr von der Stra-
ße herunter und parkte an einem Draht-
zaun. Wir saßen da und lauschten. Dann
kickte mein Vater die Tür auf und stieg
aus. „Bringt einen Korb mit“ Wir zwäng-
ten ut»k durch eine T .firkf» im Tann „Hal-
tet euch hinter mir“, sagte er.
Dann waren wir zwischen zwei Reihen
von Orangenbäumen. Es war schattig
hier. Nur wenig Sonne drang durch die
Zweige und Blätter. Mein Vater blieb
stehen, langte hoch und fing an, Orangen
von den unteren Zweigen zu reißen. Er
schien wütend zu sein, so heftig riß er
daran herum, und die Zweige gehnpllton
auf und nieder, als hätten auch sie eine
Wut Er warf die Orangen in den Pick-
nick-Korb, den meine Mutter mit beiden
Händen hielt
Plötzlich versperrte uns ein Mann den
Weg. Er war sehr groß und hatte eine
Schrotflinte in der Hand. „AH right
Sportsfreund. Was glauben Sie eigentlich,
was Sie hier machen“ — „Orangen pflük-
fcen. Gibt hier ja genug davon.“ - „Das
sind meine Orangen. Und jetzt hören Sie
mal gut zu: Sie werden jetzt Ihrer Frau
sagen, sie soll sie fallen lassen.“ - „Bei so
viel gottverdammten Orangen werden
Sie doch ein paar entbehren können.“ -
„Ich werd’ keine einzige entbehren. Sa-
gen Sie Ihrer Frau, sie soll sie fallen
lassen.“
Der Mann legte mit seiner Flinte auf
meinen Vater an. „Lag sie fallen“, sagte
mein Vater. Die Orangen rollten zu Bo-
den. „So“, sagte der Mann, „und jetzt raus
aus meiner Plantage!“ - „Sie brauchen
doch diese Orangen nicht alle.“ - „Ich
weiß schon selber, was ich brauche. Raus
hier!“ - „Typen wie Sie sollte man auf-
hängen!“ - „Ich bin hier das Gesetz.
Bewegung!“
Der Mann hob wieder seine Flinte.
Mein Vater drehte sich um und ging den
Weg zurück, wir hinterher, und der Mann
folgte uns. Als wir im Wagen saßen,
sprang der Motor nicht an. Mrin Vater
griff sich die Kurbel und stieg aus. Er
versuchte es zweimal, aber es klappte
nicht. Ich hatte Angst, den Mann anzuse-
hen. Mein Vater ließ die Handkurbel ro-
tieren, nnri diesmal sprang der Motor «tv
Er klemmte $»ch hinters Lenkrad »mi
murkste an der flanggrhflHn ng herum.
„Laßt euch hter nicht mehr blicken!“
sagte der Mann. „Das nächste Mai kommt
ihr nicht so leicht davon!“ Mein Vater
führ los. In rascher Fahrt ging es nun aus
den Orangenhainen hinaus. „Eines Tages
komm ich zurück und knöpf mir den
Bastard vor“, sagte mein Vater.
„Heute abend machen wir uns ein gutes
Essen, Daddy“, sagte meine Mutter. „Was
möchtest du gern?“ - „Schweinskote-
lett“, sagte er. Ich hatte ihn noch nie so
schnell fahren »»hon.
Zwei Hexen (1523)
Ein altdeutscher Maler, der
in keine Schublade paßt
Zwey Täfelin auf Holtz, den Tod mit
zwei Weibsbildern vorstellend von
HBG“ hält ein Baseler Inventar
von 1772 fest Gemeint sind die beiden
kleinen Gemälde von Han« Baidung
Grien, die heute dem Basler Museum
gehören. Diese hinreißenden Tafeln
scheinen auf den ersten Blick in die
Reihe mittelalterlicher Totentänze zu
gehören. Doch da gibt es einen ganz
entscheidenden Unterschied: Die bei-
den „Weibsbilder“- das junge Mädchen
und die reife Frau - sind nackt Außer-
dem fehlt hier jeglicher Hinweis auf
eine Auferstehung und Erlösung. Und
noch etwas fällt auf: Ungeachtet des
dramatischen Geschehens sind es aus-
gesprochen sinnliche Bilder, die — ganz
anders als die kühlen, recht distanzier-
ten Venus-Darstellungen bei Cranach -
auch heute ihre Ausstrahlung nicht ver-
loren haben.
Das hat die Kunsthistoriker zu allen
Zeiten irritiert Sie wußten offenbar nie
recht, in welche Schublade sie den Ma-
ler stecken sollten. War er neben Dürer,
Holbein, Cranach ein Stern zweiter Ord-
nung, oder ist er noch niedriger einzu-
ordnen? Schließlich fehlen ihm der
Ernst - und die Betulichkeit - der „Alt-
deutschen“. Baidung hält sich nicht an
die überlieferte Ikonographie, er greift
neue Themen auf oder stellt die alten in
einer Weise dar, die noch heute Rätsel
aufgibt Er malt brave Heiligendarstel-
lungen »nri anrührende Marienbilder,
aber eben auch Todesbilder ohne jegli-
che christliche Verheißung. Aus de"
Porträts - einem Genre, das Balrinng
meisterhaft beherrscht - sprechen eher
Skepsis als gefällige Selbstdarstellung
Und dann gibt es immer wieder die
Hexen, die so gar nichts von den dämo-
nischen, fürchteinflößenden Frauen im
Gefolge des Teufels an sich haben. Gert
von der Osten entdeckt bei ihnen sogar
einen „humoristischen Zug“, denn
„Baidung, und mit ihm ein Großteil der
humanistischen Welt Straßburgs,
macht sich lustig über Hexen wesen und
Hexen wahn“.
Diese Deutung findet sich in dem
neuen Werkverzeichnis „Hans Haltung
Grien - Gemälde und Dokumente“ von
Gert von der Osten (Deutscher Verlag
für Kunstwissenschaft, Berlin, 346 S. u.
216 Tafeln, 198 Mark). Es ist in erster
Linie ein wissenschaftliches Werk, das
jedes Bild detailliert beschreibt, seiner *
Geschichte nachgeht und ausführlich
den Streit um Zuschreibungen und Da-
tierungen referiert Doch während der
Lektüre entwickelt es sich zu einem
Malstrom, der den Leser nicht mehr
losläßt. Das Abenteuer Baidung hat ihn
gepackt und macht ihn süchtig nach
den Originalen.
PETER DIETMAR
Der Chauffeur grüßt
noch ein letztes Mal
Von HERBERT SCHMIDT-KASPAR
Mitleid abverlangte. Wäre aber einer zu
Es war nicht , leicht zu ihm zu gelan-
gen- Seit wir uns getrennt hatten,
war er hoch anfgestiegen, war ein
großes Tier geworden, ein Mann von Be-
deutung. Mein Anssehen dagegen war
weder vertrauenerweckend nogti einneh-
mend. Trotzdem, die Ähnlichkeit war
sichtbar und nicht abzuleugnen.. Sie half
mix an dem Pförtner vorbei, an den Ange-
stellten in den Gängen und an einem
blonden Frauenzimmer, das im Vorzim- .
mer saß. Es war bei allen das gleiche: die
dressierte Bewegung, mit er sie mir in
den Weg traten, die Frage Was wünschen
Sie, Empörung, Schadenfreude, mit der
sie mir nachschauten; so als sei ein Zerr-
bild vorizbergegangen, entlar-
vend, ein wenig obszön.
Er saß hinter seinem Schreibtisch. Als
ich emtrat, sprang er auf Er hteTt «teh mit,
einer Hand an dam Mikrophon seines
Diktiergerätes fest, mit der anderen such-
te er den Druckknopf.
Ich 'pgHm ihm gegenüber Platz. , Htir
auf!“ sagte ich. Er setzte sich, gehorsam,
lehnte die Wange an die Seitenlehne sei-
nes Stuhls. Ich batte Zeit, mir den Raum
an zu sehen: Hamadanteppich, moderne
Bilder, alte Holzplastik, das Grün von
Baumkronen vor dem Fenster, Die Art,
wie er steh «Mnem Partnern imd Unterge-
benen zeigt; sachlich, solide, aber aufge-
schlossen, nicht ohne Sinn für Schönheit
und Genuß.
Ich hörte, wie er sich räusperte: „Also,
was willst du?“ Er saß in «mem Sessel,
gnade auf gerichtet, mit steifem Rüchen.
Er war dick geworden Sem Anzag mit
kaum sichtbarem Muster, teuer wie die
Krawatte und die goldenen Knöpfe in
den Manschetten. Er war der Mann, der er
«oin wollte, mit mamlriiTten HärtfU»n und
glattrasiertem Gesicht Nur eine kleine
Unordentlichkeit in seiner Frisur, eine
verschobene Locke, erinnerte an die Zeh,
in der wir eins gewesen waren.
Ich wandte mich von ihm ab und melk-
te, wie sein Blick dem meinen folgte, sich
auf dieselben Gegenstände legte, von ih-
nen zurückzuckte, als beginne er, an ih-
rem Wert zu zweifeln. Dann zwang er
sich, mir ins Gesicht zu sehen. „Ich habe
dich etwas gefragt“, sagte er. „Da muff-
test darauf gefaßt sein“, sagte ich, „daß
ich einmal wiederkommen würde.“ Er
machte eine Arxnbewegung, als wolle er
da« 7,hnmw umfassen, das ganze Haus,
alles, was ihm gehörte. „Um das hier“,
sagte er, , fragt du dich gekümmert.“
Er legte die Unterarme auf den Schreib-
tisch. Es war ihm anzumerken, daß seine
Sicherheit zurückkehrte. „Was hättest du .
hier anfangen wollen?“ fragte er.
Ich antwortete nicht Fr zog die Arme
von der. Tischplatte, preßte sie an sich.
„Träume“, sagte er. „Musik, Theater. Du
wirst in der ersten Reihe sitzen, neben
Ministem und Millionären. Das ist mein
Angebot“ Er war kein schlechter
Mensch. Ich glaube nicht, daß er seine
Kunden betrog, seine Arbeiter ausbeute-
te oder dergleichen finstere, ein wenig
lächerliche Dinge tat, die man Seinesglei-
chen nae*hz^ pflegt Die Macht, die
seine Stellung mit sich brachte, übte er
zurückhaltend und ohne Heger. In seiner
Umgebung gab es niemanden, der ihm
ihm gekommen, so hätte er ohne Zögern
und Selbstgefälligkeit gebolfen.
„Keisen“, sagte er. „Bücher. Was du
willst Km Haus in den Bergen.“ — „Damit
ist es vorbei“, sagte ich. „Du kannst dich
nicht beklagen“, sagte er. „Ich habe mehr
geboten, als du verlangen konntest“ —
„Ja“, sagte ich. „Ich pfeife darauf" —
„Daß ich dich nicht bei mir behalten
habe“, sagte er. „Sag selbst: Was hättest
du tun können, ohne alles in Verwirrung
zu bringen?“ - „Gehen wir!“ sagte ich.
Er schritt neben mir durch die Gänge
seines Betriebes, über rote, anthrazitfar-
bene, blaue Läufer. Sich mit mir zu zei-
gen, muß ihm eine Qual gewesen sein,
- obwohl sich seine Leute gut fr»»!**»«- Sie
grüßten ihn, als sähen sie mich nicht Der
Chauffeur schlug die Wagentür hinter mir
zu wie hinter «w™»™ Stück Nichts.
Johanna hatte den Tisch auf der Terras-
se decken lassen. Ihr Haar war blond wie
früher, aber das Blond war nicht mehr
echt Sie schien von meiner Rückkehr
nicht überrascht zog nur die Augenbrau-
en in die Höhe - Brauen eines Gesichts,
auf dem die Spuren der Zeit durch müh-
same Pflege verwischt wurden. Kay und
Viola kamen. Es ist seltsam, wie aus Kin-
dern fremde Leute werden. Kay und Vio-
la taten, was ihnen das Klügste scheinen
mochte: Sie bemerkten mirh nicht
„Gestern abend . . sagte Viola, „. . . -
am See... hörten nicht auif... vier Uhr
...ziemlich getrunken ... Franz und
Uwe . . - „Mit welchem schläfst du?“
fragte ich. „Mit beiden.“ Viola führte mit
graziöser Bewegung die Gabel zum
Mund. Ihre Ehern schwiegen. Kay rettete
die Lage. Kay trägt eineBrille, beherrscht
drei Sprachen, schreibt eine Doktorar-
beit Er begann, gelassen und klug, von
einer Reise zu erzählen, die er vorhatte:
Bibliotheken, die er besuchen, Experten,
die er sprechen wollte. Was Kay sprach,
klang tobenswert, langweilig.
Ich wandte wrirh an seinen Vater: „Du
läßt dichs etwas kosten für ihn." Viola
legte ihr Besteck neben den Teller. „Alles
was du redest“, sagte sie, „ist gehässig
und überflüssig. Du selbst Inst überflüs-
sig. Was willst du?“
Sie gefiel mir in ihrem Trotz. „Hier ist
mein Haus", sagte ich. „Ihr seid meine
Kinder. Mich hat eure Mutter geheiratet
Für mich hat sie euch geboren.“ Johanna
neben mir hob den Köpft „Ich bitte dich!“
sagte sie. Sie saß auf der Terzasse, nicht
mehr jung, die Erinnerung war ihr ent
glitten, . , • - •
. . . Viola, mit der holden Anmaßung, ihrer,
zwanzig Jahre. „Wenn ihr sentimental
werden müßt“, sagte sie, „dann bitte
nicht vor mir.“ Sie zog Kay mit sich fort
Er und ich ließen Johanna auf der Ter-
rasse. Wir gntp»n in gern Rjmohgimme^
einen dunklen Raum mit schweren Mö-
beln. Ich griff in die Tasche, zog heraus,
was ich mitgebracht hatte, -legte es auf
den Tisch. „Da nimm's“ sagte ich. Er hob
die Pistole auf, entsicherte sie, richtete sie
auf mich. Ich sah in die schwarze Mün-
dung.
Mich tröstete der Gedanke, daß nicht
ich sterben würde, sondern er.
Mit Memoiren eines Embryos zum Welterfolg
Bestseller ohne Werbung - Das Phänomen des dänischen Autors Willy Breinholst / Von KONRAD H. TECKENTRUP
Sie stand in einer Buchhandlung und
blätterte in einem Buch, lachte, ging
zur Kasse, zahlte und verließ
schmunzelnd den Laden. Etwa zwanzig
Jahre mochte sie alt gewesen sein, trug
verwaschene Jeans, dazu eine pinkfarbe-
ne Bluse und Turnschuhe. Die dunklen
Haare waren kurz geschnitten. Eigentlich
nichts Ungewöhnliches. Und doch; der
Grund der Freude, des Spaßes an dem
Buch, das da soeben erworben wurde,
interessierte. Die Buchhändlerin, eine
muntere, literarisch gebildete Mittzwan-
zigerin, klärte mich auf: Es war „Hallo,
hier bin ich“. Der Autor Willy Breinholst
Die Daten zu Breinholst wurden gegen-
wärtig: Internationaler Erfolgsschriftstel-
ler, heute nennt man diese Menschen
Bestsellerautoren, sechzig Jahre alt und
gelernter Sargtischler; in Dänemark ge-
boren und lebend, von der nationalen
und intematio na len Literaturkritik bis-
her kaum zur Kenntnis genommen. Hat
96 Bücher geschrieben, die in die meisten
Sprachen dieser Erde übersetzt wurden;
ist in Rußland ebenso bekannt wie in
Japan, Amerika oder Afrika. Gelesen hat-
te ich bisher nur den Band: „Die Kunst,
jung zu bleiben oder Das Leben beginnt
mit vierzig“. Bin in dem Alter. Eine hüb-
sche, entspannende Lektüre zum
Schmunzeln, manchmal an eigene Erleb-
nisse erinnernd. „Heile Welt-Literatur“
würden die Literatursoziologen dazu sa-
gen, nicht die Probleme der heutigen
Menschen erfassend, ein typisches Bei-
spiel der Trivialliteratur.
Etwas unsicher, fest distanzierend,
sprach die Buchhändlerin weiter über
Bestsellerauto reu, das geringe Kaufinter-
esse für gute Literatur — ohne diesen
Begriff näher zu definieren — und das
mangelnde Bewußtsein vieler Autoren
für die Probleme unserer Zeit, wobei sie
Simmel ausdrücklich ausschloß, da die-
ser ein sozialkritischer Autor sei. Fast ein
wenig verunsichert, ob das Gesagte Über-
zeugung oder Pflichtübung einer Buch-
händlerin sei. fragte ich nach ihren Lieb-
lingsautoren, den Hobbys, was sie von
dem und jenen gelesen habe und ob sie
Bücher von Willy Breinholst kenne, auch
nach den Gründen ihres eigenen Lesever-
haltens.
Groß war die Überraschung. Natürlich
las und kannte sie die Werke der Litera-
ten, aber auch jene Autoren waren ihr
vertraut, die man gemeinhin Vertreter
der trivialen, anspruchslosen und bloß
unterhaltenden Gattung Buch bezeich-
net Von Breinholst kannte sie fest alle
deutschen Titel und darüber hh-mus auch
die, die bisher nicht in deutscher Sprache
veröffentlicht wurden. Warum also die
unsicheren, die distanzierenden Äuße-
rungen Über rite TTnterhaltaiTig^litemteT^
das Klagen über «*in angeblich zu gerin-
ges Interesse des Publikums gegenüber
der hehren Belletristik?
Nein, die Antwort war diesmal nicht
überraschend, war sehr menschlich m»d
typisch deutsch. Lesen ist, sofern man
sich über den eigenen Lesestoff äußert,
immer noch unter dem Gesichtspunkt
des Sozialprestiges zu sehen. Deshalb
spricht man über die anspruchsvolle Lite-
ratur und klammert die Unterhaltungs-
literatur meistens aus. Einem Alptraum
gleich schwebt bildungsbürgerliches
Selbstverständnis über dem Lieseleben
der Deutschen: Lies, Lesen bildet! Aber,
Bildung ist bekanntlich «»in gehr anstren-
gendes Unterfangen, ist mit Noten, mit
Pauken verbunden.
Die Frage nach dem Lesesinn drängt
sich auf Darf denn Lesen keinen Spaß
machen? Kann T.egen nicht «iwH Ham
dienen, seine Sorgen und scheinbaren
Ausweglosigkeiten zu vergessen und wie-
der ein wenig schmunzeln zu lernen?
Nein, in unserem Schul- und Kulturbe-
trieb ist dies nur bedingt möglich. Das
Image kannte leiden.
Zurück zu Breinholst und der Buch-
händlerin. Erst zögernd, wie ein kleines
Kind, das bei etwas Verbotenem ertappt
wird, erzählte sie, warum sie Bremholsts
Bücher lese, warum sie sich von dessen
Werken angesprochen fühle; sprach denn
ausführlicher üben „Hallo, hier bin ich“,
die originellen Memoiren eines Embryos.
Daß sie «ich epyhnals Gedanken über die
Situation Ungeborener aus dem Blick-
winkel eines Ungeborenen gemacht habe
und seitdem ihre Einstellung zum Para-
graph 218 öirfrt mehr so iiwrippHajir^jwIrt
positiv sei Berichtete, daß dieses Buch
sie und die meisten in ihrem Bekannten-
kreis am stärksten beeindruckt habe; wie
sich werdende Mütter über dieses Buch-
gusehenk freuen. Die anderen Breinholst-
Bücher seien zwar nicht so originell und
unverwechselbar wie das Schwanger-
schaftstagebuch, aber sie seien gespickt
mit vielen liebevollen Schilderungen aus
dem Alltag, die man naehempfinrien kön-
ne Der Autor wirke in seine: einfachen
Sprache glaubwürdig, mit vielen Situa-
tionen könne Tnan steh iH antiflziwwi,
könnte diese fast selbst erlebt haben. Die
Von SoratbcMer m SdamnloiftoR
WUyBrelobofit fotö.-dw
Kunden m der Buchhandlung urteilten
ähnlich, aber auch sie hätten Hemznun- -
gertf. die« offen zuzugeben.
Das scheint das eigentliche Breinholst-
Fhfinomen zu sein; Die Leser fühlen sich
angesprochen, finden Geborgenheit in
dem Gespinst der Geschichten, finden
rieh wieder, können schmunzeln, sich
freuen und vergessen dabei die Meinun-
gen der Experten. Dem Autor kann dies
nur recht sein, mehr bat er nie gewollt.
Aber es gibt bei- Breinholst- noch ein
zweites Phänomen. Die deutschen Verla-
ge konnten mit diesem Autorund seinen
Werken lange nichts anfangen Sie lehn-
ten rite Veröffentlichung der Bücher ab.
Ein Hamburger Literaturagent kapitu-
lierte iniil gah seme Bemühungen au£ für
Breinholst einen Verleger zu finden.
Nachdem der internationale Erfolg sich
eingestellt hatte, fendsich. dann doch ein
deutscher Verleger: der Lübbe- Vertag in
Belgisch Gladbach und näh auch der
Scherz-Verlag. Zum Bestseller aber
machten den Autor die Leser und nicht
die Vertage- Die Vertage haben die Werke
' des Autors nur minimal beworben. Trotz-
dem wurde er von den Leäem entdeckt
und seine Bücher m MQlionenzahl ge-
kauft, Allein von <fen 13 deutschsprachi-
gen Titeln ließ der Lübbe-Verlag weit
über drei MUlionen Exemplare berstel-
len. Spitzenreiter sind die Embryo-Me- -
moiren, die in Imapp drei - Jahren - eine
Auflage von fast 800 000 Exemplaren er-
reichten, und dfeNachfrage scheint nicht
nachzulassen.- Manche Buchhandhingen
haben bei einigen Titeln Lieferproblenoe,
da der Vertag — so Aussagen von Bucfa-
händkan — .mit der Produktion. nicht
nai»hhnirmm
Und Willy Breinholst, wie «tefrt er sei-
nen Weßerfolg? Er arbeitet fleißig weiter,
läßt für jeden Kulturkreis die vielen Illu-
strationen entsprechend unwwphnpn und
mochte'; sich nach Fertigstellung seines
. 100. Buches .zur Ruhe setzen. Japan soll
sein. Tratnnziel sein, dort möchte er in
einer Pagode leben und malen.
y.
-v
Er**- :5?.S=
Srtjßf tx;
; Samstag, 9. Juli 1983 - Nr. 157 -DIE WELT
GEISTIGE # WELT
17
PAR
vor dem Zug aus Breslau
„Sturmböcke mit spitzigen Brüsten“ - Das Motiv der Eisenbahn in der
deutschen Literatur / Von wolfgang minaty
V als d- ,T**r - TchP
:cr *
TU*:- ?:***?
««teer
ä*tr; • - r
isenbahn — was war das? Ein
triviales Transportmittel oder ei-
ne Legende, liebevoll gepflegt
/on den Fans, die sieb verläß-
lich, wenn auch ntißverstanden
der Verschrottung einer preisgegebenen
Kultur widersetzen? Man erinnert sich
kaum noch, daß die iffiwwhahw unser
Leben verändert hat. Sie war einmal der
a» h*::e de-
2n Li^er: a-c
abiL-r da* 3;:-^'."^'^
« schier. v.-r”-^
'""-■tr Snii
»rrasicfci. - V-
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■ - _ -V — ''jf;'
wesentliches. Kapitel der Kulturgeschich-
te vernachlässigt hat, die Etage nämlich
nach der nrativgeschichtlicben Bedeu-
tung des Phänomens Eisenbahn in der
Literatur (übrigens am»**' in der
und in der bildenden Kunst}. Dabei gibt
es kaum einen spannenderen Schnitt
durch die. deutsche IJt^turgeschichte
als den des Verfolgs eines Motivs üb er
180 Jahre hinweg.
Am 7. Dezember 1835 war der Stichtag.
An diesem Tag führ erstmals, feierlich,
eine Eisenbahn auf deutschem Boden,
und zwar von Nürnberg na*»h Fürth. Ein
Ereignis, auf das Freizeitdichter prompt
reagierten. Aber die Eisenbahn war nicht
vom Himmel gefallen. Projekte von „Ei-
senstraßen“ wurden schon Jahre zuvor in
der Öffentlichkeit diskutiert, wenn auch
zumeist in Fachdebatten. Doch nicht nur
dort: Goethe hat sich wiederholt, zu dies-
sem Thema geäußert. Und n<v?H am 24.
Februar 1832, also wenige. Tage vor sei-
nem Tod, bat, er sich aus der
Bibliothek in Weimar mm Fachschrift
ausgeliehen, die über ein englisches Ei-
senbahnsystem räsoniert
Auch andere Schriftsteller, wie Pück-
ler-Muskau, Chamisso und. Rückert, ha-
ben mit je unterschiedlichem Tempera-
ment auf dieses neuartige Phänomen rea-
giert, und dies Jahre bevor in Deutsch-
land überhaupt eine Eigenhahn zu sehen
gewesen wäre. Allen voran aber mar-
schiert Achim von Arnim. Es ist schon
Js.-
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•es:- «S1-- -
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eine kleine Sensation, wenn ein deut-
scher Dichter im Jahre 1803, also mehr als
30 Jahre vor der Nürnberger Ludwigs-
bahn, einen Vierzeiler über die Eisen-
bahn schreibt.
Jenem bahnet das Schwerdt den Weg
un d diesem der Spate n.
Wo die We ge noch schlecht, legen wir
eiserne Spur,
Wo er vom Flusse gesperrt, da spannen
wir eiserne Brücken,
Alan ein eiserner WiB, schäftet sich im-
mer den Weg: .
Das der Achim- von- Arnim-Forschung
zwar bekannte, ihr aber nichts- sagende
(weil verschlüsselte) Gedicht ist vermut-
lich diff erste Eisenbahn-Dichtung in der
deutschen Literatur. Vermutlich deshalb,
weil die Forschung den Beweis dafür erst
noch zu erbringen hat Dehn das Wort
„Eisenbahn“ kommt ja im Text nicht vor.
Was nicht weiter wundemehtnen sollte,
wenn man bedenkt, daß der Begriff im
'deutschen Sprachgebrauch wohl erst
1814 auf taucht. Aber es liegen gute An-
haltspunkte vor. Denn Arnim könnte als
Interessierter Physiker auf «pinw Rund-
reise durch England, die er 1803 unter-
nommen hat, auch nach Wales gekom-
men sein. Bei den Darby-Eisen werken im
Coalbrookdale gab es eine „eiserne Brük-
ke“ (die erste Eisenbrücke der Welt, 1779
erbaut) - und just im Jahre 1803 experi-
mentierte Richard Trevithick mit einer
Lokomotive, die erstmals auf Schienen
(auf „eiserner Spur“) lief
TTptte Achim von Arnim ein völlig neu-
artiges motjygeschichtliches Kapitel quf- .
geschlagen, so war es dennoch erst AdeT
bert von Chamisso, der mit seinem Eisen- '
bahngedicht „Das Dampfroß“ (1830) das
Thema auf den Punkt gebracht hat,
wenngleich allegorisch verbrärnh Wenn
er in w»wm Brief aus dem Jahr 1833 die
Überzeugung äußerte, daß die Strecke
Paris— Berlin vermittels der Eisenbahn in .
absehbarer Zeit zu einer Angelegenheit
von zwei, drei Tagen werden könne, so
erinnwt an eine Eintragung Heinrich
Heines aus seiner „Lutetia“ (1843), wo es
ihm angesichts der sich verzweigenden .
EiBowVtahniinien erschien, „als kämen die
Beige und Wälder aller Länder auf Pans
angerückt. Ich rieche schon den Duft der
Länden; vor meiner Tür bran-,
det die Nordsee“.
Damit alles noch eia bißchen rascher
ging, hielt Chamisso es für die „morali-
sche Pflicht eines jeden Begüterten, ei-
nen Teil seines Vermögens zur Förderung
von RispnhahnuntwriPhiii^i^gyp zu ver-
wenden, um, so viel an iTir» sei, zur Her-
beiführung der nguffli Zustande beizutca-
gen“. 1837 . legte er nicht weniger als
10 000 Taler hin, um Aktien der Halle-
HieilwWem-Eigmhahngiwy^iyhnfl: zu
erwerben. Und wer bereitwillig zahlt, der
fährt auch gern, iranm war Haff erste
Teilstück der LeipadgiDresdeher Eisen-
bahn 1837 fertiggestellt, er sich die
Gelegenheit zu einer Probefahrt
entgehen: „Im Herbst war ich, • votum
solvens in Leipzig, die Eigw p»hp mit
vorgespanntem Zeitgeist zu befahren. Ich
hätte nicht ruhig sterben fearwwn, hätte
ich nicht vom Hochsitze dieses Triumpf-
wagens in die sich entrollende Zukunft
hinpin -gipwhniii **
Dieselbe Eisenbahn hatte 1837 Karl Isi-
dor Beck vor Augen. Der heute völlig
vergessene Beck, von dessen Werk nur
sein Gedicht „An der schönen Klanen
Donau“ in der Vertonung von Johann
Strauß (Sohn) die Zeiten überdauert hat,
studierte damals in Leipzig »nd knrmty
an der dortigen Börse mitverfolgen, was
es -bedeutete, FüsA^bahwaktrAn zu besit-
zen. In seinem Gedicht „Die Eisenbahn“
spielt er darauf an: „Wie sie rechnen, wie
sie sinnen: / Unsre Gelder — in Papieren —
/ ' Freunde, werden wir gewinnen? /
Freunde, werden wir verlieren?“
. Was sich den „Füistem“ jedoch nur als
Krämerseelenspiel ^-i™ tnnm Fieber*
darsteQt, ist für Beck etwas entscheidend
anderes. „Mir sind die Papiere Noten,/
Ausgestellt auf Deutschlands Einheit“
Beck interessiert nicht so sehr die Frage,
ob oder inwieweit Eisenbahn und Dampf
etwas für die Poesie hergeben, für ihn
steht die EisAnhahw im Dienste zweier
politischer Forderungen des Vormärzes:
Deutschlands Einheit und Deutschlands
Freiheit
Weitaus skeptischer
beurteilte Nikolaus
Lenau die Einrich-
tung der Eisenbahn.
Angeregt durch die
Eröffnung der Wiener
Nordbahn, stellt er In
seinem Gedicht „An
den Frühling 1838“
die Frage, ob die
Menschheit mit dem
Bau der Eisenbahn«!
den richtigen Weg be-
- schritten habe, den
Weg, der „einst zum
Heile gebt“. Dennoch
mußte Lenau den
Vorzug vom schnelle-
ren Austausch der
Meinungen und der
Waren vermittels der
Eisenbahn bald be-
griffen haben. Erlen-
te sogar - und das ist
einigermaßen überra-
schend - Friedrich
List den Begründer
der deutschen Eisen-
bahn-Theorie, persön-
lich kennen, und zwar
in Bad Ischl 1843. Lenau schrieb aus Wien
an den „herzlich verehrten Freund“ und
bezeichnet« dessen Idee von einer Natio-
nalökonomie als „eine der wichtigsten
des gesamten deutschen Volkes“.
Neben den zaghaften bis euphorischen
Befürwortern der Eisenbahn gab es na-
türlich auch eine Fronde von Verächtern.
Sie siedelten vorzugsweise im Schwaben-
Zand. Justinus Kerner machte in «»hwim
Gedicht „In einem Eisenbahnhofe“ (1852)
keinen Hehl daraus, was er von dem
apokalyptischen „Ungeheuer“ hielt, ai«
eine der Hauptfiguren der Schwäbischen
Dichterschule hing pr wtw immnTitischan
Lebensauffassung an, der gegenüber die
Eisenbahn ein elementarer Widerspruch
war. Aber Kern« und seim» Mannen stan-
den auf verlorenem Posten.
Die Eisenbahn war längst ein epochales
Ereignis geworden. Sie war Realität, und
sie schuf Realität. Die ah» und die
Zeit stießen aufeinander. Die Eisenbahn
hatte nicht den Untergang der Poesie
herbeigeführt. Dennoch ist der Vorbehalt
erst im Naturalismus und Expressionis-
Exemplarisch für die naturalistische
Weltaneignung ist Gerbart Hauptmaxms
„Bahnwärter Thiel“ (1887). Der kleine
Bahnbed ienstete Thiel, dumpf wie Büch-
ners Woyzeck; ist eingefangen in ein ec
„ungeheuren eisernen Netzmasche“. In
sein Leben wie in die unschuldige Natur
des Waldes, in dem das Warteihäuschen
liegt, bricht alltäglich „ein Keuchen und
Brausen“, das „stoßweise fernher durch
die Luft“ schwillt: dar Schnellzug aus
Breslau.
Der Zug, der metaphorisch als Zug der
Zeit unbarmherzig und dramatisch sein
Opfer fordert, ist feindliches Element.
Ebenso wie in Theodor Fontanes Ballade
„Die Brück’ am Tay“ (1880), wo er aber
noch gpnz in einem mythologischen Rah-
men eingebunden ist. Die Katastrophe,
die sich am 28. Dezember 1879 tatsächlich
in Schottland ereignet hat, wird von Fon-
tane als. Hexensabbat beschrieben. Die
Natur, verschwörerisch hinterhältig Ra-
che suchend, zeigt dem Menschen seine
Grenzen anf, verhöhnt seine Fortschritts-
gläubigkeät
Es ist gewiß kein Zufall, daß sich um
die Jahrhundertwende die Katastrophen-
meldungen häufen. Ohne Wilhelm Schä-
fer, Jakob Wassermann oder Thomas
Mann, die zwischen 1905 und 1908 von
Riyn bahnu ngZücken erzählen, der deka-
denten Zeitströmung zurechnen zu wol-
len, wie sie sich im -Jugendstil oder im
Symbolismus ausgelebt hat, bleibt doch
festzuhalten, sich geseDschafÜ fehe
und psychogene Veränderungen einge-
stellt haben, die ihren Niederschlag in der
schriftstellerischen Produktion fanden.
Das Schienen nete um 1900 war so ver-
zweigt und so komplett, daß es fortan
konstant blieb - bis heute: Die Eisenbahn
war vom Ernstfall Normalfall ab ge-
sunken. Die ahamaig neue Erfahrung
vom Leben der Mp*»)umflr schlug um in
das Gefühl vom mechanisierten Leben.
Die nachgerade beängstigende Zuverläs-
sigkeit der Bahn ist einer zuverlässigen
Angst vor Katastrophen gewichen.
Zwar wird viel gereist Aber die Unter-
scheidung in eine erste, zweite, dritte und
vierte Klasse deutet an, daß an der allge-
meinen Prosperität im deutschen Kaiser-
reich die BwnTVgri > nggscbichtM nur
sehr differenziert teilhatten. Die aufkom-
menden Luxuszüge, wie der Orient-Ex-
preß, verschärften noch, diesen Klassen-
unterschied. Die Weit der Privilegierten
blieb unter sieb. So jedenfalls empfindet
es Antonio Varga in Wassermanns Erzäh-
lung „Der Stationschef“ (1907), der, voller
Erbitterung über diese glänzende und
satte Welt, die so unhemmbar an ihm
vorüberrollte*, auf „Rache“ sinnt; halb
getrieben, halb planend, verursacht er ein
schreckliches Unglück.
Die Expressionisten weiteten die Kata-
strophenstimmung ins Eschatologische
aus. Sie sahen Nachtwandler aktiv wer-
den, Himmfelaaeichen wurden wieder be-
achtet, Lanriwha-fam verdunkelten sich,
das Firmament zeigte Risse. Eie Eisen-
bahnen faTten von den Brücken“, heißt es
bei Jakob van Hoddis (1911), der sein
Gedicht unverhüllt „Weitende“ nennt
Aber so ambivalent die expressionisti-
schen. Dichter dem Phänomen der Groß-
stadt gegenüberstanden, diesie gleicher-
maßen rühmten wie verfluchten, so un-
entschieden war ihre Haltung gegenüber
dem Gegenstand Eisenbahn.
Die von ihnan bevorzugte Tiermeta-
phorik erfahr emt» rharaTrtyristrsnho Um-
wertung. Ist der Schnellzug bei Faul
Bold! ein „in panischem Schrecke“ auf-
gestörtes Freiwild, so sind bei Johannes
R. Becher die Lokomotiven umgekehrt
ein omnipotentes Sexualsymbol: „Sturm-
böcke“ mit „spitzigen Brüsten“. Der ak-
tionistische Bewegungsimpuls, wesentli-
cher Bestandteil des expressionistischen
Lebensgefühls, ging von der Eisenbahn
wie von kaum einem anderen Gegen-
stand aus.
Die lyrische Avantgarde des expressio-
nistischen Jahrzehnts, ihr Selbstver-
ständnis nhnaFifn mphr vor ipph hertra-
gend als seiner teilhaftig, verlor dii^res in
dem Augenblick, als der Massenzug
durch die Schützengräben des I. Welt-
kriegs begann. Die Eisenbahn wurde wie-
der zu dem, was sie ehedem war. Trans-
portmittel. Und das waren während der
vier Jahre Krieg Truppentransporte und
die „dunklen Sarge“ der Schwerverwun-
detenzüge, wie sie Emst Bariach und
Robert Musü beschrieben haben.
In den zwanziger Jahren trat eine merk-
liche Beruhigung ein. Man reiste wieder,
um zuzuschauen. Mit dem Blick ins Le-
ben, amüsiert, sentimental und britisch
zugleich, war Zeugnis abzulegen. Kurt
Gleichnis des unordentlichen Lebens auf ordentlichen Gleisen: Dampflok auf dem Hfndenburgdamm
FOTO: SVEN SIMON
Tucholsky genügt ein Blick aus dem hal-
tenden Zug auf eine „kleine Station“
(1926), um ein Garantieversprechen abzu-
geben, wie eine deutsche Ortschaft funk-
tioniert. Walter Benjamin wirft einen
Blick ins Abteil (1930), um uns über deut-
sches Leseverhalten zu belehren. Und
Joseph Roth liefert sauertöpfisch einen
Zustandsbericht über deutsche Befind-
lichkeit - Gemüt, Denkvermögen und
Stumpfsinn betreffend wenn er über
die zweifelhafte „Romantik des Reisens“
(1926) nachdenkt. Auch Erich Kästner
plündert die Reiseromantik in seinem
Jäsenbahngleichnis“ (1932): „Wir sitzen
alle im gleichen Zug/und viele im fal-
schen Coupä“.
Von 1933 an versuchten viele unter
Lebensgefahr von diesem Zuge abzu-
springen oder, wenn dies schon nicht
möglich war oder möglich «fafen, zu
überwintern. Felix Hartlaub hat sicher
einen der aberwitzigsten Posten, den
Schriftsteller einnehmen können, innege-
habt.' Er war zwischen 1942 und 1945
historischer Sachbearbeiter beim Kriegs-
tagebuch im Führerhauptquaitier und
zeitweilig im „Sonderzug des Führers“.
Auch für ihn hieß die Frage: entweder
„den richtigen Moment abpassen und die
Zähne tinri raus aus
dem fahrenden Zug“ oder aber drin sit-
zen bleiben und weiterhin registrieren,
dokumentieren und Buch führen über
die Verschüttungen und Unsägüchkei-
ten, um schließlich „mit dem ganzen Zug
in den Abgrund (zu sausen), mit blauem
Samt und allem“. Hartlaub sprang nicht
ab. Im April 1945 ist er in Berlin umge-
kommen.
Und wieder war ein Volk auf Reisen -
1945, 1946, 1947. Es „bevölkert die Bahn-
höfe und Züge. Es führt ein Leben am
Schienenstrang. In tausend Gesprächen
versucht es seine Existenzberechtigung
zu beweisen.“ Schrieb Hans Werner Rich-
ter 1946. Es waren versprengte, zerlump-
te, geisterhafte Existenzen, Flüchtlinge,
Heimatlose, Davongekommene und
Schieber. Nur noch ein Wunsch: „Wir
wollen nach Hause“ (Wolf gang Borchert).
Was in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg
schon vorgezeichnet war, nämlich, daß
die Eisenbahn als literaturspezifischer
Gegenstand zwar noch Beachtung gefun-
den, aber als literaturfähige Metapher
weitgehend ausgedient hatte, schien sich
nach der sogenannten Stunde Null zu
wiederholen. Die Beseitigung der Trüm-
meriandsf haften, der Aufbau neuer fami-
liärer, ökonomischer und politischer Ord-
nungen, der Aufschwung im Individual-
verkehr Twnrhten die Eisenbahn — litera-
risch gesehen - uninteressant
So schien es. Doch, das Motiv der Eisen-
bahn hielt sich hartnäckig in der deutsch-
sprachigen Literatur. Friedrich Dürren-
matt machte mit seiner phantastischen
Erzählung „Der Tunnel“ (1951) die Eisen-
bahn literarisch wieder gebrauchsfähig.
Skurril wäre zu wenig, utopisch zu viel,
es ist eben phantastisch, was Dürrenmatt
und nach ihm z. B. Albert Vigoleis Thelen
in seinem „Der schwarze Herr Bahßetup“
(1956) oder Marie Luise Kaschnitz in
„Schlafwagen“. (1970) erzählerisch gestal-
teten.
Auch in hochindustriealisierten Ge-
meinwesen hat sich die Eisenbahn als
fester, wenn auch irgendwie fossilhafter
Bestandteil dieses Gemeinwesens halten
können. So daß neben der Möglichkeit,
die Eisenbahn als Vorwand oder gar Vor-
wurf phantastischen Erzählens zu nut-
zen, auch das rein dokumentarische Be-
dürfnis wieder erwachte. Walter HÖllerers
Langgedicht „Ffin. Hbf.“ (1969) ist zwar
alles andere als ein kunstloses oder gar
antiliterarisches Gebilde, zeigt aber doch,
daß bei der Suche nach einem Ort, wo
gesellschaftliche Zustände und Verände-
rungen dokumentarisch aufzuzeigen wä-
ren, sich die Eisenbahn und besonders
der Bahnhof als ein solcher Fixpunkt
anbieten und eignen.
Der Wunsch zu objektivieren drückt
sich auch bei Jürgen Becker aus, der,
darauf aus, die „Umgebungen“ (1970) zu
erkunden, das T««nri vermißt, indem er
Zustände und Ereignisse, hier aus dem
Bereich des Bahnhofs, aufzählt: „Zähle
die Menschen, die Schicksale, die Ab-
schiede, die Wiedersehensfreuden, die
Erlebnisse, die Unglücke, die Verspätun-
gen, die Entscheidungen, die Trennun-
gen, die Wartezeiten, die Unruhen, die
Genüsse.“ Das Verfahren, Gefühle und
Erinnerungen durch bloße Addition zu
objektivieren, mußte scheitern und wur-
de auch bald aufgegeben.
Der Wunsch, wenn schon keine kon-
stanten Wahrheiten zu finden waren,
auch nicht durch Befragung der Ge-
schichte, der Wunsch, Verläßliches zu
erfahren über seine Umgebung wie über
sich selbst, wies die Autoren auf den
Binnenraum der Sensibilität. Dort konn-
te man, das eigene Ich als Gegenüber und
auf größere Gewißheiten hoffend, Selbst-
forschung betreiben, ohne sich als Indivi-
duum aus dem gesamtgesellschaftlichen
Zusammenhang auszuklinken. Nicolas
Bora beschrieb 1976 in einem Gedicht
den „Bahnhof Lüneburg“, und zwar
Schrift für Schritt, im wahrsten Sinne des
Wortes. Teilstück für Teilstück belich-
tend, ist mit jedem weiteren Moment der
Beschreibende als Beschriebener mit im
Bild. Und außer ihm selbst ein Stuck
deutscher Alltagswirklichkeit.
Die Eisenbahn als einen Ort der Wirk-
lichkeitserfahrung ins Spiel zu bringen
ist eine Sache. Eine andere Sache ist es,
mit Hilfe der Eisenbahn spielerisch ande-
re Wirklichkeiten zu erproben. So kommt
der Herr Muck-Bruggenau in Reinhard
Lettaus Erzählung „Ein neues Kurs-
buch“ (1958) rasch dahinter, daß ein nor-
males Kursbuch „eines höheren, in ihm
selbst liegenden Inkommensurablen
ganz ermangelt“, weshalb er kurzerhand
ein neues herstellt. Das stellt den ganzen
Bahnbetrieb, den ganzen wirklichen
Bahnbetrieb, auf eine völlig neue, näm-
lich imaginäre Grundlage. Folge ist, daß
die Eisenbahndirektion im herkömmli-
chen Fahrplan Züge in Aussicht stellt, die
nur noch auf dem Papier verkehren, wäh-
rend umgekehrt die fiktiven Züge nach
dem Muck-Brnggenauschen Kursbuch
merkwürdig reale und von den Reisen-
den lebhaft begrüßte Verbindungen her-
steilen.
Geschichten dieser Art bedienen sich
der Eisenbahn als eines Topos für Funk-
tionalität, die, an einem einzelnen, aber
entscheidenden Punkt außer Kraft ge-
setzt, eine neue, ungewohnte Dimension
gewinnt Hier wird eine komplexe Struk-
tur, die für vielerlei herhalten kann, auf-
gebrochen, verändert und einem neuen,
uneingeübten Funktionszusammenhang
zuge fuhrt. Die Eisenbahn, so verstanden,
wird von einem Ort des Zuverlässigen
und Zweckhaften zu einem Hort des Au-
ßerplanmäßigen, Abgründigen, ja, nach-
gerade des Utopischen. Offenbar eignet
sich die Eisenbahn, vielleicht mehr als
alle anderen technischen Einrichtungen,
zur gleichnishaften Darstellung des auf
ordentlichen Gleisen unordentlich ver-
laufenden Lebens.
GRIFF IN DIE GESCHICHTE
Auf dem Höhepunkt die Schlacht aufgegeben
Vor 40 Jahren zerbrach mit dem Scheitern der Offensive im Kursker Bogen die deutsche Angriffskraft im Osten
ter Winterfeldzug 1942/43 hatte an
Ostfront nach dam Untergang
dese 6. Armee in Stalingrad und dem
daratTffalgand wi Steg Faid marsch all von
Mansteins in der dritten Schlacht um
Charkow seltsam hirwnrwphp T.inipn
hinterlassen. Dem „Donez-Balkon“ bei
der Heeresgruppe Süd entsprach an der
Nahtlinie der beiden Heeresgruppen Süd
und Mitte im Raum Kursk ein weit nach
Westen vorspringender sowjetischer
Frontbogen. Unmittelbar daran schloß
sich der nach Osten gewölbte deutsche
Orel-Bogen-
Es bedurfte nicht eines genialen Feld-
berm, um den. Plan zu fassen, den sowje-
tischen Kursker Bogen durch Angriffe in
den tiefen Flanken von Süd und Nord her
abzu schneiden und die dortigen sowjeti-
schen Kräfte zu vernichten. Vorausset-
zung für solchen Sieg war allerdings, daß
die beiden Heeresgruppen Süd und Mitte
möglichst rasch znpacken konnten, so
daß dem Gegner keine Zeit blieb, sich auf
eine zähe Verteidigung einzurichten. Das
TTntATTw»hni«m erhielt dVm Decknamen
„Zitadelle". Als Hitler am 15. April 1943
die Zangen-Operation gegen den Kursker
Bogen befahl, war als Angriffstag der 3.
Mai 1943 vorgesehen. Theoretisch ganz
richtig, in der Praxis blanke Utopie!.
Die Angriffaverbände mußten erst auf-
gefrischt; Ersatz d*** im
Winter völlig verschlissene Panzerwaffe
reorganisiert und mit den neuen Panzern
„Panther und Tiger“ ausgerüstet werden.
Ersatz und Material kamen nicht in dem
zugesagten Maß. Dazu kam ein ungeheu-
er schwieriger Versorgungsaufmarsch,
zum Teil behindert durch Partisanen-
Aktivitäten.
Die beiden im Kursker Bogen stehen-
den sowjetischen Heeresgruppen, die
„Süd westfront“ des Armeegenerals Vatu-
tin und die „Zentralfront“ des Armeege-
nerals KL BL Rokossowski gewannen Zeit,
um den Kursker Bogen mit Minenfel-
dern, Drahthindernissen, Schützen- und
Pa’nägrgrSVwn, Stellungen für Panzerab-
wehr, Feld- und schwere Artillerie und
Werfer tatsächlich in eine „Zitadelle“ zu
verwandeln. Die deutsche Führung muß-
te den Angriffstermin wieder und wieder
verschieben. Dazwischen kam die Nach-
richt von der Kapitulation der deutsch-
italienischen Heeresgruppe in Tunis am
12713. Mai 1943, die Hitler wieder in
Schwanken und Entschlußlosigkeit ver-
setzte. Schärfster Warner vor dem Angriff
auf die nunmehr am besten ausgebaute
Position des Gegners war der Reorganisa-
tor der Panzerwaffe, Generaloberst Gude-
rian.
Dann ließ Hitler am 5. Juli 1943 doch
zuschlagen - zu spät Gleichwohl kam im
Süden Feldmarschall von Manstein mit
der 4. Panzer-Armee und einer Armeeab-
teilung, unterstützt durch die Luftflotte 4,
entgegen aller Skepsis ganz gut voran.
Von Norden her griff Generaloberst Mo-
del mit der verstärkten 9. Armee an, auf
50 Kilometer Breite gegen ein bis zu 40
Kilometer tief gestaffeltes Stellungssy-
stem. Bei der 9. Armee blieb nach An-
fangserfolgen der Angriff liegen. Die bril-
lante Luftunterstützung durch die Luft-
flotten 4 und 6 kam nach drei Tagen ins
Stocken - Treibstof&nangeL
‘Am 13. Juli 1943 traf Hitler, tief schok-
kiert über den Zusammenbruch auf Sizi-
lien und einen sowjetischen Großangriff
im Orelbogen, die Entscheidung, „Zita-
delle“ einzustellen. Feld ma rschall von
Manstein hatte am 12. Juli notiert, die
Schlacht stünde auf „dem Höhepunkt“.
Am 13. Juli protestierte er und hielt Hitler
vor, dieser „verschenke den Sieg“. Sofern
nur Model im Norden wenigstens den
Gegner durch Fesselungsangriffe be-
schäftigte, könne er, Manstein, bis Kursk
durchstoßen. Doch Hitlers Nerven waren
nie die besten gewesen. Und Model muß-
te sich gegen die Gefahr einer Umgehung
im Rücken wehren. Jedenfalls brach die
deutsche Führung vor 40 Jahren die
Schlacht ab.
Die Sowjets bezeichnen sie als den ent-
scheidenden Sieg- Tatsächlich war mit
der Kursker Schlacht die deutsche Offen-
sivkraft im Osten für immer erschöpft -
besser gesagt - vertan worden.
W. G.
£ seis- j**3-
Vi>.
,.‘Uyni
18
WISSENSCHAFT
Supercomputer Cray
„rekonstruiert“
Geburt des Kosmos
A .fit Hälfe des Supercomputers Cray
lYJLl, der, am Iavexmore-Laborato-
ratoiium in Kalifornien installiert ist,
haben amerikanische Wissenschaftler
die Entstehung des Kosmos kurz nach
dem Urknall nachzuvollziehen ver-
sucht Die von dem schnellsten Rech-
ner der Welt gezeichneten dreidimen-
sionalen Bild» entsprechen nach Dar-
stellung der Astrophysikerin Joan
Centrella weitgehend den durch Be-
obachtung gewonnenen Fakten. Die
Wissenscnaftlerin, die an der Universi-
tät von Illinois lehrt, stellte ihre Er-
gebnisse kürzlich auf der Jahresta-
gung der amerikanischen Vereinigung
zur Förderung der Wissenschaften in
Detroit vor. Zusammen mit ihrem
Kollegen Adrian Melott von der Uni-
versität Pittsburgh erarbeitete sie ein
Computermodell, mit dem die Entste-
hung des Weltalls zur Zeit der „Ent-
kopplung*1 von Materie und Strahlung
simuliert werden kann. Unter Berück-
sichtigung theoretischer Überlegun-
gen der ^«^entartriirfwnphywiif ent-
warfen die Wissenschaftler numeri-
sche Modelle, die über Cray-1 dreidi-
mensionale Strukturen schnell ablau-
fender Vorgänge simulieren sollten.
Solche Berechnungen sind, wie Dr.
Centrella in Detroit sagte, bisher reali-
tätsnah nur mit Cray-1 möglich, der in
einer Sekunde etwa 100 Millionen Re-
chenschritte ausführen kann. Das Mo-
dell enthielt rund eine Million Einzel-
positionen und damit «»hnmal mehr,
als in bisherigen Simulationen einge-
bracht worden waren. fixt
Wenn die Verpackung
von Drogen im
Körper undicht wird
auschgütschmuggel geht nicht sei-
fen über sogenannte Drogenkurie-
re, die das Rauschgift, verpackt in
Plastikpackchen, Luftballons oder
Kondome, im Dann oder in der Schei-
de versteckt, in die Verbrauchertän-
der transportieren. Es kommt aber im-
mer wieder vor, dafi das Verpackungs-
material während des Transports un-
dicht wird, so daß die Droge in den
Organismus gelangt und zu schweren
Vergiftungen führt. Derartige Zwi-
schenfälle, in den USA schon lange
beobachtet, werden im englischen
Sprachraum treffend als „Body Pak-
ker" -Syndrom bezeichnet Aber auch
in der Bundesrepublik werden Vergif-
tungen diesen Ursprungs registriert
Allein im Bereich des Frankfurter
Flughafens wurden 1S81 drei Fälle be-
kannt, von denen zwei tödlich vertie-
fen, wie Professor J. Gerchow und EL
Baas von der Universität Frankfurt
kürzlich in der Deutschen Medizini-
schen Wochenschrift berichteten. Die
transportierten Drogen waren Ha-
schisch, Knirain und Heroin. Zwei der
Patienten waren mit schweren neuro-
logischen Störungen, die teilweise
schon während des Fluges begonnen
hatten, in die Klinik ausgenommen
worden. Daß es sich um eine Vergif-
tung mit Drogen handelte, konnte bei
einem Patienten erst durch die Ob-
duktion aufgedeckt werden. Auch bei
dem anderen Patienten konnten die
Arzte erst nach zwei Tagen, als die
geplatzten Kondome mit dem Stuhl
abgingen, die Vergiftung feststellen.
Die dritte Patientin wurde tot in ihrem
Hotelzimmer gefunden. Diese Beob-
achtungen, so Gerchow und Baas, sol-
len darauf aufmerksam machen, daß
sich zumindest im Bereich von Flug-
häfen hinter unklaren neurologischen
Störungen auch derartige Vergiftun-
gen verbergen können. A.H.
Telefon-Nebenstellen
im Verbund
über Satelliten
Die Deutsche Bundespost führt zur
Zeit das Versuchsprogramm
„Schnelle Datenübertragung über Sa-
telliten“ mit dem Versuchssatelliten
OTS (Orbital Test Satellit«) durch, an
dem auch Siemens beteiligt ist Als
einziger V ersuchste ilnehmer testet die
Firma neben der Datenübertragung
auch den Verbund von Femsprech-
Nebensteüenanlagen über Satelliten.
Die Verbindungen laufen zum Bei-
spiel vom Kommunikationssystem
EMS der Münchner Zweigniederlas-
sung über das örtliche Privatnetz des
Unternehmens zur Satelliten-Boden-
station mit 4, 8-Meter-Parabolspiegel
und weiter über den Satelliten OTS
zum Siemens-Betrieb in Braun-
schweig. An die dortige Bodenstation
ist die örtliche Nebenstellenanlage di-
rekt angeschlossen. Über drei Kanäle
mit je 64 kbit/s wird Sprache übertra-
gen: ein Kanal dient der Datenübertra-
gung. Die Bodenstationen mit den
übertragungstechnischen Einrichtun-
gen und die Satellitenkanäle stellt die
Deutsche Bundespost für die Dauer
der Versuche zur Verfügung. S. S.
Mikrokapseln für
Medikamente bieten
gezielteren Einsatz
Der pharmazeutischen Industrie, die
intensiv nach Mikrokapseln zur ge-
zielteren Medikamente Verteilung im
Körper sucht, eröffnen sich neue Mög-
lichkeiten. Tenside oder auch Deter-
ren rhemitphpn Erkenntnissen meiner
polymerisierten Form winzige Tröpf-
chen oder sackförmige Gebilde. Bis-
lang hatte man eher linsenförmige
Strukturen beobachtet Der amerikani-
sche Chemiker Jenes Fendler hat jetzt
ein Produktionsverfahren entwickelt,
mit dem er Mini-Tröpfchen in der Grö-
ßenordnung von Bakterien hersteüen
kann. Die Minikapseln sind nur noch
zwischen 0,15 und 2 millionstel Meter
groß. Dennoch ist die die Tröpfchen
umhüllende Membrane beständig, trz.
Magnetfeld öffnet neues Fenster
in den menschlichen Körper
NMR-Tomographenan zwei großen deutschen Instituten zurklinischen Forschungeingesetzt
it dm Beiwort „revolutionär“ sich in einem Magnetfeld einer bestimm- hettepupp^^
te ohne belastenden Eingriff bildlich dar-
zustellen und abzugrenzen. Seit Anfang
der achtziger Jahre bietet die digitale
Angiographie den Nachweis und die Lo-
kalisierung von Gefäßeinengungen zum
Beispiel bei Durchblutungsstörungen
ebenfalls ohne eine belastende Punktion
von Schlagadern.
So ist das Wort „Revolution" etwas
abgenutzt Das bekam auch Paul C. Lau-
terbur von der State University of New
York in Stony Brook auf Long Island zu
spüren, als er 1973 dem Forschungsaus-
schuß seiner Universität eine neue bild-
gebende Methode vorstellte, die keine
radioaktive oder Röntgenstrahlung ver-
wandte und gleichzeitig die menschliche
Anatomie und den Stoffwechsel darstel-
len sollte. Darüber hinaus, so versprach
Lauterbur, sei diese Darstellung in aßen
drei TMnfi^n^nn|‘n möglich- Seine Unter-
suchungsart verband aße die oben er-
wähnten in einer einzigen. Außerdem
sollte es keine schädlichen Nebenwir-
kungen geben.
Damals wurde er als Phantast abgetan,
heute gilt er als der Vater der modernsten
bildgebenden Untersuchungsmethode in
der Madjarin, die - wie einige Fachleute
behaupten - während der nächsten bei-
den Jahrzehnte viele Bereiche der heuti-
gen diagnostischen und therapeutischen
Medizin grundlegend verändern wird.
Lauterbur nannte ««n» Erfindung
„Zeugmatographie“, Inzwischen hat sich
allgemein der Name JJflMRrTomogra-
phie“, im Deutschen auch „Kernspinto-
mographie“, eingebürgert.
NMR ist die Abkürzung für JÜudear
Magnetic Besonance“. Dieses Verfahren
ist eine seit drei Jahrzehnten in der Che-
mie gebräuchliche Methode zur Analyse
von chemischen Verbindungen.
Sie basiert auf der Beobachtung, daß
sich einige Atomkerne wie mm Beispiel
Wasserstoff, Fluor, Natrium und Pho-
sphor wie kleine Magnete verhalten und
«Mi «Ha eine TTnrnpagnndel in einem Mn.
gnetfeld ausrichten können. Wenn sie
V
: 1.Ä
ren hundert Messungen in einem Compu-
ter die Lage der Atomkerne in der unter-
suchten Probe zu berechnen und daraus
BOder der Verteilung der Kerne zu rekon-
struieren.
Zwischen seinem ersten in Stony
Brook gebauten Prototyp und den heute
kommerziell gebauten Anlagen gibt es
grundsätzlich koirw» großen Unterschie-
de. Ein starker Elektromagnet bildet den
Mittelpunkt des Gerätes. In ihm befindet
sich der Radiosende- und -empfangsteil
Das Ganze ist von einem F&iädayschen
Käfig umgeben, um Radiowellen von au-
ßen abzuhalten. Die Steuerung der NMR-
Anlage und die Datenverarbeitung sind
komplizierter als bei der Röntgen-Com-
putertomographie und nukleannedirim-
schen Apparaten, so daß me»*****1” zwei
Computeranlagen benötigt werden.
Das Magnetfeld des NMR-Gerätes er-
streckt sich auch außerhalb des Untersu-
chungsraumes. Da TTArrgf h rrttm flWh Pr auf
Magnpfrfrtd*T anKprwriwn kfinwaw, dürfen
sich Personen mit Herzschrittmachern
hier nicht aufhalten: Dies ist eine der
wenigen bekannten Gefährdungen durch
die NMRrTomographie.
Die besten Eigenschaften für Kemspin-
untersuchungen bringt der Wasserstoff-
atomkem, das Proton, mit sich. Da der
wmnw»wiAh» Körner durchschnittlich zu
75 Prozent aus Wasser bestehLbietet er
ideale Bedingungen für die NMRrBÜder-
Wegen des vollkommen anderen An-
satzpunktes der NMR-Tomographie im
Vergleich zum Röntgen wird es verständ-
lich, daß die NMR-Bilder nicht nur die
Verteilung der Protonen im menschli-
chen Körper aßein, sondern auch deren
chemisches Verhalten darsteßen können.
Dadurch könnten, so überlegten sich
die Forscher in der zweiten Hälfte der
siebziger Jahre, Gewebeveränderungen
im Körper einfach und ohne die Verabrei-
chung von Kontrastmitteln nachgewie-
sen werden.
Trotz «nffingliehgr großer Schwierig-
keiten konnten die Ergebnisse der Ar-
ly
IBfirenBnB
Ü J
ITR1
. das
bei 1
tast
äUf
SSI
Mir
BEESES
'GPUiVl'f If.iWj.fi
Sb
Gehirn grenzen sich scharfem aeartaut-
Bildem ab, so daß die Diagnose und die
Veriaufsbeobachtung dieser Erkrankung
und für den Patienten viel er-
träglicher werden. Dies sind nur ein paar
Beispiele für die künftigen Einsatzge-
biete.
Bereits die ersten drei Jahre des klini-
schen NMR-Einsatzes brachten eine sol-
che Vielfalt neuer Erkenntnisse mit sich,
HaB die Auswertung sich über Jahre hin-
ziehen wird.
Seit Anfang 1983 werden auch an zwei
großen deutschen Kliniken NMR -Tomo-
graphen eingesetzt In einem For-
schungsprogramm des 'Bundesministe-
riums für Forschung und Technologie
wurden diese Geräte an die Gesellschaft .
zur Förderung der Forschung an der
Deutschen Klinik für Diagnostik in Wies-
baden und an die Medizinische Hoch-
schule in Hannover vergeben. Beide Ge-
räte wurden von deutschen Firmen ge-
baut Bis «uw Jahresende sollen auch an
den Universitäten Köln und Tübingen
NMR-Tomographen installiert werden.
Die NMKrAroeitsgruppen in Wiesba-
den nwH Hawniww führen alTgrdinga kei-
ne regulären Patientenuntersuchungen
durch, sondern gwTIwi in fernem klini-
schen Forschungsprogramm die Aawen-
dungamÖgUchfeateD der NMR-Tomogra-
phie und der^Vor- und Nachteile gegen-
über anderen mgribmiwinm Methoden
Eta« bisher nicht
Denn obwohl die führenden amerikani-
schen und AntfiBchgn Focachungsteama
und mittlerweile auch die beiden deut-
schen erste FrflihTuwggw mit ihren NMR-
Tomographen gesammelt haben, lassen
sich wegen der Mannigfaltigkeit der den.
Bildkontrast bestimmenden Parameter
die Einsatzmöglichkeiten der Methode
noch nicht genau festlegen.
Bier spielen nicht nur die wissenschaft-
lichen Aussagen eine Roße, sondern auch
wirtschaftliche Motive. Denn mit einem
Anschaffungspreis zwischen 2J& und 5,0
MRHrmyw Mark und geschätzten jährli-
chen Unkosten um - 20 Prozent des Neu-
preises ist das Kbsten-Nutzen-Veihältziis
jeder einzelnen ' Patiehtehüxitereuchuhg
genau abzuwägen. \
Zur Zeit ist m dertä^ichen Hiniw*1n»r>
Routine außerhalb außer Forschungs-
zentren - darüber sind sich die Fachleute
einig - der Einsatz der NMR-Tomogra-
phie noch nicht sinnvoll. Dort, wo die
Geräte nicht von Jahrgang aosgebßdeten
Ärzten und Prankera bedient werden
kawntm) fehlt Erfahrung zur Herstel-
lung und Auswertung vonNMR-Bildem,
zumal da es sich gezeigt hat, daß verschieb
werden können. Deshalb bieten die Her-
stellerfirmen Undank eine Privatimtiati-
ve ehemaliger europäischer Wissen-
schaftler in den USA, der European
Workshop on Nuclear Magnetic Reso-
nanoe in Medidne, 'intensive Ans- und
Weiterbildungskurse für Medböner an,
die sich mit der NMR-Tomographie be-
schäftigen woßen,’. ■
Die Anwendung, der NMR-Tomogra-
phie als rein bildgebende Methode wird
nur ein Zwischensichntt sein. Während
der kommenden r Jahre wird es-daa Ziel
der NMRrForschung werden, die Gewebe
im wMmrfiTidim.Korpw nhna eineEnt-.
nähme durch. Punktion oder Operatip ^L.~l Scr.r. - * ‘
sen, um eine: Probe :zu eiftnehrom,
dem allem das biochemische : Verhalt-" — "
Dazu werden höhere Magnetfeldsti^t*^;'.
ken notwendig. Gerate, an denen j.vK
nicht nur die Reaktion von Wassasta^T, .'-.'
sondern auch andere Atomkerne
zeitig untersuchen kann, werden zur^^“,“^^"-., — .
Grad abgekühtt werden; die Probien
die hierbei auftreten, sind noch
völlig beseitigt • •
Ob dfe'TTwferwtwIiimgjp'iAifen. die- ha» 1 1 •
zwischen einer halben und einet StolpmK 1 11
pro Patfent hegen, gesenkt werfen Ulli*»
nen, erscheint zweifelhaft Der Trau 1 .. — ,
eine NMR-Untersuchung wie ein Bo?v jr] L U?
genbild irnwrhalb weniger Sekunden i~
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Mutter aller Greuel dieser Erde
Babylon, Stadt und Reich im Brennpunkt des Alten Orient - Eine Arbeit von Joan Oates
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Babylon wird meist als „Pforte Got-
tes" übersetzt Die Assoziationen,
. die der Name, auslöst, widerspre-
chen. dieser Deutung jedoch. In unserer
Vorstellung lebt- die mythische Stadt im
alten Zweistromland vor allem als „große
Hure Babyion“ oder. „Mutter der Buhle-
rinnen und aBerGreuel dieser Erde“ wei-
ter. Auch derBegriff „babylonische Ver-
wirrung“ hat ach dem Gedächtnis einge-
prägt Demnach war die Pforte Gottes
eher ein Tor zur Holle, jedenfalls ein
böser und gefräßiger Maloch, der zwar
mit Purpur, Gold und Edelsteinen prunk-
te, aber jeglichem Laster verfallen war
eine Art von antikem Chikago, be-
herrscht von skrupellosen Königen, hab-
gierigen Priestern und ganzen Beerscha-
ren unzüchtiger Weib«.
Babylons schlimmer Leumund geht in
der Hauptsache auf zwei Quellen zurück:
auf die Bibel, in deren abfälligen Äuße-
rungen die Erinnerung an die babyloni-
sche Gefangenschaft der Juden mit-
schwingt; und aufHerodot, den Vater der
Geschichtsschreibung, der der Metropole
zwischen Euphrat und Tigris um 450
v. Chf. eine ausführliche Reportage wid-
mete und darin mit der Schilderung got-
teslästerlicher Gelage und üppiger Festi-
vitäten, die als Tempelpro stitutaon legali-
siert und ritualisiert waren, nicht geizte.
Die Archäologie ist zu anderen Rrgebr
hissen gelangt - und ihre Ergebnisse be-
stimmen das Panorama der verruchten
Stadt längst stärker als die schriftliche
Überlieferung. Fast ein Jahrhundert wird
in den (über mehrere Hügel verteilten)
Ruinen von Babylon nun schon metho-
disch gegraben. Und die deutsche For-
schung hat, von KoMewey bis Schmökel
und Strommenger, erheblichen Anteil an
den Entscheidungen, Funden und Befun-
den, die internationaler Spatenarbeit
dort, wie im Zweistromland, überhaupt,
gelungen sind.
Zwar liegen die ältesten Teile der Stadt,
die noch »minAr so etwas wie der Inbe-
griff aller Städte ist liegt auch die Resi-
denz Hammurabis des großen Gesetzge-
bers, unter dem heutigen Grundwasser-
spiegel, das neu babylonische Webukad-
nezar-Babel aber zeichnet sich auf den
Karten der Wissenschaftler deutlich ab.
Zwei riesige Stadtmauern, äußere mit
acht Durchlässen, ein Geviert von 2,6 mal
1,5 Kilometer Seitenlange, das großartige
Ischtar-Tor mit seinen berühmten Email-
ziegeheliefs (deren schönste in Ost-Berhn
zu bewundern sind), die kfinigirehg Süd-
burg mit dem festlichen Thronsaal und
den von Antipatros von Sidon den Sieben
Weltwundern der Antike zugerechneten
„Hängenden Gärten“, das Marduk-Hei-
hgtum und der Sommerpalast des Regen-
ten, die Prozessionsstraße und - natürlich
— der Om' 776. Jahrhundert restaurierte)
„Turm von Babel“, »n» sind
identifiziert und bilden sich noch mit
ihren Resten auf der Netzhaut des Be-
trachters fest ab.
3oan Oates:
Babylon
Stadt und Reich Im Brennpunkt des Aken
Orient Deutsch von Doris und Hans Ge-
org Niemeyer. Lübbe Vertag. Bergisch
Gladbach, 256 S. m. 137 Abb”« Mark
Imponierend, für die Rekonstruktion
geschichtlicher Abläufe sogar noch wich-
tiger, ist auch die große zahl der Klein-
funde: der keramischen Produkte, der
Rollsiegel, der Biidreliefe, der hüben
Glasgeiäße und Bronzen, vor «Haiti aber
der Legionen von Tontäfelchen, Hgmn
Hieroglyphen königliche Korresponden-
zen, Bilanzen der Tempelverwaltungen,
Abrechnungen von Händlern, mathema-
tische Schulaufgaben und Aufzeichnun-
gen von Träumen Überliefert haben -und
was sonst die alten Babylonier für auf-
schreibenswert hielten.
Die heute in Boston-Cambridge lehren-
de Amerikanerin Joan Oates, der wir die
neueste Darstellung der Geschichte Bar
bylons verdanken, konnte also auf wichti-
ge Vorarbeiten und eine Vielzahl hoch-
qualifizierter Publikationen zurückgrei-
fen. An Material hat es ihr sichtlich nicht
gefehlt Ihr Problem dürfte mehr die Fül-
le als der Mangel an Informationen gewe-
sen sein. Aber gerade damit ist sie in
vorbildlicher Weise fertiggeworden- Ihr
Buch ist gin Konzentrat, a^ in gfaictw
Dichte bisher nicht gegeben hat Daß es
ihr trotzdem gelungen ist, ihr Wissen in
recht und hiliBiaftm Text
umzusetzen, spricht für die intensive Ar-
beit, die sie geleistet hat
Das Ergebnis ist eine faktenreiche, um
yinrhort und Verstä ndbchkeit bemühte
und von Doris und Hans Georg Niemeyer
hervoxneend übersetzte Geschichte Ba-
bylons, die dwn derzeitigen Stand der
Forschung (bis zum Ausbruch des ira-
kisch-iranischen Krieges) exakt wieder-
gibt Auch ihre Probleme Denn die Auto-
rin weicht keiner Frage aus - und es gibt
solche Fragen noch immer in Überfülle.
Worauf zum Beispiel gründete der
Reichtum, worauf der überregionale Ein-
fluß, worauf die kulturelle Wirkung Ba-
bylons? Wie entstand der babylonische
Staat wie das babylonische Reich? Wie
ist es zu erklären, daß bis zur Ära der
Kfl«mitf»Tilrfinigt» an ccc Klip Bl ich nichtba-
bylonische Dynastien das Schicksal der
Stadt bestimmten? Welche Macht übten
die Monarchen, welche Funktionen die
Priester aus? Was wissen wir vom Auf-
bau, von den inneren Strukturen des ba-
bylonischen Gemeinwesens? Können wir
«ns überhaupt in die Fremdartigkeit, die
ieralten Babylonier hinei^ehbm^We^
den wir je in der Lage sein, ihre Innenwel-
ten zu begreifen? Andererseits - ist die
babylonische Archäologie nicht gerade
deshalb so ftwrnioionJ, „weil viele der
brennendsten Fragen immer noch der
Beantwortung harren" ?
Die gelehrte, vielwissende Autorin ist
ehrlich genug, ihr Nichtwissen einzu ge-
stehen, wenn präzise Aussagen nicht
möglich «qnrii Tmmw wieder laßt sie er-
kennen, dnB die Wissenschaft, die sie so
souverän vertritt, „von einem überschau-
baren Büd der Geschichte Babylons“
noch weit entfernt ist, ja, daß durchaus
Anlaß besteht, auch dem vorhandenen
Büd zu mißtrauen, schon weü dem ar-
gt^lo^sd^JMfatg^der kon^groeU
und Entdeckung weitgehend von Zufäl-
ipn bestimmt wurde. Vor «lipm rfng geisti-
ge Panorama - soweit es die Archäologie
freimütig gesteht, „auf Zeugnisse, die
zum Teu auch anders gedeutet werden
können. Jede Untersuchung der babylo-
nischen Kultur ist und bleibt eine Mi-
schung «m Halbwahrheiten, Mißver-
ständnissen iiwri Unwissenheit“.
Allein hipopt Skepsis, Offenheit,
dieser Vertrauen weckenden Distanz we-
gen verdient das Babylon-Buch von Joan
Oates aus der Flut der a rchäologischan
Literatur herausgehoben zu werden.
RUDOLF PORTNER
i Vom Delphin Peter, der Englisch lernte
.i- : Skeptischer Blick in die Zukunft: Der Romanerstling des Texaners Ted Mooney
■erfind«
tvenc*
:/V. k- : Ik
r 77 # .
i’wir-.’i.r.-
fk, iW .
auir.
i* Np irrt :•
r ■ -- f.v.sK*
Der Titel führt irre, lenkt womöglich
absichtlich auf eine falsche Fährte:
Wie schön wär’s, kreuzten in Ted
Mooneys Freikarte zu anderen Welten“
Raumschiffe von Planet zu Planet oder
schlügen sich die Artus-Ritter im Space
Age mit Laser-Schwerten edel, stark und
nur für lauter Gutes.
In dem Romanerstling des Sue-Kauf-
man-Preisträgers, des 30jährigen Texa-
ners Ted Mooney, funktioniert alles ganz
anders. Keine blitzende Raumpilotenwelt
und keine Big-Brother- Apokalypse wer- ,
den hier zum 99. Male breitgeschrieben.
Denn in Mooneys Buch hatdie beschrie-
bene, vielleicht nur wenige Jahre von uns
entfernte Zukunft für uns selber langst
begonnen; sitzt der OrweUsche Große
Bruder psychischer Enteignung allent-
halben mitten unter uns; ist McLuhans
Postulat, das Medium sei die Botschaft,
auf allerhöchst deprimierende Weise wei-
tergeführt. Mboney schreibt eine Welt in
sAin Buch hinein, in die wir allesamt
videotensicher hineinstolpern. Und kom-
mod werden wir es uns dann deshalb in
ihr machen,1- weil -wir kaum zugeben
möchten, wir hätten schon vorher ge-
wußt, wo es langgehen mußte. .
Die Form des Ganzen entspricht der
Formlosigkeit der „Handelnden“ hier
Episoden werden scheinbar zusammen-
hanglos aneinandergestellt und gefüllt
mit den „Befunden“ einer guten Hand-
voll Menschen, die sich zwei prinzipiellen
Dauerbedrohungen ausgesetzt sehen -
zum einen dem seltsam amnateadan Ge-
brechen der ^TnfKrmatinngVTanlrheit*1
riie sich durch epflepgieälvnUrhe Schübe
äußert als eine Art Reizüberfhitun gssyn-
drom, znm anderen der immer nur peri-
pher gestreiften Gefahr eines neuen Welt-
krieges, dessen Urherd hier in ‘der Ant-
Ted Mooney:
Freiheit*- zo mdtiM Welte* . . : •
Aus dem Amerika raschen von Joachim
Kalka. Wett -Cotta, Stuttgart, 295 S., 29.80
Mark.
arktis angesiedelt ist Angst als Grund-
motiv des Lebens.
Die eigentlichen Helden in Mooneys
Buch sind die Meeresbiologm Melissa
und der Delphin Peter, der in einem
gefluteten Haus auf St. Thomas darauf
wartet, von ihr Englisch beigebracht zu
bekommen. Er, der Delphin, ziemlich
früh im Buch gar als Melissas Liebhaber
ausgewiesen, ist freilich Lernender und
T lAfrTgnrier in Personalunion. Denn an-
ders als die anderen Menschen um Melis-
sa (ihre krebskranke Mutter, die ihrem
Freund nichts über ihr langsames Ster-
ben sagen kann; ihre Freundin, die ihrem
Freund nicht sagen kann, wie sehr sie das
Kind, das er abgetrieben wähnt, haben
will usw.), anders also als alle diese Figu-
ren verkörpert Delphin Peter sozusagen
jene Sensibilität, jene „Normalität“ und
Lebensintensität, die den andcr»»n längst
veriorengegangen ist Revenons ä la
nature?
Die Katastrophe am Schluß ist pro-
grammiert, die schwangere Freundin
stirbt bei einem Verkehrsunfell, Melissa
geht hin und erschießt ihren Peter - die
große Katastrophe, der Krieg um die ant-
arktischen Ressourcen, bleibt aus, bleibt
gleichwohl bestehen als unausweichliche
Gefahr, wird quasi durch die „kleinen“
Katastrophen vorweggenommen: Peter,
Symobolgestalt für eine Welt, die es heu-
te, anno ’83, zu bewahren gilt, stirbt blut-
rot im Wasser, die letzte noch zu verhalte-
nem Optimismus Anlaß gebende Basis ist
beseitigt.
Ted Mooney hat mit seiner „Freikarte“
ein Buch gemacht, das in Form und Aus-
sage nach Meinung vieler amerikanischer
Kritiker programmatisch An Charakter
haben konnte. Das mag schon «Ain, und
für Liebhaber junger amerikanischer Li-
teratur wird das Buch auch schnell einen
verdienten prominenten Platz finden.
Andere Leser freilich werden mit Moo-
ney ihre Probleme haben. Aber das muß
ja nun nicht gegen ihn sprechen.
ALEXANDER SCHMITZ
„Geliebtes verfluchtes Stück Erde“
Horst Bienek legt Materialien und Dokumente zu seiner Roman-Tetralogie vor
{Jpfll
Zehn Jahre hat der Erzähler, Lyriker
und Essayist Horst Bienek an sein»
vielbändigen Oberschlesien-Saga
gearbeitet Der erste Band begann mit der
minuziösen Beschreibung der Unter-
gfl ngssti m miing am Vorabend des Über-
falles auf Polen im September 1939.' Der
letzte kürzlich erschienene Roman „Erde
und Feuer“ schloß den Zyklus mit dem
Einmarsch der sowjetischen Truppen in
Rienrits Heimatstadt Glexwitz ab.
Damals war der Erzähler gerade 15 Jah-
re alt geworden. Diese Unheilsgeschichte
hat sein Lebens- und Weltbild geprägt Er
ist niemals von den Scbreckensbüdem
dieser höllischen Jahre losgekommen.
Jetzt hat er sieh nach zehnjährigem Rin-
gen mit dp™ „Dämon Literatur“ freige-
schrieben. Innere Skrupel, Anfeindungen
von außen markieren den Weg, den er
gegangen ist sie bilden die Zäsuren sei-
ner summarischen „Beschreibung einer
Provinz“, die auch die Beschreibung des
Entstehens eines großen Prosawerkes ist
Wenn Joseph Roth, der im Pariser Exil
zugrunde gegangene Chronist des alten
kaiserlichenOsterreich, über die Ge-:
schichte gewordene Vergangenheit no-
tiert hat: „Die eigentlich literarischen
Provinzen die verlorenen Provin-
zen“, so gilt das uneingeschränkt auch
Horst Bienek:
Peichrelbe*fl einer Pievlax
Aufzeichnungen, Materialien, Doku-
mente.
Homer Vertag, München. 260 S., 34 Mark.
für Horst Bieneks Heimat Oberschlesien.
Es ist beschämend, daß dieser gewissen-
haft recherchierende Autor von unbelehr-
baren Eiferern als „Quisling“, als Verrä-
ter an Oberschlesien beschimpft wurde,
weil er dem Führer der polnischen Auf-
stände, Korfanty, Verständnis entgegen-
brachte und eine Korrektur seiner Er-
scheinung vomahm. Bienek bemerkt zu
dem Anspruch einer seiner Romanfigu-
ren „Dieses Gleiwitz ist ein verfluchtes
Stück Erde“ ganz im Sinn des kritischen
Realisten, der er ist: „So etwas wird ja oft
aus Liebe gesagt, ich meine sogar nur aus
Liebe. Das Buch ist ein Hymnus
auf die oberschlesische Erde, auf die
Menschen, die dort gelebt, gearbeitet ha-
ben.“ Ich meine, daß es vor allem auch
für die güt, die dort gelitten haben und
gestorben sind. Es sind Schicksale, wie
sie Arno Surminski aus Ostpreußen, Wal-
ter Kempowski aus Meckenlenburg, Eva
Zeller aus der Mark Brandenburg geschil-
dert haben. Mich hat an dieser Nach-
schrift zu Bieneks Tetralogie am tiefeten
der innere Kampf um das kaum zu bewäl-
tigende Vorhaben, um das Gelingen sei-
nes Werkes berührt, aber auch die längst
fällige Auseinandersetzung mit Gerhart
Hauptmann, den die Nazis für sieb gewin-
nen, dessen dramatisches Werk sie in
ihrem Sinn vergewaltigen wollten.
PETER JOKOSTRA
In jedem Kapitelchen ein Hinterhalt
w— innwy Morweiser hat mit ihrem
|H Krallenhändchen wieder zuge^
1 schlagen. Ihr „melancholischer Ro^
man“, den pan auf einem einzigen Bein
stehend av«T«»«»n könnte, ohne deswe-
gen gleich Flamingo zu werden,’
schmeckt wieder so süß wie Giftkonr
fekt aus feinster Konfiserie, jedes Kapi-
telchen ein Hinterhalt, in dem schon
das nächste Kapitelchen lauert
„O Rosa“ (Diogenes, Zürich,’ 140 S.,
19,80 Maris) seufat es sich mit der Mor-
weiser patnHieh leicht Mit Rosa zu le-
ben ist da schon eine ganz andere Sa-
che, mit dieser Vierzehnjährigen, die
sich bereits auf Aine Weise aTlpm und
jedem verweigert, daß ihr - wie fatal -
später ^Erwachsene wohl kaum noch
eine weitere Verweigerung bleibt Mit
Rosa in die Ferien zu reisen ist denn
auch ein Abenteuer für sich, das man
am besten genießen kann, wenn man
zur siphArhAit strikt zu Haus bleibt
Aber Sally und Philipp, die Eltern,
cfnH noch nicht zu dieser simplen Er-
kenntnis gereift. Sie geben rieh noch
tfAm Irrglauben hm, Eltern konnten mit
ihren Kindern Zusammenleben — wie
etwa die Meier-Zwillinge mit ihrem em-
bryonalen Drillingsbruder, den Meier II
enggewickelt am Leib trägt
. Das ist wohl schauerlich, aber gemüt-
lich ist es im Grunde auch. Zumindest
von jener Gemütlichkeit, für die das
Herz Fanny Morweisers schlagt Bei ihr
können selbst Embryos gern Kaffee ko-
chen, wenn ihnen der winzige Sinn da-
nach steht
Schreckhaft jedenfalls darf man nicht
sein bei da* Morweiser-Ljektüre. Gen
geht es auf spinnwebfeine Art unappe-
titlich zu, und selbst Herbert mißtraut
man am Ende, ob er nicht, statt aus
eigenem Willensentschluß in der heimi-
schen Badewanne Flossen anzusetzen
und zum Fisch zu werden, demnächst
doch als blaß schwammige Wasserlei-
che durch Neckar des .nächsten
Morweiser-Romä nchens treiben wird.'
Morweiser-Schicksale sind nie recht
vorhersehbar.
An «tiwwr Wirklichkeit reibt sich das
neue Buch ein bißchen wie an faulen-
dem Holz. Daraus entsteht so etwas wie
literarische Fluoreszenz. Weiß Gott -
manchmal mrint die Bucherchen
der Morweiser des Nachts auf dem Re-
gal grünlich leuchten zu sehen, jedes für
einen genüßlichen Alptraum gut
KLAUS GEITEL
' m %
' '1
HAP Grieshaben Der Tod und der Kaufmann
HAP von einer neuen Seite
Vado mori“ - ich werde sterben -
beginnen eine Reihe mittelalterli-
cher Gedichte, in denen sich Todes-
gewißheit mit Heilserwartung verbindet
Beides scheint aus unwATAm gegenwärti-
gen Bewußtsein verdrängt zu sein. Nur
die KfingHar versuchen immgr wieder,
dieses alte Motiv in neuen Totentänzen
vor die Augen zu führen. HAP Grieshaber
griff dazu auf den „Tod von Basel“ zu-
rück, der einst von der Kirchhofsmauer
des Predigerklosters mahnte, und gestal-
tete ihn in seiner archaisch-gegenwärti-
gen Holzschnittmanier. 1966 erschien
sein „Totentanz von Basel“ in Dresden.
Einmal als Aing Folge mehlfarbiger Holz-
schnitte, ein andermal verkleinert ledig-
lich in Schwarz-Weiß. Es sind kräftige
Drucke aus ilpm Geist der Blockbücher,
einfach nnH oinfiringlfeh.
Nun erfahren wir, daß es als Vorform
pint*n Zyklus großformatiger Gouachen
gibt Grieshaber malte sie mit breitem
Pinsel in kräftigen Kungtbarzfarhpn und
viel Deckweiß auf getönte selbstklebende
Kunststoffolien. Zusätzlich ritzte er noch
in die nassen Farbschichten Linien, die
die Flächen auflockem und gliedern. In
dem Band „Grieshaber - Die Gouachen
mm Totentanz“ (Einleitung Wolf Schön,
Hatje-Veriag, Stuttgart, 104 S., 40 Abb.,
180 Mark) begegnen uns nun diese vierzig
Figuren vom Papst bis zum Maler in
ihrem Reigen mit dem Tod. Doch anders
als in der Holzschnittfolge, wo die Stan-
devertreter schon im Tode erstarrt zu sein
Schemen, sehen wir sie hier in einem
lebendigen Tanz. Nicht die Gewißheit des
„Vado mori“ prägt diese Bilder, sondern
das Zögern und der Jammer über das
Ende, der Versuch, dem Unerbittlichen
mit seinem „Ich will Ewch in den Reyen
ziehen“ zu entkommen. Damit tritt ein
neuer, bislang unbekannter Grieshaber
hervor. Ein Künstler, der zugleich unmit-
telbar und allegorisch seine Gefühle über
den Tod Bild werden läßt P. Jo.
Zweihundert Jahre Winter
SF ganz korrekt: „Heiliconia“ von Brian W. Aldiss
Science-fiction zu schreiben bedeutet
sich neue Welten auszudenken. In
Ainigan großen Werken dieses Gen-
res wird tatsächlich die gesamte erdachte
Welt ausgebreitet; sie ist - mehr als die
reine Handlung — Kern der Geschichte.
Ein paar Romane von Ursula LeGuin
gehören zu diesen Meisterwerken, Isaac
Asimovs Foundation“ -Zyklus und
Frank Herberts „Dune“-Zykhis. Solch
ein Meisterwerk wollte auch der engli-
sche SF-Autor Brian Aldiss fertigbringen
- doch er vagaß, daß Meisterwerke auch
gut »nd spannend geschrieben sein müs-
sen.
Aldiss, der in seinem Fantasy-Roman
„Der Malaria-Gobelin“ sich als exzellen-
ter Stilist ausgewiesen hat, der in seinem
vergnüglichen Buch über das Genre
Science-fiction „Der MHlionen-Jahre-
Traum“ oin trockenes Thema hum orig
und flott aufgemacht hat wie kein zwei-
ter, der in vielen Erzählungen die Intelli-
genz sAinor Ideen unter Beweis gestellt
hat, hat sich in seiner „Helliconia“-Trilo-
gie ganz auf den Aufbau des ungewöhnli-
chen Planetensystems konzentriert und
über seinem Ehrgeiz einer umfassenden
Korrektheit leider den Leser aus den Au-
gen verloren.
So fehlt es dem jetzt vorliegenden er-
sten Roman des Dreigespanns an inner«:
Kraft. Als Leser ist man zunächst faszi-
niert vom Blick auf einen Planeten, des-
sen Jahreszeiten jahrhundertelang dau-
ern, weil winp Umlaufbahn so exzen-
trisch ist Man erwartet begierig die
fremdartigen Wesen und deren Gebräu-
che, und all das bietet das Buch auch,
doch liest es sich nur wie eine trockene
Chronik. In berichtendem, sehr distan-
ziertem Stil wird eine abenteuerarme
Handlung abgespult, in die der Leser
keinen Einstieg findet Im ausgehenden
Winter auf Heiliconia ziehen fremdartige
Brian W. Aldiss:
HoUfconia: Frühjahr
Science-fiction-Roman. Aus dem EngG-
schen von Walter Brumm. Hohenheim-
Verlag, Köln, 590 S., 38 Mark.
Jäger durch Eis und Schnee, die Chronik
vom jungen Yuli und später die seiner
Nachfahren wird aufgerollt -so nüchtern,
wie Aldiss das erzählt, wird das Interesse
des Lesers daran nicht geweckt
Gerade die Sprache macht den Roman
so langweilig, so höhepunktslos und öde,
obwohl man bei genauem Studium er-
kennt, wieviel Gedankenarbeit in den Ro-
man hineingesteckt worden ist Mag sein,
daß das Eis der Szene den Roman karger
erscheinen laßt als er ist
THOMAS LE BLANC
Als Bonus ein paar Rezepte
Der neue autobiographische Roman von Chow Ching Lie
Dieser biographische Roman macht
an den Details des Emigranten-
Schicksals der Autorin mit ein-
dringlicher Schärfe deutlich, welche
menschli^hAn Konflikte die Konfronta-
tion der westlichen mit der fernöstlichen
Kultur, Zivilisation, Religion und Fami-
lientradrtion für das Individuum herauf-
beschwören kann. Im Fall der Autorin,
die mit den „Perlen des Buddha“ an ihren
Erfolgsroman „Die Sänfte der Tränen“
an knüpft, entsteht der Großteil dieser
TCnnfUicte sogar zwischen Chinesen
selbst nämlfeh zwischen ihran* schon
fast übermäßig an westliche Verhaltens-
nonnen angepaßten Ehemann und der
gerade erst aus China in Frankreich ein-
getroffenen angehenden Pianistin.
Frappierend wirkt die von der Autorin
am AigAnan Leibe gemachte Erfahrung,
wie sehr im Westen höfliche Bescheiden-
heit mißverstanden wird: Als die Preis-
trägerin einem Aufiiahmelerter von Ra-
dio Monte Carlo vor ihrem Auftritt mit
einer Chopin-Etüde aus Lampenfieber
und in der Hoffhung auf ermunternde
Worte sagt, mit ihrem Spiel sei nicht viel
Staat zu machen, verletzt dieser sie mit
der Bemerkung, sie hatte nicht kommen
sollen, wenn sie rieh nichts zutraue.
Chow Ching Lie schlußfolgert, „daß man
sich im Westen nicht selbst herabsetzen
darf Wer sich hier vor seinen Mitmen-
schen kleiner macht, als er ist, darf nicht
etwa auf höflichen Widerspruch hoffen,
sondern wird prompt beim Wort genom-
men.“
Die Liebe zu ihrer Heimat China verlei-
tet die Autorin dazu, selbst die zerstöreri-
schen Wirren der Kulturrevolution zu
entschuldigen, mit deren Hilfe der greise
Staatsgründer Mao Zedong seinen Traum
von der Bewahrung der egalitären Ideale
seines Si no-Kom n» ini smus vor bürokra-
tischer Erstarrung und elitärer Funktio-
närsberrschaft durchzusetzen versuchte.
Verleitet wurde Frau Chow dazu durch
den auf Reisen durch China erlebten
Kontrast zwischen dem durch Kriege und
Bürgerkriege mitverursachten Elend ih-
rer Jugendjahre und dem nach 1949 er-
zielten relativen Wohlstand ihres Volkes.
Doch angesichts der Mißhandlung, Er-
Chow Ching Ue:
Die Perle« des BedcAa
Roman. Ullstein, Berlin. 320 S. m. 8 Tafel-
seiten Abb., 29,80 Marie.
niedzigung und Demütigung, die Maos
Rote Garden während der Kulturrevolu-
tion ihren eigenen Eltern und Geschwi-
stern zufugten, gewinnt sie ihre kritische
Distanz wieder zurück.
Zu ausführlich beschreibt der Roman
buddhistische Riten, wobei obendrein
der mehrfach wiederholte Fehler unter-
läuft, Kuan Yin, die Göttin der Barmher-
zigkeit, als anonymen (männlichen)
Buddha zu bezeichnen. Die Autorin
schont rieh -selbst nicht, wenn sie uns
Einblicke in ihren auf magische Zahlen
und geheimnisvolle Düfte fixierten Ar-
berglauben gewährt. HEINER KLINGE
Wider die Einsamkeit
Hans Jürgen Baden, Honorarprofes-
sor der Universität Münster, gehört zu
jenen christlichen Autoren, die das
Dasein des Menschen aufgrund ihres
Studiums und ihrer inneren Erfahrung
der Gegenwart Gottes zu erhellen ver-
mögen. Dazu kommt eine reiche prakti-
sche Erfahrung aus seiner Zeit als
evangelischer Pfarrer. In seinem neuen
Bändchen: „Schritte aus der Einsam-
keit“ (Verlag Herder, Freiburg, 144 S.,
7,90 Mark) unterscheidet er die notwen-
dige von der gefährlichen Einsamkeit
Notwendig ist sie für das schöpferische
Tun und für die innere Einkehr. Wer auf
diese Weise einsam ist behalt den
Bezug zur Gemeinschaft Tödlich wird
die Einsamkeit jenen, die jegliche Be-
ziehungen zum Du und zur Natur ver-
lieren und nur um sich selbst kreisen,
ihnen gilt Badens Bemühen, aus der
eigenen Gotteserfahrung dafifr- einzu-
stehen, daß Gott für die Menschen da ist
und sich in Jesus Christus mitteilt
Wegweisend aus der Einsamkeit sind
Badens Worte über das Gespräch mit
Gott und dem Mitmenschen, über die
Partnerschaft zur Welt und die Formen
der Liebe. Darin liegt Verheißung wah-
rer Freiheit A. B.
Mit Luther durch zwei Jahre
Einen Kalender zur Jahresmitte und
einen „Luther-Kalender“ im Luther-
Jahr anzuzeigen wäre wenig sinnvoll -
wenn es rieh nicht um einen Zwei-
Jahres-Kalender und um das Produkt
des Coburger Verlags Roßteutscher
handeln würde (Preis: 28 Mark). Hier
sind auf 24 Blättern 80 Bilder von
Luther und seinen Zeitgenossen, sei-
nen Wirkungsstätten und seiner Umge-
bung ebenso zusammengetragen wie
Abbildungen seiner wichtigsten
Schriften und späterer historischer
Darstellungen. Daß Coburg, eine der
wenigen Luther-Stätten im westlichen
Teil Deutschlands, dabei einen wichti-
gen Raum einnimmt, ist nicht unver-
ständlich. Aber insgesamt ist dies eine
Einführung zu Leben und Werk des
Reformators (mit deutschen und engli-
schen Erklärungen), die in ihrer zeitlo-
sen Weite und Sorgfalt verdient, über
denTag hinaus aufbewahrt zu werden.
ohn
Unkritische Fotokunst
„Fotografie - Kunst ohne Tendenz -
enthält diese Dokumentation der so-
wjetischen Fotokunst“, liest man im
Klappentext des Bandes „Fotografen
ans der UdSSR“ (Presse Information»
Agentur, Baden-Baden, 224 S-, mit
zahlr. Abb., 64 Mark). Da darf man
rätseln, ob die Tendenzlosigkeit der
Fotografie im allgemeinen oder nur der
Auswahl in diesem Band bescheinigt
wird. Denn hier sind 70 Fotografen mit
einem guten Hundert Aufnahmen ver-
eint, die als einzigen gemeinsamen
Anzalga
10000 Taschenbücher
Systematisch nach Sachgebieten geordnet
in 1 Inseitigem Katalog mit allen TB-Neu-
enebexnangen. Die Übersicht über den
Taschenbuch marin. Katalog kommt ko-
stenlos in alle Welt. Karte genügt.
MAIL ORDER KAISER Buchhandlung
Postfach 40 12 09/W - 8000 München 40
:#★★**★★★★**★ ★★★4r***
Nenner haben, daß sie unpolitisch und
unkritisch sind. Ohne schlechtes Ge-
wissen widmen sich die Fotografen der
Schönheit der Landschaft und - noch
ein wenig verkrampft - des Aktes,
bilden mit Biedersinn ihre Mitmen-
schen ab und versuchen sich nur
höchst selten an ungewöhnlichen Per-
spektiven und Techniken. Der Heraus-
geber Rodtschenko scheint nie in der
Sowjetunion gelebt und die sonst hoch-
gerühmte sozialkritische Fotografie
nie die sowjetischen Grenzen über-
schritten zu haben. „Fotografen in der
UdSSR“ ist offensichtlich ein Export-
produkt, eindrucksvoll wie viele Halb-
wahrheiten. P- D.
Die Nassauer von 1866
Das deutsche Schicksaisjahr 1866
wird in der Geschichtsschreibung eher
stiefmütterlich behandelt - und falls
darüber überhaupt etwas geschrieben
wird, dann ist es vom böhmischen
Kriegsschauplatz mit Königgrätz als
Höhepunkt. Einen kaum bekannten
Aspekt des deutschen Bruderkriegs
zeigt das sorgfältig ausgestattete Buch
von Walter Rosenwald: „Die Herzog-
lich Nassaniscbe Brigade im Feldzag
1866“, Schellenbergsche Verlagsbuch-
handlung, Taunus stein, 309 S„ 49,80
Mark. Nassau, dessen Truppen sich ixn
Befreiungskrieg gegen Napoleon aus-
gezeichnet hatten, gehörte zu denjeni-
gen deutschen Staaten, die sich 1866
gegen Preußen stellten. Der Autor gibt
in Büd und Wort eine Schilderung der
kleinen Armee, die keinen Wunsch
offen läßt, und berichtet vom Schicksal
einer Truppe im bayerischen Exü, de-
ren Heimat schon längst von Preußen
annektiert und deren Herrscher abge-
setzt war. Hier wird, auch in Zeugnis-
sen von Zeitgenossen, eine Armee und
eine Epoche lebendig, die bestenfalls
einige Spezialisten kennen.
Eine Fußnote: Die 1866 siegreichen
Hohenzollem wurden 1918 von ihrem
Thron verjagt, die von ihnen vertriebe-
nen Nassauer regieren bis heute in
Luxemburg weiter.
H.O.
Hinweis
Die Erzählung „Blutorangen in
Nachbars Garten“ von Charles Bu-
kowski auf Seite 13 dieser GEISTI-
GEN WELT ist dem Band „Das
Schlimmste kommt noch oder Fast
eine Jugend“ entnommen, der Ende
Augustbeim Hauser Verlag in Mün-
chen erscheinen wird.
DIE WELT
Eigene Firma
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REKLAMESCHILDER / Erfolgreiche Auktion bei Ketterer
Wiedersehen mit dem Sarotti-Mohr
ANNE BORN, Mönchen
Erinnerungen an die sogenannte
gute alte Zeit wurden wach, als das
Kunstbaus Wolfgang Ketterer auf
seiner letzten Münchner Auktion
„Europäische Reklameträger
1880-1960“ versteigerte. Dazu ge-
hörten auch neben den Schildern,
Reklamefiguren, Objekte und
Leuchtreklamen. Stark vertreten
war Belgien und Frankreich, die
einst zu den Ländern mit beson-
ders vorbildlicher Werbung gehör-
ten. Das Interesse an diesen kun-
terbunten Blickfingem, die erst-
mals in so geballter Anzahl verstei-
gert wurden, war beachtlich. Wäh-
rend das bekannte weiß-rote
Emailschild „St Raphael“, das für
den Aperitif wirbt, ein Entwurf,
der aus dem Jahre 1948 stammt
„nur“ 250 Mark (230) erzielte, war
einem Sammler das sehr gut erhal-
tene Signet „Aristo na“ (Radio- Wer-
bung) von 1935 immerhin 1550
Mark wert Das Interesse der Bie-
ter lag vor allem bei den Email] e-
schildem aus den frühen zwanzi-
ger Jahren, als die Werbung in
schönster Blüte stand. So erzielte
das „Spa“-Emblem mit dem
Clown, ein Entwurf aus dem Jahre
1923, Brüssel, 1030 Mark. Das gelb-
weiße Emblem auf dunkelblauem
Untergrund von „Fatria" (Tabak)
mit den drei Zigarettenrauchenden
Köpfen, das unseren Großvätern
so geläufig war, kletterte auf 1930
Mark.
Gut im Preis lag auch der bunte
Papagei von Glasurit Eine vertrau-
te Werbung, der man, obwohl be-
reits 1920 gestaltet, auch heute
noch in kleineren Städten begeg-
net. Diese Reklametaftei wurde für
1400 Mark zugeschlagen. Einen
stolzen Preis - was nicht verwun-
dert - errang die bekannte „Weiße
Dame von Persil“, die aus dem
Jahre 1927 stammt; sie wurde ei-
nem Sammler bei 1800 Mark zuge-
schlagen. Den gleichen Zuschlags-
preis erzielte auch der schnittige
Motorradfahrer von NSU. Eine
Werbung, die 1930 für sportliche
Motorräder lockte.
Den höchsten Preis dieser origi-
nellen Auktion jedoch erreichte
das rot/schwarze Reklameschild
von S inner Bier aus dem Jahre
1920. Es kletterte sprungartig von
1500 auf 3200 Marie. Ein kurzes
Bieter-Gefecht gab es auch um den
schwarz-roten Herrn im Cape von
Sandeman (Sherry-Werbung); ein
Qjmmipr Heß sich diese Leiden-
schaft immerhin 2450 Mark kosten.
Vertrautes Wiedersehen auch mit
dem nickenden Sarotti-Mohr, den
ein cleverer Graphiker bereits 1930
erfand. Der „Mohr" erbrachte stol-
ze 2600 Mark. Der angebotene Sa-
rotti-Kiosk, der gleich nach dem
Kriege, 1950 entstand, erzielte 3000
Mark (1500). Aus dem Jahre 1950
stammte auch der angebotene
Kaugummiautomat in Gestalt ei-
nes Roboters. Damals, in Erinne-
rung an die amerikanischen Be-
satzungsmächte, waren Kaugum-
mis der ganz große Hit Dieser auf
der Versteigerung angebotene voll
funktionstüchtige Roboter, der die
begehrten Kaugummis ausspuckt,
erzielte 2700 Mark. Besondere
Erinnerungen muß ein Sammler
mit den .Ttficheline“ -Da mun ver-
bunden haben. Dieses Halbrelief,
das 1940 entstand, und drei Damen
neckisch posierend in Korsagen
zeigt, kletterte von 670 auf 1600
Mark. Bei diesem Preis fand der
ersehnte Zuschlag statt
•••
v • >:j!
Der Rektor prüft die Schüler
Die Genreszene „ln der Dorfschule" des Düssei- van Ham, Köln, den Rekordpreis von 150 000
dorfer Malers Hugo Oehmichen, 1870 entstan- Mark. Die Taxe für das Biid, das eine Schulprü-
den, brachte im Kunsthaus am Museum, Carola fung durch den Rektor zeigt, betrug 65 000 Mark.
12 FL?
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ftr*Pto«tofT -
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b Bad
T^&i1tFS$;Z3) K>*\
Redaktion: Dr. Leo Fischer
ISSN 0722-1452
Hoch In der Gunst
der Bieterstanden
auf einer
Versteigerung von
Rekkameträgem
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Das Umschlagbild signalisierte
bereits Außergewöhnliches. - Und
als die Nummer 944 aufgeruften
wurde, war nach minutenlangem
Bietergefecht die Sensation kom-
plett- Das Spitzweg-Gemälde
„Friede im Land“ (Der Stelzfuß)
erbrachte den phantastischen Zu-
schlag von 240 000 Mark. Dies ist
der höchste Zuschlag, der jemals
im Hause Neumeister in München
für einen Spitzweg erzielt wurde.
Das sehr romantische Gemälde
zeigt einen Soldaten in preußischer
Uniform mit Stelzfuß, der auf ei-
nem Wall einer alten Bastion sitzt
und strickt Der Blick schweift hin-
ab auf ein Städtchen mit Kirche im
FlußtaL
Auch der zweite angebotene
Spitzweg auf dieser ersten Som-
merauktion des Münchner Hauses
mit dem Titel „Morgengebet“ er-
brachte ebenfalls ein hervorragen-
des Ergebnis: Das angebotene Ge-
mälde kletterte von 50 000 auf
145 000 Mark.
Auch die anderen angebotenen
Gemälde des 19. Jahrhunderts
konnten zum Teil hervorragende
Verkaufsergebnisse erzielen. So
zum Beispiel Anton Dolls „Klein-
stadtszene“ für 15 000 Mark
(13 000): Leo Putz’ „Blumen-
strauß“ für 10000 Mark (4000),
Franz Quaglios „Vor der Parkpfbr-
te“ für 18 000 Mark (18 000) und
Alfred von W i e rusz-Ko walskis
„Rasende Troikafahrt“ für 30 000
Mark (30 000).
Herausragende Ergebnisse unter
den angebotenen Gemälden der
Alten Meister waren unter ande-
rem Januarius Zicks „Grablegung
Christi“ mit 15 000 Mark sowie
zwei stimmungsvolle Waldland-
schaften von Charles Santoires de
Varenne, die mit 13 000 Mark zuge-
schlagen wurden. Überraschend
der Preis, der für ein französisches
Früchtestilleben aus dem 17. Jahr-
hundert erzielt wurde: Er kletterte
von einem Ansatzpreis von nur
2000 Mark blitzschnell auf glatte
24 000 Mark.
Höhepunkte auch im Möbel-
angebot: So ging eine Dresdner
Aufsatzschreibkommode mit ver-
spiegelten Türen aus dem ersten
Drittel des 18. Jahrhunderts für
24 000 Mark weg. Gefragt in dieser
Möbelauktion waren insbesondere
die kleineren Möbelstücke, wie
Biedermeiersofas und Tische, die
spielend ihre Taxe überschritten.
Gute Ergebnisse wurden auch
beim Silberangebot erzielt-. So
wurde der angebotene Traubenpo-
kal, Nürnberg 1612, für das Dop-
pelte des Aufrufpreises, nämlich
für 6000 Mark zugeschlagen. Das
Paar Girandolen, 19. Jahrhundert,
Aufrufpreis 120 Mark, erbrachte
4600 Mark. Eine Zuckerdose aus
Warschau von Meister Malez, Mitte
19. Jahrhundert, wurde einem
Sammler für 3200 Mark (1500)
zugeschlagen.
Im Uhrenangebot triumphierte
die signierte Tischuhr von Gott-
fried Bergmann, Riga. Mitte 18.
Jahrhundert: Sie war einem
Sammler 12 000 Mark (8000) wert.
Auch die angebotene Sprungdek-
keluhr, signiert A Lange & Söhne,
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B0mt tfhz
Etwas zeigt bereits VerschfeiB
nun der Satz: Der Herbst wird heiß.
Schon der Sommer treibt ja Schweiß,
und im übrigen: Wer weiß?
Sicher gibt es Feuerköpfe,
Eisenfresser, bunte Knöpfe,
alte Besen, wilde Schöpfe
und in Scharen' arme Tröpfe,
bös vom Zeitwahn Angst Gequälte,
von sich selber Auserwählte,
arglos auch KP-Vermählte,
sämtlich KGB-Gezählte -
kurz, es mischt sich das Gewühl
kraus aus Schwülem und Kalkül.
Bonni zügelt sein Gefühl
und sucht beim Verstand Asyl.
JONAS
„Anscheinend inmmnln de Trinkgeld fOr den Fall rer"
Heutzutage muß man vor allem für junge Menschen und
für alte Bäume kämpfen atamm^
(Frans d« Boer)
■ft 3
-T/
(f'k
ZEICHNUNG: KLAUS BÖHtE
T^Vie Vorhersage ist nicht
I leingetroffen, die Weit
nicht untergegangen.
Dennoch behält Profi Heinzi B.
die Nerven. Den enttäuschten
Pressevertretern ruft er zu:
„Aber es ist doch gang selbst-
verständlich, daß unsere Wis-
senschaft durch die tatsächli-
che Entwicklung der Dinge im-
mer wieder in Frage gestellt
wird.“
„Stellen Sie sich auch mal
selbst in Frage?“
„Aber natürlich, mein Lieber,
jeden Tag.“
„Und wann kommt die näch-
ste Prognose?“
„Nächste Woche. Dann wer-
den Sie aber wieder aufbor-
chen!“
„Ja, das stimmt“
Unser entscheidender Fehler
als Deutsche“, sagt Lehrer
Uals Deutsche“, sagt Lehrer
Dr. Weinzi B. seiner Klasse, „ist
immer gewesen, daß wir uns
selbst nicht in Frage gestellt ha-
ben. Das ist zum Glück heute
endlich anders. Heute haben
wir das absolutistische, das im-
perialistische, das wilhelmini-
sche, das Zeitalter
unserer Geschichte hfater uns,
wir sind eine Demokratie und
das schon über dreißig Jahre.
Und nun stellen wir uns endlich
auch salbst in Frage. Im Bun-
destag, in Presse, Funk und
Fernsehen wird unsere Demo-
Sert Heinz B’s Ehefrau, Inge-
lein. die lüsternen Liebes-
Olein, die lüsternen Liebes-
briefe von B’s heimli-
cher Freundin Ria gefunden
hat, gibt es gewisse Schwierig-
keiten in Heinzi B’s Ehe. Aber
diese Schwierigkeiten macht al-
lein Ingelein. Hefam B. geht das
Problem mit Vernunft und
Würde an. Er sagt:
„Zeh sehe es einfach so, daß
meine Beziehung zu Ria dich,
liebe Ingelein, als Frau in Frage
stellt Ich glaube, du mußt dich
fragen lassen: Was habe ich, Zn- :
gelem B., getan?“
Eugen M. Ladiges
Vati“, fragt Jung Sigi beim
Frühstück Heinz! B_ „was
In Frage
- Ingelein heult wieder los.
„Ich“, sagt Heinzi B. ausgegli-
chen, „stelle midi für. meine
Person üsmo- wieder in Frage.
Dum. nur dadurch wild -man
nicht selbstgerecht und handelt
womöglich unschön gegen ei-
nen Mitmenschen.“
ist eigentlich gut, und was ist
böse?“
„Das möchte ich so nicht be-
antworten“, sagt Heinzi B.
„Nenn doch mal ein Bei-
spiel“
„Ich kann jederzeit mit Mül-
los Auto fahren, ohne daß sie
ein Ahnung davon haben - ist
das nicht gut?"
„Naja. Aber dabei mußt du
dir die Frage stellen lassen: Was
ist, wenn was passiert?“
„Es ist was passiert, Total-
schaden. Aber sie haben keine
Ahnung, daß ich das war. Das
ist doch gut!?“
„Ach so. Jaja. Doch, das ist
ganz gut Mach das ja nicht mal
mit unserm Auto!“
kratie in Frage gestellt und
Richter, Ärzte, _ Pastoren und
wir Lehrer schließen sich dieser
In-Frage-Steßung begeistert an.
Nun Genügt das? Neiii. Die ge-
samte Bevölkerung mußte sich
selbst und unseren Staat in Fra-
ge stellen!"
„Und- würdest du mir -wohl
mal - sagen“, schluchzt Inger
tei", „wie du das machst— dich
in Frage stellen?“
„Ganz einfach. Ich frage
mich: Kannst du, Hand <-«£&
Hetz, tatsächlich mit dir zufrie-
den sein, Heinzi? Und das kann
ich natürlich, Ingelein, das
weißt du ja.“
.. „Und wie lautet die Antwort,
Herr Doktor?“
Der Vorwüit wir Politiker
stellten nie uns selbst in
Ftage, trifft jedenfalls die Politi-
ker meiner Partei nicht Wir
stellen uns gegenseitig so lange
in Frage, bis ans immerhin klar
ist: So geht es nicht. Es muß
irgendwie andos gehen - wie,
das bleibt natürlich eine Frage,
die wir uns immer wieder stel-
len müssen.“
„Welche Antwort? Worauf?“
„Auf die In-Frage-Stellung! *
„Das ist eine sehr gute Frage.
Wer weiß die Antwort darauf?
Na? Ute? Nein? Bertram? Auch
nicht? Na, wer weiß, Wer weiß?
Wer?“
(
JüL_.
r
2
5
.Pos finde Ich Oberhaupt nicht tutHa Walde!"
IW
Cartoons in
Reinkultur
Es sind freundliche Menschen,
die uns Jules Stäuber vorstellt.
Häuslich, liebenswürdig meist,
auch der Zweisamkeit zugetan.
Gelegentlich nicht ohne Ehrgeiz
und stets berufsbewußt. Sie
scheinen zu wissen, was man von
ihnen erwartet. Die Famifienbln-
dung ist noch intakt. Die liebe
zur Mutter zählt mehr als die Lie-
be zur Freundin. Auch weiß man,
was dem Kinde frommt. Und
selbst Heilige im Wartestand
pflegen den rechten Umgang.
Das alles wird uns wortlos mit
festem Strich mitgeteilt. Es sind -
so auch der Titel des neuesten
Bandes von Jules Stäuber -
„Cartoons" (Heyne-Verlag, Mün-
chen, 6,80 Mark) in Reinkultur.
Und ein Vergnügen sind sie
auch.
Große Vocridrt hrt jöfat
bbf ^Heilmitteln geb<> i
tert Denn alle ; Wett
weiß ja daß dla. Chemie da-
himersteckt —abgesehen von
Nieswurz, Fliederbeeren, Rizi-
rius. Deshalb wird auf den,,
dank Gesetz jedem Heilmittel
.beigefügten Gebrauchsfnfor- -
mationen vom Gebrauch des
Mittels ja audi. eher abgera-
ten.
Schön, man hat es. gekauft
Der Ant hat es blindlings ver- ;
schrieben. Aber nun muß der
Patient. selber wissen/ -ob .er. ..
: e® tatsächlich wagenwill.
Natib der Lektüre der Ge-
braücKslnfornrration über-
wfegt heute natürlich die
■ nackte Angst. .
- Selbst ein scbfidnbdr harm-
loses Heilmittel wie Agerosin
-{von BRKM, Storr am .Lain) .'
• kann von der Möglichkeit eini-
ger Nebenwirkungen rieht
leichtfertig freigesprochen
werden. Denn man fönriteda-
gegen aUerc^sch sein - wie
.man ja sogar gegen Mutter
Notars EtfütenstÖubchen, ja,
eigentlich gegen alles ein-
. srfiGeßtich der elgened -Ge-.
liebten allergisch sein oder .
-werden kann. Das führt dann
zu Augenjucken, Ausschlag, -
Hautrötung; Schluckauf, Ra-
chenhusten, Dguemlesen, Oh- ’
rensousen und Schult erzuk-
ken. Weshalb eben doch im
der Aug«
sten A'-ISaiM
tenuckeni
Heile4fatfü
dg etes««zefl und- fofa „
. Agerosin dann nicht, sdi
rigst absetzt — zu' Sch
krömpfen 'führen kötmen.
Das fei eben die Cheütf
Sie produziert zwar ®
Mittel gegen AUefgkmj v;
etwa durch die schönen Ss
merblumen in ftefaj-'
ausgelöst werden. Ab#rl
Cheir -Ist nteht auszuschfiiß
daß. man. :audt; geg««^
AntjaBergJe-Mttei oderri
sein oder werden kcnrui. 1:
halb auf dem Äntiaüa&
Nüttel-Handzettei dovaf ä
wa rnt, werden muß, daß #'
bei Gebrauch des Anflä
gie- Mittels überhaupt l'-iji
ridrtJg allergisch _ wed-
könnte - mit Dauerrieseh^
Schulterzucken bis (fofe r
das Mittel richr schleuri
absetztj zu Ohrensausen«
Schrrikrärapfeni
JUSTUS ÖBERf.
' - 1 ‘ “r . •'
MIM
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r ~r^ri[ BHIra!l
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Aus dem abeestorbenen Baum wird imn
noch ein tüthtiger Balken
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sv-v.,tr>'
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Ssr-;’^=.c«^N'
cow:;.- -. tae.
W ELT-Xnterview mit dem
Ford Europa Styling-Chef,
Uwe Bahnsen, Vizepräsident
des Automobil- .
Unternehmens. Der gebürtige
Hamburger hatte mit dem
Fiesta und dem Escort die
neue, sachliche Linie kreiert,
die im futuristischen Sierra
einem Höhepunkt erlebte.
WELT: Das erfreuliche Ender-
gebnis geglückter Stylingarbei-
ten verhelf dem Sierra zum spek-
takulären Verkaufserfolg. Ist
dieses Auto jetzt wegweisend für
die zukünftige Gesamtentwick-
lung der europäischen Ford-iy-
penpalettftf
Bahnsen: Für mich ist jedes Mo-
dell eine Weiterentwicklung. Die
Evolution ist kontinuierlich, wobei
durchaus, mal eine Stufe zwischen
den Typen etwas größer auslallen
kann. Ich mochte aber dem Ein-
druck entgegen treten, daß wir uns
mal ein Heiz gefaßt haben, einen
Sierra zu produzieren, und daß wir
jetzt erst mal die Luft anhalten und
stehenbleiben, um unsere Position
zu konsolidieren. Nachdrücklich:
Dem ist nicht so!
WELT: In dieser dargestellten
kontinuierlichen Folge ist aber
in der Modellpalette der Schritt
vor dem Sierra nicht zu erken-
nen ...
Bahnsen: Doch, das ist der Escort.
Dieses Auto ist ein klarer Hinweis
auf den Sierra, sowohl in der Fahr-
zeugarchitektur als auch in der
-Philosophie. Zweifellos gilt das
nicht für die Detailausfuhnmg. Die
kontinuierliche Linie geht also
über Escort und Sierra zu unseren
neuen Modellen, die noch nicht
voiTgesteflt sind.
WELT: Der Orion und der modi-
fizierte Fiesta?
Bahnsen: Fiesta und Orion liegen
irgendwo dazwischen, aber ich
meine jetzt die Fahrzeuge, die wir
von Grund auf neu machen kön-
nen. Der Sierra ist zweifellos eine
Konzeption, ein Statement inner-
halb einer evolutionären Entwick-
lung.
WELT: Die heutige Karosserie-
gestaltung wird eindeutig von
der Aerodynamik bestimmt
Glauben Sie, daß diese Bewer-
tung auch für die Zukunft so
beherrschend bleiben wird, und
steht diese_ Ausrichtung nicht
der Eigenständigkeit der Form-
gebung im Wege? '
Bahnsen: Zur Zeit ist für mich die
Aerodynamik zu sehr heraüsgelöst
Der Siena zeigt deutlich die iloIenfBhning der neuen Ford- Generation. fotoS: ehe weit Uwe Bahnsen im WELT-Interview
Sechs neue Ford-Projekte in Planung
aus der natürlichen Beziehung
zum Produkt Ich wäre durchaus
glücklich, wenn sich dieser Begriff
wieder dort einpendelt, wo er mei-
ner Meinung nach hin gehört, näm-
lich als ein unverzichtbarer Be-
standteil eines modern konzipier-
ten Fahrzeugs. Ein Element von
vier bis fünf gleichermaßen wichti-
gen, aber nicht das einzige Kitte- :
rium In meinem Arbeitsbereich
würde ich niemals akzeptieren,
daß die Gebrauchstüc hti gkert ei-
nes Fahrzeugs leidet, damit der
CW-Wert um ein paar Tausendstel,
verbessert werden kann.
WELT: Die originellen japani-
schen Karosserien - ich denke da
an den ausgefallenen Honda City
und den Nissan Prairie - bieten
gegenläufig höhere Formen und
da it erheblich mehr Kopffrei-
heit. Ist das als Gegenströmung
zur flachen europäischen Ftun-
derform zu sehen?
Bahnsen: Die beiden angesproche-
nen Modelle heben sich deutlich
aus der großen Menge der japani-
schen Autos ab, die mehr oder we-
niger Abwandlungen, Modifikatio-
nen, vorhandener Autos sind, auf
jeden Fall aber in Anlehnung an
das europäische Konzept gebaut
wurden. Mrt diesen Autos haben
die Japaner erstmals die Courage '
gehabt^ neue, eigene Konzepte auf
die Räder zu stellen, für die es noch
keine Vorläufer gibt Der Konkur-
renzkampf wird dadurch zweifel-
los härter. Der Honda City steht
aber nicht alleine da. Wenn wir den
Fiat Uno betrachten, liegt der kon-
zeptionell auf gleicher Wellenlän-
ge. Parallellaufend, aber unabhän-
gig voneinander - die Entwick-
lungszeit belegt das - sind Fiat und
Honda zu ähnlichen Ergebnissen
gekommen, ohne miteinander kor-
respondiert zu haben. Hier wurde
zwischen der Aerodynamik und
dem Nutzwert ein Kompromiß
gemacht
WELT: Vor Jahren wurde in Ih-
rem Unternehmen der sogenann-
te „Wiedererkennungseffekt* ge-
prägt Jeder Typ sollte als Mit-
glied der Ford-Familie zu erken-
nen .wn Gilt das immer noch?
Bahnsea: Das gilt unverändert. Al-
le Fahrzeuglinien belegen eine Fa-
milienidentität Allerdings haben
sich die Identitatssymbole etwas
verschoben. Nicht mehr bestimm-
te Details geben die Hinweise, son-
dern die gesamte Fahrzeugkonzep-
tion. Der Vorder- und Mittelwagen
und ein viel starker integriertes
aber ziemlich prägnant geformtes
Hede.
WELT: Entwicklern gs- und origi-
nelle Forschungsautos dienten
vielfach der Schau. Anders war
es bei Probe m und IV, die bei
Ihrem Bestseller deutlich Pate
standen. War das eine einmalige
Entwicklung?
Bahnsen: Ich halte Forschungsau-
tos, auch wenn de in absehbarer
Zeit nicht produktionsreif werden,
für eine durchaus legale Selbstdar-
stellung der Forschungstätigkeit
eines Unternehmens. Elemente se-
riöser Forschungsstudien werden
selbstverständlich immer wieder
in die Serie einfließen.
WELT: Zum Thema Sicherheit
- batte Prof. Max Danner ausge-
führt, daß bei der Entwicklung
der Karosserie noch etliches ver-
bessert werden könnte, um bei-
spielsweise bei einem Zusam-
menprall Fußgänger und Auto
Verletzungen und Todesfälle zu
verhindern. Wie stark ist der Ge-
danke an die Sicherheit, wenn
Sie ein neues Auto entwerfen?
Bahnsen: Der Gesamtkomplex Si-
cherheit spielt eine große Rolle
Unnötig vorspringende Kanten in-
nen wie außen müssen eliminiert
werden usw. Eis gibt aber auch eine
Reihe von unsinnigen und über-
holten Forderungen. So muß nach
der Gesetzgebung der äußere
Rückspiegel bei einem Kontakt
um 90 Grad abklappbar sein. Nun
haben wir in neuen Versuchsautos
diesen Spiegel direkt in die Karos-
serie integriert. Was noch ungleich
sicherer als das Klappverfahren ist,
weil kein Fußgänger mehr mit die-
sem Teil in Berührung kommen
kann. Dennoch kommen wir mit
dieser Konstruktion nicht durch.
Das zeigt, daß einige Sicheibeits-
bestimmungen korrekturbedürftig
sind.
WELT: An wie vielen Modellen
wird in Ihrem Aufgabenbereich
zur Zeit gearbeitet?
Bahnsen: Aktiv arbeiten wir an
sechs Projekten. Der Fiesta und
der Orion zählen nicht mehr dazu.
Wenn wir das Denken mit ein-
schließen, sind es noch einige
mehr. Das zeitlich am weitesten
entfernte Fahrzeug ist für 1991 in
Planung.
WELT: Wenn ein Cabrio ansteht,
zahlt das als eigenständiges Pro-
jekt?
Bahnsen: Eigentlich nicht Das Es-
cort-Cabrio beispielsweise war ei-
ne Designstudie, aber das Gesamt-
projekt wurde außer Haus durch-
geführt
WELT: Sie kümmern sich inten-
siv um den Nachwuchs der Auto-
Designer. Werden die Stylisten
von morgen konkurrenzfähig
ausgebildet?
Bahnsen: Als ich mich ab Mitte der
60er Jahre in der Praxis um den
Nachwuchs kümmerte, war ich er-
schüttert, wie schlecht die Indu-
striedesign-Schulabsolventen vor-
bereitet waren. Wir haben in ganz
Europa mit den Lehranstalten
Kontakt aufgenommen und auf die
praxisgerechte Ausbildung in un-
serem Aufgabenbereich Einfluß
genommen. Eis kam zu äußerst
nützlichen Kooperationen. In Eng-
land gewährt die Industrie Studen-
ten für zwei zusätzliche Jahre Au-
tomobildesign-Ausbildung eine
Unterstützung, ohne dafür eine
Verpflichtung zu erkaufen So be-
kommen wir jetzt den Nachwuchs,
den wir brauchen.
Elektronik verbessert Vergaser I Maschinen testen neue Dämpfer
P. HANNEMANN, Neuss
Die landläufige Meinung,
daß Fahrzeuge mit Benzin-
einspritzung grundsätzlich
sparsamer sind als Fahrzeu-
ge, die ihr Benzin-Luft-Ge-
misch über einen Vergaser
erhalten, ist - so pauschal
gesehen - sicherlich fälsch.
Beide Systeme haben in be-,
stimmten Betriebszustän-
den ihre Vorteile, sind aber
über den weitaus größten
Teil des Fährbetriebes
gleichwertige Futterverwer-
ter.
Während Elinspritzanlagen
besonders im Vollastbereich
und bei betriebskaltem Mo-,
tor die besseren Werte lie-
fern, liegen die großen Vor-
teile des Vergasers in den
Motorbetriebsbereichen
Teillast, ' Leerlauf und
Schub, also jenen, die vor-
wiegend für den Stadtver-
brauch relevant sind. Dabei
kommt der Leerlaufver-
brauch sabsenkung eine be-
sondere Bedeutung zu, wo
dem Vergaser durch seine
zentrale Gemischführung in
puncto Absenkung der Leer- '
laufdrehzahl und damit auch
Absenkung des Verbrauchs
praktisch keine Grenzen ge-
setzt sind. Bedenkt man die
hohen Anteile (60 Prozent)
von Stadtfebrten, so wird
dies naturgemäß den Ge-
samtverbrauch erheblich
beeinflussen.
Liegen die Anwendungs-
gebiete der Benzineinsprit-
zung (Marktanteil in
Deutschland 13 Prozent)
vorrangig bei hochmotori-
sierten und teuren Fahrzeu-
gen mit 6 und mehr Zylin-
dern, bleibt der 4-Zylinder-
Mo tor eine Domäne des Ver-
gasers (Marktanteil bei Otto-
motoren 87 Prozent), wäh-
rend bei 6- Zylinder-Mod ei-
len beide Systeme zum Elin-
satz k nirimm.
Pierburg, größter konzern-
unabhängiger Vergaserher-
steller der Welt (Marktanteil
im Inland 34 Prozent), hat
jetzt eine moderne Vergaser-
Baureihe mit Schubabschal-
tung vorgestellt, die bereits
im Verlauf dieses Jahres in
VW- und AudLModellen se-
rienmäßig eingesetzt wird.
Die Schubabschaltung lei-
stet einen wesentlichen Bei-
trag zur Verbrauchsminde-
rung, indem sie immer dann,
wenn der Fuß vom Gas ge-
nommen wird, die Kraft-
stofEzufuhr unterbricht Dar-
über hinaus besteht ab Ende
1983 auch die Möglichkeit,
den größten Teü der bereits
im Verkehr befindlichen
Pierburg-Vergaser mit einer
hauseigenen Schubabschal-
tung nachzurüsten, die sich
schon nach einem Jahr
(15 000-20 000 km) amorti-
sieren soll und bei den 900
Pierburg-Servicestellen im
Bundesgebiet eingebaut
werden kann. Das bringt
Vorteile, die die Einspritzan-
lage nicht bieten kann.
HEINZ SCHEEKA, Brüssel
Dreißigmal haben sie ihre
Neuentwicklung rund um
den Globus geschickt, nach
1,2 Millionen Testküometem
war New-Matic - eine neue
Generation von Gasdruck-
Stoßdämpfern von Monroe -
produktionsreif. Der Dämp-
fer hat ein .Doppelkolben-
Ventilsystem und schwim-
mende Membran-Trennkol-
ben", heißt es bei der Vor-
stellung im belgischen Mon-
roe-Werk in St Truiden, was
bedeutet: dieses System er-
laubt es, die Dampfungs-
kräfte von niedrigsten bis
zum höchsten Geschwindig-
keitsbereich dreistufig auf
Zug und Druck individuell
zu dosieren.
So können, sagt der Her-
steller, ideale Abstimmungs-
ergebnisse für Straßenlage
und Komfort erreicht wer-
den. Eine Gummimembrane
leistet die Ausgleichsarbeit
Der Trennkolben bewegt
sieb erst bei großen Volu-
menänderungen. Das min-
dert die Geräusche und läßt
den Dampfer länger leben.
Das Unternehmen inve-
stierte in den letzten Jahren
15 Millionen Mark für die
Modernisierung seines Wer-
kes in St Truiden. Neben
neuen Produktionsstraßen
und dem Einsatz computer-
gesteuerter Werkzeugma-
schinen - künftig wird man
für jeden Pkw-Typ den rich-
tigen Stoßdämpfer in unter-
schiedlicher Ausführung
hersteilen - investierte man
erhebliche Summen in die
Forschung*- und Entwick-
lungsabteilung. Hier stehen
rechnergesteuerte Prüfma-
schinen für die Prototypen-
Anfertigung. Eine Testma-
schine kann 16 Stoßdämpfer
oder Federbeine gleichzeitig
auf Lebensdauer prüfen. Oh-
ne die Dämpfer äusbauen zu
müssen, können die Lei-
stungsdaten jederzeit elek-
tronisch abgerufen werden.
Im Moment arbeitet man
in diesem Labor an einer
elektronisch gesteuerten Ni-
veau-Regulierung. Je nach
Beladung wird dieses
Dämpfer-System automa-
tisch Lastenausgleich betrei-
ben und den Wagen kon-
stant in einer verkehrssiche-
ren und komfortablen Waa-
gerechte halten.
Das System besteht aus
zwei Stoßdämpfern, von de-
nen einer mit Sensoren aus-
gestattet ist, einem Luft-
kompressor, einer Ventil-
schaltergruppe und einer
elektronischen Steuerungs-
einheit. Im Fährbetrieb sol-
len SO fahrfaahnpbhangigp
Federungs- oder Nickbewe-
gungen bei Beschleunigung
oder Bremsvorgängen aus-
geschaltet werden.
Mit diesem neuen System,
das Belastungen bis 400 Ki-
logramm automatisch egali-
siert, fühlen sich die Mon-
roe-Leute den herkömmli-
chen Anlagen deutlich über-
legen.
Das § Testat
Fiat Uno 70 S
Keine Automobilklasse ist so umkämpft wie die sogenannte A-Null-
Kategorie. In diesen schwierigen Marktbereich schickte Fiat die
originelle Neukonstruktion Uno. Der Kleinwagen mit Pfiff wird in
fünf Varianten ausgeliefert, von 45 PS bis 68. Im WELT-Testat heute
die stärkste Version, der 70 S mit 1280 ccm Hubraum, vier Türen und
großer Heckklappe. Dieser Uno beschleunigt in 11,5 sec von 0 auf 100
km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h. Der
Preis beträgt 13 400 DM.
Die Konkurrenten des Uno: VW Polo, Ford Fiesta, Talbot Samba,
Peugeot 205, Renault 5 und der Citroen Visa. Strenggenommen macht
sich Fiat auch mit dem Panda und dem 127 selbst Konkurrenz.
Karosserie:
lnnemaum:
Motor.
Straßenlage:
Äußerst funktionell und originell ge-
staltete Karosserie mit mustergültig
großem Innenraum. Viel Kopffreiheit
auch für große Fahrer. Der Uno ist ein
Musterbeispiel dafür, daß eine eigen-
willige Linienführung ohne die Ein-
heitsflunder-Form windschlüpfrig
sein kann. Der Luftwiderstands bei-
wert ist trotz hoher Stirnfläche mit
0,34 cw erstklassig.
Viel Platz unter wohlgeformtem
Blech. Körpergerechte Sitze mit guter
Seitenführung. Verstellbare Rück-
bank ermöglicht bei Bedarf größere
Ladefläche. Übersichtliche Armatu-
ren.
Der Motor drehte enorm tempera-
mentvoll, beschleunigte spritzig - die
11,5 sec. von 0 auf 100 km/h sind genau
der Wert, den die legendäre Giulia
Super von Alfa Romeo erreichte - und
schafft eine Spitze von 165. Der Ver-
brauch hielt sich mit 6,5 bis 7,5 Liter in
Grenzen.
Einzelradaufhängung vom und hin-
ten. Die Vorderradaufhängung ist so
ausgelegt, daß sich die Spur beim Be-
schleunigen und Abbremsen nicht
verändert. So war es möglich, die Vor-
spur auf Null einzustellen, was den
Reifenverschleiß und den Rollwider-
stand extrem reduziert. Neutrales
Fahrverhalten in allen Situationen, le-
diglich das tiefe Abtauchen der Karos-
serie in scharfen Kurven stört.
seht gut
* W
Fahrkomfort: Die Feder-Därapferqualitat entspricht
dem Standard dieser Wagenklasse.
Gute Fahrerposition.
Bodieuung: Angenehm leichtes Handling. Daß das
Fünfganggetriebe unpräzise geführt
ist und häkelt, hat bei Fiat schon Tra-
dition. Die Instrumente sind über-
sichtlich im Blickfeld des Fahrers
angeordnet
Verarbeitung: Der Uno ist modern aus wenig Einzel-
teilen gefertigt Verbessertes Katapho-
rese- Verfahren garantiert guten Rost-
schutz. Die Hohlräume sind mit
Wachs ausgesprüht Negativ: Die elek-
trischen Scheibenheber schieben das
Glas am Rahmen vorbei, wenn man
nicht von außen dagegendrückt Der
Kilometerzähler und der Tachometer
fielen aus, das Radio verabschiedete
sich, der Benzinanzeiger war ein Ver-
wirrspiel und die Wirkung der Hand-
bremse nicht ausreichend.
Bodieuung:
befriedigend
befriedigend
ausreichend
Wohl kaum ein Angebot in der gehobenen Kleinwagenklasse bietet so
viel Auto fürs Geld wie der Fiat Uno. Glänzend ist das Karosseriekon-
zept Wenn Fiat die beim Testwagen vorhandenen Verarbeitungsmän-
gel abstellt, kann der Uno auch international eine Nummer eins
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Wir denken an einen jüngeren, einsatzfreudigen
Mitarbeiter, der neben seinen allgemeinen kaufmän-
nischen Erfahrungen vielleicht schon Kenntnisse im
gerichtlichen Mahnverfahren und in der Zwangsvoll-
streckung gesammelt hat
Praktische Erfahrungen in der Führung von Mitarbei-
tern (ca. 1 0 Personen) werden grundsätzlich voraus-
gesetzt. Wir geben aber auch dem Nachwuchs eine
Chance.
Di« Aufgabe erfordert Geschick bei der Gewinnung freiberuflicher Auto-
ren, die Fähigkeit von Experten geschriebene Beiträge ln leicht verständli-
ches Deutsch zu bringen, Drgartsetionsialent bei der monatlichen SchluD-
korrektur und Bereitschaft zu gelegentlichen Reisen. EngUechkenntnisse
sind von Vorteil.
Die Aufgabe bietet schon nach kurzer Elnarbettungszelt selbständiges
Arbeiten und verantwortliche Gestaltung einer Losebiatt-Zekschrift.
Auch wenn Sie bislang nicht im Journalismus oder in der Werbung tätig
sind, sondern ari Wirtschafts- Lektor in einem Buchverlag oder Betriebsbe-
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und Untertagen, aus denen Ihre Ausdrucksfähigkeit hervorgeht. Telefoni-
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früher — einen staatlich geprüften Lebensmittelchemiker als Laborleiter.
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ten: Entwicklung neuer und Verbesserung bestehender Produkte. Umsetzung der
im Labor;erarbelteten Entwicklungen und Rezepturen in die Fabrikatlonspraxis.
Qualitätskontrolle, Verbesserung bereits angewandter bzw. Erarbeitung neuer
Analyseverfahren. Motivation und Führung eines Teams.
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füllen, sollten Sie über eine fundierte Industriepraxis und gute Kenntnisse des
Lebensmitteirechts verfügen. Erfahrungen in der Auswertung von bakteriologi-
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Ausland
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tionswesens
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und Vertragsausiegung befähigen.
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Mitarbeitern zur Seite. Er erhält Prokura und ist dem Vorstand direkt
unterstellt. Dienstsitz ist eine Großstadt in Westdeutschland. Gele-
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neue Einsatzbereiche bis zur Fertigungsreife und anschließender Markteinfüh-
rung der Produktgruppen:
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- Bohrgeräte
- Schiffbau liehe Ausrüstungen
Bericht an: Vorstand
Unternehmen
Bedeutendes Großunternehmen der Metallindustrie mit Finnensitz Hamburg
Vielfältige Produktpalette mit z. T: modernster Technologie
Konsequente Diversifikations-Politik
Voraussetzungen
Abgeschlossenes Hochschulstudium des Allgemeinen Maschinenbaus oder
verwandter Fachrichtungen
Einschlägige Berufserfahrungen gesammelt auf den Gebieten Hebezeuge oder
in der Bohrgeräteindustrie
Neben den daraus resultierenden Marktkenntnissen erwarten wir Konstruk-
tionspraxis mit diesen Produkten ;
Sichere Beherrschung der englischen Spreche in Wort und Schrift (und
zusätzlich der deutschen Sprache, sofern Sie Ausländer sind)
Angebot
Verantwortungsvolle Führungsaufgabe mit großem Gestaltungsspielraum
Einkommen abhängig von Qualifikation, nachgewiesenen Erfahrungen und
Erfolgen
Übernahme evtl.' anfallender Umzugskosten sowie Unterstützung bei der
Wohn rau mbeschaffung
Wenn Sie sich von der Aufgabenstellung angesprochen fühlen und den Anforderungen zu entsprechen glauben, würden
wir uns über Ihre Kontaktaufnahme freuen. Ihre Bewerbung mit tab. Lebenslauf und möglichst Zeugniskopien und evtl. Foto
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streng beachtet. Aus dem Urlaub genügt zunächst auch eine Kurzbewerbung.
Mitglied des BDU
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Telefon: 040/89 2003-05 Telex Nr. 2 173 371
\fertriebsleiter
Herausfordernde Aufgabe im Einzelhandel (Food)
Aufgaben
Umsetzung der gemeinsam festgeiegten Umsatz- und Ergebnisziele
an der Ladenfront durch
- zeitgemäße Führung und Motivation der unterstellten Mitarbeiter
- schnelles Reagieren im Markt
- planmäßige Kontrolle
- lautendes Setzen neuer Impulse
- enge Zusammenarbeit mit junger, aufgeschlossener
Geschäftsleitung
Voraussetzungen
Einschlägige Erfahrungen aus einer vergleichbaren Position im.
Lebensmitteieinzelhandel, erworben möglichst in den Vertriebslinien
Super- bzw. Discountmärkte
Idealer fachlicher Hintergrund:
- Gesunde Mischung von einschlägiger Praxis mit
betriebswirtschaftlichen Kenntnissen
- klarer Blick für das Notwendige und Machbare
- gutes Maß an innovatorischem Drive
Unternehmen
Kerngesunder Lebensmittetfilialbetrieb
Sitz: norddeutsche Großstadt
Umsatz 1982: knapp 320 Mio. DM
Angebot
Es erwartet Sie kein Schlaraffenland, aber eine junge
Führungsmannschaft, die mit Ihnen die anstehenden Aufgaben lösen
möchte
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Gute Entwicklungschancen
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Untemehmensberatung, die Vertraulichkeit garantiert und evtl. Sperrvermerke streng beachtet. Unser Berater, Herr W. Radau, steht
Ihnen auch für einen ersten telefonischen Kontakt zur Verfügung. Aus dem Urlaub genügt zunächst auch eine Kurzbewerbung.
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Telefon: 040/8920 03-05 -Telex Nr. 2 173 371
Leiter Konslniklion
Wir sind ein renommiertes mittelständisches Unternehmen, das sich sehr erfolgreich
eine weiter ausbaufähige Wettbewerbsposition in der Konstruktion, Entwicklung,
Produktion und Vermarktung von Standardartikeln für namhafte Hersteller von
Gebrauchsgütern erworben hat. Unsere Produkte liegen im Anwendungsbereich
arbeite- bzw. kraftsparender Transporttechnologie.
Die Konstruktionsabteilungen unserer beiden modern ausgestatteten Werke der
Metall- und Kunststoffverarbeitung sollen unter einer einheitlichen Leitung zusam-
mengefaßt werden. Im Mittelpunkt der Aufgabenstellung steht die direkte Führung
eines Teams qualifizierter Zeichner und Konstrukteure im Hinblick auf die konstruktiv
und entwicklungstechnisch abgesicherte Zukunft unserer Produktpalette von mehre-
ren tausend Stammartikeln mit einem Vielfachen an Ausführungsvarianten.
Wir sprechen Herren etwa zwischen Mitte 30 und Mitte 40 an, die auf der Basis einer
qualifiziert abgeschlossenen Ausbildung als Dipl.-lng./lng. grad. fachliche, in der
Praxis bestätigte Kompetenz in der Metall- und Kunststoffverarbeitung, Durchset-
zungsvermögen im Betrieb und ein hohes Maß an Integrationsvermögen in der
alltäglichen Zusammenarbeit mit den Kollegen der Produktionsabteiiungen und des
Werkzeugbaus verbinden. ....
Der Dienstsitz liegt in einer interessanten Landschaft des Rheinlandes. Das Betriebs-
klima wird durch einen kollegialen Führungsstif geprägt und bietet Qualität im
beruflichen Umfeld. Bitte bewerben Sie sich mit tabellarischem Lebenslauf, Lichtbild
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Straße 13, 8000 München 80, Tel. 0 89 / 41 76-2 25, oder rufen Sie an. Er bürgt für
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Roland Berger & Partner G.m.b.H.
Internationale Personalberater (BDU)
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seegebundene Bohrtürme entwickelt und konstruiert
Schwerpunktaufgaben:
- Weiterentwicklung der vorhandenen Produktpalette
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Prototypen und Entwicklung bis zur Serienreife
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Unternehmen
Renommiertes Unternehmen der Investitionsgüter-
industrie mitweltweiten Aktivitäten
Wirtschaftlich gesund, expansive Geschäftspolitik
Sitz: Hamburg
Voraussetzungen
Abgeschlossenes Studium der Fachrichtung
Allgemeiner Maschinenbau oder Absolvierung einer
Bohrmeistersch u ie
Mehrere Jahre Konstruktionserfahrung
Fundierte Kenntnisse auf dem Gebiet der Off-shore-
Technik
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Selbständige Fühmngsposition mit vielseitiger,
he rausfordernder Aufgabenstellung
Marktgerechte Dotierung, abgerundet durch
zeitgemäße Sozialleistungen
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abgeschlossenen wirtschaftswissenschaftlichen Hochschul-
studium vor oder einen grad. Betriebswirt mit guten Kenntnis-
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eines größeren Unternehmens sowie
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mit kaufmännischem Verständnis.
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Samstag, 9. Juli 1983 - Nr. 157 - DIE WELT
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hier die Chance, mit neuen Ideen bei der Ausgestaltung dieser Führungsfunktion
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absolute Vertraulichkeit sowie die Einhaltung von Sperrvermerken zu.
Ihre Bewerbungsunterlagen (tabellarischer Lebenslauf, Zeugniskopien, Lichtbild,
Gehaltsvorstellung. Eintrittstermin) senden Sie bitte unter der Kennziffer 862 444 an
Postfach 100 552, 5270 Gummersbach.
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Führungsaufgabe in einem modernen Unternehmen
Wir sind ein expandierendes mittelständisches Unternehmen der Armaturenindustrie
und produzieren moderne qualitativ hochwertige Produkte für Küche und Bad. Unser
Firmensitz im östlichen Nordrhein-Westfialen fiegt in reizvoller Umgebung am Rande
einer mittelgroßen Stadt. Zur Erweiterung unseres jungen Führungsteams suchen wir
den zukünftigen
Betriebsleiter
Er ist direkt der Geschäftsleitung unterstellt und verantwortlich für Konstruktion,
Produktion, Montage und Versand. Er hat die Führungsverantwortung für etwa 250
Mitarbeiter. Für die erfolgreiche Bewältigung der anstehenden Aufgaben sind Kennt-
nisse aus der Kunststoff- bzw. metallverarbeitenden Industrie erwünscht. MTM- bzw.
Refaerfahrung sind von Vorteil.
Der ideale Bewerber (st um 35 Jahre alt und hat nach seinem ingenieurstudium bereits
einige Jahre Erfahrung als zweiter Mann in ähnlicher Position sammeln können.
Englische Sprachkenntnisse setzen wir voraus.
Wenn Sie sich dieser ausbaufähigen Aufgabe gewachsen fühlen, stehen Ihnen unsere
Berater Klaus Engels und Gunter Lutz für erste vertrauliche Informationen unter der
Rufnummer 0 22 61 / 70 31 56 zur Verfügung.
Diskretion sowie Beachtung von Sperrvermerken werden selbstverständlich zugesi-
chert.
Die Zusendung aussagefähiger Bewerbungen (tabellarischer Lebenslauf, Zeugnisse,
Gehaltswunsch, Eintrittstermin, Lichtbild) erbitten wir unter Angabe der Kennziffer
862 450 an Postfach 10 05 52, 5270 Gummersbach.
Kienbaum Personalberatung
Gummersbach, Düsseldorf, Berlin, Bonn, Hamburg, Karlsruhe, Lörrach, München, Barcelona, Basel,
Genf, HHversum, Wien, Zürich, Buenos Aires, Mexiko City, Säo Paulo, San Francisco, New York
Die Überlandwerk Fulda Aktiengesellschaft
ist ein regional tätiges EVU und beschäftigt ca. 500 Mitarbeiter. Der Strombedarf von
ca. 800 Mio. kWh wird fast ausschließlich durch Fremdbezug gedeckt Daneben wird
ein Omnibus-Linien-Verkehr mit ca. 8 Mio. Fahrgästen jährlich betrieben. Wir wollen
die Position des
Kaufmännisclien
Vorstandes
baldmöglichst neu besetzen.
Wir denken an einen erfahrenen Diplom-Kaufmann, der ca. 10- bis 15jährige Berufser-
fahrung auf den Gebieten
□ Koordination eines kaufmännischen Gesamtbereichs
□ Finanz- und Rechnungswesen
□ Organisation und EDV
□ Personalwirtschaft
nachweisen kann. Darüber hinaus bilden gute Kenntnisse in
□ Tarifgestaltung -
□ Revision und Steuerrecht
□ Materialwirtschaft und allgemeiner Verwaltung
die besten Voraussetzungen für die Erfüllung der anfallenden Aufgaben.
Überzeugungskraft, Verhandlungsgeschick, Kooperationsbereitschaft und persön-
liches Engagement setzen wir als selbstverständlich voraus.
Zur telefonischen Kontaktaufnahme steht Ihnen unser Berater, Herr Dr. Bielecke, unter
Telefon 0 22 61 / 7 30 34 gern zur Verfügung. Diskretion sowie die Berücksichtigung
von Sperrvermerken werden zugesichert. Bittesenden Sie Ihre schriftliche Bewerbung
(tabellarischer Lebenslauf, Zeugniskopien, Lichtbild, Gehaltsvorsteilung, Eintrittster-
min) unter der Kennziffer 981134 an Postfach 31 01 61, 5270 Gummersbach.
Kienbaum Chefberatung
Gummersbach, Düsseldorf, Berlin, Bonn, Hamburg, Karlsruhe, Lörrach, München, Barcelona, Basel,
Genf, Hflvereum, Wien, Zürich, Buenos Aires, Mexiko City, Säo Paulo, San Francisco, New York
Gehören Sie zu den besten Personalberatern?
Dann sollten Sie das Kienbaum-Team ergänzen.
Wir gehören zu den führenden Adressen der deutschen Beratungsunternehmen.
Kunden sind Unternehmen aller Größenordnungen und der unterschiedlichsten
Branchen, denen wir ein breitgefächertes Leistungsprogramm anbieten.
Für unser Hamburger Büro suchen wir einen jungen, engagierten Herrn mit Schwer-
punkten im Personalmanagement als
Personalberater
Er sollte eine menschlich und fachlich überragende Persönlichkeit sein und auf eine
erfolgreiche industrieerfahrung zurückgreifen können. Wegen der ständig wechseln-
den Gesprächspartner und der damit verbundenen Aufgabenstellungen erwarten wir
Verhandlungs- und Akquisitionsgeschick, verbunden mit detailliertem Wissen über
Personalführung und personalwirtschaftliche Systeme und Methoden. Der Kontakt mit
Führungskräften der Wirtschaft stellt einen hohen Anspruch an die Persönlichkeit des
Beraters.
Herren mit abgeschlossenem Hochschulstudium, die sich diesen Aufgaben und
Anforderungen gewachsen fühlen, steht Herr Jochen Kienbaum für erste vertrauliche
Kontaktaufnahmen unter der Ruf-Nummer 0 22 61 / 70 31 41 zur Verfügung.
Interessenten bitten wir um Einsendung ihrer Bewerbungsunterlagen (tabellarischer
Lebenslauf, Lichtbild, Zeugniskopien, Gehaltsvorstellung, Eintrittstermin) unter der
Kennziffer 870 033 an Postfach 10 05 52, 5270 Gummersbach.
Kienbaum Personalberatung
Gummersbach, Düsseldorf, Berlin, Bonn, Hamburg, Karlsruhe, Lörrach, München, Barcelona, Basel,
Genf, Hilversum, Wien, Zürich, Buenos Aires, Mexiko City, Säo Paulo, San Francisco, New York
Dynamisches Dienstleistungsuntemehmen
Unsere Firma gehört mit zahlreichen Filialen und mehreren hundert Millionen DM
Umsatz zu den führenden Häusern in Westdeutschland, der Name hat Tradition und
Ansehen.
Leiter Finanz- und
Rechnungswesen
der auch für das Personalwesen und die allgemeine Verwaltung zuständig sein soll.
Aus dieser Schlüsselposition heraus wird er mit zwei Kollegen - und nur dem Inhaber
unterstellt - für die Steuerung des gesamten Unternehmens mitverantwortlich sein.
Stil und Konzept des Hauses wird er pflegen und, soweit sinnvoll, in Übereinstimmung
mit dem Führungsgremium sich ändernden Bedingungen anpassen.
Wir erwarten eine menschlich und fachlich überzeugende Persönlichkeit mit guten
theoretischen Kenntnissen und praktischen Führungserfahrungen auf den genannten
Gebieten.
Die Position bietet neben einer interessanten Dotierung Zukunftschancen.
Wenn diese Herausforderung Sie reizt, steht Ihnen zur ersten Kontaktaufnahme unser
Berater Herr Dr. Carlo Koch unter Telefon 0 22 61 / 7 30 33 gern zur Verfügung. Er
sichert strengste Diskretion nach allen Seiten zu. Schriftliche Bewerbungen (tabellari-
scher Lebenslauf, Zeugniskopien, Lichtbild, Gehaltsvorsteilung, möglicher Eintritts-
termin) senden Sie bitte unter Kennziffer 981 139 an Postfach 31 01 61, 5270 Gum-
mersbach.
Kienbaum Personalberatung
Gummersbach, Düsseldorf, Berlin, Bonn, Hamburg, Karlsruhe, Lörrach, München, Barcelona, Basel,
Genf, Hilversum, Wien, Zürich, Buenos Aires, Mexiko City, Säo Paulo, San Francisco, New York
Seite 4
STELLENANGEBOTE
DIE WELT -Nr. 157 - Samstag, 9. Juli 1983
Leiter
ipolis/ Libyen
Krupp Industrietechnik GmbH
ist mit ca. 10.000 Mitarbeitern in mehreren inländischen Werken
sowie Tochtergesellschaften und Beteiligungen im In- und Ausland ein weltweit anerkanntes
Unternehmen des Anlagen-, Maschinen- und Stahlbaus.
Wir wickeln in Libyen in Gemeinschaft
mit anderen deutschen und internationa-
len Firmen u. a. einen Auftrag im Groß-
anlagenbau ab (^Misurata”). Für die Dauer
und im Rahmen der Abwicldung wird auch
in Tripolis ein Büro unterhaften. Wir
suchen zur baldigen Übernahme der Lei-
tung dieses Büros einen Herrn, der bereits
eine ähnliche Position im arabischen
Raum, möglichst in Libyen, bekleidet hat.
Zu den Aufgaben gehört die Pflege der
Kontakte zum Kunden und seinen Bera-
tern, zu den libyschen Banken und Behör-
den. Erforderlich sind also Kenntnisse in
den Bereichen Bankangelegenheiten
(Zahlungsverkehr, Akkreditivabwicldung},
Versicherungen (Verschiffungs-/EAR-Ver-
Sicherungen und Schadensabwicklung),
Baukassenabrechnung, Personalverwal-
tung (Visa -Anträge, Payroli, Flugtickets)
sowie in der Bearbeitung von Importlizenz-
Anträgen. Die Beherrschung der engli-
schen Sprache ist Voraussetzung, Grund-
kenntnisse der arabischen Sprache wären
wünschenswert. Wenn Sie über die oben
geschilderten Erfahrungen im Rahmen
eines konsortialabgewickeften Großauftra-
ges im internationalen Anlagengeschäft
verfügen, bitten wir um Ihre Bewerbung
mit den üblichen Unterlagen an
KRUPP INDUSTRIETECHNIK GMBH * Personalabteilung, Franz-Schubert-Sfraße 1-3, 4100 Duisburg 14
<§> KRUPP INDUSTRIETECHNIK GMBH
Wir suchen zum baldmöglichsten Eintrittstermin einen erfahrenen
Ersatzteile-Bezirksleiter
Es handelt sich um eine Außendiensttätigkeit im Raum Münsterland/Ruhrgebiet
Ferner suchen wir für unser Ersatzteilwesen in unserer Niederlassung Münster
einen
Lagerleiter
A
Verband Deutscher
Rentenversicherungsträger
- Spitzenverband der Träger der gesetzlichen Rentenversiche-
rung (z. B. Landesversicherungsanstalten, Bundesversiche-
rungsanstalt für Angestellte) -
Ende November 1983 wird unser
Leiter der Abteilung
Öffentlichkeitsarbeit, Presse
und Bücherei
aus Altersgründen in den Ruhestand treten.
Wir suchen eine(n) hochqualifizierte(n) Nachfolgerin). Zu seinen/ihren Aufgaben gehö-
ren insbesondere
- Koordinierung der Öffentlichkeitsarbeit unseres Verbandes mit seinen Verbandsmit-
gl jedem,
- Kontakte zu allen Medien,
- Vorbereitung von Pressekonferenzen und -Seminaren,
- Informationsgespräche,
- Herausgabe eines Informationsdienstes,
- Schriftleitung einer Fachzeitschrift,
- Planung und Überwachung der Beteiligung an Ausstellungen und Messen.
Wir erwarten Bewerber(innen) mit entsprechender Ausbildung; erwünscht ist ein
Studium der Publizistik, Germanistik, Rechtswissenschaften oder der Volkswirtschaft.
Vorausgesetzt werden eine mehrjährige einschlägige Tätigkeit, Grundkenntnisse des
Systems der sozialen Sicherheit in der Bundesrepublik Deutschland, PR-Erfahrung und
Verhandlungsgeschick. Der Nachweis über Publikationen sollte der Bewerbung beige-
fügt werden.
Die Stelle ist nach BAT I mit Zulage dotiert.
Bewerbungen einschließlich Ablichtungen eventueller Veröffentlichungen erbitten wir
bis zum 1. September 1983 an den
Geschäftsführer des Verbandes Deutscher
Rentenversicherungsträger
Eysseneckstr. 55, 6000 Frankfurt am Main 1
Standardgraph
Wir sind ein führender expansiver Hersteller von technischen Zeichen-
geräten. Unser Programm umfaßt Zeichenschablonen, Schriftscha-
blonen, Tuschafüller sowie elektronische Zeichen- und Beschriftungs-
systeme.
Zum baldigen Eintritt suchen wir einen
Außendienstleiter
für den GroBraum Bremen/Hamburg/Hannover.
Standardgraph Zeichengeräte GmbH
8192 Geretsried 2
Tel. 0 81 71/310 01
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Jahre) als Verkaufsförderer mit gewandtem Auftreten und
technischem Verständnis für unsere elektronischen Ta-
schenrechner und Home Computer.
1. Langzeit-Promotion: Montag, Dienstag und Freitag
jeweils ab 13.00 Uhr und Samstag ab 9.00 Uhr,
oder alternativ:
2. Kurzzeit-Promotion: Freitag ab 13.00 Uhr, samstags ab
9.00 Uhr.
Der Einsatz ist in folgenden Städten vorgesehen: Berlin,
Bochum, Bonn, Braunschweig, Bremen, Darmstadt, Dort-
mund, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Freiburg, Hamburg,
Hannover, Köln, Mannheim, München, Saarbrücken,
Stuttgart und Wiesbaden. Für eine telefonische Kontakt-
aufnahme steht ihnen unser Herr Götze unter der Telefon-
nummer 0 81 61 / 80-47 68 gerne zur Verfügung.
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nalabteilung.
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Haggertystraße 1 - 8050 Freiburg
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erfordert weitgehend selbständiges Arbeiten und. Eigeninitiative innerhalb der
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unterschiedlichsten Firmen. Vor Ort erarbeiten wir mit
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sationsstrukturanalysen in Vertrieb und Marketing sind
wir Spezialisten.
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oder im Handel, die Einfühlungsvermögen, Beurteitungs-
fähigkeit und Durchsetzungskraft von Ihnen verlangt. Sie
können sich für ein vielseitiges Arbeitsgebiet engagieren
und scheuen nicht vor neuen Kontakten zurück.
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Zusammenarbeiten, sollten Sie über solide Englisch-
kenntnisse verfügen. Ihr Einsatzort ist Hamburg, wobei
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ganisation eine dynamische Persönlichkeit als-
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eigenverantwortliche Aufgabe erfordert einen Bewerber - Mindestelter 30 Jahna der
über mehrjährige praktische Erfahrung im Verkauf technischer Produkte -möglichst Kfz-
B ran che - verfügt, Organisationstalent besitzt Verkaufserfolge nachweisen kann und
schließlich die Fähigkeit hat am Markt zu überzeugen untFMitarbeiter zu führen.
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für die Geschäftsfeider Antirheumatika bzw. Psychopharmaka.
Zu dem Aufgabenbereich dieser Positionen gehören insbesondere
- Planung, Durchführung und Beurteilung von Arzneimitteluntersuchungen am Menschen (Phasen I bis III)
- Erstellung von Publikationen, wissenschaftlichen Informationen für Ärzte sowie Gutachten für Zulassungsbehörden
- Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit mit Ärzten in Klinik und Praxis
- Mitwirkung an der Durchführung wissenschaftlicher Veranstaltungen
Senden Sie bitte Ihre Bewerbungsunterlagen an:
Troponwerke, Personalabteilung für Leitende Angestellte
Berliner Str. 156, 5000 Köln 80
Außendienst-—^
Als Druckfarbenhersteller gehören wir zu den Martrtführem der Branche. Im
Zuge der Neuorganisation unseres Außendienstes stellen wir je einen Außen-"
dienstmitarbe'rter für den nord- und süddeutschen Bereich ein.
Zur Übernahme dieser1 Aufgabe suchen wir daher Herren aus dem grafischen
Gewerbe, die bereits Verkaufserfahrung mitbringen und bereit sind, sich nach
umfassender Einarbeitung unserem interessanten Markt zu steilen. Eine
spätere Aufgabenerweiterung als Verkaufsleiter, dem mehrere- AuBeridienstmit-
arbeiter unterstehen. Ist möglich. •
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einen Firmenwagen der gehobenen Mittelklasse und die.. heute, üblichen
Sozialleistungen.
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■ifV' \>s~&
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.**• 'Productmanager
Medizintechnik
Wir sind die deutsche Tochtergesellschaft einer bedeutenden internationalen Untemehmens-
gruppe. Unser weltweit tätiger Firmenverband ist sehr erfolgreich und mit einer breiten
Produktpalette auf dem medizinischen Sektor führend. In Deutschland haben wir uns mit
medizintechnischen Produkten hochwertiger Technologie einen ausgezeichneten Namen und
einen bedeutenden Marktanteil erarbeitet. Die marktgerechte und professionelle Betreuung des
bestehenden Produktprogrammes sowie die Verantwortung für die Entwicklung neuer Produkte
wollen wir einem engagierten Productmanager übertragen.
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Jahren vor, die nach einer technischen, medizintechnischen oder medizinischen Ausbildung
einige Jahre im Productmanagement bzw. in artverwandten Funktionen gearbeitet hat. Die
Aufgabe wird es sein, neben der laufenden Produktbetreuung Voraussetzungen für einen
optimalen Verkauf zu schaffen und den Verkauf qualitativ zu unterstützen. Darüber hinaus wird
ein enger Kontakt zu unseren Kunden entstehen, um Hilfe bei spezifischen Problemstellungen
zu geben und gezielt Problemlösungen zu erarbeiten. Persönlich qualifiziert den Bewerbereine
systematische und gründliche Arbeitsweise, ein hohes Maß an Selbstbewußtsein, Kooperations-
bereitschaft, verkäuferisches Geschick, Du rchsetzungs vermögen und Beweglichkeit Wir bieten
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Die Dotierung ist attraktiv und wird Sie zufriedenstellen. Standort ist eine reizvolle Großstadt in
Norddeutschland.
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Ihre Bewerbung streng vertraulich — Sperrvermerke werden berücksichtigt Sollten Sie schon
am Wochenende (Samstag und Sonntag) Fragen haben, rufen Sie bitte jeweils zwischen 11.00
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raum Köln.
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Darüber hinaus Nickel und Titan sowie Nickel- und Titanlegierungen.
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der Luft- und Raumfahrt zusammen.
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Technischen Leiter
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Aufgabenbereich verantwortlich abdeckt und ihm neue Impulse gibt.
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ge. mechanischer Bearbeitung und Arbeitsvorbereitung. Die Position ist der Geschäftsleitung
direkt unterstejlt und mit Konditionen ausgestattet, die der Bedeutung der Aufgabe entspre-
chen.
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eventueller Sperrvermerke unter Kennziffer 6783/21 an den von uns mit der Weiterleitung
beauftragten Anzeigendienst. Erste telefonische Auskünfte erteilt Frau Reddig unter Telefon
0 22 61 / 7 70 16. Postfach 31 01 86, 5270 Gummersbach 31.
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Gummersbach, Düsseldorf, Berlin, Bonn, Hamburg, Karlsruhe, Lörrach, München, Barcelona, Basel,
Genf, Hilversum, Wen, Zürich, Buenos Aires, Mexiko City, Säo Paulo, San Francisco, New York
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Unser Unternehmen gehört weltweit zu den führenden Herstellern von Herzschrittma-
chern. Zur Ausweitung unserer Vertriebsaktivitaten suchen wir für unsere Niederlas-
sung in Nordrhein-Westfalen den erfolgsorientierten
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der dem Niederlassungsleiter unmittelbar berichtet.
Mehrjährige Branchenerfahrung, verbunden mit Durchsetzungsvemnögen und per-
sönlicher Integrität, ist absolute Voraussetzung. Da unsere Produkte technisch zu den
ausgefeiltesten am Markt gehören, sind Kenntnisse der medizinischen Applikationen
notwendig.
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Ein Studium wäre wünschenswert, der erfolgreiche Mann aus der Praxis hat aber
ebenso eine reelle Chance. Englische Sprachkenntnisse sind von Vorteil.
Für eine erste telefonische Kontaktaufnahme stehen Ihnen unsere Berater, Frau
Scolläf ünd Herr"Nfesträth. unter der Telefon-Nr. 0 22 61/7031 42 zur Verfügung.
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selbstverständlich zugesichert.
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Verwaltung / Controller
Wir stellen uns den neuen Mitarbeiter als einen reifen, gestandenen Praktiker so um die
40 vor. Er berichtet direkt dem persönlich haftenden Gesellschafter. Als Hauptabtei-
lungsleiter wird er nach der Einarbeitung Prokura erhaiten. Er übersteht 3 Abteilungslei-
tern aus Rechnungswesen, Materialwirtschaft und Personalwesen. Die Führungsverant-
wortung für die Mitarbeiter aus diesen Abteilungen wird ca. 70 % seiner Arbeitszeit
beanspruchen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, daß unser neuer Mitarbeiter
weiß, wie Ziele formuliert werden und wie praktikable Wege dorthin für seine Mitarbeiter
beschrieben werden, ohne daß er Generalist sein muß. Dennoch muß er fähig sein,
konstruktive Beiträge zu leisten, denn seine Mitarbeiter sind Fachleute. Der zweite Teil
der Aufgabe ist die Konsolidierung aller Teilpläne der Hauptabteilungen zu Jahres- und
Geschäftsplänen und der ständige Soll/Ist-Vergieich dieser Plane. Es ist klar, daß Ihre
Vorschläge für Kurskorrekturen erhebliches Gewicht haben. Ansonsten sollten Sie
bereits Erfahrung bei der Verwaltung von Kapital „anderer Leute“ haben. Gern können
Sie Ihre Erfahrung an bisher Z Stelle gemacht haben.
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seit nahezu 100 Jahren einer der folgenden Industrien haben: Chemie - Kosmetik - Pharma - Markenartikel -
im Vertrauen des Arztes. Food — Non-Food.
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können.
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unseren Spezialprodukten vorwiegend die Großindustrie. Schnellste und zuverlässige
Belieferung unserer Kunden im in- und Ausland sind Gründe unseres Erfolgs.
Diese Erfolge möchten wir absichern und weiter ausbauen und suchen dazu den
dynamischen
Verkaufsrepräsentanten
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zur wirksamen Unterstützung und Entlastung der Geschäftsieitung.
Wir denken an einen in unserer Branche erfahrenen, vertriebsorientierten Praktiker
mit solider kaufmännischer Ausbildung. Erwartet wird
□ akquisitorisches Talent
□ Verhandlungsgeschick im Umgang mit Großkunden
□ die Fähigkeit unternehmerisch zu denken
Die Position ist entsprechend ihrer Bedeutung der Geschäftsleitung direkt unterstellt
und finanziell gut ausgestattet.
Interessenten zwischen 30 und 45 Jahren, besonders Aufsteiger aus der 2. Linie mit
guten englischen Sprach kenntnissen, wenden sich bitte für eine erste vertrauliche
Kontaktaufnahme an unsere Berater, Herrn Lutz oder Herrn Graupner, unter der
Rufnummer 0 22 61 / 70 31 48. Strikte Einhaltung von Sperrvermerken sichern wir zu.
Ihre Bewerbungsunterlagen (tabellarischer Lebenslauf, Zeugniskopien, Uchtbild,
Gehaltsvorstei Jung, Eintrittstermin) senden Sie bitte unter der Kennziffer 862 441 an
den mit der Weiterleitung der eingehenden Bewerbungen beauftragten Anzeigen-
dienst unseres Beraters, Postfach 1005 52, 5270 Gummersbach 1.
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DIE WELT - Nr; 157 - Samstag, 9. Juli 1983 ■:
Präzision auf den Märkten der Welt
Wir sind die größte Produktionsstätte einer International
bekannten Firmengruppe an der Peripherie Hamburgs, deren
breitgefächertes Fabrikattonsprogramm sich im wesentlichen auf die
Herstellung und den Vertrieb qualitativ hochwertiger Bearbeitung swarkzeuge
und modernster T abletten - Pressen konzentriert
Durch unsere Präzision sind wir marktführend mit weltweiter Bedeutung.
Zur Festigung dieser führenden Position im internationalen Wettbewerb wollen wir die ohnehin
auf einem sehr hohen Standard stehende Fertigungstechnologie mit ihren elektronischen
Steuerung skomponenten optimieren und suchen daher den
Leiter der Betriebswerkstatt
der neben der Personalverantwortung für ca. 100 hochqualifizierte Mitarbeiter auch die Gesamtverantwortung für
die Wartung und Instandhaltung von ca. 2000 Werkzeugmaschinen und Anlagen sowie der Gebäude und Grundstücke
übernimmt (35 000 qm bebaute Räche).
Ihr weitgefächertes Aufgabengebiet konzentriert sich darüber hinaus im wesentlichen auf:
Sicherstellung des Energiebedarfs sowie der Ver- und Entsorgung jeglicher Betriebsstoffe: Fertigung von Betriebsmitteln
und Sondermaschinen für die Produktion; Fertigung von Rollmaschinen für die Produktion; Fertigung von Elektrik und
Elektronik; Anfertigung von Blechverkleidungen für Tablettiermaschinen; Werkschutz sowie selbständige Verband lungs-
führung mit Fremdfirmen. Architekten und Behörden.
Um dieser höchst anspruchsvollen Führungs-Position, die dem technischen Direktor direkt unterstellt ist, gerecht werden
zu können, sollten Sie neben einer fundierten Ausbildung in einem industriellen Lehrberuf (z. 8. Maschinen-
schlosser, Werkzeugmacher, Energieanfegen-Elektroniker) als Ingenieur (FH) Ihr Studium erfolgreich
abgeschlossen haben in den Fachrichtungen Maschinenbau. Fertigungs- oder Verfahrenstechnik
Wenn Sie die in Theorie und Praxis erworbenen Kenntnisse mindestens auch in 3 Jahren
in verantwortlicher und leitender Position erfolgreich nachweisen können,
sind Sie der Mann, den wir suchen.
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und beruflichem Werdegang senden Sie bitte unter Angabe
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und Verkehrsbetriebe GmbH
Die HW mit ihren Organgesellschaften Stadtwerke Heidelberg AG (Elektrizität. Fernwärme,
Erdgas, Wasser) und Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG (Straßenbahn. Omnibusse,
Bergbahn), Konzemumsatz 300 Mio. DM, 1250 Mitarbeiter, sucht den
Leiter Personal- und Sozialwesen
Die Abteilung ist dem kaufmännischen Geschäftsführer unterstellt Das Tätigkeitsgebiet
umfaßt:
- fachliche und organisatorische Leitung der Abteilung
- Vorbereitung und Durchführung personeller Maßnahmen
- Beratung der Geschäftsführung und der Vorstände
- Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen
- Zusammenarbeit mR dem Konzern be triebsrat und den Betriebsräten
der Organgesellschaften
- Anwendung der umfangreichen tarifvertraglichen und gesetzlichen
Vorschriften.
Wir erwarten eine qualifizierte betriebswirtschaftliche Ausbildung, mehrjährige Führungser-
fahrungen im Personal- und Sozialwesen, sehr gute Kenntnisse im Betriebsverfassunga- und
Arbeitsrecht sowie Kenntnisse Im Tarifvertragsrecht des öffentlichen Dienstes. Daneben muß
der Bewerber über Zuverlässigkeit, Belastbarkeit Standvermögen und diplomatisches
Geschick verfügen.
Wir bieten eine leistungsgerechte Vergütung nach dem Bundesangestelltentarifvertrag -
BAT gute Sozialieistungen und eine zusätzliche Altersversorgung.
Ihre schriftliche Bewerbung richten Sie bitte mR handgeschriebenem Lebenslauf, Lichtbild
und Zeugniskopien an unsere Personalabteilung. Geben Sie Ihren Gehaltswunsch und den
frühesten Eintrittetermin an.
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Wir sind ein namhafter Kosmetikherstel-
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sind Diplomkaufmann oder haben eine gleichwertige Ausbildung. Sie sind in der Lage, erfolgreich
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Investitionsgüter zeichnen sich durch eine ausgereifte und zukunftsorientierte
Technologie aus und sind im In- und Ausland gefragt und anerkannt Wir suchen
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der direkt dem Pressesprecher des Hauses zuarbeitet und daher folgende Schwer-
punkte abdecken soll:
- textliche Gestaltung von Presseinformationen, Anzeigen, Broschüren
- Mitarbeit an der Hauszeitung
- Erfassung, Ausweitung und Pflege von Marktinformationen
- Vorbereitung von PR-Veranstaltungen
Besonderen Wert legen wir auf einen prägnanten Schreibstil und journalistische
Tätigkeit Da das Umfeld teilweise in einem sehr sensiblen politischen Raum
angesiedelt ist, muß unser neuer Mitarbeiter in hohem Maß loyal und vertrauenswür-
dig sein. Wir erwarten ein abgeschlossenes sozialwissenschaftliches Studium, PR-
Erfahrungen - evtL als Jugend- oder Presseoffizier der Bundeswehr - Kontaktstärke,
Kreativität und die Fähigkeit zum konzeptionellen Arbeiten sowie ausgeprägtes
polnisches Interesse.
Englische Sprachkenntnisse setzen wir voraus; weitere Fremdsprachenkenntnisse
erleichtern die Tätigkeit wesentlich.
Erste Informationen gibt ihnen bereits am Sonntag zwischen 15 und Iß Uhr der von
uns beauftragte Personal-Anzeigendienst; sie können sich jedoch auch schriftlich
mH den üblichen Unterlagen einschließlich Lichtbild und kurzer Arbeitsprobe unter
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Ihnen schnell „ins Geschäft" zu kommen. Nach, der Einarbeitung sollen Sie
zusätzlich im Produkt-Handel aktiv mitwirken. Dabei stehen Sie in ständigem Kontakt
mit Kunden, Lieferanten und Warenbörsen per Telefon, Telex und Korrespondenz.
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genauso voraus wie die Bereitschaft zur Teamarbeit und gute englische Sprach-
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reitschaft, Eigeninitiative und Stehvermögen verfügt, um unternehmerische Entscheidungen
richtig treffen und sicher durchsetzen zu können.
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Einfühlungsvermögen in fremde Mentalitäten und Lebensum-
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reich tätig mit assoziierten Firmen in Übersee. Unsere Firma in
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verantwortungsbewußte Mitarbeiter für das Marketing
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neuen Ideen und Konzeptionen stellen. Dies eröffnet zusätzliche
Aufgaben kri Marketingbereich.
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Produkt-Manager
Nach Abschluß einer wirtschaftswissenschaftlichen Ausbil-
dung sollten Sie in mindestens fünfjähriger Berufspraxis als
Produkt-Manager mit umfassender Marketing Verantwortung für
bedeutende Etats fundierte Kenntnisse erworben haben. Das
gesamte Instrumentarium des Marketing-Mix wird Ihnen daher
bestens bekannt sein.
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nehmen. Er trägt Umsatzverantwortung in zweistelliger Millio-
nenhöhe, zeichnet verantwortlich für das wirtschaftliche Ergeb-
nis seiner Produktgruppe und nutzt die Gestaltungsmöglichkei-
ten in der gesamten Bandbreite seines Produktbereiches.
Produkt-Manager
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Ausbildung bereits einige Jahre Erfahrung in den Bereichen
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Marketing-Managements in erweiterte Aufgabenstellungen hin-
einzuwachsen. Die Übernahme von Verantwortung für eine Mar-
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Mix ein. Außerdem gehört die Mitarbeit bei der Entwicklung von
Langfrist-Strategien sowie deren Fortschreibung zum Tätig-
keitsbereich unserer Produkt-Manager.
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dern erhebüch überschritten:^
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wir uns für 1983 viel vorgenommen: Wir stehen mitten in der
Neueinführung eines Präparates (in eines der stärksten Indika-
tionsgebiete), das entscheidende Verbesserungen der bisherigen
Therapiemöglichkeiten bietet Das bringt auch eine erhebliche
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aussebreiben . . .“
Seit Inkrafttreten dieses Gesetzes (§ 611b BGB) über die
Gleichbehandlung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz im
August 1980 sollen Arbeitsplätze weder öffentlich noch
betrieb&iniem nur für Männer oder Frauen ausgeschrieben
werden. Diese Vorschrift wurde mit dem Ziel erlassen, Frauen
auf dem Arbeits markt mehr Chancen einzuräumen. Aus dem
Text der Anzeige soll deutlich hervorgehen, daß sich sowohl
Frauen als auch Männer bewerben können und die Entschei-
dung über die Bewerbung nur nach vorhandenen Fähigkeiten
und nicht nach dem Geschlecht getroffen wird.
Noch handelt es sich um eine Soll- Vorschrift, deren Nichtbeach-
tung keine Sanktionen nach sich zieht. Der Gesetzgeber plant ,
jedoch entsprechende Gesetzesänderungen, wenn sich bei den
Unternehmen bis Ende 1982 die geschlechtsneutrale Stellenaus-
schreibung nicht durchsetzt. Der Steilenanzeigemeil der Zeitun-
gen ist ein deutlicher Gradmesser dafür, in welchem Umfang
dem Gesetz entsprochen wird. Er wird deshalb von den -
Behörden aufmerksam beobachtet.
Die Auftraggeber von Personalanzeigen sollten deshalb bei der
Abfassung ihrer Anzeigentexte diesem Gesetz Rechnung tra-
gen.
DIE# WELT
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Anschließend soll diese systematische Vorbereitung ein-
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können. Neben den fachlichen Voraussetzungen erfordert diese Aufgabe Verhandlungsgeschick und die Fähigkeit, sich wech-
selnden Problemstellungen flexibel zu widmen und Lösungsvorschläge überzeugend damdegen.
Ihr Aller sollte nach unseren Vorsteüungen zwischen Ende 20 und Mitte 30 liegen.' Die Position ist attraktiv ausgestatiet und
bietet ein großes Maß Unselbständigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb unseres Hauses.
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überaus attraktive Stadt in NRW- wenden Sie rieh an die von uns beauftragte Personal & Management Beratung Wolfram
Hatesaul GmbH, Poppelsdorfer Allee 45, 5300 Bonn I. Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen (tabellarischer Lebenslauf,
Lichtbild, Zeugniskopien, frühester Eintrittstermm, Gehaltsangabe) wollen Sie bitte auf die Kennziffer 1/2 1177 beziehen. Für
erste telefonische Vorabinformationen stehen Ihnen unsere Berater, die Herren Laue und Hatesaul, unter der Rufnummer
0228/2603-127 zur Verfügung. Am Wochenende und abends nach 18.00 Uhr wählen Sie bitte die Rufnummer der Zentrale
0228/2603-0. Unsere Berater verbürgen sich für strikte Einhaltung von Sperrvermerken und für absolute Vertraulichkeit.
Personal & Management Beratung
I Wolfram Hatesaul GmbH
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Leistungsgeschehen transparenter machen
Wir sind ein mittleres Unternehmen der Reparatur- und Ersatzteilzu/ieferungsmdustrie im Kraftfahrzeugbereich. Dank unserer
technisch anspruchsvollen und auf die spezifischen Bedürfnisse unserer Abnehmer zugeschnittenen Produkte haben wir uns eine
angesehene Marktstellung erarbeitet. Unser zentraler Standort hegt in der Bundesrepublik Deutschland. Darüber hinaus sind wir
jedoch im hohen Anteil im europäischen Ausland und in Übersee tätig. Unser Erfolg beruht zum einen auf einer klaren
Vertriebs- und Markeringstrategie, zum anderen auf der Anwendung moderner Managementinstrumen (arten . Mittlerweile haben
wir eine Größenordnung erreicht, die eine optimale Steuerung über moderne Controllinginstrumente erfordert. Deshalb suchen
wir den
Controller
der uns durch seine hervorragende Fachkenntnis im Controlling-Bereich und seine bisherige berufliche Entwicklung voll Über-
zeugt und der in der Lage ist, dieses Wissen in der Praxis auch effizient einzusetzen. Darüber hinaus sollte er aufgrund seines
kaufmännischen Backgrounds das Potential besitzen, nach Bewährung in die kaufmännische Geschäftsführung aufzusteigen.
Sie können uns von Ihrer Qualifikation für diese Aufgabe am besten überzeugen, wenn Sie die folgenden Aufgabenstellungen
bewältigen :
• Ausbau und sichere Handhabung der Planungs- und Kontrollsysteme unter Berücksichtigung der firmenspezifischen
Gegebenheilen
• Weiterentwicklung der Leistungsträger- und Ergebnisrechnung
• Konstante Überprüfung von Plänen, Budgets, Akrions- und In vesiitionsprogrammert etc. sowie Analyse und Interpretation
von Soll- und Istabwekhungen
• Systematische Beratung des Managements in allen betriebswirtschaftlichen Fragen
Am ehesten können Sie diese Aufgabe bewältigen, wenn Sie auf der Baris einer fundierten kaufmännischen oder wirtschaftswis-
senschaftlichen Ausbildung (Betriebswirt grad.) bereits erfolgreiche Erfahrungen im Controlling-Bereich gesammelt haben.
Neben der Fähigkeit , das Unternehmen zu durchdringen und notwendige Maßnahmen zu erarbeiten, erwarten wir von Ihnen
Verhandlungsgeschick und Zielstrebigkeit. Die Zusammenarbeit mit anderen Bereichen erfordert zudem Standvermögen und die
Fähigkeit, andere für überzeugende Ideen zu begeistern. Wir suchen nicht den reagierenden Controller, sondern den. der in der
Lage ist, Probleme aufzugreifen und Lösungsvorschläge bereits im Vorfeld zu erkennen und aufzuzeigen.
Da unsere Aktivitäten im bedeutenden Umfang im europäischen Ausland und in Übersee stattfinden, sind englische Sprach-
kenntnisse unbedingt erforderlich, Kenntnisse der französischen und spanischen Sprache sehen wir als wünschenswert an. Ihr
Alter sollte um die 40 liegen. Die Honorierung und die Rahmenbedingungen sind der Bedeutung dieser Position angemessen.
Wenn Sie rieh als Controller bereits profiliert haben und bereit sind, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen, sollten
Sie diese Chance nutzen!
Bitte senden Sie Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen ( tabellarischer Lebenslauf, Lichtbild, Zeugniskopien. Gehalts-
angabe, frühester Eintrittsiermm) an die von uns beauftragte Personal £ Management Beratung Wolfram Hatesaul GmbH,
Poppelsdorfer AUee 45, 5300 Bonn 1, unter Angabe der Kennziffer 1/71 167. Unsere Berater verbürgen sich für absolute Ver-
traulichkeit und die konsequente Berücksich tigung von Sperrvermerken.
Sollten Sie Vorabinformationen wünschen, so stehen Ihnen die Herren Berater Dr.-Ing. Stenger und Hatesaul unter der Ruf-
nummer 0228/2603-1 31 gerne zur Verfügung. Am Wochenende und abends nach 18.00 Uhr wählen Sie bitte unsere Zentrale
an:02 28/2603-0.
Personal & Management Beratung
Wolfram Hatesaul GmbH
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für Führungspositionen X Telefon 0228/2603-0 1 für Führungspositionen
| Ihr Gesprächspartner LJ IV /\ Bonn
Telefon 0228/2603-0
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Das ist grob Umrissen die Aufgabe, die wir - ein konzemunabhängiges Unternehmen der Medkdntechnik - unse-
rem neuen Mitarbeiter übertragen wollen. Sein Vorteil ist, daß wir auf der Grundlage eines ausgereiften techni-
schen Know-hows mit unseren Produkten im Krankenhausmarkt eine profilierte Stellung einnehmen. Dazu haben
wir im Unternehmen sowohl von der Philosophie als auch von der Struktur her die notwendigen Voraussetzungen
geschaffen und suchen jetzt den
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- Medizintechnik -
v 7-V ~*z**'*'
Von einem in diesem Markt großgewordenen Marketingprofi erwarten wir die erfolgreiche Bewältigung folgender
Aufgabenschwerpunkte:
• Erforschung neuer und Analyse bestehender Potentiale für unsere Produktpalette im Krankenhausmarkt
• Entwicklung und Realisierung einer firmenspezifischen Marketing- und Vertriebsstrategie
• Ausschöpfung aller Marktchancen durch Weiterentwicklung des Produktsortiments
• Entwurf und Umsetzung produktgerechter Verkaufsförderungsprogramme
Um unser anspruchsvolles Niveau zu erfüllen, erwarten wir von Ihnen, daß Sie auf der Basis einer betriebswirt-
schaftlichen oder naturwissenschaftlichen Ausbildung über Berufserfahrungen im Product Management von
medizintechnischen Geräten verfügen und die Absatzwege im Krankenhausmarkt optimal beherrschen. Neben
diesen fachlichen Voraussetzungen besitzen Sie ein hohes Maß an Kreativität, Durchsetzungsvermögen und Ver-
handlungsgeschick. Unsere erfolgreiche Vertriebsmannschaft, mit der Sie eng Zusammenarbeiten werden, ver-
langt, daß Sie nicht nur kooperationswillig, sondern auch kooperationsfähig sind. Wenn Sie darüber hinaus eine
erfolgreiche Praxis als Verkäufer nach weisen können, hätten Sie erhebliche Pluspunkte.
Ihr Alter sollte zwischen Ende 20 und Ende 30 Jahren liegen, damit Sie zu unserer Führungsmannschaft passen.
Standort unseres Unternehmern ist eine wirtschaftlich aktive und kulturell attraktive Stadt m einer der schönsten
Regionen Nordbayems.
Wenn Sie es gewohnt sind, eigenständig und engagiert zu arbeiten und Sie sich von der skizzierten Aufgabenstel-
lung angesprochen fühlen, erwarten wir gern Ihre aussagefähigen Bewerbungsun (erlagen (tabellarischer Lebens-
lauf, Lichtbild, Zeugniskopien , frühestmöglicher Eintrittstermin , Gehaltsangabe) an die von uns beauftragte
Personal & Management Beratung Wolfram Hatesaul GmbH, Poppelsdorfer Allee 45, 5300 Bonn 1, unter
Angabe der Kennziffer 1/61 187. Unsere Berater verbürgen sich für absolute Vertraulichkeit und die konsequente
Berücksichtigung von Sperrvermerken. Sollten Sie Vorabirrförmation wünschen, stehen Ihnen die Herren
Kretschmer und Hatesaul unter der Rufnummer 0228/2603-1 16 gern zur Verfügung.
Personal & Management Beratung
Wolfram Hatesaul GmbH
Ihre Fachkompetenz und unser Image sind die Basis für unseren
gemeinsamen Erfolg
Als renommiertes und finanzstarkes zentrales Kreditinstitut sind wir in der Lage, interessante Konditionen und maßgeschneider-
te Finanzierungsmodelle anzu bieten. Um noch mehr auf die Bedürfnisse der Abnehmer unserer Kreditleistungen ein gehen zu
können und durch die regionale Nähe auch die spezifischen Probleme noch besser zu berücksichtigen, suchen wir zum Aufbau
einer neuen Geschäftsstelle in Norddeutsch land den
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Die von uns angesprochenen Zielgruppen sind überschaubar, aber ausgesprochen anspruchsvoll. Wenn Sie nachfolgendes
A nforderungsprofil erfüllen, sollten wir miteinander ins Gespräch kommen:
9 Umfassende Kenntnisse des Kreditgeschäftes, insbesondere im Bereich der Baujinanzierung sowie Erfahrungen in der
Bewertung von Großobjekten
9 Nachweisbare Akquisitionsbejähigung in Verbindung mit Flexibilität und Verhandlungssicherheit auf hohem Niveau
9 Überzeugende und seriöse Persönlichkeit, die von institutioneilen Kapitalanlegem als Gesprächspartner voll akzeptiert wird
9 Fundierte Marktkenntnisse der entsprechenden Region und Gefühl für die Mentalität der dort lebenden Menschen
Wirerwarten von Ihnen den Aufbau neuer und die Pflege bestehender Kundenbeziehungen, vornehmlich zur regionalen Kredit-
und Versicherungswirtschaft, zu großen Finanz- und Immobilienmaklern sowie zu Direktkunden. Hierbei werden Sie in Ihrer
Region absolut selbständig und eigenverantwortlich agieren, wobei Sie selbstverständlich jederzeit auf das Know-how des
Stammhauses zurückgreifen können. Auch der Aufbau des Hypothekenbüros zu einer funktionierenden organisatorischen
Einheit muß von Ihnen bewältigt werden, wobei wir Ihnen selbstverständlich alle erforderlichen materiellen und personellen
Rahmenbedingungen schaffen werden. Zur Vorbereitung auf Ihre neue Atrfgabe werden Sie in unserer Zentrale intensiv einge-
arbettet, um mit den spezifischen Besonderheiten unseres Hauses vertraut zu werden.
Vom Alter her haben wir uns nicht festgelegt, sondern legen Wert auf die Erfüllung unseres Anforderungsprofils und des zu
bewältigenden Aufgabenspektrums. Ihre Bezüge wachsen mit Ihrem eigenen Erfolg und werden durch großzügige Sozialleistun-
gen ergänzt.
Wem es Sie reizt, als Fachmann des Kreditgeschäftes mit starker Akquiritionsbefähigung Kundenbeziehungen zu pflegen und
weiter auszubauen, dann sollten Sie nicht zögern, mit den von uns beauftragten Beratern, Herrn Baldus und Herrn Hatesaul.
unter der Rufnummer 0228/2603- 1 13 Kontakt aufzunehmen. Diese Herren können Ihnen weitere, für Ihre Entscheidungsfin-
dung wichtige Informationen geben. Am Wochenende und abends nach 18.00 Uhr wählen Sie bitte die Rufnummer der Zentra-
le 0228/2603-0. Sie können aber auch direkt Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen (tabellarischer Lebenslauf, Lichtbild,
Zeugniskopien, frühester Eintrirtstermin, Gehaltsangabe) an die Personal & Management Beratung Wolfram Hatesaul GmbH,
Poppelsdorfer Allee 45, 5300 Bonn 1, unter der Kennziffer 1/41 147 schicken. Absolute Vertraulichkeit und konsequente
Berücksichtigung von Sperrvermerken sind für unsere Berater selbstverständlich und bieten Ihnen die Möglichkeit, sich neutral
über Ihre zukünftigen Karrierechancen zu informieren.
Personal & Management Beratung
Wolfram Hatesaul GmbH
Seite 12
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anwendungsbezogen vertreiben soll. Wir denken hierbei an einen verhandlungsstarken
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ausbaut, die Mitarbeiter mit großem Organisationsvermögen und zusätzlicher Motiva-
tion lenkt Um das Regionalbüro mit unternehmerischem Geschick steuern zu können,
müssen Sie solide, branchenspezrfische Insiderkenntnisse mitbringen.
Nutzen Sie die Möglichkeit des vertraulichen Erstkontaktes mit unserem Berater. Er
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systematischen und kooperativen Arbeitsstil, Flexibilität und Durchsetzungsver-
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besser und systematisch vermarktet werden. Die Verkaufsbedingungen sind insofern äußerst
günstig, als auf beeindruckende Referenzen zufriedener, namhafter Kunden verwiesen
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erfolgreichen, zukünftigen Kollegen ermöglicht es. den Schwerpunkt des Anforderungspro-
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Verhandlungsgeschick auf GL-Ebene praxiserprobt sein müssen. Führungseigenschaften
und Managementambitionen sollten vorhanden sein, denn die mittelfristige Planung sieht
vor. daß in den genannten Gebieten zentrale Verkaufsstellen/Profitcenter o. ä. geschaffen
werden sollen. Der jeweils jetzige Mann der ersten Stunde hat durchaus die Möglichkeit zur
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den Fachgebiete reichen von der Feinweiktechriik bis zu
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sowohl innerhalb unseres Unternehmens als auch bei unseren Kunden
Als unser Idealkandidat sind Sie um die 35 Jahre alt und haben auf der Basis einer qualifizierten
technischen Ausbildung (Dipl.-Ing. TH. Dipl.-lng. FH bzw Ing. grad. E-Technik) in der betrieb-
lichen Praxis bereits bewiesen, daß Sie in der Lage sind, einen Mitarbeiterstab erfolgreich zu füh-
ren. Unseren Mitarbeitern in der Entwicklung ist es bisher immer gelungen, dem Kunden die'
technisch optimale Losung zu bieten. Deshalb wtee es natürlich günstig, wenn Sie selbst kreativ
und innovativ veranlagt sind; noch wichtiger erscheint uns aber Ihre Fähigkeit, kreative Impulse
und Ideen Ihrer zukünftigen Mitarbeiter aufzugreifen und anwendungsbezogen weiterzuent-
Personal & Management Beratung
Wolfram Hatesaul GmbH
wickeln. Sie sollten wissen, daß wir bereit sind, für einen hochqualifizierten Mann ein hoch-
attraktives Einkommen zur Verfügung zu stellen.
Wir würden uns freuen, wenn Sie die Gelegenheil wahrnehmen, sich über unser Unternehmen
näher zu informieren. Dazu sind unsere Berater, die Herren Friederichs und Hatesaul \-on der
von uns beauftragten Persona I <£ Management Beratung Wolfram Hatesaul GmbH. Poppelsdor-
fer Allee 45. 5300 Bonn 1. unter der Telefonnummer 0228/2603-1 12 gerne bereit. Am Wochen-
ende und abends nach 18.00 Uhr wählen Sie bitte die Zentrale 0228/2603-0.
Wenn Sie uns Ihre aussagefähigen schriftlichen Bewerbungsunterlagen t tabellarischer Lebenslauf.
Lichtbild. Zeugniskopien. Gehaltsangabe, frühester Eintrittstermin ! zusenden, so nehmen Sie
bitte Bezug auf die Kennziffer 1/3/ 087.
Denken Sie bitte daran, daß eine Kon takanj nähme oder eine vollständige Bewerbung für Sie
vollkommen risikolos ist. da sich unsere Berater konsequent an die Berücksichtigung von Sperr-
vermerken hallen.
Ihr Gesprächspartner BM
|für Führungspositionen
Bonn I Ihr Gesprächspartner T3\ \
Telefon 0228/2603-0 1 für Führungspositionen l^kLVJL
Bonn
Telefon 0228/2603-0
Ihre Marktkenntnisse und Ihr modisches Gespür sind die
Grundlage des Erfolges
Modische Treffsicherhat , überzeugende Qualität und klare Definition unserer anspruchsvollen Kundinnen wün-
sche sind die Grundlage des Erfolges unserer Modehäuser. Die Vertriebs- und Marketinestrategie wird optimal
Unser Markt fordert Sie als Techniker und Vertriebsprofi
gldchermaßen
’V-i- Ö? •
»flK f ;
. 2»~
■■
sehe sind die Grundlage des Erfolges unserer Modehäuser. Die Vertriebs- und Marketingstrategie wird optimal
ergänzt durch eine systematische Sortimentsgestaltung und ein ausgereiftes Einkaufskonzept. Damit sind wir dem
'■ Wettbewerb immer „ eine Nasenlänge voraus“ und in der Lage , Maßstäbe zu setzen. Zur Ergänzung unseres
Führungsteams suchen wir den
um
Einkäufer
DOB 1 — Kleider und CocktaSbekladung — Strick waren
Wir sind ein mittelständisches, sehr erfolgreiches Unternehmen der Elektrotechnik. Wir haben uns in der In vestitionsgüter-
Industrie durch unsere Flexibilität bei Problemlösungen und den hohen Qualitätsstandard der von uns hergestellten Produkte
sowie durch unsere Termin treue einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Unsere elektrischen bzw. elektromechanischen Bauteile
werden in allen Bereichen der Weiterverarbeitenden Industrie zur Rationalisierung, Effizienzsteigerung sowie im Zusammenhang
mit der Sicherheit am Arbeitsplatz eingesetzt. Um die Wirksamkeit unserer vertriebliehen Maßnahmen noch stärker an die
geographischen Gegebenheiten des Marktes anpassen zu können, suchen wir einen fachlich kompetenten, verkäuferisch
dynamischen und von der Persönlichkeit her überzeugenden
dem wir die Emkaufsverantwortung einer Produktgruppe für mehrere Modehäuser übertragen wollen. Dabei den-
ken wir an den neuen Mitarbeiter, der in der Lage ist, in unserem Führungsteam das Unternehmensgeschehen
mitzugestalten. Folgenden Anforderungen sollten Sie gerecht werden:
Vertriebsbeauftragten Norddeutschland
— mechanische Schattgeräte —
Ü'iW-i » • "
I
- . - - V--
: :
Nachweisbares Gespür für das Erkennen modischer Trends und das Feststellen von Sortimentslücken
E/fahrungen in der treffsicheren Sortimentsgestaltung eines Trendsetters
Die Befähigung , in einem Managementteam an entscheidender Stelle kreativ und aktiv mitzuwirken
ia idtv
Daß Sie darüber hinaus über Warenkenntnisse im DOB I-Bereich oder vertiefte Kenntnisse des Kleider- und
Cocktailbekleidungsbereiches oder des Strickwarenbereiches verfügen, setzen wir voraus. Von Ihrer Entwicklung
her haben Sie idealerweise die Basis für Ihren Erfolg in einem großen Modehauskonzem erworben und sind dann
in ein Unternehmen mittlerer Größenordnung übergewechselt, das von seiner Sortimentspolitik und modischen
Gestaltung her einen Namen hat. Dort haben Sie die Verantwortung für eine in sich geschlossene Produktgruppe
übernommen.
Ergänzt wird Ihre fachliche Kompetenz durch Verhandlungsgeschick, Durchsetzungsvermögen und die Fähigkeit ,
unternehmerisch zu denken. Sie werden erkannt haben , daß wir den Einkauf sprofi suchen. Dabei geben wir auch
dem 2. Mann eine Chance, der bisher noch keine Möglichkeit hatte, seine Fähigkeiten an exponierter Stelle unter
Beweis zu stellen. . . ..
fö? c»* ‘iS-
»S* Scc»--
Wir sind zwar eine inhabergeführte Untemehmensgruppe, erwarten aber von den Führungskräften der /. Ebene
gleichermaßen unternehmerische Verantwortung als auch die Fähigkeit, in einem Team mit qualifizierten Mit- .
LENGESüCHJä
arbeitern zu arbeiten. Aiffgnmd der Bedeutung dieser Position sind die Bezüge nicht nur überdurchschnittlich,
sondern auch erfolgsorientiert geregelt. Dienstsitz des Unternehmens ist' eine attraktive Metropole in Nordrhein-
Westfalen.
Sollte Sie diese interessante Aufgabe reizen, so erwarten wir Ihre aussagefähigen Bewerbungsunterlagen (tab.
Lebenslauf, Lichtbild, Zeugniskopien, frühestmöglicher Eintrittstermin, Gehaltsangabe) an die von uns beauftrag-
te Personal & Management Beratung Wolfram Hatesaul GmbH, Poppelsdorfer AUee 45, 5300 Bonn 1, unter
Angabe der Kennziffer 1/61 117. Unsere Berater verbürgen sich für absolute Vertraulichkeit und die konsequente
Berücksichtigung von Sperrvermerken. Sollten Sie Vorabinformationen wünschen, stehen Ihnen die Herren
Kretschmer und Hatesaul unter der Rufnummer 0228/2603-1 16 gern zur Verfügung.
Wir erwarten von Ihnen, daß Sie eigenständig einen in sich geschlossenen Verkaufsbezirk erfolgreich betreuen und durch konse-
quente Umsetzung unseres Technologievorsprungs entsprechende Vertriebsergebnisse erzielen.
Im einzelnen bedeutet dies, daß Sie
# Die vorhandene Altßcundensiruktur erfolgreich übernehmen und optimal ausbauen
• Durch eigene intensive Akquisitionsbemühungen in Ihrer Region neue Absatzmärkte schaffen
% Gespür für die technischen Bedürfnisse unserer Kunden und die Fähigkeit zur problembezogenen Lösungsfindung haben.
Dabei soll durch den permanenten Informationsaustausch zwischen dem Markt und unserer Entwicklung und Produktion
der hohe Qualitätsstandard gehalten und ausgebaut werden
Wir stellen uns vor, daß Sie um die 30 Jahre alt sind, eine qualifizierte Ausbildung (Techniker oder Ingenieur mit Schwerpunkt
Elektrotechnik oder ähnlich) nach weisen können und über einige Jahre Erfahrung im beratungsintensiven technischen Vertrieb
verfügen. Optimal wäre natürlich, wenn Sie bereits in einer ähnlichen Position erfolgreiche Erfahrungen im Vertrieb von
elektromechanischen oder elektronischen Bauelementen an die Investilionsgüterindustrie hätten erwerben können. Wir sind
allerdings auch bereit, einem ehrgeizigen Nachwuchsmann eine Chance zu geben, sofern er uns von seinen Qualifikationen
überzeugen kann. Was Ihnen noch fehlt, bringen wir Ihnen dann bei.
Mit dieser Anzeige möchten wir technisch versierte Verkaufsexperten mit Verhandlungsgeschick und Überzeugungskraft anspre-
chen, die gerne eine eigenständige, etfolgsorientierte Tätigkeit mit großem Freiraum für eigene Aktivitäten nutzen wollen.
Wenn wir Ihr Interesse geweckt haben, bitten wir um die Zusendung Ihrer aussagefähigen Unterlagen (tabellarischer Lebens-
lauf, Lichtbild, Zeugniskopien, Gehahsangabe. frühester Eintrittstermin) unter Angabe der Kennziffer 1/71 127 an die von uns
beauftragte Personal <£ Management Beratung Wolfram Hatesaul GmbH, Poppelsdorfer AUee 45, 5300 Bonn 1. Für weitere
Informationen stehen Ihnen die Herren Dr.-Ing. Stenger und Hatesaul unter der Rufnummer 0228/2603-1 31 gerne zur Verfü-
gung. Am Wochenende und abends nach 18.00 Uhr wählen Sie bitte die Zentrale 0228/2603-0. Absolute Vertraulichkeit und
die konsequente Berücksichtigung von Sperrvermerken sind für unsere Berater selbstverständlich.
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Partizipieren Sie als Personalfachmann an unserem
A überdurchschnitttidhai Wachstum
Das anhaltende Wachstum und die solide Position unseres mittelständischen Familienuntemehmens im zukunfts-
trächtigen Markt der Elektronik macht es notwendig , daß wir mehr als bisher im Bereich Personalmanagement
eine optimale Betreuung unserer überdurchschnittlich qualifizierten Mitarbeiter sicherstellen. Ein wesentlicher
Bestandteil unserer Unternehmenskonzeption ist eine mitarbeitergerechte Personalpolitik im Rahmen des weiteren
Wachstums- unseres Unternehmens. Dies ist gleichzeitig die Chance für unseren neuen
Trauen Sie sich zu, eine florierende Untemehmensgruppe
in eine erfolgreiche Zukunft zu fuhren?
_!*g|
Personalleiter
Durch ideenreiche und exakt auf die Bedürfnisse des Verbrauchers ausgerichtete Produktentwicklungen haben wir uns in der
Körperpflege-, Gesundheits- und Hygienebranche ein hohes Ansehen erworben, das sich auch in entsprechenden Umsatzerfol-
gen und Marktanteilen dokumentiert. Als Inhaber einer ertragsstarken mittelständischen Untemehmensgruppe möchte ich in
absehbarer Zeit das Steuer in jüngere Hände übergeben. Um einen harmonischen und kontinuierlichen Übergang zu ermög-
lichen, halte ich einen Einstieg für optimal, bei dem Sie mein
milzu wachsen und sich zu profilieren. Wir wollen einem jüngeren Personalfachmann die Chance geben, bei uns
die Gesamtverantwortung für das Personalwesen zu übernehmen. Um uns zu überzeugen, sollten Sie Kenntnisse
in den nachfolgenden Aufgabengebieten mitbrmgen:
• Personalverwaltung inklusive der relevanten rechtlichen Basis (Arbeits-, Steuer- und Sozialversicherungsrecht)
• Personalbeschaffung am Arbeitsmarkt für gewerbliche Mitarbeiter und Angestellte sowie zielgerechte
Personalentwicklung
• Personalbetreuung mit dem Ziel, qualifizierte Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden
• Personalplanung entsprechend der zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens
Damit Sie uns auf den vorgenannten Aufgabengebieten langfristig überzeugen können , müssen Sie natürlich alle
neuzeitlichen Methoden im Bereich des Personalmanagements, z. B. Personalsysteme, Stellenbeschreibungen,
Personaibeurteilungen etc. kennen und angewendet haben. Diese Voraussetzungen erfüllt unserer Ansicht nach
am besten ein betriebswirtschaftlich ausgebildeter Bewerber mit möglicherweise dem Schwerpunkt Personalwesen.
Allerdings geben wir auch einem Praktiker, der auf den oben genannten Aufgabengebieten Erfolge nachweisen
kann, gleiche Chancen. Neben den fachlichen Kenntnissen erwarten wir die für einen Personalleiter unabdingbare
Toleranz und Koniaktfähigkeit, um zu dem Mitarbeiterstab das notwendige Vertrauen aufbauen zu können. Was
Sie üblicherweise als Personalleiter darüber hinaus für persönliche und fachliche Fähigkeiten mitbringen müssen,
wird Ihnen als Fachmann ohnehin bekannt sein.
Mit dem Wachstum unseres Unternehmens wird nicht nur Ihre Verantwortungsbreite einen immer größeren Rah-
men einnehmen, sondern wir bieten Ihnen gleichzeitig die in der heutigen Zeit selten gewordene Chance, in
hohem Maße zielgerichtete Personalbeschaffung zu betreiben. Im Hinblick auf die Zukunftsperspektive würden
Sie am besten zu uns passen, wenn Sie zwischen Anfang und Ende 30 Jahre alt sind. Das Gehalt ist -so glauben
wir - attraktiv und der Bedeutung der Position angemessen. Sitz unseres Unternehmens ist eine Großstadt in einer
wirtschaftlich aktiven Region Nordrhein- Westfalens.
Wenn Sie glauben, den gestellten Anforderungen gerecht zu werden, bitten wir Sie um Einsendung aussagefähiger
Bewrbungsun terlagen. Ihnen als Personalfachmann brauchen wir wohl nicht zu sagen, was wir darunter verste-
hen. Diese Unterlagen schicken Sie bitte an unseren Berater , die Personal & Management Beratung Wolfram
Hatesaul GmbH, Poppelsdorfer AUee 45, 5300 Bonn J, unter der Kennziffer 1/3 1107 . Sollten Sie weitergehende
Informationen für Ihre Entscheidungsfindung benötigen, rufen Sie bitte die Haren Baldus oder Hatesaul unter
der Rufnummer 0228/2603-1 13 an. Am Wochenende und abends nach 18.00 Uhr wählen Sie bitte die Rufnum-
mer der Zentrale 0228/2603-0. Abschließaul möchten wir an dieser Stelle ausdrücklich erwähnen, daß absolute
Vertraulichkeit und die konsequente Berücksichtigung von Sperrvermerken für uns selbstverständlich sind.
s7;Cti;
-y .
••-/l
Persönlicher Mitarbeiter
als Unternehmer-Nachfolger
um %
Personal & Management Beratung
Wolfram Hatesaul GmbH
werden. Dabei denke ich an einen unternehmerisch veranlagten, durch Ausbildung und beruflichen Werdegang einschlägig pro-
filierten Manager im Alter von etwa Milte 30 bis Anfang 40, der in der Lage sein muß, die folgenden Ansprüche zu erfüllen:
# Erfolgreich abgeschlossene juristische Ausbildung mit anschließender mehrjähriger verantwortungpreicher Tätigkeit in einem
produzierendem Unternehmen der Konsumgüterindustrie
• Nachweis fundierter Erfahrungen in einer höheren Führungsebene eines mittelsländischen Unternehmens sowie Sensibilität
für die Besonderheiten von Famtiienuntemehmen
# Analytisches und konzeptionelles Denkvermögen gepaart mit der Fähigkeit, eigene und fremde Ideen mit der nötigen Konse-
quenz in geschäftspolitische Maßnahmen umzusetzen
• Befähigung zur Koordination, Führung und Steuerung eines anspruchsvollen, engagierten Kreises hochqualifizierter Füh-
rungskräfte durch eigene Vorbild wirkung, Motivation und flexible Durchsetzungssiärke
Marktstellung und Renommee unserer Firmengruppe, aber auch meine persönlichen Erwartungen und die meiner Mitarbeiter
bedingen eine Persönlichkeit von ausgeprägter Geradlinigkeit und Integrität . die bereit ist, mit mir in enger und von Anfang an
sehr vertrauensvoller Kooperation zusammenzuwirken, um sich alle erforderlichen Kenntnisse anzueignen, die zur Übernahme
der Verantwortung unabdingbar sind. Selbstverständlich sollten Sie auch über einwandfreie Umgangsformen und Verhandlungs-
geschick auf hohem Niveau verfügen, damit Sie die bisher gewachsenen und tragfähigen Beziehungen nach außen erfolgreich
weiterführen können.
Wenn Sie als fahrungserfahrener Wirtschaftsjurist sicher sind, über das unbedingt notwendige unternehmerische Potential zu
verfügen und die oben aufgezeigten - zugegeben sehr hohen - Ansprüche zu erfüllen glauben, dann würde ich mich freuen, Ihre
Bekanntschaft zu machen. Um im Vorfeld eine risikolose Kontaktaufnahme für Sie zu ermöglichen, habe ich die Personal &
Mange ment Beratung Wolfram Hatesaul GmbH, Poppelsdorfer AUee 45, 5300 Bonn 1, eingeschaltet. Meine Berater, die Her-
ren Laue und Hatesaul erwarten gerne Ihre aussagefähigen Unterlagen (Lebenslauf, Lichtbild, Zeugniskopien, frühester Ein-
trittstermin, Gehahsangabe) unter Angabe der Kennziffer 1/21 137. Sollten Sie weitere Informationen über das Unternehmen
und die vorgesehene Aufgabe benötigen, so können Sie auch meine Berater unter der Telefonnummer 022872603-127 kontak-
tieren. Es kommt mir darauf an, den richtigen Mann zu finden, der die Kontinuität der unternehmerischen Ausrichtung auch in
Zukunft sicherstellt. Deshalb können Sie davon ausgehen, daß volle Vertraulichkeit und strenge Diskretion zugesichert wird,
auch was die Behandlung von Sperrvermerken anbekmgi.
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I
Seite 14
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ist dafür verantwortlich, daß eine zutreffende Darstellung und Erläuterung komplexer energiewirtschaftlicher Zusammenhänge in der
Öffentlichkeit gefördert wird.
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Wir verbürgen uns für die absolut vertrauliche Behandlung Ihrer Kontaktaufnahme, die Beachtung etwaiger Sperrvermerke öder
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over the responsibilities af the function as
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The line management responsibilities of fhis Position inc/ude planning, budgeting,
reporting, cost control, finance, acoounting, auditing, EDP Systems, procurement.
The successful applicant will be educated to degree level. He must have had
large experience in the Steel making industry or.other heavy manufacturing
industry at a similar level of responsibility. Some overseos experience would be
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ability to motivate bis colleagues are Important.
Furthermore, a vacancy exists for a mature person to lead a small multinational
department fully responsible for material acquisifion as
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He must be capable of immediateiy assuming the following responsibilities: ■
- supply of raw materials, spare parts, consumables and Capital equipment
- contract negotiations induding iron ore, refractories, electrodes, scrap mefal,
etc
- development of purchasing networks for supplies.
The successful appjicant will be educated to degree level and have spent many
years in the Steel industry on purchasing. He will have previous experience
and responsibility for currency exehange rate management and expedrting the
movement of materials. Knowledge of Computer controlled consumption data
and computerized stock levels is also essential. Some Middle East experience
would be preferabie. Ability to communicate in English is obligatory.
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Der Travemünder Golfplatz hoch über
der See an Deutschlands schönster
Steilküste, dem Brodtener Ufer gele-
gen, ist ein Anziehungspunkt besonde-
rer Art, auf dem sich Spieler vieler Na-
tionen treffen. Und am kommenden
Wochenende vom 15.-18. 7. haben sich
in Travemünde 62 Gaffelsegler aus acht
Yachten, Katschen und Galeassen in
Form einer Parade traveabwärts auf
die Ostsee segeln. Vom 22.-30. 3uli fin-
det dann anschließend die 94. „Trave-
münder Worfie" statt. Über 1000 Segler
werden den Travemündem und ihren
Kurgästen eine schöne Abwechslung
bieten. Travemünde gilt seit 1802 als
das drittälteste Seebad Deutschlands
und entwickelte sich schnell zu einem
Seebad von bedeutendem Rang.
Schon da als gab es einen Badearzt,
einen tüchtigen Baumeister und auch
einen Kunstgartner, nach dessen Ent-
würfen der erste Kurpark angelegt
wurde. TravemOndes Ruhm wuchs
schnell. Viele prominente Namen des
19. Jahrhunderts weisen die alten Kurfi-
sten auf: Dostojewski kam zur Ostsee,
Matthias Claudius badete in Travemün-
de. Wilhelm Raabe bedeckt mit seinem
riesigen schwarzen literatu rhut, spa-
zierte auf der Promenade. Natürlich
kam auch Emanue] Gelbe! oft von Lü-
beck In das Seebad. Richard Wagner
. und viele andere verbrachten nier
schon vor über 1 00 Dohren schöne Tage,
Wochen und Monate. Und ln diesem
Jahrhundert and es nicht weniger be-
kannte Persönlichkeiten wie Thomas
Mann, der viele glückliche Kindertage
in Travemünde verbrachte. Franz Kafka,
Wilhelm Furtwängter. Der Reiz Trave-
mündes Begt aber nicht nur an der
schönen langen Promenade, an den
vielen bunten Strand körben, die es hier
übrigens schon seit 1898 gibt, an der
frischen Meeresluft oder am erholsa-
men KBmd. Auch die liebliche Altstadt
mit kleinen Giebelhäusern aus dem 18.
und 19. Jahrhundert gehört dazu.
B>enso der alte Windjammer JPassat",
der große Yachthafen, das Kurmittel-
haus, das Meerwasser-Brandungsbad,
der Musikgarten, der Kurgarten oder
das ehrwürdige Casino.
Die alte Hansestadt Lübeck, die Welt-
stadt Hamburg, Kopenhagen, Bom-
hoim, Schweden, Helsinki sind schnell
von Travemünde aus zu erreichen. Sie
bieten Abwechslung und zusätzliche Er-
holung. Ob man absoluta Ruhe sucht,
erholsame Spaziergänge Hebt oder
auch mal gern ein bißenen Abwechs-
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klassigen Restaurants, im Casino Trave-
münde oder einfach beim Promena-
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